Kniegelenkerkrankungen

Umfassender Guide zu Kniegelenkerkrankungen wie Gonarthrose, Patellaluxation und Meniskusverletzungen. Erfahre mehr über Ursachen, Diagnostik und Therapiemöglichkeiten für dein Studium.

Kniegelenkerkrankungen sind vielfältig und können sowohl durch degenerative Prozesse als auch durch Traumata oder Fehlbildungen entstehen. Dieser umfassende Artikel bietet dir einen detaillierten Überblick über die häufigsten Knieprobleme, ihre Ursachen, Diagnosemöglichkeiten und Therapiemethoden. Egal ob Gonarthrose, Meniskusverletzung oder Patellaluxation – hier findest du alle wichtigen Informationen, die du für dein Studium oder zur allgemeinen Weiterbildung benötigst.

Kniegelenkerkrankungen: Ein umfassender Überblick

Das Kniegelenk ist ein komplexes und stark beanspruchtes Gelenk. Entsprechend häufig sind Erkrankungen und Verletzungen, die es beeinträchtigen können. Wir beleuchten die wichtigsten Kniegelenkerkrankungen und ihre Besonderheiten.

Degenerative Erkrankungen des Kniegelenks

Degenerative Erkrankungen sind alters- oder verschleißbedingte Veränderungen, die die Funktion des Kniegelenks beeinträchtigen können.

Gonarthrose: Kniegelenkarthrose verstehen

Die Gonarthrose ist eine degenerative Erkrankung des Gelenkknorpels im Knie. Sie beginnt oft mit bewegungsabhängigen Schmerzen und kann in späteren Phasen zu persistierenden Ruhe- und Nachtschmerzen führen.

Definition und Risikofaktoren der Gonarthrose

  • Primärarthrose: Idiopathisch, mit Risikofaktoren wie weibliches Geschlecht, BMI > 25 und höherem Lebensalter.
  • Sekundärarthrose: Verursacht durch andere Erkrankungen, wie posttraumatische Funktionsstörungen, Stoffwechselerkrankungen, Achsfehlstellungen (Genu valgum/varum/recurvatum) oder Retropatellararthrose.

Klinik und Symptome der Kniegelenkarthrose

  • Frühe Leitsymptome: Anlaufschmerz, Ermüdungsschmerz, Belastungsschmerz, Ausstrahlung in benachbarte Gelenke, Entzündungszeichen.
  • Späte Leitsymptome: Dauerschmerz, Nachtschmerz, Bewegungseinschränkung im Kniegelenk, verstärkte Entzündungszeichen.

Diagnostik bei Gonarthrose

  • Anamnese: Erhebung von akutem vs. chronischem Schmerz, Bewegungsschmerz, Morgensteifigkeit, Ruhe- und Nachtschmerz.
  • Körperliche Untersuchung (IPMF): Inspektion von Achsenverhältnissen und Gangbild, Palpation von Druckschmerz über dem Gelenkspalt und Schwellungen, Messung der Beweglichkeit (Flexionshemmung) und Zohlen-Zeichen.
  • Bildgebung: Röntgen (a.p./lateral) zur Erkennung von Osteophyten und schmalem Gelenkspalt.

Konservative Therapie der Gonarthrose Ziel ist die Linderung der Symptome und der Erhalt der Gelenkfunktion.

  • Analgetika
  • Physiotherapie
  • Gelenkschonende Sportarten
  • Einlagen
  • Gehhilfen

Operative Therapie der Gonarthrose: Optionen für den Gelenkerhalt und -ersatz Bei fortgeschrittener Arthrose oder Versagen der konservativen Therapie können operative Maßnahmen notwendig werden.

  • A) Gelenkerhalt:
  • Arthroskopien
  • Knorpelersatz bzw. -transplantation
  • Umstellungsosteotomien
  • B) Gelenkersatz:
  • Unikondyläre Schlittenprothese: Ersatz einer Femurkondyle und Tibiagelenkfläche mit Kunststoffgleitfläche.
  • Totalendoprothese (TEP): Bikondylärer Ersatz plus Tibiagelenkfläche.
  • Arthrodese: Gelenkversteifung.

