Podcast über Rentabilitätsanalyse und Make-or-Buy-Entscheidungen
Rentabilitätsanalyse & Make-or-Buy-Entscheidungen: Leitfaden
Podcast
Wirtschaftlichkeitsanalyse im Gesundheitswesen: Mehr als nur Sparen
Délka: 26 minut
Kapitoly
Einleitung: Was ist Wirtschaftlichkeit wirklich?
Das Grundprinzip in der Praxis
Minimal- vs. Maximalprinzip
Was zählt wirklich als Input?
Der Output: Mehr als nur Gewinn
Projekte bewerten: Phasen und Amortisation
Die Kunst der Annahmen
Die Magie von 80/20
Zwei Wege zur Umsetzung
Die Angst vor der Lücke
Die Betriebsphase
Der kalkulatorische Gewinn
Die Gewinnformel
Kriterien für die Entscheidung
Die methodische Vorgehensweise
Die Nutzwertanalyse erklärt
Kosten und das große Ganze
Die Entscheidung und Zusammenfassung
Přepis
Finn: Bis zum Ende der nächsten zehn Minuten werdet ihr verstehen, warum Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen komplett anders funktioniert, als ihr es wahrscheinlich gelernt habt. Es geht um viel mehr als nur darum, den Rotstift anzusetzen.
Lena: Genau, Finn. Wir zeigen euch heute, wie ihr Projekte und Maßnahmen bewerten könnt, um nicht nur eine gute Note zu schreiben, sondern auch in der Praxis die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Finn: Ihr hört den Studyfi Podcast. Lena, legen wir direkt los. Was ist denn diese „Wirtschaftlichkeit“, von der alle reden? Klingt erstmal trocken.
Lena: Das höre ich oft, aber es ist superspannend! Im Kern ist Wirtschaftlichkeit einfach das Verhältnis zwischen dem, was man reinsteckt, und dem, was am Ende rauskommt. Also das Verhältnis von Input zu Output.
Finn: Okay, Input und Output. Das klingt wie Kochen. Zutaten rein, Kuchen raus.
Lena: Perfekte Analogie! Der Input sind deine Zutaten und deine Arbeitszeit, also der Aufwand. Der Output ist der fertige, leckere Kuchen, also das Ergebnis oder der Ertrag. Ein wirtschaftlicher Bäcker würde versuchen, mit möglichst wenig teuren Zutaten einen fantastischen Kuchen zu backen.
Finn: Und wie überträgt man das jetzt auf ein Krankenhaus oder eine soziale Einrichtung? Da backen wir ja keine Kuchen.
Lena: Leider nicht, nein. Aber stell dir vor, ein Krankenhaus überlegt, einen neuen, hochmodernen MRT-Scanner anzuschaffen. Das ist eine riesige Investition.
Finn: Klar, das ist der Input, oder? Das teure Gerät, die Schulung für die Mitarbeiter, vielleicht sogar ein Umbau der Räume.
Lena: Exakt. Und der Output? Was kommt dabei heraus?
Finn: Hm, bessere Bilder, schnellere Diagnosen? Vielleicht kann man mehr Patienten pro Tag untersuchen.
Lena: Genau das! Der Output ist hier eine Leistungssteigerung. Oder man schaut sich die Krankenhausküche an und überlegt: Selber kochen oder das Essen von einem Caterer liefern lassen? Das nennt man „Outsourcing“.
Finn: Ah, eine klassische „Make or Buy“-Entscheidung. Das ist also auch eine Wirtschaftlichkeitsanalyse.
Lena: Richtig. Es geht immer darum, geplante Maßnahmen zu beurteilen. Eröffne ich eine neue Zweigstelle? Schließe ich eine Abteilung? Zentralisiere oder dezentralisiere ich die Verwaltung? All das sind Anwendungsfälle.
Finn: Ich habe mal vom Minimal- und Maximalprinzip gehört. Das klingt wie eine Zwickmühle. Entweder minimaler Einsatz oder maximales Ergebnis, aber beides zusammen geht nicht, oder?
Lena: Eine sehr gute Frage, die oft für Verwirrung sorgt. Lass es uns aufdröseln. Das Minimalprinzip bedeutet: Du hast ein fest definiertes Ziel, einen festen Output, und versuchst, es mit dem geringstmöglichen Einsatz, also minimalem Input, zu erreichen.
