Querschnittlähmung: Ursachen, Symptome und Therapie

Umfassender Artikel zur Querschnittlähmung: Erfahre mehr über Ursachen, Symptome (Motorik, Sensibilität, Vegetativum) und moderne Therapien. Jetzt informieren!

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Querschnittslähmung: Anatomie & Pathophysiologie0:00 / 27:10
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Eine Querschnittlähmung ist ein einschneidendes Ereignis, das das Leben Betroffener nachhaltig verändert. Sie resultiert aus einer Schädigung des Rückenmarks, die zu einem Ausfall motorischer, sensibler und vegetativer Funktionen im und unterhalb des betroffenen Bereichs führt. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Therapiemöglichkeiten bei Querschnittlähmung und bietet dir einen umfassenden Überblick über dieses komplexe Krankheitsbild.

Ursachen der Querschnittlähmung verstehen

Die Schädigung des Rückenmarks, die eine Querschnittlähmung hervorruft, kann verschiedene Ursachen haben, die sich in traumatische und nicht-traumatische Kategorien einteilen lassen.

Traumatische Ursachen

Traumatische Ereignisse sind die häufigsten Auslöser einer Querschnittlähmung. Dazu gehören:

  • Frakturen der Wirbelsäule: Diese können zu einer vollständigen oder teilweisen Einengung des Rückenmarks führen.
  • Unfälle: Verkehrsunfälle, Haushaltsunfälle, Arbeitsunfälle und Sportunfälle sind oft ursächlich.
  • Suizidversuche.

Nicht-traumatische Ursachen

Neben Unfällen gibt es auch nicht-traumatische Ursachen, die eine Querschnittlähmung bewirken können:

  • Entzündliche Erkrankungen des Rückenmarks: Beispiele sind Myelitis oder Spondylitis.
  • Raumfordernde Prozesse: Abszesse, Tumore oder Metastasen, die auf das Rückenmark drücken.
  • Degenerative Veränderungen: Dies betrifft das Rückenmark, die Wirbelsäule, Bandscheiben oder Gefäße sowie osteoporotische Frakturen.
  • Neurologische Systemerkrankungen: Erkrankungen wie Multiple Sklerose (MS) oder Syringomyelie.
  • Angeborene Fehlbildungen: Fehlbildungen des Rückenmarks, der Rückenmarkshäute und der Wirbelsäule, wie Spina bifida.

Arten und Klassifikationen der Querschnittlähmung

Je nach Höhe der Schädigung im Rückenmark und dem Ausmaß der Funktionen, die beeinträchtigt sind, unterscheidet man verschiedene Arten der Querschnittlähmung. Das Rückenmark ist ein zentraler Informationsvermittler zwischen dem Gehirn und dem peripheren Nervensystem und besteht aus grauer und weißer Substanz. Es beginnt am Foramen Magnum und reicht bis etwa zum 1. Lendenwirbelkörper.

Tetraplegie: Komplette und Inkomplette Lähmung

  • Komplette Tetraplegie: Eine Störung des Rückenmarks im Bereich C1 bis C8. Hierbei sind alle motorischen, sensiblen und vegetativen Funktionen der oberen und unteren Extremitäten sowie des Rumpfes betroffen. Funktionell gesehen ist der gesamte Bereich gelähmt.
  • Inkomplette Tetraplegie: Ebenfalls eine Störung im Bereich C1 bis C8. Im Gegensatz zur kompletten Form sind hier die motorischen, sensiblen und vegetativen Funktionen der oberen und unteren Extremitäten sowie des Rumpfes zwar beeinträchtigt, aber funktionell nicht vollständig ausgefallen.

Paraplegie: Komplette und Inkomplette Lähmung

  • Komplette Paraplegie: Eine Schädigung des Rückenmarks ab dem Segment TH1. Betroffen sind hier die motorischen, sensiblen und vegetativen Funktionen des Rumpfes und der unteren Extremitäten, funktionell komplett.
  • Inkomplette Paraplegie: Auch hier beginnt die Störung ab TH1. Die motorischen, sensiblen und vegetativen Funktionen des Rumpfes und der unteren Extremitäten sind betroffen, jedoch funktionell nicht vollständig. Es sind alle Variationen möglich, z.B. eine komplette motorische mit inkompletter sensibler Paraplegie.