Morbus Osgood-Schlatter: Erkrankung der Tuberositas tibiae

Morbus Osgood-Schlatter ist eine Osteonekrose im Bereich der Tuberositas tibiae, bei der ein Knochenabschnitt abstirbt, häufig in der Epiphyse, begleitet von verminderter Knochendurchblutung. Der Altersgipfel liegt zwischen 8 und 15 Jahren.

Ätiologie und Pathomechanismus des Morbus Osgood-Schlatter

  • Ätiologie: Idiopathisch, assoziiert mit sportlicher Aktivität, ungleichgewicht zwischen Belastungsanspruch und Belastbarkeit des Knorpelgewebes, verstärkter Zug des Ligamentum patellae.
  • Pathomechanismus: Überlastung der Tibiaapophyse führt zu einer Störung der Ossifikation, Verdickung der Apophyse und freien Ossikeln unter dem Ligamentum patellae.

Diagnostik des Morbus Osgood-Schlatter

  • Anamnese: Belastungsabhängige Beschwerden.
  • Körperliche Untersuchung (IPMF): Lokale Schwellung, Druckschmerz über der Tuberositas tibiae, Schmerzverstärkung bei Streckung im Kniegelenk gegen Widerstand.
  • Bildgebung: Röntgen (1. Wahl), MRT.

Therapie des Morbus Osgood-Schlatter

  • Konservativ:
  • Frühstadium: Ruhigstellung, Befreiung vom Schulsport.
  • Spätstadium: Völlige Entlastung durch Unterarmgehstützen, regelmäßige Kontrollen.
  • Operativ: Nach Wachstumsabschluss, Entfernung freier intratendinöser Ossikel.

Osteochondrosis dissecans des Kniegelenks (KG)

Die Osteochondrosis dissecans ist eine lokale Osteochondrose eines subchondralen Knochenareals, oft mit Beteiligung des angrenzenden Gelenkknorpels. Sie tritt meist im Alter von 10–20 Jahren auf, Männer sind häufiger betroffen. Am häufigsten ist der mediale Femurkondylus betroffen.

Definition und Ätiologie der Osteochondrosis dissecans

  • Definition: Subchondral bedeutet direkt unter dem Gelenkknorpel gelegen. Ein Knochen-Knorpel-Fragment kann sich lösen (freier Gelenkkörper oder „Gelenkmaus“) und einen Gelenkflächendefekt („Mausbett“) hinterlassen. Kann potentiell an allen Gelenken auftreten, am häufigsten Knie und oberes Sprunggelenk (OSG).
  • Ätiologie: Idiopathisch, vermutet werden Dauerbelastungen der Gelenkfläche (Leistungssport).

Pathomechanismus und Diagnostik

  • Pathomechanismus: Subchondrale Vaskularisationsstörung, Osteolyse des betroffenen Knochenbereichs, Mikrofrakturierung, Entstehung freier Gelenkkörper.
  • Diagnostik:
  • Anamnese: Schmerzen bei Belastung/Sport, Erguss bzw. Schwellung.
  • Körperliche Untersuchung (IPMF): Gelenkblockade.
  • Bildgebung: Frühphase: Szintigrafie, MRT. Spätphase: Röntgen, Arthroskopie.

Therapie der Osteochondrosis dissecans

  • Konservativ:
  • Indikation: Offene Wachstumsfugen, stabile Läsion.
  • Vorgehen: Reduktion der Belastung, ggf. Teilbelastung, zeitlich befristetes Sportverbot.
  • Operativ:
  • Indikation: Instabile Läsion, erfolglose konservative Therapie.
  • Vorgehen: Refixation des Dissekats, Anbohrung des Knorpels (Revaskularisierung der nekrotischen Anteile), Entfernung des Dissekats, Knorpelzelltransplantation.

Fehlbildungen und Formabweichungen des Kniegelenks

Fehlstellungen können das Kniegelenk langfristig beeinträchtigen und zu weiteren Problemen führen.

Genu varum et valgum: O-Beine und X-Beine verstehen

Diese Achsabweichungen der Kniegelenksachsen in der Frontalebene sind häufige Fehlstellungen.

