Orthopädie und Traumatologie: Hüfte und Oberschenkel

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Willkommen in der Welt der Orthopädie und Traumatologie! Dieses umfassende Lernmaterial beleuchtet detailliert die verschiedenen Verletzungen und Erkrankungen im Bereich von Hüfte und Oberschenkel. Von komplexen Knochenbrüchen bis hin zu kindlichen Hüftleiden – hier erhältst du einen tiefen Einblick in die Anatomie, Symptome, Diagnostik und modernen Therapiemöglichkeiten. Bereite dich optimal auf Prüfungen vor und erweitere dein Wissen über dieses spannende Fachgebiet.Dieses Dokument ist eine optimale Zusammenfassung zur Orthopädie und Traumatologie: Hüfte und Oberschenkel für Studierende und medizinisches Fachpersonal.

Traumatologie des Oberschenkels: Ein Überblick

Die Traumatologie des Oberschenkels umfasst drei Hauptbereiche: die distale Femurfraktur, die Femurschaftfraktur und die proximale Femurfraktur. Jede dieser Frakturtypen hat ihre eigenen Besonderheiten in Bezug auf Definition, Ursachen, Symptome, Diagnose und Therapie. Das Verständnis dieser Unterschiede ist entscheidend für eine effektive Patientenversorgung.

1. Proximale Femurfraktur: Definition und Arten

Eine proximale Femurfraktur ist eine Fraktur des Oberschenkelknochens (Femur) proximal der Diaphyse. Sie gehört zu den häufigsten Frakturen, insbesondere bei älteren Menschen. Sie kann durch Hochrasanztraumen (z.B. Verkehrsunfälle) oder Niedrigrasanztraumen (z.B. Stürze im Alltag) entstehen.

Risikofaktoren für eine proximale Femurfraktur sind:

  • Hohes Alter
  • Frauen nach der Menopause (aufgrund von Osteoporose)

Anatomie-Grundlagen: Das proximale Femur besteht aus dem Hüftkopf (Caput femoris), dem Schenkelhals (Collum femoris) und den Rollhügeln (Trochanter major und minor), welche wichtige Ansatzpunkte für Muskeln sind.

Arten der proximalen Femurfrakturen:

  • Subtrochantäre Femurfraktur: Diese ist extrakapsulär und liegt sehr proximal am Schaft des Femurs.
  • Pertrochantäre Femurfraktur: Auch extrakapsulär, wobei mindestens ein Trochanter betroffen ist. Oft disloziert und mehrfragmentär, ggf. mit Abriss des Trochanter minor.
  • Oberschenkelhalsfraktur: Dies ist eine der häufigsten Frakturen bei älteren Menschen. Sie kann medial (intrakapsulär, 90%) oder lateral (extrakapsulär, 10%) auftreten.
  • Abduktionsfraktur: Entsteht durch Sturz auf ein abduziertes Bein (selten).
  • Adduktionsfraktur: Entsteht durch Sturz auf die seitliche Hüfte, wobei der Trochanter major nach medial abgeschert wird.
  • Klassifikationen nach Garden (I-IV, Risiko der Perfusionsstörung) und Pauwels (I-III, Winkel der Frakturlinie) sind hier entscheidend.
  • Oberschenkelkopffraktur: Dies ist eine Abscherfraktur, bei der ein Knorpel- oder Knochen-Knorpel-Fragment abgerissen wird. Sie sollte schnell operativ versorgt werden. Die Pipkin-Klassifikation (I-IV) wird hier angewendet, oft in Kombination mit einer Hüftluxation.
  • Impressionsfraktur: Hierbei erleidet die Spongiosa Mikrofrakturen, oft einhergehend mit kleinen Einblutungen.