Symptome und Konsequenzen einer Querschnittlähmung

Die Symptome einer Querschnittlähmung sind vielfältig und umfassen die Trias aus Motorik, Sensibilität und Vegetativum. Diese Beeinträchtigungen treten auf Höhe und unterhalb der Rückenmarksschädigung auf.

Motorische Symptome und Muskeltonus

  • Fehlende oder eingeschränkte Willkürmotorik: Dies resultiert aus der mangelnden Innervation der Muskulatur.
  • Veränderung des Muskeltonus:
  • Schlaffe Lähmung: Entsteht durch Schädigung peripherer Nerven (2. Motorneuron), z.B. bei einem Conus-Cauda-Syndrom. Sie ist unterhalb L1 immer eine schlaffe Lähmung. Typisch sind verringerte Reflexe, Muskelatrophie und Muskelhypotonie.
  • Spastische Lähmung: Verursacht durch Schädigung des zentralen Motorneurons (1. Motorneuron). Merkmale sind gesteigerte Reflexe, Muskelhypertonie und pathologische Reflexe (z.B. nach Schlaganfall oder Querschnittlähmung).
  • Veränderung der Muskeleigenreflexe: Diese können erloschen oder erhöht sein.

Vorteile der Spastik (wenn funktionell nutzbar):

  • Kann im Alltag genutzt werden (z.B. Beschleunigung von ADL).
  • Muskelkapillarisierung (verhindert Atrophie).
  • Reduziert Dekubitus- und Thrombosegefahr.

Nachteile der Spastik:

  • Einschränkung der ADL.
  • Kontrakturen- und Dekubitusgefahr.
  • Schlafstörungen und Schmerzen.
  • Kann die Atmung beeinträchtigen.

Spinaler Schock: Direkt nach der Querschnittlähmung können für mehrere Wochen Muskeleigen- und Fremdreflexe fehlen, begleitet von einer schlaffen Parese, Weitstellung der Gefäße, Bradykardie und Verlust der Wärmeregulation.

Kennmuskeln und ihre Bewertung

Kennmuskeln (Myome) sind Muskeln, die überwiegend von einem Rückenmarkssegment versorgt werden. Sie dienen der Überprüfung der Muskelfunktion des zugehörigen Segments.

HöheMuskelgruppeMuskeln
C5EllenbogenflexorenM. Biceps brachii, M. Brachialis
C6HandgelenksextensorenM. Extensor carpi radialis longus und brevis
C7EllenbogenextensorenM. Triceps brachii
C8FingerflexorenM. Flexor digitorum profundus (Mittelfinger)
Th 1KleinfingerabduktorenM. Abductor digiti minimi
L2HüftflexorenM. Iliopsoas
L3KnieextensorenM. Quadriceps femoris
L4SprunggelenksextensorenM. Tibialis anterior
L5GroßzehenextensorenM. Extensor hallucis longus
S1SprunggelenksflexorenM. Gastrocnemius, M. Soleus

Muskelbewertung (nach ASIA):

  • 0: Totale Lähmung
  • 1: Palpable oder sichtbare Kontraktion
  • 2: Aktive Bewegung, voller Bewegungsumfang, Schwerkraft eliminiert
  • 3: Aktive Bewegung, voller Bewegungsumfang, gegen Schwerkraft
  • 4: Aktive Bewegung, voller Bewegungsumfang, gegen Schwerkraft und bietet etwas Widerstand
  • 5: Aktive Bewegung, voller Bewegungsumfang, gegen Schwerkraft und bietet normalen Widerstand

Sensibilität und Dermatome

Dermatome sind Hautgebiete, die vorwiegend von einem Rückenmarkssegment versorgt werden. Es gibt Überlappungen, sodass fast alle Gebiete von zwei Segmenten innerviert werden. Das Autonomgebiet wird nur von einem Segment innerviert, das Maximalgebiet beinhaltet alle Überlappungen.