  • A) Genu varum (= O-Bein): Hauptbelastung im Knie medial. Physiologisch bis zum 2. Lebensjahr.
  • B) Genu valgum (= X-Bein): Hauptbelastung im Knie lateral. Physiologisch vom 2. bis 6. Lebensjahr.

Ursachen und Folgen von Genu varum/valgum

  • Ursachen: Stoffwechselerkrankungen (Rachitis/Osteomalazie, Phosphatdiabetes, Osteogenesis imperfecta), unphysiologische Belastung im Wachstumsalter, Tumoren, knöcherne Verletzungen im KG mit Beteiligung der Hüfte.
  • Folgen: Chronische Fehlbelastung des Kniegelenks, frühzeitige Arthrose.

Diagnostik und Therapie bei Achsfehlstellungen

  • Diagnostik: Anamnese (meist lange asymptomatisch), körperliche Untersuchung (Blickdiagnose, Messung der Beinachsen im Stehen: Abstand zwischen medialen Kondylen > 5cm oder medialen Malleolen > 3cm pathologisch), Bildgebung (Röntgen des gesamten Beins im Stehen).
  • Therapie:
  • Bei Kindern: Keine Therapie bei altersentsprechender Achsabweichung. Bei Bedarf: Temporäre Epiphyseodese (Platte auf Wachstumsfuge geschraubt → Achsangleichung → Entfernen der Platte nach Normalstellung).
  • Bei Erwachsenen: Therapie der Ursache, operative Umstellungsosteotomie.

Genu recurvatum: Hyperextension im Knie

Das Genu recurvatum ist eine Hyperextension des Kniegelenks. Bei Kindern ist eine Extension bis 10° physiologisch, ab 15° gilt sie als pathologisch.

Ätiologie des Genu recurvatum

  • Muskulär: Muskelhypotonie, Parese des M. quadriceps.
  • Bindegewebserkrankungen: Ehlers-Danlos-Syndrom (Störung der Kollagensynthese → Überdehnbarkeit der Gelenke).
  • Verletzung der ventralen tibialen Epiphysenfuge.
  • Chronische Überstreckung/Fehlbelastung.

Diagnostik und Therapie des Genu recurvatum

  • Diagnostik: Negative Neutral-Null-Methode (NNM), in Extremfällen Blickdiagnose. Führt meist erst im Erwachsenenalter zu Beschwerden (Schmerzen, Instabilität im Kniegelenk).
  • Therapie: Knieorthese bei Muskelparese oder Bindegewebsschwäche. Korrekturosteotomie bei Verletzung der Epiphysenfuge.

Baker-Zyste: Hintere Kniegelenkszyste

Die Baker-Zyste ist eine dorsale Aussackung der Kniegelenkskapsel, eine flüssigkeitsgefüllte Kniegelenkszyste, verursacht durch erhöhte intraartikuläre Flüssigkeitsansammlung.

Anatomische Grundlagen und Ätiologie der Baker-Zyste

  • Anatomie der Fossa poplitea: Begrenzung medial durch M. semitendinosus & M. semimembranosus, lateral durch M. biceps femoris, distal durch M. gastrocnemius.
  • Ätiologie: Entzündliche Prozesse im Kniegelenk (rheumatoide Arthritis), degenerative Veränderungen (z.B. Gonarthrose), chronisch-mechanische Überbelastung, Trauma.

Klinik, Komplikationen und Diagnostik der Baker-Zyste

  • Klinik: Schwellung der Kniekehle.
  • Komplikationen: Schmerz, Druck auf Nervus fibularis communis oder Nervus tibialis, Thrombose durch Abklemmen der Vena poplitea.
  • Diagnostik: Anamnese, körperliche Untersuchung (IPMF), Bildgebung (Sonografie der Kniekehle, MRT).

Therapie der Baker-Zyste

  • Asymptomatische Zyste: Keine Therapie notwendig.
  • Symptomatische Zyste: Behandlung der Ursache, chirurgische Resektion nur in Einzelfällen bei Erfolglosigkeit anderer Therapien.

Entzündliche Erkrankungen des Kniegelenks

Entzündungen können durch Infektionen, rheumatische Prozesse oder auch Abrieb bei Arthrose entstehen.