Finn: Also, ich will Patientenzimmer renovieren, und zwar genau nach Plan. Ziel ist fix. Jetzt suche ich den günstigsten Anbieter, der das in der geforderten Qualität schafft. Minimaler Input.
Lena: Perfektes Beispiel. Und das Maximalprinzip ist genau umgekehrt. Du hast ein festes Budget, einen festen Input, und versuchst damit, das bestmögliche Ergebnis, den maximalen Output, zu erzielen.
Finn: Ich habe 100.000 Euro Budget für neue medizinische Geräte. Ziel ist es jetzt, dafür die modernsten und leistungsfähigsten Geräte zu bekommen, die auf dem Markt sind. Maximaler Output.
Lena: Besser hätte ich es nicht erklären können. Und jetzt kommt die Gretchenfrage, die auch in Prüfungen gern gestellt wird: Was ist mit dem Mini-Max-Prinzip?
Finn: Das klingt wie der Traum jedes Managers! Mit dem geringsten Einsatz das größtmögliche Ergebnis erzielen. Quasi für einen Euro einen Porsche kaufen. Geht das?
Lena: In der Theorie klingt es super, aber in der Praxis ist es ein logischer Widerspruch. Du kannst nicht gleichzeitig den Input minimieren UND den Output maximieren, weil beide Variablen unbekannt wären. Du brauchst immer einen festen Ankerpunkt – entweder das Ziel oder das Budget. Das Mini-Max-Prinzip ist also eher ein schöner Wunschtraum.
Finn: Okay, das leuchtet ein. Lass uns mal tiefer in den Input schauen. Wenn wir ein Projekt planen, zum Beispiel die Einführung einer neuen Verwaltungssoftware in einer Klinik. Was gehört da alles zum Input? Sicher mehr als nur der Kaufpreis der Software.
Lena: Oh ja, viel mehr! Das ist ein häufiger Fehler, dass man nur die offensichtlichen Kosten sieht. Denk mal an die Personalkosten für die Mitarbeiter, die das Projekt planen und umsetzen.
Finn: Stimmt, deren Arbeitszeit ist ja auch ein Kostenfaktor.
Lena: Genau. Dann natürlich die Betriebsmittel selbst: die Softwarelizenzen, vielleicht neue Computer. Dann die Installation und ganz wichtig: die Schulung der Mitarbeiter! Das wird oft unterschätzt.
Finn: Klar, die beste Software nützt nichts, wenn keiner sie bedienen kann. Was noch?
Lena: Materialkosten, zum Beispiel für gedruckte Anleitungen. Reisekosten, wenn externe Berater anreisen. Später dann Instandhaltung, Wartung, Updates. Und auch Raumbedarf – vielleicht braucht man einen extra Schulungsraum.
Finn: Puh, das läppert sich. Und was sind „kalkulatorische Zinsen“? Das klingt kompliziert.
Lena: Stell es dir so vor: Das Geld, das du in das Projekt investierst, zum Beispiel eine Million Euro, könntest du auch zur Bank bringen und Zinsen dafür bekommen. Diese entgangenen Zinsen sind Kosten, die man mit einrechnen muss, um Projekte fair vergleichen zu können. Man nennt sie kalkulatorische Kosten.
Finn: Okay, die Input-Seite ist klar. Kommen wir zum spannenderen Teil: dem Output. Da denkt man ja sofort an mehr Gewinn oder mehr Umsatz, oder?
Lena: Das ist ein wichtiger Teil, aber gerade im Gesundheits- und Sozialwesen oft nicht der entscheidende. Der Output lässt sich grundsätzlich in drei Bereiche aufteilen. Erstens: Einsparungen.
Finn: Das ist logisch. Die neue Software automatisiert Prozesse, wir sparen Personalkosten. Die neue Heizungsanlage verbraucht weniger Energie, wir sparen Energiekosten.
Lena: Exakt. Der zweite Bereich sind die Leistungswirkungen für die Kunden, also die Patienten oder Klienten. Das ist oft schwerer in Euro zu messen.
Finn: Du meinst sowas wie kürzere Wartezeiten, bessere Behandlungsergebnisse oder höhere Patientenzufriedenheit?
Lena: Genau. Das sind qualitative Verbesserungen. Man kann sie nicht immer direkt in Geld umrechnen, aber sie sind extrem wichtig. Man versucht dann, sie über Kennzahlen messbar zu machen, zum Beispiel die durchschnittliche Durchlaufzeit eines Patienten zu senken.