Sensibilitätsstörungen umfassen:

  • Dysästhesie: Unangenehme oder abnormale Missempfindung auf einen normalen Reiz.
  • Hyperästhesie: Überempfindlichkeit für Schmerz-, Temperatur- und Berührungsreize.
  • Hypoästhesie: Herabgesetzte Empfindlichkeit für Schmerz-, Temperatur- und Berührungsreize.
  • Allodynie: Schmerzempfinden aufgrund eines normalerweise nicht schmerzauslösenden Stimulus.

Vegetative Symptome und deren Behandlung

Vegetative Störungen sind weitreichend und betreffen verschiedene Organsysteme.

  • Herz-Kreislauf-System: Insbesondere die Orthostatische Hypotonie, ein Wegfall des Sympathikuseinflusses auf den kardialen Output. Dies führt zu Schwindel oder Ohnmacht bei Vertikalisierung (z.B. Aufstehen). Maßnahmen: Vertikalisierung beenden, Bauchgurt, Kompressionsstrümpfe, Muskelaktivität, adäquate Hydrierung.
  • Atmung: Je nach Läsionshöhe können Atemmuskeln (Diaphragma C3-C5, Mm. intercostales T1-T12, Bauchmuskulatur) eingeschränkt sein. Eine paradoxe Atmung (dorsal, medial, caudal) kann auftreten. Atemtherapie mit Hilfsmitteln wie Inhalog (IPPB Atemtherapiegerät) ist oft notwendig, insbesondere bei einer Vitalkapazität unter 1500ml oder starker Verschleimung. Ein geringer Hustenstoß erfordert oft eine Abhustehilfe (Thoraxkompression).
  • Thermoregulation: Gestört.
  • Verdauung / Stoffwechsel: Darmprobleme betreffen bis zu 90% der Patienten. Ein Darmmanagement zielt auf Selbstständigkeit und regelmäßige, vorhersagbare Entleerungen ab. Es wird zwischen einem spastischen (oberes Motoneuron) und einem schlaffen (unteres Motoneuron) Darm unterschieden.
  • Blase: Störungen der Blasenfunktion sind häufig. Eine Reflexblase (spastisch) entsteht bei Schädigung oberhalb des spinalen Miktionszentrums (S2-S4), während eine schlaffe Blase (areflexiv) bei Unterbrechung der Nervenbindung zum Miktionszentrum auftritt. Hilfsmittel: Intermittierender Selbstkatheterismus (ISK) ist Mittel der Wahl.
  • Sexualfunktion: Kann bei Männern Erektions-, Ejakulations- und Orgasmusfähigkeit beeinflussen (psychogene vs. reflektorische Erektion). Bei Frauen können Lubrikationsprobleme auftreten; Fruchtbarkeit und Empfängnis sind meist nicht betroffen. Es gibt diverse Hilfsmittel und Strategien zur Anpassung.

Diagnostik bei Querschnittlähmung

Die Diagnostik umfasst bildgebende Verfahren und neurologische Tests zur genauen Bestimmung des Ausmaßes und der Höhe der Lähmung.

ASIA-Klassifikation (ISNCSCI)

Die American Spinal Injury Association (ASIA) verwendet ein weltweit anerkanntes Klassifizierungssystem zur Beurteilung von Sensibilität und Motorik der Rückenmarkssegmente. Es stellt eine Diagnose über Lähmungshöhe und Ausmaß (komplett/inkomplett) dar.