Gonitiden und Infektionen des Kniegelenks

Als Gonitis bezeichnet man eine Entzündung des Kniegelenks.

Ätiologie und Diagnostik der Gonitis

  • Ätiologie: Bakterielle Infektion (iatrogen nach Punktion, OP), rheumatische Erkrankungen, parainfektiös (sekundär durch Infektion an anderem Ort), Arthrose (Abrieb kleinster Knorpel-Knochen-Fragmente).
  • Diagnostik: Anamnese (Schmerz- und medizinische Anamnese), körperliche Untersuchung (Bewegungseinschränkung, Erguss), Bildgebung & Sonstige (Kniegelenks-Punktion und Punktatuntersuchung).

Therapie der Gonitis

  • Therapie der Ursache
  • Antibiotika
  • Eröffnung des Kniegelenks mit Spülung
  • Einlage von Drainage
  • Physiotherapie

Bursitiden: Schleimbeutelentzündungen im Knie

Eine Bursitis ist eine Entzündung des Schleimbeutels. Im Knie gibt es mehrere Schleimbeutel, darunter die Bursa subsartorius, Bursa praepatellaris (häufigste), Bursa infrapatellaris und Bursa suprapatellaris.

Diagnostik und Therapie bei Bursitis

  • Diagnostik: Anamnese (Schmerzanamnese), körperliche Untersuchung (deutliche Schwellung, meist direkt über der Patella; tanzende Patella negativ).
  • Therapie: Entlastung, Kühlung/Salben, Knieschoner im Beruf. Bei Rezidiven: operative Entfernung.

Traumatologie des Kniegelenks: Verletzungen

Verletzungen am Knie sind häufig, insbesondere im Sport, und erfordern oft spezifische Diagnose- und Behandlungsansätze.

Patellaluxation: Auskugeln der Kniescheibe

Die Patellaluxation ist das Herausrutschen der Patella aus dem femoralen Gleitlager, meist nach lateral. Sie macht 2–3% aller Knieverletzungen aus, mit einem Altersgipfel von 10–20 Jahren.

Anatomische Grundlagen und Ätiologie der Patellaluxation

  • Anatomie: Die Patella wird fixiert/stabilisiert durch ihre eigene Form, die Form des femoralen Gleitlagers und Bänder sowie Muskeln (M. vastus medialis, M. vastus lateralis, M. rectus femoris/M. vastus intermedius, Retinaculum patellae longitudinale mediale/laterale, Lig. patellae).
  • Ätiologie: Anlagebedingt, traumatisch (direkte Gewalteinwirkung auf das Kniegelenk, Verdrehung des Kniegelenks in leichter Flexion), habituelle Reluxation.

Diagnostik und Therapie der Patellaluxation

  • Diagnostik:
  • Anamnese: Entstehung (Unfall vs. Sport vs. habituell), Schmerzanamnese, Vorgeschichte (1x vs. Reluxation).
  • Körperliche Untersuchung (IPMF): Blickdiagnose, Schwellung, tanzende Patella, Hämarthros (blutiger Gelenkerguss), Funktionseinschränkung.
  • Bildgebung: Röntgen (Erkennen knöcherner Begleitverletzungen), Sonografie, MRT (Erkennen von Band-, Knochen- und Knorpelverletzungen), Arthroskopie (Diagnostik und Therapie von Knochen- und Knorpelschäden).
  • Therapie:
  • Konservativ: Reposition, Immobilisation im Gipstutor, Orthese mit stufenweise limitierter Flexion, Muskelaufbau und Stabilisierungstraining. Hohes Risiko für erneute Luxation und Arthrose.
  • Operativ: Bei osteochondraler Fraktur oder fehlgeschlagener Reposition. Offen oder arthroskopisch (z.B. MPFL-Rekonstruktion mit Gracilissehne).
  • Nachsorge: Entlastung, Teilbelastung für mehrere Wochen, schrittweise Mehrbelastung mit Muskelaufbau und Koordinationstraining.