Finn: Und der dritte Bereich? Du sagtest, es gibt drei.
Lena: Der dritte Bereich sind die gesellschaftlichen Folgewirkungen. Das ist besonders im sozialen Bereich relevant. Stell dir ein Projekt vor, eine neue Suchtberatungsstelle wird eröffnet.
Finn: Der Input sind die Kosten für Räume, Personal und so weiter. Aber was ist der gesellschaftliche Output?
Lena: Der monetäre Output für den Träger ist vielleicht null. Aber gesellschaftlich? Weniger Kriminalität, weniger Langzeitarbeitslose, gesündere Menschen, die wieder am Leben teilhaben. Das spart der Gesellschaft als Ganzes langfristig enorme Summen. Das zu bewerten, ist die große Herausforderung.
Finn: Wie läuft so eine Analyse in der Praxis ab? Man schmeißt ja nicht einfach Input und Output in einen Topf und rührt um, oder?
Lena: Nein, zum Glück nicht. Man teilt ein Projekt typischerweise in drei Phasen ein. Phase eins ist die Analyse- und Planungsphase. Hier entsteht nur Input: Kosten für Marktforschung, Planung, Personal.
Finn: Okay, da wird nur Geld ausgegeben, aber noch nichts verdient.
Lena: Richtig. Phase zwei ist die Einführungs- oder Umsetzungsphase. Hier wird die Software installiert, die neue Station gebaut. Auch hier dominiert der Input, der Output ist noch minimal.
Finn: Und dann kommt die Belohnung.
Lena: Hoffentlich! Phase drei ist die mehrjährige Betriebs- oder Wirkungsphase. Meistens rechnet man hier mit fünf Jahren. In dieser Phase fallen laufende Kosten an, aber jetzt entsteht auch der Output – durch Einsparungen oder mehr Erlöse.
Finn: Und wie entscheide ich jetzt, ob sich das Ganze gelohnt hat? Gibt's da eine Faustregel?
Lena: Eine ganz wichtige Kennzahl ist die Amortisationszeit. Also die Frage: Wie lange dauert es, bis die ursprüngliche Investition durch die jährlichen Gewinne wieder reingespielt ist?
Finn: Ah, der „Payback“. Wie berechne ich den?
Lena: Ganz vereinfacht nimmst du die ausgabewirksame Investitionssumme – also was du wirklich am Anfang zahlen musstest – und teilst sie durch den finanzwirksamen Projektgewinn pro Jahr.
Finn: Also, wenn ich 500.000 Euro investiere und das Projekt pro Jahr 100.000 Euro Gewinn abwirft, hat es sich nach fünf Jahren amortisiert.
Lena: Genau. Und als Faustregel gilt: Wenn die Amortisationszeit deutlich über fünf Jahre liegt, sollte man das Projekt aus betriebswirtschaftlicher Sicht sehr kritisch hinterfragen. Das Risiko wird dann oft zu hoch.
Finn: Aber gerade bei den qualitativen Zielen und den gesellschaftlichen Wirkungen... das kann man ja nicht exakt berechnen. Man kann nur schätzen, wie viele Patienten zufriedener sein werden oder wie sehr die Kriminalität sinkt.
Lena: Das ist der entscheidende Punkt, und der unterscheidet einen guten Betriebswirt von einem reinen Zahlenjongleur. Man muss mit Annahmen arbeiten. Diese Annahmen müssen aber transparent und gut begründet sein.
Finn: Also nicht einfach aus der Luft greifen.
Lena: Auf keinen Fall. Man stützt sich auf Erfahrungen, auf Studien, auf Expertenwissen. Man erstellt dann oft verschiedene Szenarien: einen Best-Case, einen Worst-Case und einen erwarteten Fall. So kann man die Bandbreite der möglichen Ergebnisse aufzeigen.
Finn: Und am Ende ist die Entscheidung dann trotzdem ein Werturteil? Also: Ist uns diese erwartete Wirkung diesen Input wert?
Lena: Exakt. Besonders wenn öffentliche Gelder im Spiel sind, wird es zu einer politischen Entscheidung. Können und wollen wir uns das als Gesellschaft leisten? Wirtschaftlichkeitsanalyse liefert die transparente Datengrundlage für diese Entscheidung. Sie nimmt einem die Entscheidung nicht ab, aber sie macht sie unendlich viel besser.