Symptome der proximalen Femurfraktur erkennen

Die Symptome einer proximalen Femurfraktur umfassen:

  • Bewegungseinschränkungen
  • Schmerzen (in Ruhe, über der Leiste oder im Hüftgelenk)
  • Fehlstellungen im Hüftgelenk
  • Ggf. Beinlängenverkürzung
  • Ggf. Hüftgelenksluxation

Diagnostik bei proximaler Femurfraktur: Von Anamnese bis Bildgebung

Die Diagnostik einer proximalen Femurfraktur beginnt mit einer gründlichen Anamnese und körperlichen Untersuchung:

  • Anamnese: Erfassung des Unfallmechanismus, der Schmerzanamnese und relevanter Begleiterkrankungen (z.B. Osteoporose, Tumoren, Stoffwechselerkrankungen).
  • Körperliche Untersuchung:
  • Inspektion: Beinlängendifferenz, Fehlstellung im Hüftgelenk.
  • Palpation: Prüfung von pDMS (periphere Durchblutung, Motorik, Sensibilität), Druck- bzw. Klopfschmerz über Trochanter major oder proximalem Oberschenkel.
  • Messungen, Funktionstests: Bewegungsschmerz, keine aktive Bewegung im Hüftgelenk, ggf. Gang- oder Standunfähigkeit.
  • Bildgebung:
  • Röntgen: Beckenübersichtsaufnahme, Röntgen des Hüftgelenks in zwei Ebenen zur Beurteilung von Frakturlinie und Dislokation.
  • CT (Computertomographie): Wenn Röntgenbilder nicht eindeutig beurteilbar sind.

Therapie der proximalen Femurfraktur: Konservativ oder Operativ

Die Therapie der proximalen Femurfraktur hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie dem Alter des Patienten, dem Frakturtyp und dem Grad der Dislokation.

Konservative Therapie:

  • Indikation: Inoperable Patienten oder gestauchte Frakturen ohne Dislokation.
  • Maßnahmen: Schmerztherapie, Thromboseprophylaxe, Entlastung für 5-6 Wochen, langsamer Aufbau der Mobilisation (Physiotherapie).

Operative Therapie:

  • OP-Zeitpunkt: Innerhalb von 24 Stunden, wenn möglich.
  • Gelenkerhaltende Verfahren:
  • Indikation: Junges Alter, nicht dislozierte Fraktur.
  • Methoden: Dynamische Hüftschraube (DHS), Gammanagel, Schraubenosteosynthese.
  • Gelenkersatz:
  • Indikation: Hohes Alter, dislozierte Fraktur.
  • Methoden:
  • Hemi-Endoprothese (HEP): Nur der Hüftkopf wird ersetzt, die originale Hüftpfanne bleibt erhalten.
  • Total-Endoprothese (TEP): Sowohl Hüftkopf als auch Hüftpfanne werden ersetzt.
  • Nachsorge nach Operation: Mobilisation innerhalb von 24 Stunden.
  • Vollbelastung: Nach Gelenkersatz und intramedullären Osteosynthesen (ggf. auch bei DHS).
  • Teilbelastung: Nach extramedullären Osteosynthesen.

2. Femurschaftfraktur: Diagnostik und Komplikationen

Die Femurschaftfraktur ist eine Fraktur der Femurdiaphyse. Sie entsteht häufig durch Hochrasanztraumen oder Polytraumen. Man unterscheidet sie nach Bruchkante (einfach, Keil-, komplex) und danach, ob sie offen oder geschlossen ist. Auch interprothetische Frakturen können auftreten.

Symptome und Diagnostik der Femurschaftfraktur:

  • Anamnese: Erfassung von Schmerz und Unfallhergang.
  • Körperliche Untersuchung:
  • Inspektion: Unfähigkeit zur Bewegung von Hüft- und Kniegelenk, ggf. Beinlängenverkürzung bei Dislokation, Schwellung/Hämatom, Achsfehlstellungen, offene Wunden.
  • Palpation: Prüfung von pDMS (ggf. nervale Verletzung), ggf. Gefäßverletzungen, pathologische Beweglichkeit des Femurs, Krepitationen, Druckdolenz.
  • Bildgebung:
  • Röntgen (2 Ebenen): Des Femur-Diaphyse, Hüftgelenk und Kniegelenk zum Ausschluss von angrenzenden Verletzungen.
  • CT (Traumaspirale): Bei Polytrauma, um einen schnellen Überblick über wichtige Verletzungen des gesamten Körpers zu erhalten.

