Zusammenfassung von Erkrankungen und Verletzungen von Oberarm und Ellenbogen

Oberarm & Ellenbogen: Krankheiten, Verletzungen & Therapie

Einführung

Die distale Oberarmfraktur bzw. suprakondyläre Humerusfraktur ist eine knöcherne Verletzung des distalen Humerus, die häufig durch einen Sturz auf den gebeugten Ellenbogen entsteht. Sie kann in allen Altersgruppen vorkommen und ist wegen der Nähe wichtiger Gefäß-Nerven-Strukturen am Ellenbogen klinisch bedeutsam.

Definition: Knöcherne Verletzung des distalen Oberarms, die in variablem Ausmaß das Ellenbogengelenk einbeziehen kann.

Wichtige Grundlagen

Pathogenese

  • Typischer Mechanismus: Sturz auf den gebeugten Ellenbogen.
  • Hohe Hebelkräfte am Ellenbogen führen bei Frakturen häufig zu Dislokation und Mehrfragmentierung.

Anatomie und Gefährdung

  • In unmittelbarer Nähe verlaufen die A. brachialis sowie die Nn. ulnaris, radialis und medianus.
  • Folge: Neurovaskuläre Schädigungen können auftreten und müssen systematisch geprüft werden.

Definition: Neurovaskuläre Untersuchung (DMS) umfasst die Überprüfung von Durchblutung (D), Motorik (M) und Sensibilität (S) der betroffenen Extremität.

Klassifikation (AO)

  • Die AO-Klassifikation teilt distale Humerusfrakturen in drei Typen ein:
    • Typ A: extraartikulär
    • Typ B: partielle Gelenkbeteiligung
    • Typ C: komplette Gelenkbeteiligung
  • Anatomische Kennzeichnung: distaler Humerus = 13 (1 = Humerus, 3 = distal)

Tabelle: Vergleich der AO-Typen

TypGelenkbeteiligungKlinische Konsequenz
AkeineMeist einfachere Reposition, kann konservativ möglich sein bei stabilen Frakturen
BpartiellOperative Versorgung oft nötig zur Gelenkflächenrekonstruktion
CkomplettOperative Osteosynthese erforderlich; bei älteren Patienten evtl. Endoprothese

Klinik

  • Typische Symptome: starke Schmerzen, Schwellung, ausgeprägte Bewegungseinschränkung
  • Schonhaltung: Ellenbogen in etwa 90°-Beugestellung
  • Immer DMS prüfen und dokumentieren (A. brachialis, N. radialis, N. ulnaris, N. medianus)

Diagnostik

  1. Röntgenaufnahmen in 2 Ebenen (Standard)
  2. Bei Mehrfragmentfrakturen oder unklarer Gelenkbeteiligung: Computertomografie (CT) zur Operationsplanung
  3. Sorgfältige Dokumentation neurovaskulärer Befunde

Therapie — Entscheidungsprinzipien

  • Die Wahl richtet sich nach:
    • funktionellem Anspruch des Patienten
    • Grad der Achsverschiebung/Dislokation
    • Rotationsfehlstellung
    • Begleitverletzungen (Gefäß-, Nervenverletzung, Weichteilinterposition)
  • Konservative Therapie ist bei älteren, wenig beanspruchten Patienten und stabilen, nicht dislozierten Frakturen möglich (z. B. Brace)
  • Operative Therapie ist bei instabilen, dislozierten oder gelenkbeteiligten Frakturen in der Regel indiziert

Operative Verfahren

  • Offene Reposition und Plattenosteosynthese (häufig angewandt bei Gelenkbeteiligung)
  • Kirschner-Drähte (K-Drähte) bei Kindern oder bestimmten Frakturmustern
  • Schraubenosteosynthese
  • Primäre Endoprothese (z. B. Coonrad-Morrey) oder Bewegungsfixateur bei älteren Patienten mit kompletter Trümmerfraktur
  • Fixateur externe bei offenen Frakturen oder polytraumatisierten Patienten

Tabelle: Wahl des Verfahrens nach Situation

SituationEmpfohlenes Verfahren
nicht dislozierte, stabile Fraktur bei älterem Patientenkonservativ (Brace)
dislozierte Fraktur bei jüngeren Patientenoffene Reposition + Plattenosteosynthese oder Schrauben
mehrfragmentäre GelenkfrakturPlattenosteosynthese, ggf. CT-gestützte Planung
offene Fraktur oder PolytraumaFixateur externe, evtl. Staged Procedure
ältere Patientin mit Trümmerfrakturprimäre Endoprothese oder Bewegungsfixateur

Operativer Zugang und besondere Aspekte

  • OP-Zugang richtet sich nach Frakturposition und eventuellen Begleitverletzungen (z. B. N. radialis)
  • Bei postoperativer Radialispares e ist eine sofortige Revisionsindikation: der Nerv muss über seinen gesamten Verlauf frei dargestellt werden

Rehabilitationsprinzipien

  • Frühe Bewegungsphasen richten sich nach Stabilität der Osteosynthese
  • Ziel: Vermeidung von Gelenk
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Distale Humerusfraktur