Klassifikationen ASIA Impairment Scale (AIS):

  • A = Komplett: Keine sensible oder motorische Funktion in den sakralen Segmenten (S4-S5).
  • B = Sensibel inkomplett: Keine motorischen Funktionen unterhalb des neurologischen Niveaus, aber erhaltene sensible Funktionen, mindestens in S4/S5 (sakrale Aussparung).
  • C = Motorisch inkomplett: Motorische Funktionen unterhalb des neurologischen Niveaus mit einem Muskelkraftgrad von < 3 in der Mehrheit der Kennmuskeln.
  • D = Motorisch inkomplett: Motorische Funktionen unterhalb des neurologischen Niveaus mit einem Muskelkraftgrad ≥ 3 in der Mehrheit der Kennmuskeln.
  • E = Normal: Sensible und motorische Funktionen sind normal nach vorangegangenen neurologischen Defiziten.

Prüfung der Sensibilität und Motorik

Höhe der motorischen Querschnittlähmung: Orientierung am letzten gesunden Segment (Kennmuskelwert 5). Ein erster Kennmuskelwert von 3 oder 4 unterhalb der letzten 5 zählt noch als gesundes Segment. In Bereichen ohne Kennmuskeln wird sich an der Sensibilität orientiert.

Höhe der sensiblen Querschnittlähmung: Orientierung am letzten gesunden Segment (Scale 2). Eine auffällige Sensibilitätsqualität (rechts/links) stuft das Segment als „nicht gesund“ ein.

Key Sensory Points: Spezifische Punkte am Körper zur Prüfung des Berührungs- und Schmerzempfindens, die bestimmten Dermatomen zugeordnet sind (z.B. C2 3cm hinter dem Ohr, T4 Brustwarzenhöhe, L4 medialer Malleolus, S4/5 Anus).

Berührungs- und Schmerzempfinden (Prüfung):

  • Berührungsempfinden: Mit Watte oder Pinsel. Pretest im Gesicht, dann 1cm lange Striche mit leichtem Druck. Bewertung: 2 Punkte (normal), 1 Punkt (Hyper-/Hypoästhesie), 0 Punkte (kein Gefühl).
  • Schmerzempfinden: Mit Sicherheitsnadel (spitz/stumpf). Bewertung: 2 Punkte (Unterschied erkennbar/normal), 1 Punkt (Unterschied erkennbar, Intensität anders), 0 Punkte (kein Unterschied).

Karteikarten

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Welche Nerven steuern die sympathische Innervation der Blase (Segmentbereich)?

Nervi hypogastrici, Segmente Th10–Th12.

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Therapie und Rehabilitation bei Querschnittlähmung

Die Therapie und Rehabilitation zielen darauf ab, die größtmögliche Selbstständigkeit zu erreichen und Komplikationen vorzubeugen. Die Ziele richten sich nach Läsionslevel, Patientenmotivation, Komplikationen, Begleitverletzungen, Körperkonstitution und Umfeld.

Physiotherapeutische Behandlung und Ziele

Ziele in der Akutphase / Spinaler Schock:

  • Pneumonieprophylaxe und Verbesserung der Atemsituation.
  • Kontrakturenprophylaxe (passives/assistives/aktives Durchbewegen).
  • Thromboseprophylaxe.
  • Verbesserung der Kreislaufsituation.
  • Kräftigung der innervierten/teilinnervierten Muskulatur.
  • Verbesserung der Nervenmobilität.
  • Mobilisation im Aktiv- oder Elektrorollstuhl.
  • Verbesserung/Anleitung von Transfers und Bewegungsübergängen (Matteprogramm).
  • Einbeziehung von Angehörigen.

Ziele in der Rehabilitation:

  • Verbesserung von Schmerzen und Spastik.
  • Intensivierung von Bewegungsübergängen/Lagewechseln.
  • Verbesserung der Rollstuhlfähigkeiten.
  • Mobilisation in höhere Ausgangsstellungen.
  • Steh- und Gehtraining (inkl. Hilfsmittelversorgung).
  • Verbesserung der Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL) wie Transfers und Autotransfer.
  • Anleitung zum selbstständigen Durchbewegen.

Rollstühle und Mobilität

Die Auswahl und Anpassung des Rollstuhls ist entscheidend für die Mobilität und Selbstständigkeit.