Komplikationen der Femurschaftfraktur:

  • Blutung: Der Oberschenkel kann je nach Körpergröße bis zu 4 Liter Blutvolumen aufnehmen, was die Gefahr eines hypovolämisch-hämorrhagischen Schocks birgt.
  • Symptome eines hämorrhagischen Schocks: Feuchte, kühle, blasse Haut, Blutdruckabfall (< 90 mmHg systolisch), Tachykardie, starkes Durstgefühl, kaum tastbarer Puls, extrem niedriger Blutdruck (< 60 mmHg systolisch), flache, schnelle Atmung, Bewusstseinsstörung, Tod (innerhalb von 2 Stunden möglich).
  • Therapie des hämorrhagischen Schocks: Beheben der Blutung (Kompression, Tamponade, gerinnungsfördernde Medikation), Kreislaufstabilisierung (Schocklagerung), Oxygenierung, Blutvolumenwiederherstellung (Blutkonserven, Erythrozyten-Konzentrat, Plasma), Analgesie.
  • Fettembolie: Fett aus dem gelben Knochenmark wird ins Blut eingeschwemmt, was zu Gefäßverschlüssen in Lunge, Haut und ggf. Gehirn führen kann.

Therapie der Femurschaftfraktur:

  • Operation = 1. Wahl.
  • Ziele: Rekonstruktion der anatomischen Beinachse, Wiederherstellung der Stabilität, Vermeidung/Versorgung von Verletzungen umliegender Gewebe.
  • OP-Zeitpunkt:
  • Notfall-OP: Sofort bei offener Fraktur, schweren Weichteilschäden, Gefäßschäden, Nervenschäden, Kompartmentsyndrom.
  • Elektive OP: Innerhalb von 24 Stunden bei allen Nicht-Notfall-Operationen.
  • Verfahren:
  • Marknagelung: Standardverfahren.
  • Plattenosteosynthese.
  • Fixateur externe: Bei schweren Weichteilschäden, als temporäre Reposition bis zur endgültigen Versorgung.

3. Distale Femurfraktur: Einteilung und Therapieansätze

Die distale Femurfraktur betrifft die femorale Metaphyse und distale Epiphyse. Ihre Einteilung erfolgt nach Gelenkbeteiligung (AO-Klassifikation):

  • Typ A: Extraartikulär.
  • Typ B: Unikondylär, partiell artikulär.
  • Typ C: Bikondylär, artikulär.

Epidemiologie: Seltene Frakturen mit Altersgipfeln bei 18-25 Jahren (Hochrasanztrauma) und über 65 Jahren (Osteoporose).

Ätiologie: Hochrasanztrauma (Verkehrsunfall, Sturz aus großer Höhe), Niedrigrasanztrauma (Sturz im Alltag), Spontanfraktur (z.B. durch Osteoporose).

Diagnostik der distalen Femurfraktur:

  • Anamnese: Schmerz, Unfallhergang.
  • Körperliche Untersuchung:
  • Inspektion: Bewegung von Hüft- und Kniegelenk nicht möglich, ggf. Verkürzung des betroffenen Beines bei Dislokation, Schwellung/Hämatom, Achsfehlstellungen, offene Wunden.
  • Palpation: Prüfung von pDMS, pathologische Beweglichkeit des Femurs, Krepitationen, Druckdolenz.
  • Bildgebung: Röntgen (2 Ebenen), ggf. CT.