Finn: Wow, das war wirklich ein super Überblick. Also, um es zusammenzufassen: Wirtschaftlichkeit ist das Verhältnis von Input zu Output, wobei man zwischen Minimal- und Maximalprinzip unterscheidet. Und ganz wichtig: Der Output ist oft viel mehr als nur Geld, gerade im Gesundheitswesen. Es geht um Einsparungen, Leistungsverbesserungen und gesellschaftlichen Nutzen.
Lena: Perfekt rekapituliert. Und die Amortisationszeit hilft uns dabei, das Risiko einer Investition schnell einzuschätzen.
Finn: Klasse. Das gibt mir eine ganz neue Perspektive auf das Thema. Ich glaube, damit sind unsere Zuhörer für die nächste Prüfung bestens gewappnet.
Finn: Das ist ein super Punkt, Lena. Und es führt uns direkt zu einer Idee, die für viele erstmal total kontraintuitiv klingt, aber ein echter Game-Changer ist.
Lena: Oh ja, ich weiß, worauf du hinauswillst. Das Pareto-Prinzip, oder wie die meisten es kennen: die 80/20-Regel.
Finn: Genau! Erklär mal kurz, was dahintersteckt. Die Zahlen klingen ja erstmal... willkürlich.
Lena: Das tun sie, aber die Beobachtung dahinter ist genial. Das Prinzip besagt, dass etwa 80 Prozent der Ergebnisse mit nur 20 Prozent des gesamten Aufwands erreicht werden.
Finn: Okay, also 80 Prozent des Erfolgs kommen von nur 20 Prozent meiner Arbeit? Das klingt zu gut, um wahr zu sein.
Lena: Denk mal drüber nach. Im Geschäftsleben bedeutet das oft, dass 20 Prozent der Kunden für 80 Prozent des Umsatzes sorgen. Oder dass 20 Prozent der Produkte 80 Prozent des Gewinns ausmachen.
Finn: Verstehe. Und im Alltag? Ich trage wahrscheinlich auch nur 20 Prozent meiner Kleidung in 80 Prozent der Zeit.
Lena: Exakt! Das ist ein perfektes Beispiel. Du erreichst den Großteil des „Outputs“ – also gut gekleidet zu sein – mit einem kleinen Teil des „Inputs“, also deiner Garderobe.
Finn: Okay, das Konzept ist klar. Aber wie nutze ich das jetzt ganz konkret, um zum Beispiel meine Lernzeit zu optimieren?
Lena: Es gibt im Grunde zwei Hauptstrategien. Die erste ist, die „produktiven“ 20 Prozent zu analysieren. Was genau machst du in dieser Zeit, das so effektiv ist?
Finn: Also, ich schaue, welche Lernmethoden oder welche Themen den größten Fortschritt bringen.
Lena: Genau. Und dann versuchst du, diese erfolgreichen Methoden auf die restlichen 80 Prozent deiner Lernzeit zu übertragen, um auch diese Zeit produktiver zu machen.
Finn: Das macht Sinn. Und was ist die zweite Strategie? Die klingt bestimmt radikaler.
Lena: Die ist radikaler, ja. Sie heißt Rationalisierung. Hier konzentrierst du dich voll und ganz auf die entscheidenden 20 Prozent und lässt die restlichen 80 Prozent einfach weg.
Finn: Einfach... weglassen? Das klingt, als würde ich dann nur noch für eine 2-minus lernen und den Rest ignorieren.
Lena: Nicht ganz. Es geht darum, bewusst zu entscheiden, was wirklich wichtig ist. Du fokussierst deine Energie auf das, was den größten Hebel hat, anstatt zu versuchen, alles perfekt zu machen.
Finn: Aber da ist doch ein Risiko, oder? Eine 80-Prozent-Lösung ist eben keine 100-Prozent-Lösung. Da können Fehler passieren.
Lena: Absolut. Und das ist die größte Hürde. Viele haben Angst davor, Fehler zu machen. Unsere Kultur ist oft auf Perfektionismus getrimmt, nicht auf Effizienz.
Finn: Stimmt, ein Fehler im Test fühlt sich immer schlecht an, egal wie viel Zeit man gespart hat.
