Willkommen zu unserer umfassenden Übersicht über Erkrankungen und Verletzungen von Oberarm und Ellenbogen. Dieser Artikel bietet Studierenden und Interessierten eine detaillierte Zusammenfassung relevanter Diagnostiken, Therapieansätze und Besonderheiten, die für Prüfungen und ein tieferes Verständnis unerlässlich sind. Wir behandeln alles von degenerativen Zuständen bis hin zu komplexen Frakturen und Luxationen.
Häufige Erkrankungen und Verletzungen von Oberarm und Ellenbogen im Überblick
Der Oberarm und das Ellenbogengelenk sind essenzielle Bestandteile des menschlichen Bewegungsapparats, die im Alltag stark beansprucht werden. Entsprechend vielfältig sind die möglichen Erkrankungen und Verletzungen, die in diesem Bereich auftreten können. Ein fundiertes Verständnis dieser Pathologien ist entscheidend für eine präzise Diagnostik und effektive Therapie.
Degenerative Erkrankungen des Ellenbogengelenks
Arthrose des Ellenbogengelenkes
Die Arthrose ist ein Gelenkverschleiß, der zu schmerzhaften Bewegungseinschränkungen führt. Sie tritt häufig nach Achsfehlstellungen, in Fehlstellung verheilten intraartikulären Frakturen, entzündlichen Erkrankungen, bei Chondromatosen oder selten nach avaskulären Nekrosen auf.
- Klinik: Patienten klagen über Beuge-/Pronationsfehlstellung, Schmerzen und Instabilität. Oft kann auch der N. ulnaris durch seine gelenknahe Lage irritiert werden.
- Diagnostik: Die Arthrose ist im konventionellen Röntgenbild sichtbar. Für die OP-Planung können Schnittbilduntersuchungen mit 3D-Rekonstruktion hilfreich sein.
- Therapie: Konservative Maßnahmen umfassen physikalische und physiotherapeutische Anwendungen sowie lokale Injektionstherapie. Bei starker Funktionsbehinderung sind operative Arthrolysen oder Resektions-/Interpositionsarthroplastiken möglich. Ein endoprothetischer Gelenkersatz ist aufgrund von Lockerungsproblemen selten indiziert.
Chondromatose des Ellenbogengelenkes
Diese Erkrankung ist definiert durch multiple, teilweise ossifizierte intraartikuläre Knorpelneubildungen. Freie Gelenkkörper entstehen aus metaplastisch umgewandelten Synovialiszotten und werden gehäuft nach rezidivierenden Traumatisierungen (z. B. "Judoellenbogen") beobachtet.
- Klinik & Diagnostik: Richtungsweisend sind rezidivierende Gelenkblockierungen, Bewegungseinschränkung und eine Verdickung des Gelenkes. Ossifizierte Chondrome sind im Röntgenbild sichtbar.
- Therapie: Operative Entfernung der Chondrome bei Blockierungen und zunehmender Bewegungseinschränkung. Zusätzlich erfolgt eine Synovialektomie zur Rezidivprophylaxe.
Entzündliche Erkrankungen und Schmerzsyndrome
Bursitis olecrani (Student Elbow)
Dies ist eine Entzündung des Schleimbeutels über dem prominenten Olekranon. Akute eitrige Bursitiden entstehen nach offenen Verletzungen, während chronische (aseptische) Bursitiden durch mechanische Dauerbelastung (z. B. Schreibtischarbeit) verursacht werden.
- Klinik: Schmerzhafte, bei eitriger Entzündung fluktuierende Schwellung über dem Olekranon mit ausgeprägter Berührungsempfindlichkeit.
- Therapie: Bei eitrigen Bursitiden sind septische Bursektomie, Antibiotikagabe und Schienenversorgung indiziert. Chronische Bursitiden können konservativ (Entlastung, Schonung, Ruhigstellung, Salben, Injektionen) oder operativ (Bursektomie) behandelt werden.
Bizepssehnensyndrom
Ein Sammelbegriff für schmerzhafte degenerative Erkrankungen der langen Bizepssehne. Die Sehne verläuft im Sulcus intertubercularis und ist aufgrund degenerativer Vorschädigung anfällig für Entzündungen und Spontanrupturen, insbesondere bei Sportlern oder im höheren Alter.
- Klinik & Diagnostik: Die Schmerzsymptomatik verstärkt sich beim Gegenspannen der Bizepsmuskulatur. Bei Ruptur der langen Bizepssehne tritt der Muskelbauch am distalen Oberarm deutlich hervor. Ein Kraftdefizit ist meist gering. Die Bizepssehne ist im Sulcus bicipitalis palpabel.