Therapie der distalen Femurfraktur:

  • Operation = 1. Wahl.
  • Ziele: Wiederherstellung des Kniegelenks in korrekter Achse, Schmerzfreiheit, Wiedererhalt der Kniegelenksfunktion.
  • OP-Zeitpunkt:
  • Notfall-OP: Bei offenen Frakturen, schweren Weichteilschäden.
  • Elektive OP: Innerhalb von 24 Stunden für alle Nicht-Notfall-Operationen.
  • Verfahren: Marknagelung (Standard), Plattenosteosynthese, Fixateur externe (bei gravierenden Weichteilschäden).

Kindliche Erkrankungen des Hüftgelenks

Bei Kindern können verschiedene Erkrankungen des Hüftgelenks auftreten, die eine frühzeitige Diagnose und Therapie erfordern, um langfristige Schäden zu vermeiden.

Kongenitale Hüftdysplasie: Früherkennung ist entscheidend

Die kongenitale Hüftdysplasie ist eine Reifestörung des Acetabulums (Hüftpfanne) und eine mangelnde Formung des Femurkopfes. Sie ist die häufigste kongenitale Skelettfehlentwicklung.

Mögliche Folgen: Hohes Luxationsrisiko, Arthrose, Hüftkopfnekrose.

Risikofaktoren: Weibliches Geschlecht (♀:♂ = 5:1 bis 6:1), fetale Zwangshaltungen (z.B. bei Zwillingsschwangerschaft), intrauterine Lageanomalien (z.B. Beckenendlage), familiäre Disposition.

Diagnostik der kongenitalen Hüftdysplasie:

  • Anamnese: Häufig asymptomatisch, unspezifische Knieschmerzen.
  • Körperliche Untersuchung:
  • Bei Neugeborenen: Barlow-Test, Ortolani-Untersuchung, Abspreizhemmung, Faltenasymmetrie (unilateral), Galeazzi-Zeichen (Beinlängendifferenz).
  • Bei Kindern/Erwachsenen: Bewegungseinschränkung im Hüftgelenk, Trendelenburg-Zeichen, "Watschelgang".
  • Bildgebung:
  • Sonografie nach Graf: Pflichtmäßig in Deutschland zwischen der 3. und 8. Lebenswoche.
  • Röntgen: Erst nach dem 1. Lebensjahr, wenn das Becken ausreichend verknöchert ist, zur Beurteilung der Beckenentwicklung und Kongruenz zwischen Hüftpfanne und Hüftkopf.

Therapie der kongenitalen Hüftdysplasie:

  • Frühzeitige Therapie: Bandagen (z.B. Spreizhose), Gipsverband.
  • Späte Therapie (operative Osteotomie-Verfahren): Ziel ist der Ausgleich der Inkongruenz zwischen Acetabulum und Femur. Beispiele sind die Salter-Osteotomie oder die Triple-Osteotomie.

Exkurs: Hüftgelenksluxation – Was passiert?

Eine Hüftgelenksluxation bedeutet, dass der Hüftkopf aus der Hüftgelenkspfanne dezentriert wird. Sie geht häufig mit einer Hüftdysplasie einher und kann ein- oder beidseitig auftreten.

Risikofaktoren: Genetische Faktoren (♀:♂), instabiles Hüftgelenk beim Neugeborenen, Überdehnung der Gelenkkapsel (z.B. durch Steißlage), mangelnde Formgebung des Pfannendachs. Im Jugendalter nur noch bei starken Wachstumsdefiziten der Gelenkpfanne.

Klinik: Der Hüftkopf tritt nach dorsal-kranial aus der Pfanne aus.

  • Einseitige Luxation: Beinlängenverkürzung.
  • Beidseitige Luxation: Kontraktur der Hüftgelenksflexoren, Beckenkippung, Hyperlordose in der Lendenwirbelsäule.