Lena: Genau. Es fehlt oft die Risikobereitschaft und der Mut, frühzeitig aufzuhören. Zu erkennen: „Okay, das ist jetzt gut genug. Die letzten 20 Prozent Perfektion würden mich 80 Prozent mehr Zeit kosten.“
Finn: Der Schlüssel ist also, die Kriterien zu kennen, wann genug wirklich genug ist.
Lena: Exakt. Es geht um kluge Priorisierung, nicht um Faulheit. Das ist der entscheidende Unterschied. Wenn du das meisterst, hast du einen unglaublichen Vorteil.
Finn: Das ist wirklich ein starkes Konzept, um den Fokus zu schärfen. Es geht also nicht nur darum, was man tut, sondern auch darum, was man bewusst NICHT tut.
Lena: Du hast es erfasst. Und das wirft eine wichtige Frage auf: Wie bewerten wir eigentlich, was sich lohnt und was nicht? Das führt uns perfekt zur sogenannten Input-Output-Analyse.
Finn: ...also das macht total Sinn. Aber was passiert, wenn das Projekt dann mal läuft? Die Arbeit ist ja dann nicht vorbei, oder?
Lena: Ganz genau, Finn. Dann beginnt die entscheidende Phase – die Betriebs- oder Wirkungsphase. Hier zeigt sich, ob sich die ganze Planung gelohnt hat.
Finn: Und wie misst man das? Man hat ja laufende Kosten, nehme ich an.
Lena: Exakt. Wir haben einen laufenden Input. Das sind zum Beispiel zusätzliches Personal, Wartungskosten oder andere Betriebskosten, die nur wegen des Projekts anfallen.
Finn: Okay, das sind die Ausgaben. Und was ist mit den Einnahmen? Dem Output?
Lena: Der Output ist das, was wir gewinnen. Also Kosteneinsparungen, vielleicht höhere Umsätze oder andere positive Effekte, die das Projekt bewirkt.
Finn: Klingt logisch. Wie rechnet man das jetzt aber konkret aus, um zu sagen: "Ja, das Projekt ist ein Erfolg"?
Lena: Dafür gibt es eine super wichtige Kenngröße: den kalkulatorischen Projektgewinn pro Jahr. Wir schauen uns also Input und Output für ein Geschäftsjahr an.
Finn: Kalkulatorisch... das klingt kompliziert. Heißt das, der Gewinn ist nur ausgedacht?
Lena: Nicht ganz! Es heißt "kalkulatorisch", weil wir die einmaligen Projektkosten, also für Planung und Umsetzung, auf die gesamte Laufzeit des Projekts verteilen.
Finn: Ah, verstehe. Wie wenn ich mir ein teures Fahrrad kaufe und die Kosten nicht nur an einem Tag sehe, sondern auf die Jahre rechne, die ich es fahre.
Lena: Exakt die richtige Denkweise! Deswegen rechnen wir mit kalkulatorischen Abschreibungen und Zinsen. Das macht die Sache vergleichbar.
Finn: Und wie lautet dann die Formel für diesen Gewinn?
Lena: Die ist zum Glück ganz einfach. Kalkulatorischer Projektgewinn pro Jahr ist einfach: Output minus Input.
Finn: Das ist machbar! Hast du ein Beispiel?
Lena: Klar. Sagen wir, der Output eines Jahres sind 800.000 Euro an Einsparungen. Der laufende und anteilige einmalige Input beträgt 650.000 Euro. Dann liegt der Projektgewinn bei 150.000 Euro.
Finn: Super, das ist wirklich greifbar. So sehen wir schwarz auf weiß, dass sich die Investition lohnt. Das ist die entscheidende Kennzahl, die am Ende zählt.
Lena: Genau. Und das ist die Grundlage für viele weitere Entscheidungen. Aber es gibt natürlich noch andere Methoden, um das zu bewerten...
Finn: Perfekte Überleitung! Lass uns genau da weitermachen.
Finn: So, wir haben jetzt echt viel über die Optimierung interner Prozesse gesprochen. Aber was ist, wenn die beste Optimierung darin besteht, etwas... gar nicht selbst zu machen? Das bringt uns perfekt zu unserem letzten großen Thema für heute.
Lena: Absolut, Finn. Die berühmte „Make-or-Buy“-Entscheidung. Also: Selber machen oder von einem externen Anbieter einkaufen? Das ist eine der strategischsten Fragen überhaupt, besonders im Gesundheits- und Sozialwesen.