Meniskusverletzungen: Schädigung des Kniegelenkpuffers

Meniskusverletzungen sind Schädigungen des Meniskusgewebes. Der mediale Meniskus ist C-förmig und mit dem Lig. Collaterale mediale verwachsen, wodurch er unbeweglicher ist und häufiger reißt. Der laterale Meniskus ist O-förmig.

Funktion und Ätiologie der Meniskusverletzungen

  • Funktion der Menisken: Lastverteilung, Bremsklötze, Stoßdämpfer, Stabilisierung.
  • Ätiologie:
  • Degenerativ (50%): Altersbedingter Verschleiß, repetitive Mikrotraumata, Achsfehlstellung, kniebelastende Bewegungsabläufe (z.B. Fliesenleger).
  • Traumatisch (48%): Verdrehen unter Belastung beim Sport, direktes Trauma, Fraktur. Häufig im Rahmen eines „Unhappy Trias“.
  • Anlagebedingt (2%): Scheibenmeniskus, Kalkeinlagerungen im Meniskus.

Unhappy Trias: Eine Kombination aus Verletzungen des Ligamentum cruciatum anterius, Meniscus medialis und Ligamentum collaterale tibiale.

Diagnostik und Therapie von Meniskusverletzungen

  • Diagnostik:
  • Anamnese: Unfallanamnese, Sportart, belastungsabhängige Schmerzen, verringerte Belastbarkeit des Knies, Wandern des Schmerzes, Streckhemmung im KG (Hinweis auf eingeklemmten Meniskus).
  • Körperliche Untersuchung (IPMF): Bewegungseinschränkung, Ganganalyse, Druckschmerz über Gelenkspalt, fühlbares Schnappen über Gelenkspalt („Gelenkblockierung“), Erguss, Schwellung. Meniskustests: Steinmann I & II, Apley-Grinding-Zeichen, Payr-Zeichen.
  • Bildgebung: MRT (1. Wahl), Röntgen.
  • Kniegelenks-Punktion (optional): Seröser Erguss (eher zentrale Läsion), blutiger Erguss (periphere Läsion oder Verletzung intraartikulärer Bänder).
  • Therapie:
  • Konservativ: Bei symptomatischen degenerativen Läsionen ohne Blockade oder asymptomatischen Meniskusläsionen. Physiotherapie + eigenständiges Training (Mobilisierung, Muskelkräftigung), Analgetika.
  • Operativ (Arthroskopie): Bei Blockade oder instabilen Rissen. Sparsame Entfernung des geschädigten Bereichs. Risse in der Basis (peripher) werden genäht (gute Durchblutung, Hoffnung auf Wiederanwachsen). Postoperativ: schonender Belastungsaufbau, Physiotherapie, Eigentraining.

Kreuzbandverletzungen: Vordere und hintere Kreuzbandruptur

Kreuzbandverletzungen sind Rupturen des Ligamentum cruciatum anterius (VKB) oder Ligamentum cruciatum posterius (HKB). VKB-Rupturen sind häufiger als HKB-Rupturen (Verhältnis 9:1).

Anatomie und Ätiologie der Kreuzbandrupturen

  • Anatomie: Das vordere Kreuzband verläuft von medial-hinten an der Innenseite des lateralen Femurkondylus nach lateral-vorne an der Tibia.
  • Vordere Kreuzbandruptur (VKB):
  • Ätiologie: Rotationstrauma (beim Sport, bei Verkehrsunfällen, bei fixiertem Unterschenkel mit Rotationsbewegung des Oberschenkels nach lateral), Hyperextensionstrauma durch Umknicken. Oft einhergehend mit Unhappy Trias.
  • Hintere Kreuzbandruptur (HKB):
  • Ätiologie: Sturz auf das flektierte Knie (andere Kniegelenksstabilisatoren sind in Flexion ausgesetzt), Hochrasanztrauma (z.B. Dashboard Injury).