Morbus Perthes: Eine kindliche Hüftkopfnekrose

Der Morbus Perthes, auch juvenile Hüftkopfnekrose genannt, ist eine aseptische Osteochondrose der Femurkopfepiphyse. Er beginnt meist zwischen dem 5. und 7. Lebensjahr und dauert wenige Monate bis ca. 5 Jahre. Jungen sind häufiger betroffen (♂:♀ = 4:1), und in 15% der Fälle ist ein beidseitiger Hüftgelenksbefall vorhanden.

Ätiologie: Die genaue Ursache ist unbekannt. Vermutet werden Vaskularisationsstörungen, repetitive Mikrotraumata, Gerinnungsstörungen/Thrombophilie und genetische Faktoren.

Stadien des Morbus Perthes:

  1. Initialstadium: Der Kern des Hüftkopfes entwickelt sich nicht richtig weiter.
  2. Kondensationsstadium: Umbau der Spongiosa-Bälkchen, teilweise Frakturierung.
  3. Fragmentationsstadium: Fortschreitender Abbau der Spongiosa-Bälkchen, Lückenbildung im Hüftkopf.
  4. Reparationsstadium: Bildung neuer Spongiosa-Bälkchen, Wiederaufbau des Hüftkopfes.
  5. Ausheilungsstadium: Der Hüftkopf heilt aus, i.d.R. mit einer Deformität.

Diagnostik des Morbus Perthes:

  • Anamnese: Verminderte Belastungsfähigkeit, Schmerzen (oft auf das gleichseitige Knie projiziert, selten typischer Hüftschmerz).
  • Klinische Untersuchung: Schonhinken, Bewegungseinschränkung im Hüftgelenk (vor allem Adduktion + Innenrotation), positives Viererzeichen.
  • Röntgen: Zur Unterscheidung der Stadien.
  • MRT (Magnetresonanztomographie): Nekrose kann früher als im Röntgen nachgewiesen werden, bessere Beurteilung der Vitalität des Hüftkopfes. Ggf. Szintigrafie.

Therapie des Morbus Perthes:

  • Konservative Therapie:
  • Ziel: Verhinderung der Deformierung.
  • Maßnahmen: Ggf. zunächst Beobachtung (je früher der Beginn, desto besser die Prognose), gelenkschonende Sportarten (Sprungbelastung vermeiden), ggf. Orthese zur Entlastung.
  • Operative Therapie:
  • Indikation: Bei Komplikationen/Deformitäten.
  • Ziele: Zentrierung des Hüftkopfes, Verbesserung der Kongruenz.
  • Methoden: Beckenosteotomie, Intertrochantäre Osteotomie.

Schenkelhalsfehlstellungen: Coxa Vara und Coxa Valga

Schenkelhalsfehlstellungen betreffen den CCD-Winkel (Centro-Collum-Diaphysen-Winkel) des Femurs, der normalerweise zwischen 120° und 140° liegt.

A) Coxa Vara

Bei der Coxa Vara ist der CCD-Winkel abgeflacht (< 120°).

  • Ätiologie: Angeboren oder erworben (Trauma, metabolische Erkrankungen, Infektion, Nekrose).
  • Symptome: Zunehmendes Hinken ohne Schmerz, Beinlängendifferenz, Trendelenburg-Zeichen durch insuffiziente Hüftgelenksabduktoren.
  • Therapie: Operative Korrekturosteotomie zur Wiederherstellung des physiologischen Winkels.

B) Coxa Valga

Bei der Coxa Valga ist der CCD-Winkel vergrößert (> 140°).

  • Ätiologie: Bei Geburt physiologisch, erworben durch Hüftdysplasie oder Wachstumsstörungen.
  • Symptome: Häufig asymptomatisch, Insuffizienz der Hüftgelenksadduktoren, Beinlängendifferenz.
  • Therapie: Ggf. spontane Normalisierung während des Wachstums, sonst Korrekturosteotomie.