Klíčové pojmy: Distale Humerusfraktur entsteht meist durch Sturz auf gebeugten Ellenbogen, Immer DMS prüfen: A. brachialis, N. radialis, N. ulnaris, N. medianus, AO-Klassifikation: Typ A extraartikulär, B partiell, C komplett, Röntgen 2 Ebenen, CT bei Mehrfragmentfrakturen, Konservativ nur bei nicht dislozierten Frakturen und geringem funktionellen Anspruch, Operative Verfahren: K-Drähte, Schrauben, Plattenosteosynthese, ggf. Endoprothese, Offener Zugang wählt man nach Frakturlage und Nervenbeteiligung, Postoperative Radialisparese erfordert Revisionsoperation und vollständige Nervendarstellung

## Einführung Die distale Oberarmfraktur bzw. suprakondyläre Humerusfraktur ist eine knöcherne Verletzung des distalen Humerus, die häufig durch einen Sturz auf den gebeugten Ellenbogen entsteht. Sie kann in allen Altersgruppen vorkommen und ist wegen der Nähe wichtiger Gefäß-Nerven-Strukturen am Ellenbogen klinisch bedeutsam. > Definition: Knöcherne Verletzung des distalen Oberarms, die in variablem Ausmaß das Ellenbogengelenk einbeziehen kann. ## Wichtige Grundlagen ### Pathogenese - Typischer Mechanismus: Sturz auf den gebeugten Ellenbogen. - Hohe Hebelkräfte am Ellenbogen führen bei Frakturen häufig zu Dislokation und Mehrfragmentierung. ### Anatomie und Gefährdung - In unmittelbarer Nähe verlaufen die A. brachialis sowie die Nn. ulnaris, radialis und medianus. - Folge: Neurovaskuläre Schädigungen können auftreten und müssen systematisch geprüft werden. > Definition: Neurovaskuläre Untersuchung (DMS) umfasst die Überprüfung von Durchblutung (D), Motorik (M) und Sensibilität (S) der betroffenen Extremität. ## Klassifikation (AO) - Die AO-Klassifikation teilt distale Humerusfrakturen in drei Typen ein: - Typ A: extraartikulär - Typ B: partielle Gelenkbeteiligung - Typ C: komplette Gelenkbeteiligung - Anatomische Kennzeichnung: distaler Humerus = 13 (1 = Humerus, 3 = distal) Tabelle: Vergleich der AO-Typen | Typ | Gelenkbeteiligung | Klinische Konsequenz | |---|---:|---| | A | keine | Meist einfachere Reposition, kann konservativ möglich sein bei stabilen Frakturen | | B | partiell | Operative Versorgung oft nötig zur Gelenkflächenrekonstruktion | | C | komplett | Operative Osteosynthese erforderlich; bei älteren Patienten evtl. Endoprothese | ## Klinik - Typische Symptome: starke Schmerzen, Schwellung, ausgeprägte Bewegungseinschränkung - Schonhaltung: Ellenbogen in etwa 90°-Beugestellung - Immer DMS prüfen und dokumentieren (A. brachialis, N. radialis, N. ulnaris, N. medianus) ## Diagnostik 1. Röntgenaufnahmen in 2 Ebenen (Standard) 2. Bei Mehrfragmentfrakturen oder unklarer Gelenkbeteiligung: Computertomografie (CT) zur Operationsplanung 3. Sorgfältige Dokumentation neurovaskulärer Befunde ## Therapie — Entscheidungsprinzipien - Die Wahl richtet sich nach: - funktionellem Anspruch des Patienten - Grad der Achsverschiebung/Dislokation - Rotationsfehlstellung - Begleitverletzungen (Gefäß-, Nervenverletzung, Weichteilinterposition) - Konservative Therapie ist bei älteren, wenig beanspruchten Patienten und stabilen, nicht dislozierten Frakturen möglich (z. B. Brace) - Operative Therapie ist bei instabilen, dislozierten oder gelenkbeteiligten Frakturen in der Regel indiziert ### Operative Verfahren - Offene Reposition und Plattenosteosynthese (häufig angewandt bei Gelenkbeteiligung) - Kirschner-Drähte (K-Drähte) bei Kindern oder bestimmten Frakturmustern - Schraubenosteosynthese - Primäre Endoprothese (z. B. Coonrad-Morrey) oder Bewegungsfixateur bei älteren Patienten mit kompletter Trümmerfraktur - Fixateur externe bei offenen Frakturen oder polytraumatisierten Patienten Tabelle: Wahl des Verfahrens nach Situation | Situation | Empfohlenes Verfahren | |---|---| | nicht dislozierte, stabile Fraktur bei älterem Patienten | konservativ (Brace) | | dislozierte Fraktur bei jüngeren Patienten | offene Reposition + Plattenosteosynthese oder Schrauben | | mehrfragmentäre Gelenkfraktur | Plattenosteosynthese, ggf. CT-gestützte Planung | | offene Fraktur oder Polytrauma | Fixateur externe, evtl. Staged Procedure | | ältere Patientin mit Trümmerfraktur | primäre Endoprothese oder Bewegungsfixateur | ### Operativer Zugang und besondere Aspekte - OP-Zugang richtet sich nach Frakturposition und eventuellen Begleitverletzungen (z. B. N. radialis) - Bei postoperativer Radialispares e ist eine sofortige Revisionsindikation: der Nerv muss über seinen gesamten Verlauf frei dargestellt werden ## Rehabilitationsprinzipien - Frühe Bewegungsphasen richten sich nach Stabilität der Osteosynthese - Ziel: Vermeidung von Gelenk