- Therapie: Tendopathien werden konservativ behandelt (z. B. Antiphlogistika). Steroidinjektionen in die Sehne sind zu vermeiden. Bei Beschwerdepersistenz oder Teilruptur: arthroskopische oder offene Tenotomie (ältere Patienten) oder Tenodese (jüngere Patienten). Spontane Rupturen der langen Bizepssehne erfordern selten eine Operation. Die seltenere Ruptur der distalen Bizepssehne wird operativ rekonstruiert.
Epikondylitis (Tennis-/Golferellenbogen)
Ein Schmerzsyndrom im Bereich des Ursprungs der Hand- und Fingermuskulatur an den Epikondylen des Humerus. Die Epicondylitis humeri radialis (Tennisellenbogen, Streckmuskulatur) ist die häufigste Form, ausgelöst durch chronische mechanische Überbeanspruchung.
- Klinik & Diagnostik: Der betroffene Epikondylus ist druck- und berührungsempfindlich. Widerstandstests der Muskulatur lösen Schmerzen aus. Röntgen ist unauffällig.
- Therapie: Grundlegend ist eine mehrwöchige Schonung, ggf. Gipsruhigstellung. Weitere Optionen: Infiltrationen mit Lokalanästhetika/Kortikosteroiden (kurzfristig), Elektrotherapie (Stoßwelle, Iontophorese), Kälteapplikation, Quermassagen, Epikondylitisbandagen. Bei Sportlern ist eine Trainingsberatung wichtig. Bei Therapieresistenz ist eine operative Ablösung der Muskulatur am Epikondylus (Operation nach Hohmann), ggf. mit Denervierung (Operation nach Wilhelm), indiziert.
Frakturen und Luxationen des Oberarms und Ellenbogens – Analyse und Therapie
Humeruskopffraktur: Die komplexe Schulterverletzung
Eine knöcherne Verletzung des Oberarmkopfes, die zu den häufigsten Frakturen zählt, insbesondere bei Osteoporose. Sie entsteht durch direktes Anpralltrauma oder indirekt bei Sturz auf den ausgestreckten Arm mit Abduktion.
- Einteilung: Klassifikation nach Neer (1-Fragment bis Luxationsfrakturen).
- Klinik: Bewegungsabhängige Schmerzen in der Schulter, Pseudoparalyse des Arms, Schonhaltung (Innenrotation, 90°-Ellenbeugung).
- Diagnostik: Röntgen in true-ap- und outlet-Projektion. Prüfung und Dokumentation des N. axillaris (sensibel an Schulteraußenseite) und peripherer Pulse (A. radialis, A. ulnaris) auf Kompression durch den Schaft. CT zur OP-Planung.
- Therapie: Bei dislozierten Frakturen (Dislokation > 5 mm, Achsabweichung > 45°, Luxationsfrakturen, offene Frakturen, Begleitverletzungen) ist eine Plattenosteosynthese mit winkelstabilen Implantaten indiziert. Bei Trümmerfrakturen älterer Patienten kann eine primäre Schultergelenkendoprothese erwogen werden. Konservative Therapie: Ruhigstellung im Gilchrist-Verband für eine Woche zur Schmerzreduktion, dann assistierte Krankengymnastik mit Röntgenkontrollen nach 7 Tagen, 14 Tagen und 6 Wochen.
Humerusschaftfraktur: Diagnostik und Versorgung
Eine knöcherne Verletzung des Oberarmknochenschaftes, oft durch direktes Anpralltrauma (z. B. Fahrradfahrer gegen Autotür) oder Verdrehtrauma (z. B. Armdrücken) verursacht.
- Einteilung: Nach AO-Klassifikation (anatomische Lokalisation 12) in einfache (Typ A), Keil- (Typ B) und komplexe Brüche (Typ C).
- Klinik: Bewegungsabhängige Schmerzen im Oberarm, evtl. Fehlstellung und Funktionsausfall.
- Diagnostik: Röntgenbild in zwei Ebenen. Wichtig ist die Prüfung des N. radialis, der den Humerusschaft dorsal kreuzt; neurologischer Status ist immer zu erheben und zu dokumentieren.
- Therapie: Abhängig vom funktionellen Anspruch, Achs- und Rotationsfehlstellungen und Begleitverletzungen.