Epiphyseolysis capitis femoris (ECF): Hüftkopflösung im Wachstum

Die Epiphyseolysis capitis femoris (ECF), auch juvenile Hüftkopflösung oder -gleiten genannt, ist ein Abgleiten der Hüftkopfepiphyse in der Wachstumsfuge vom Schenkelhals, meist nach dorsal-kaudal. Sie betrifft in 50-80% der Fälle beide Hüftgelenke. Jungen sind häufiger betroffen (♂:♀ = 3:1) mit einem Altersgipfel zwischen 12 und 16 Jahren.

Ätiologie: Genetische Faktoren, mechanische Faktoren (Übergewicht, Scherkräfte auf die Wachstumsfuge, Trauma), hormonelle Faktoren (Störung im Gleichgewicht der Wachstumshormone).

Formen:

  • ECF lenta (90%): Sehr langsames Abgleiten des Hüftkopfes. Symptome sind zunehmende Auflockerung der Epiphysenfuge im Röntgen, diffuser Schmerz (Leiste, Trochanter Major, Knie), schnelle Ermüdbarkeit und Hinken. Die Diagnose ist oft schwierig.
  • ECF acuta (10%): Plötzliche, komplette Ablösung der Wachstumsfuge, oft aus der Lenta-Form hervorgehend. Stärkste Schmerzen im Hüftgelenk, Betroffene können nicht mehr laufen. Fixiertes, scheinbar verkürztes Bein in Außenrotation und Abduktion. Dies ist ein orthopädischer Notfall mit 80%igem Risiko einer Hüftkopfnekrose.

Symptome der ECF:

  • Zu Beginn: Schmerzen im Knie, an der Vorderseite des Oberschenkels, in der Leiste oder am Trochanter Major. Abgrenzung zu anderen Knieschmerzen ist schwierig.
  • Im Verlauf: Schnelles Ermüden, schmerzhafte Bewegungseinschränkungen, Schonhinken, Beinverkürzung, Außenrotationsfehlstellung. Das Drehmann-Zeichen ist positiv: Bei Flexion im Hüftgelenk weicht der Oberschenkel nach lateral ab.

Diagnostik der ECF:

  • Anamnese: Ausführliche Schmerzanamnese.
  • Klinische Untersuchung: Beinlängenverkürzung, Hüftgelenk in Außenrotation fixiert, eingeschränkte Innenrotation, Drehmann-Zeichen.
  • Bildgebung:
  • Röntgen (Hüftgelenk in 2 Ebenen): Erweiterung der Epiphysenfuge, Dislokation des Femurkopfes nach dorsal und medial.
  • MRT: Zur Diagnosesicherung. Ggf. Sonografie beider Hüftgelenke.

Therapie der ECF:

  • Immer operativ! Eine konservative Therapie (monatelanges Entlasten) ist unrealistisch und unzumutbar.
  • ECF lenta: Abhängig vom Gleitwinkel. Fixation mit Drähten oder Gleitschrauben, oder Korrekturosteotomie.
  • ECF acuta: Orthopädischer Notfall! Unverzügliche Klinikeinweisung, sofortige Reposition und Fixation der Kopfepiphyse mittels Kirschner-Drähten oder Gleitschraube.

Prognose der ECF: Bei frühzeitiger Diagnose und Therapie ist die Prognose gut. Bei Verheilung in Fehlstellung besteht ein deutlich höheres Risiko für Chondrolyse (Auflösung des Hüftknorpels), Hüftkopfnekrose und Hüftgelenksarthrose.

Degenerative Erkrankungen der Hüfte: Coxarthrose

Die Coxarthrose ist eine Degeneration des Gelenkknorpels im Hüftgelenk. Sie betrifft jährlich ca. 240 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner.

Risikofaktoren: Hohes Alter, mechanische Belastung (Übergewicht, Extremsport), Trauma, Hüftdysplasie, Hüftluxation.