Finn: Okay, woran mache ich das fest? Bauchgefühl?
Lena: Besser nicht. Es gibt da eine ganze Reihe von Kriterien, die man abwägen muss. Denk zum Beispiel an den Wertschöpfungsbezug. Wenn eine Tätigkeit nur wenig zur eigenen Wertschöpfung beiträgt, ist das ein starkes Argument für „Buy“.
Finn: Also zum Beispiel die Reinigung in einem Krankenhaus. Wichtig, ja. Aber die Kernkompetenz ist die medizinische Versorgung, nicht das Wischen von Böden.
Lena: Genau. Ein weiteres Kriterium ist der Innovationsgrad. Wenn du etwas einkaufst, profitierst du oft von der hohen Innovationsgeschwindigkeit eines spezialisierten Anbieters. Der ist vielleicht technologisch viel weiter als du je wärst.
Finn: Macht Sinn. Andererseits verliere ich die Chance, eigenes Know-how aufzubauen, wenn ich immer nur einkaufe, oder?
Lena: Exakt! Der Know-how-Gewinn ist ein klares Pro-Argument für „Make“. Genauso wie die Kapazitätsauslastung. Wenn deine Leute und Maschinen eh nur Däumchen drehen, dann ist es schlau, ihnen eine neue Aufgabe zu geben, um die Auslastung zu erhöhen.
Finn: Und was ist mit der Gefahr, von einem einzigen Lieferanten abhängig zu werden? Wenn der plötzlich die Preise erhöht oder Pleite geht…
Lena: Das ist die Gefahr eines Lieferantenmonopols. Ein riesiges Risiko. Das ist ein starker Punkt für „Make“. Du siehst, es ist immer eine Abwägung. Kosten, Know-how, Kapazität, Risiko… all das spielt eine Rolle.
Finn: Puh, das klingt, als könnte man sich da leicht verzetteln. Wie geht man so eine Entscheidung denn systematisch an, damit man nichts vergisst?
Lena: Es gibt einen bewährten, fünfstufigen Prozess. Erstens: Du legst ganz genau fest, worüber du überhaupt entscheidest. Nennen wir es das „Entscheidungsobjekt“. Also nicht nur „die Wäscherei“, sondern „welche Wäsche, wie oft, in welcher Menge“.
Finn: Man grenzt das Problem also erstmal ganz scharf ein. Logisch. Und dann?
Lena: Zweitens: Du prüfst das Ganze mit sogenannten K.o.-Kriterien. Das sind absolute Dealbreaker.
Finn: Ah, wie beim Boxen! Ein Treffer und der Kampf ist vorbei. Was wäre so ein K.o.-Kriterium?
Lena: Das klassische Beispiel ist die Kernkompetenz. Wenn eine Tätigkeit für dein Unternehmen absolut entscheidend ist – sagen wir, die psychologische Betreuung in einer sozialen Einrichtung – dann ist „Buy“ von vornherein ausgeschlossen. Ende der Diskussion.
Finn: Okay, das ist ein super Filter. Und wenn es kein K.o. gibt? Was kommt dann?
Lena: Dann kommt drittens die qualitative Bewertung. Meistens macht man das mit einer Nutzwertanalyse. Viertens die knallharte Kostenanalyse. Und fünftens fasst man beides in einem Entscheidungsportfolio zusammen.
Finn: Okay, Nutzwertanalyse. Das klingt... kompliziert. Hilf mir mal.
Lena: Klingt schlimmer, als es ist. Stell dir vor, du trommelst ein Expertenteam aus allen betroffenen Bereichen zusammen. Dieses Team legt Bewertungskriterien fest. Also Ziele wie: „Was steigert unser Know-how mehr?“ oder „Was macht uns flexibler?“. Solche Dinge.
Finn: Und dann vergibt jeder Punkte?
Lena: Genau. Das Team bewertet für jedes Kriterium, ob „Make“ oder „Buy“ besser abschneidet. Sagen wir auf einer Skala von 1 bis 5. Aber jetzt kommt der Clou: Nicht jedes Kriterium ist gleich wichtig. Innovation ist für ein Tech-Startup vielleicht wichtiger als Stabilität.
Finn: Also muss man die Kriterien gewichten.