- Operationsindikationen: Offene Frakturen, Frakturen mit Gefäßbeteiligung, Weichteilinterposition, primäre Radialisparese, Etagenfrakturen.
- Verfahren: Marknagelosteosynthese mit geschlossener Reposition oder offene Reposition mit Plattenosteosynthese. Offene Frakturen bei Polytraumatisierten mittels Fixateur externe. Bei postoperativer Läsion des N. radialis: Revision und Darstellung des Nerven im gesamten Verlauf.
- Konservativ: Ältere Patienten ohne hohen funktionellen Anspruch und Frakturen ohne Dislokation werden mit Oberarmhülsen (Brace) behandelt.
Distale Oberarmfraktur/Suprakondyläre Humerusfraktur: Risiken und Behandlung
Knöcherne Verletzung des distalen Oberarms, oft durch Sturz auf den gebeugten Ellenbogen. Neurovaskuläre Strukturen (A. brachialis, Nn. ulnaris, radialis, medianus) sind besonders gefährdet.
- Einteilung: Nach AO (anatomische Lokalisation 13) in extraartikuläre (Typ A), partielle Gelenk- (Typ B) und vollständige Gelenkfrakturen (Typ C).
- Klinik: Ausgeprägte Bewegungseinschränkung, Schwellung, Schmerzen, Schonhaltung (90°-Beugestellung) im Ellenbogengelenk.
- Diagnostik: DMS peripher überprüfen! Standardröntgenaufnahme, oft CT zur Therapieplanung.
- Therapie: Aufgrund großer Hebelkräfte im Ellenbogengelenk führen konservative Maßnahmen meist zu instabilen Fehlstellungen. Daher ist die offene Reposition und Osteosynthese die Regel (Kirschner-Drähte, Schrauben, (Doppel-)Plattenosteosynthese). Bei älteren Patienten mit Trümmerfraktur kann eine primäre Endoprothese (z. B. Coonrad-Morrey) oder ein Bewegungsfixateur indiziert sein.
Olekranonfraktur: Bruch der proximalen Ulna
Brüche der proximalen Ulna, die das U-förmige Scharniergelenk des Ellenbogens bilden. Häufigster Unfallmechanismus ist der Sturz auf das gebeugte Ellenbogengelenk mit direktem Aufprall.
- Klinik: Schmerzen, Schwellung, Schonhaltung.
- Diagnostik: Bei direktem Anpralltrauma auf offene Verletzung oder Bursabeteiligung achten. DMS peripher prüfen. Röntgenbilder in 2 Ebenen zeigen die Fraktur.
- Therapie: Aufgrund des Zuges des M. triceps brachii, der zu einer erheblichen Dislokation führt, ist meist eine operative Versorgung nötig. Die klassische Zuggurtungsosteosynthese wird zunehmend von winkelstabilen Plattenosteosynthesen abgelöst, insbesondere bei mehrfragmentären Frakturen. Die postoperative Nachbehandlung erfolgt funktionell.
Ellenbogenluxation: Diagnose und komplexe Versorgung
Eine traumatische Verrenkung des Humeroulnargelenkes nach ausgeprägtem Trauma, die erhebliche Schmerzen verursacht. Eine begleitende Verletzung der A. radialis kann zu peripheren Durchblutungsstörungen führen.
- Klinik: Ellenbogen imponiert deformiert und verdickt, starke Bewegungseinschränkung aufgrund von Schmerzen.
- Diagnostik: Röntgenaufnahmen in zwei Ebenen stellen die Verletzung dar. DMS peripher überprüfen! Varus- und Valgus-Stress-Untersuchungen zum Ausschluss von Kollateralbandbeteiligungen.
- Therapie: Reposition oft nur unter Anästhesie möglich. Bei jüngeren Menschen 1-2 Wochen Ruhigstellung in Repositionsstellung zur Verhinderung eines Rezidivs. Längere Ruhigstellung droht erhebliche Bewegungsverluste. Bei Fraktur des Processus coronoideus ulnae (mehr als ein Fünftel der Gelenkfläche betroffen) ist eine operative Versorgung angezeigt.
- Besondere Bedeutung: Die "terrible triad-Verletzung" (posteriore Ellenbogenluxation, Fraktur des Radiusköpfchens, Fraktur des Proc. coronoideus) führt zu hoch instabilen Situationen, die eine komplexe Rekonstruktion ligamentärer und knöcherner Strukturen erfordern.