Symptome der Coxarthrose:

  • Frühe Leitsymptome: Anlaufschmerz, Ermüdungsschmerz, Belastungsschmerz, Ausstrahlen in benachbarte Gelenke, Entzündungszeichen.
  • Späte Leitsymptome: Dauerschmerz, Nachtschmerz, Bewegungseinschränkung (insbesondere IR + AR), Schmerzen in der Leistenregion, über dem Trochanter major, verändertes Gangbild, Entzündungszeichen.

Diagnostik der Coxarthrose:

  • Anamnese: Schmerzanamnese.
  • Ganganalyse: Prüfung auf verändertes Gangbild.
  • Körperliche Untersuchung: Druckschmerz über Leiste/Trochanter major, Entzündungszeichen, Thomas-Handgriff (zur Feststellung einer Beugekontraktur im Hüftgelenk).
  • Röntgen: Charakteristische Zeichen sind ein verschmälerter Gelenkspalt, Osteophyten, subchondrale Sklerosierung (Verkalkung von Gelenkknorpel) und subchondrale Geröllzysten.

Therapie der Coxarthrose:

  • Konservative Therapie: Analgetika, gelenkschonende Sportarten, Einlagen, Gehhilfen.
  • Operative Therapie:
  • Gelenkerhalt: Umstellungsosteotomie (z.B. des Pfannendachs).
  • Gelenkersatz:
  • Hemiendoprothese (HEP): Femurkopf wird prothetisch ersetzt, bei isolierter Schädigung des Femurkopfes.
  • Totalendoprothese (TEP): Ersatz von Femurkopf und Hüftpfanne, bei Coxarthrose im fortgeschrittenen Stadium oder bei Hüftkopfnekrose.
  • OP-Risiken: Infektionen, Thrombose/Lungenembolie, Blutungen, Transfusionskomplikationen, Lähmungen, Wundheilungsstörungen, verzögerte Knochenheilung, Abnutzung, Lockerung und Luxation der Prothese.

Aseptische Femurkopfnekrose bei Erwachsenen

Die aseptische Femurkopfnekrose (AFKN) bei Erwachsenen ist der Untergang von Knochengewebe am Hüftkopf aufgrund einer Durchblutungsstörung, ohne bakterielle Beteiligung. Der Altersgipfel liegt bei 35 Jahren, Männer sind häufiger betroffen (♂:♀ = 4:1), und in 50% der Fälle tritt sie beidseits auf.

Ätiologie: Oft idiopathisch. Mögliche Risikofaktoren sind Alkoholismus, Diabetes Mellitus und bestimmte Medikamente. Auch traumatisch bedingte Formen existieren, z.B. nach lateralen/medialen Schenkelhalsfrakturen oder Hüftkopffrakturen.

Symptome: Belastungsabhängiger Schmerz, v.a. in der Leiste, ausstrahlend ins Knie, eingeschränkte Rotation im Hüftgelenk.

Diagnostik:

  • Anamnese: Schmerzanamnese.
  • Körperliche Untersuchung: Überprüfung der Normalen Neutral-Null-Methode (NNM) im Hüftgelenk und Kniegelenk (Differenzialdiagnose).
  • Bildgebung:
  • Röntgen (Beckenübersicht): Im fortgeschrittenen Stadium sichtbar durch stark abgebaute Femurköpfe, inhomogene Sklerosierung ("krisselig"/"flockig"), pathologische Kongruenz/Inkongruenz.
  • MRT (Magnetresonanztomographie): Ermöglicht eine frühere Diagnose als das Röntgen. Sichtbar sind scharf abgegrenzte Nekroseareale im Femurkopf.

Therapie: Eine kausale Therapie ist nicht möglich. Die Ziele sind die symptomatische Verbesserung der Lebensqualität und der Erhalt/die Vergrößerung des Bewegungsausmaßes.