Lena: Richtig. Das macht man oft mit einem „paarweisen Vergleich“. Klingt wieder technisch, heißt aber nur: Man vergleicht jedes Kriterium mit jedem anderen und fragt: „Welches ist wichtiger?“. Daraus errechnet sich dann ein prozentuales Gewicht für jedes Kriterium.
Finn: Und am Ende rechnet man die Punkte mal dem Gewicht und sieht, ob „Make“ oder „Buy“ qualitativ die Nase vorn hat. Verstanden!
Lena: Perfekt zusammengefasst. Du hast eine klare, nachvollziehbare Zahl, die dir die qualitative Tendenz zeigt.
Finn: Okay, die weichen Faktoren sind geklärt. Aber am Ende des Tages geht's doch auch ums Geld, oder?
Lena: Immer! Das ist Schritt vier: die Kostenanalyse. Hier machst du eine ganz nüchterne Rechnung auf. Was kostet uns die Leistung pro Stück oder pro Stunde, wenn wir sie selbst erbringen? Und was kostet sie, wenn wir sie einkaufen?
Finn: Bei „Buy“ ist das einfach der Preis des Lieferanten, oder?
Lena: Fast. Du musst auch Bezugskosten wie Transport oder Kommunikation dazurechnen. Und bei „Make“ musst du alle deine Kosten kennen – Material, Löhne, aber auch die anteiligen Gemeinkosten. Das ist oft die größte Herausforderung.
Finn: Und man sollte auch an die Zukunft denken, nehme ich an? Was ist, wenn wir wachsen?
Lena: Sehr wichtiger Punkt. Bei „Make“ hast du hohe Fixkosten. Wenn du wachsen willst, brauchst du vielleicht eine neue Maschine – zack, riesiger neuer Fixkostenblock. Bei „Buy“ hast du viel geringere Fixkosten, aber höhere variable Kosten pro Stück. Das macht dich oft flexibler bei Mengenschwankungen.
Finn: Okay, jetzt haben wir also ein qualitatives Ergebnis aus der Nutzwertanalyse und ein quantitatives aus der Kostenanalyse. Wie bringen wir die Äpfel und Birnen zusammen?
Lena: Mit dem Entscheidungsportfolio! Das ist eine einfache Grafik. Auf der einen Achse trägst du den Kostenvorteil in Prozent ein. Auf der anderen Achse den qualitativen Vorteil, auch in Prozent. Dann malst du einen Punkt, wo sich die beiden Werte treffen.
Finn: Ah, und dann sehe ich sofort, wo ich lande. Wenn „Buy“ zum Beispiel 10 % günstiger ist UND qualitativ 15 % besser bewertet wird...
Lena: ...dann liegt dein Punkt im Quadranten „sicheres Buy“. Die Entscheidung ist ein No-Brainer. Genauso gibt es den Quadranten „sicheres Make“. Spannend wird's aber in den anderen beiden Bereichen.
Finn: Wo zum Beispiel „Make“ günstiger ist, aber „Buy“ qualitativ besser?
Lena: Exakt. Dann musst du als Management eine strategische Entscheidung treffen: Ist uns der qualitative Vorteil den höheren Preis wert? Das Portfolio macht diese Abwägung transparent. Es nimmt dir die Entscheidung nicht ab, aber es gibt dir eine unglaublich gute Grundlage dafür.
Finn: Das ist ein super Werkzeug. Es zwingt einen, strukturiert über alle Aspekte nachzudenken, statt nur auf die Kosten zu schielen. Ein starker Abschluss für heute, Lena.
Lena: Finde ich auch. Die Kernaussage ist: Ob Kostenrechnung, Investitionsanalyse oder eben Make-or-Buy – es geht immer darum, komplexe Entscheidungen auf eine rationale, nachvollziehbare Basis zu stellen. Damit man nicht aus dem Bauch heraus agiert, sondern mit Plan und Weitsicht.
Finn: Und genau diese Werkzeuge geben euch die Sicherheit, die richtigen Weichen für die Zukunft zu stellen. Das war's für heute beim Studyfi Podcast. Vielen Dank, Lena, das war wieder mal extrem erhellend.
Lena: Sehr gerne, Finn! Es hat Spaß gemacht.
Finn: Euch da draußen danke fürs Zuhören. Lernt fleißig, bleibt neugierig und bis zum nächsten Mal! Ciao!