Spezielle Krankheitsbilder und Komplikationen
Kongenitale Radiusköpfchenluxation und Morbus Panner
- Kongenitale Radiusköpfchenluxation: Angeborene Verrenkung des Radiusköpfchens. Therapie: In ersten Lebensjahren operative Rekonstruktion mit Ligamentum-anulare-Plastik. Später (nach Wachstumsabschluss) bei Einschränkung der Umwendbeweglichkeit des Unterarmes Radiusköpfchenresektion. Bei ausgeprägter Cubitus-valgus-Stellung: korrigierende suprakondyläre Umstellung.
- Morbus Panner: Avaskuläre Nekrose des Capitulum humeri, bevorzugt bei 6- bis 10-jährigen Jungen. Prognose ist günstig, daher symptomatische Therapie (Vermeidung belastender Sportarten, lokale Therapie bei Beschwerden, ggf. kurzzeitige Ruhigstellung).
Volkmann-Kontraktur: Ischämiebedingte Muskelversteifung
Eine ischämisch bedingte Kontraktur der Armmuskulatur, oft iatrogen bei inadäquater oder verzögerter Versorgung von suprakondylären Humerusfrakturen, insbesondere bei Kindern. Fragmentdislokationen können zu arterieller Ischämie und Nervenkompression führen.
- Pathogenese: Nekrotische Veränderungen der Muskulatur (besonders Hand- und Fingerbeuger), die narbig umwandeln und zu erheblicher Bewegungseinschränkung und Beugestellung der Hand- und Fingergelenke führen.
- Klinik: Verschmächtigung der beugeseitigen Unterarmmuskulatur, tastbare derbe Stränge einzelner Muskeln. Ausgeprägte Beugekontrakturen der Hand- und Fingergelenke, resultierend in einer Krallenstellung der Hand.
- Therapie: Bei eingetretener Kontraktur nur Funktionsverbesserung durch konservative (Physiotherapie, Quengelung) und operative Maßnahmen (Arthrolysen, Sehnentranspositionen, Arthrodesen) möglich. Keine Restitutio ad integrum.
- Prophylaxe: Schnellstmögliche und schonende anatomische Reposition von Frakturen. Achtung auf Pulsabschwächung, Hautblässe, Taubheitsgefühl und persistierende Schmerzen. Gipsverbände müssen gespalten werden.
Begutachtung von Ellenbogenverletzungen
Für die gutachterliche Einschätzung von Ellenbogenverletzungen und deren Folgen sind Bewegungseinschränkungen, Instabilität, Achsenabweichungen und Schmerzhaftigkeit entscheidend. Wichtig ist die Frage, ob der Patient die Hand noch zum Mund führen kann. Kosmetische Aspekte, insbesondere der Cubitus varus, sind ebenfalls bedeutsam. Eine chronische Schädigung des N. ulnaris kann sich auch Jahre nach einer in Valgusfehlstellung verheilten Ellenbogenfraktur manifestieren.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu Oberarm- und Ellenbogenerkrankungen
Was ist eine "terrible triad-Verletzung" des Ellenbogens?
Die "terrible triad-Verletzung" ist eine hoch instabile Verletzung des Ellenbogengelenks. Sie besteht aus einer posterioren Ellenbogenluxation, einer Fraktur des Radiusköpfchens und einer Fraktur des Processus coronoideus der Ulna. Bei diesen Verletzungen sind immer auch Bandstrukturen betroffen, was eine komplexe Rekonstruktion sowohl der ligamentären als auch der knöchernen Strukturen erfordert.
Wie wird eine Epicondylitis (Tennis- oder Golferellenbogen) behandelt?
Die Behandlung einer Epicondylitis beginnt meist konservativ mit mehrwöchiger Schonung, Injektionen von Lokalanästhetika und Kortikosteroiden, physikalischer Therapie (z. B. Stoßwellentherapie, Kälteapplikation) und Epikondylitisbandagen. Bei Sportlern ist eine Trainingsberatung essenziell. Wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichen, kann eine operative Ablösung der Muskulatur am Epikondylus (Operation nach Hohmann) oder eine Denervierung (Operation nach Wilhelm) in Betracht gezogen werden.
Welche Komplikationen können bei Humerusschaftfrakturen auftreten?
Die Hauptkomplikation bei Humerusschaftfrakturen ist die Verletzung des N. radialis, der dorsal den Humerusschaft kreuzt. Daher muss bei jeder Oberarmschaftfraktur ein neurologischer Status erhoben und dokumentiert werden. Weitere mögliche Komplikationen sind Gefäßbeteiligungen, Weichteilinterposition oder das Entstehen von Etagenfrakturen.