  • Symptomatische Therapie: Schmerztherapie, kurzzeitige Unterarmgehstützen zur Entlastung, Physiotherapie zum Erhalt der Muskelfunktion/Beweglichkeit.
  • Ggf. Operation: Umstellungsosteotomie oder Totalendoprothese (TEP).

Coxa saltans: Das schnappende Hüftgelenk

Die Coxa saltans, auch als "schnappende Hüfte" bekannt, tritt auf, wenn der Tractus iliotibialis beim Gehen (Flexion/Extension) oder bei Flexion/Extension des Hüftgelenks im Liegen über den Trochanter major schnappt. Sie betrifft vor allem junge Frauen.

Ätiologie: Muskuläre Verspannung oder idiopathisch. Kann ggf. zu einer Bursitis der Bursa subcutanea trochanterica führen.

Symptome: Kann schmerzhaft sein, spürbares und ggf. hörbares Schnappen. Bei Bursitis treten Entzündungszeichen auf.

Diagnostik:

  • Anamnese: Medizinische Anamnese/Vorerkrankungen, Schmerzanamnese.
  • Körperliche Untersuchung: NNM/MFD (Neutral-Null-Methode/Maximale Funktionsstellung) des Hüftgelenks, Palpation des Trochanter Majors in aktiver vs. passiver Bewegung.
  • Keine bildgebenden Befunde!

Therapie:

  • Behandlung der Muskelverspannungen durch Physiotherapie.
  • Bei Bursitis: Ggf. lokale Infiltration von Schmerzmitteln in die Bursa.
  • Bei persistierenden Schmerzen: Operatives Festnähen des Tractus iliotibialis am Trochanter major, um das Schnappen zu verhindern.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Hüft- und Oberschenkeltraumatologie

Was ist der Unterschied zwischen einer proximalen und einer distalen Femurfraktur?

Die proximale Femurfraktur betrifft den oberen Bereich des Oberschenkelknochens, nahe am Hüftgelenk (Schenkelhals, Trochanter). Die distale Femurfraktur hingegen befindet sich am unteren Ende des Oberschenkelknochens, nahe dem Kniegelenk. Beide haben unterschiedliche Ursachen, Symptome und Therapiemöglichkeiten, die je nach betroffenem Bereich variieren.

Welche Risikofaktoren begünstigen eine proximale Femurfraktur bei älteren Menschen?

Die Hauptfaktoren sind hohes Alter und Osteoporose, insbesondere bei Frauen nach der Menopause. Stürze im Alltag, auch solche mit geringer Energie, können in Kombination mit diesen Risikofaktoren zu einer Fraktur führen.

Wie wird eine kongenitale Hüftdysplasie bei Neugeborenen diagnostiziert?

Die Diagnose erfolgt primär durch körperliche Untersuchung mittels Barlow-Test und Ortolani-Untersuchung sowie durch eine Sonografie nach Graf. Die Ultraschalluntersuchung ist in Deutschland zwischen der 3. und 8. Lebenswoche gesetzlich vorgeschrieben, um eine frühzeitige Erkennung und Behandlung zu gewährleisten.

Wann ist eine Operation bei einer proximalen Femurfraktur notwendig?

Eine Operation wird in den meisten Fällen empfohlen, insbesondere bei dislozierten Frakturen und jüngeren Patienten. Bei älteren Patienten mit dislozierten Frakturen kommt häufig ein Gelenkersatz (Hemi- oder Totalendoprothese) in Betracht. Konservative Therapien sind meist nur bei inoperablen Patienten oder sehr stabilen, nicht dislozierten Frakturen angezeigt.

Was sind die typischen Zeichen einer Coxarthrose im Röntgenbild?

Im Röntgenbild zeigen sich bei Coxarthrose charakteristische Veränderungen: eine Verschmälerung des Gelenkspalts, das Auftreten von knöchernen Ausläufern (Osteophyten), eine Verdichtung des Knochens unter dem Knorpel (subchondrale Sklerosierung) und die Bildung von subchondralen Geröllzysten.

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