  • Elektrorollstuhl: Bei hoher kompletter Tetraplegie (C1-C4) mit Kinn-, Augen- oder Saug-Blas-Steuerung.
  • Aktivrollstuhl: Bei kompletter Tetraplegie sub C5 (auf ebenen Flächen, im Gelände elektrisch unterstützt) und für Paraplegiker (Festrahmen- oder Faltrollstuhl, viele Einstellungsmöglichkeiten).

Rollstuhlanpassung ist individuell und betrifft Sitzbreite, Sitztiefe, Sitzhöhe, Sitzgefälle (optimale Gewichtsverteilung 80% hinten, 20% vorne), Rückenhöhe und Fußrasten.

Auswirkungen fehlerhafter Rollstuhlanpassung:

  • Haltungsschäden, Verlust der Körperstabilität.
  • Überlastung von Hals, Schulter, Hand, Ellenbogengelenken.
  • Verkürzung der Bauch- bzw. Brustmuskulatur.
  • Abbau aktiver Muskulatur, Verletzungs- und Dekubitusgefahr, Schmerzen.
  • Schlechte Rolleigenschaften, verminderte Wendigkeit und eingeschränkte Bewegungsfreiheit.

Rollstuhltraining und Rollstuhlsport fördern Aktivität, Teilhabe, Lebensqualität, Selbstvertrauen und beugen Folgeerkrankungen vor.

Funktionshand und Trickextension

Bei Tetraplegie C5/C6/C7 ist die Entwicklung einer Funktionshand erstrebenswert. Sie ermöglicht eine Greiffunktion ohne Innervation der Fingermuskulatur durch Verkürzung der Fingerflexoren und Erhaltung der Gelenkbeweglichkeit in Extension. Niemals aufdehnen!

  • Passive Funktionshand: Bei fehlender aktiver Handgelenksbeweglichkeit (C6), Nutzung von Schwerkraft und Supinationsbewegung zum Schließen der Hand.
  • Aktive Funktionshand: Handgelenk kann aktiv in Extension (C6) gebracht werden, wodurch sich die Finger schließen.

Trickextension Tetraplegie: Ohne Trizepsfunktion wird über aktive Adduktions- und Außenrotationsbewegung der Schulter mit Punctum Fixum der Hände eine passive Ellenbogenextension ermöglicht. Dies erleichtert ADL und Transfers.

Steh- und Gehtraining

Stehfähigkeit im Stehbrett:

  • Voraussetzungen: Stabiler Knochen-Band-Apparat, stabile Herz-Kreislauf-Situation, ausreichende Rumpfstabilität.
  • Sinn: Teilbelastung bei Gehfähigkeit, Kreislauftraining, Vorbereitung auf Laufbandtraining oder Transfers, Kontrakturprophylaxe.

Gehfähigkeit und Gehtraining:

  • Ist abhängig von Schwere und Höhe der Querschnittlähmung.
  • Voraussetzungen: Stabile Kreislaufsituation, ausreichende Rumpfstabilität, Belastbarkeit.
  • Aufbau: Lokomotionstraining auf dem Laufband (mit Körpergewichtsentlastung), Gehtraining im Gehbarren, dann mit Rollator/Unterarmgehstützen/Nordic Walking Stöcken oder ohne Hilfsmittel.

Komplikationen nach Querschnittlähmung

Querschnittgelähmte sind einem erhöhten Risiko für verschiedene Komplikationen ausgesetzt:

  • Dekubiti: Druckgeschwüre aufgrund von Druck, Zeit und Disposition. Es gibt vier Grade. Vorbeugung durch Hautpflege, -kontrolle, Druckvermeidung, Lagerung, spezielle Matratzen/Sitzkissen und Vermeidung von Feuchtigkeit. Nachbehandlung bei Lappendeckung erfordert strikte Bettruhe und Freilagerung.
  • PAO (Periartikuläre Ossifikation): Verknöcherungsprozess von Weichteilen und Gelenken, meist an großen Gelenken (häufig Hüftgelenk). Symptome sind Rötung, Schwellung, Wärme, Bewegungseinschränkung und Schmerzen. Therapie umfasst Mobilisation, Röntgenbestrahlung und ggf. OP.
  • Kontrakturen: Muskelverkürzungen, die zu Gelenkeinschränkungen führen, verursacht durch Tonuserhöhung/Spastik, Bewegungsmangel, muskuläre Dysbalancen oder schlechte Lagerung.
  • Schmerzen: Sowohl nozizeptive (akut bei Gewebereizung) als auch neuropathische Schmerzen (durch Nervenschädigung). Letztere werden oft gürtelförmig beschrieben und sind medikamentös schwer einzustellen.
  • Thrombose: Fehlende Muskelpumpe und Vasodilatation, insbesondere in der spinalen Schock-Phase.
  • Pneumonie.
  • Osteoporose: Inaktivitätsosteoporose.
  • Inkontinenz.
  • Autonome Dysreflexie: Vegetative Entgleisung bei kompletter/inkompletter Querschnittlähmung oberhalb Th6 durch Dehnung von Hohlräumen unterhalb der Lähmung. Führt zu unkontrolliertem Bluthochdruck. Anzeichen: Gänsehaut, Schwitzen, Kribbeln/Kopfschmerzen, Gesichtsrötung. Maßnahmen: Oberkörperhochlagerung, sofortige Ursachenbehebung (z.B. Blasen-/Darmprobleme, zu enge Kleidung).

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen Tetraplegie und Paraplegie?

Tetraplegie bezeichnet eine Querschnittlähmung, bei der alle vier Extremitäten (Arme und Beine) sowie der Rumpf betroffen sind, meist durch eine Schädigung im Bereich der Halswirbelsäule (C1-C8). Paraplegie hingegen betrifft nur den Rumpf und die unteren Extremitäten und resultiert aus einer Schädigung unterhalb des ersten Brustwirbels (ab TH1).

Welche Ursachen führen zu einer Querschnittlähmung?

Die Ursachen einer Querschnittlähmung lassen sich in traumatische und nicht-traumatische einteilen. Traumatische Ursachen sind häufig Unfälle (Verkehr, Sport, Haushalt) oder Frakturen der Wirbelsäule. Nicht-traumatische Ursachen umfassen entzündliche Erkrankungen, Tumore, degenerative Veränderungen oder angeborene Fehlbildungen des Rückenmarks.

Wie wird eine Querschnittlähmung diagnostiziert?

Die Diagnose erfolgt durch bildgebende Verfahren wie Röntgen, MRT oder CT, um die Art der Verletzung zu erkennen. Anschließend wird die ASIA-Klassifikation (ISNCSCI) angewendet, um das genaue Ausmaß und die neurologische Höhe der Lähmung anhand motorischer und sensibler Funktionen der Rückenmarkssegmente zu bestimmen.

Welche Komplikationen können bei einer Querschnittlähmung auftreten?

Häufige Komplikationen sind Dekubiti (Druckgeschwüre), Periartikuläre Ossifikationen (PAO), Kontrakturen, chronische Schmerzen (neuropathisch oder nozizeptiv), Thrombosen, Pneumonien, Osteoporose, Inkontinenz (Blase und Darm) und die autonome Dysreflexie. Ein umfassendes Management dieser Komplikationen ist Teil der Rehabilitation.

Was bedeutet „Funktionshand“ bei Tetraplegie?

Eine Funktionshand ist ein rehabilitatives Ziel bei bestimmten Tetraplegie-Formen (z.B. C5/C6/C7), das eine Greiffunktion ermöglicht, obwohl die Muskulatur der Finger gelähmt ist. Dies wird durch eine gezielte Verkürzung der Fingerbeuger und die Erhaltung der Streckfähigkeit der Fingergelenke erreicht, oft unter Nutzung der Handgelenksextension oder Schwerkraft. Angehörige müssen geschult werden, um ein unabsichtliches Dehnen der Fingerflexoren zu verhindern.

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