Diagnostik und Therapie von Kreuzbandverletzungen

  • Diagnostik:
  • Anamnese: Unfallhergang.
  • Körperliche Untersuchung (IPMF): Ort von Hämatomen, Ort der Druckschmerzen. Stabilitätstests: Vorderer Schubladentest, Lachman-Test, Pivot-Shift-Test.
  • Bildgebung: Röntgen, MRT.
  • Therapie:
  • Akut: Schonung, Kühlung, Hochlagerung.
  • Operation VKB: Rekonstruktion des VKB, z.B. mittels eigener Sehne des M. semitendinosus oder M. gracilis.
  • Operation HKB: Transplantat/Implantat muss gedoppelt werden, da HKB das stärkste Band des Kniegelenks ist.

Patellarsehnenruptur: Riss der Kniescheibensehne

Ätiologie und Diagnostik der Patellarsehnenruptur

  • Ätiologie: Trauma kurz unterhalb der Kniescheibe, Sturzereignis beim Treppe-Ab-Steigen/Bergab-Gehen, dabei Anspannung des M. quadriceps gegen einen Widerstand.
  • Diagnostik:
  • Anamnese: Schmerzen im Kniegelenk, Unfallhergang.
  • Körperliche Untersuchung (IPMF): Schwellung im Kniegelenk, tastbare Lücke im Sehnenverlauf, Patellahochstand.
  • Bildgebung: Röntgen, Sonografie, MRT.

Therapie der Patellarsehnenruptur

  • Therapie: Operative End-zu-End-Naht (McLaughlin) zwischen Tuberositas tibiae und Patella oder End-zu-End-Naht der Bandenden, ggf. mit Stabilisierung in der Patella.

Weitere Kniegelenkerkrankungen

Neben den bereits ausführlich beschriebenen gibt es noch weitere relevante Erkrankungen.

  • Morbus Ahlbäck (Spontane Osteonekrose des Kniegelenks)
  • Chondromalacia patellae
  • Patellares Schmerzsyndrom
  • Osteochondrosis dissecans des Kniegelenks (bereits oben behandelt)

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu Kniegelenkerkrankungen

Was sind die häufigsten Kniegelenkerkrankungen bei jungen Sportlern?

Bei jungen Sportlern treten häufig Morbus Osgood-Schlatter, Osteochondrosis dissecans des Kniegelenks, Patellaluxationen und Meniskusverletzungen auf, oft bedingt durch Überlastung, Traumata oder Wachstumsstörungen.

Wie wird eine Gonarthrose diagnostiziert und welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Eine Gonarthrose wird durch Anamnese (Schmerzcharakteristika), körperliche Untersuchung (Achsenverhältnisse, Gangbild, Schwellungen) und Röntgenbilder diagnostiziert. Die Therapie reicht von konservativen Maßnahmen wie Analgetika, Physiotherapie und gelenkfreundlichem Sport bis hin zu operativen Eingriffen wie Gelenkerhalt (Arthroskopien) oder Gelenkersatz (Teil- oder Totalendoprothese).

Kann man einer Patellaluxation vorbeugen?

Eine Patellaluxation kann teilweise durch gezieltes Muskelaufbau- und Stabilisierungstraining (insbesondere Stärkung des M. vastus medialis) sowie die Vermeidung von kniebelastenden Drehbewegungen und Traumata vorgebeugt werden. Bei anlagebedingter Neigung ist dies jedoch schwieriger.

Was ist der Unterschied zwischen einer Baker-Zyste und einer Bursitis?

Eine Baker-Zyste ist eine flüssigkeitsgefüllte Aussackung der Kniegelenkskapsel in die Kniekehle, die meist durch erhöhte Gelenkflüssigkeit aufgrund einer Grunderkrankung (z.B. Arthrose) entsteht. Eine Bursitis hingegen ist eine Entzündung eines Schleimbeutels, wie der Bursa praepatellaris, oft durch direkte Überlastung oder Trauma.

Welche Rolle spielen Achsfehlstellungen wie Genu varum oder valgum bei Kniegelenkerkrankungen?

Achsfehlstellungen wie Genu varum (O-Bein) und Genu valgum (X-Bein) können zu einer chronischen, ungleichmäßigen Fehlbelastung des Kniegelenks führen. Dies erhöht das Risiko für die Entwicklung degenerativer Erkrankungen wie Gonarthrose und kann auch andere Verletzungen begünstigen, da die biomechanische Stabilität des Gelenks beeinträchtigt wird.

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