Grundlagen der Pflege und Gesundheitsversorgung

Umfassender Leitfaden zu den Grundlagen der Pflege und Gesundheitsversorgung für Studierende. Alles von Temperaturregulation bis Demenzpflege. Jetzt lernen und Prüfung bestehen!

In diesem umfassenden Artikel tauchen wir tief in die Grundlagen der Pflege und Gesundheitsversorgung ein. Er ist speziell für Studierende konzipiert, die sich auf Prüfungen vorbereiten oder ihr Wissen in diesem vielfältigen und essenziellen Bereich der Gesundheitsbranche festigen möchten. Von der Regulierung der Körpertemperatur bis hin zu komplexen Schmerztherapien und der Herz-Kreislauf-Physiologie – hier finden Sie eine detaillierte Übersicht der Grundlagen der Pflege und Gesundheitsversorgung.

Grundlagen der Körpertemperaturregulierung: Hypothermie und Hyperthermie

Die Fähigkeit des Körpers, seine Temperatur zu regulieren, ist entscheidend für die Gesundheit. Abweichungen können lebensbedrohlich sein und erfordern präzises pflegerisches Handeln.

Hypothermie: Unterkühlung des Körpers

Hypothermie beschreibt eine Unterkühlung der Körpertemperatur unter 33 °C. Lebensgefährlich wird dieser Zustand bereits bei Temperaturen unter 30 °C. Die häufigste Ursache ist ein langer Aufenthalt in kalter Umgebung, sei es in Schnee oder Wasser.

Hyperthermie: Überwärmung ohne Sollwertverstellung

Hyperthermie ist eine Überwärmung des Körpers über 39 °C, ohne dass das Wärmeregulationszentrum im Gehirn den Sollwert verstellt hat. Dies unterscheidet sie vom Fieber.

Es gibt verschiedene Formen der Hyperthermie:

  • Sonnenstich: Verursacht durch lange Sonneneinstrahlung auf unbedeckten Kopf- und Nackenbereich, was zu einer Anschwellung der Hirnhäute führen kann. Symptome sind Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen.
  • Hitzekollaps: Entsteht durch langen Aufenthalt in warmer Umgebung ohne ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Dies kann zu einem Zusammenbruch des Organismus mit Ohnmacht und Bewusstlosigkeit führen.
  • Hitzschlag: Hierbei kann der Körper aufgrund von Kleidung oder Decken keine Wärme abgeben. Die Folge sind Überwärmung und Ohnmacht.
  • Durstfieber: Tritt vor allem bei Säuglingen durch Flüssigkeitsmangel auf. Der Sollwert ist dabei nicht verstellt, weshalb es eher zur Hyperthermie zählt.

Fieber: Eine Erhöhung des Sollwerts

Fieber ist eine Erhöhung der Körpertemperatur über 37 °C, die durch fiebererzeugende (pyrogene) Stoffe hervorgerufen wird. Diese Stoffe bewirken eine Höherstellung des Sollwerts der Körpertemperatur im Wärmeregulationszentrum. Fieber ist oft ein erstes Anzeichen einer Erkrankung, wobei die Regulationsmechanismen zur Wärmeabgabe und -bildung primär intakt sind und versuchen, den neuen Sollwert zu erreichen und aufrechtzuerhalten.

Die Gradeinteilung des Fiebers ist wie folgt:

  • 36,3 °C - 37,4 °C: Normaltemperatur
  • 37,5 °C - 38,0 °C: Subfebrile Temperatur
  • 38,1 °C - 38,5 °C: Leichtes Fieber
  • 38,6 °C - 39,0 °C: Mäßiges Fieber
  • 39,1 °C - 39,9 °C: Hohes Fieber
  • 40,0 °C - 42,0 °C: Sehr hohes Fieber

Ab 42,6 °C beginnt die Denaturierung von Proteinen, was zum Tod führen kann.

Verschiedene Fieberarten und ihre Ursachen

Es gibt unterschiedliche Arten von Fieber, basierend auf ihrer Ursache:

  • Infektiöses Fieber: Verursacht durch Bestandteile von Bakterien, Viren und Pilzen (exogene Pyrogene), die im Organismus zahlreiche Prozesse aktivieren.
  • Resorptionsfieber (aseptisches Fieber): Eine Temperaturerhöhung infolge der Aufnahme von Wundsekret, Gewebstrümmern und Blutergüssen, z.B. postoperativ oder nach Verletzungen. Es dauert einige Tage an und erreicht höchstens 38,5 °C.
  • Zentrales Fieber: Sehr hohes Fieber, hervorgerufen durch eine Schädigung des Temperaturregulationszentrums, etwa nach Hirntraumen.
  • Toxisches Fieber: Entsteht als Reaktion auf körperfremdes Eiweiß, z.B. bei Bluttransfusionen oder Impfungen.
  • Dreitagefieber: Eine Virusinfektion bei Kleinkindern, bei der das Fieber drei Tage lang zwischen 39 °C und 40 °C liegt.

Wundmanagement: Definition, Klassifikation und Heilungsprozess in der Pflege

Wunden sind definiert als Zerstörung oder Trennung von Körpergewebe, meist verbunden mit Substanzverlust und Funktionseinschränkung. Im medizinischen Alltag bezieht sich der Begriff oft auf Gewebeschäden, die mit der Zerstörung der Haut- oder Schleimhautoberfläche einhergehen.

Einteilung von Wunden nach verschiedenen Kriterien

Wunden können nach vier Hauptkriterien klassifiziert werden:

  1. Entstehungsursache:
  • Schürfwunde, Platzwunde, Kratzwunde, Stichwunde, Quetschwunde, Ablederungswunde, Risswunde, Schusswunde
  • Verätzungen, Verbrennungen, Erfrierungen
  • Strahlenbedingte Wunden (z.B. Krebstherapie, Sonnenbrand)
  1. Art und Tiefe:
  • Oberflächliche Wunde
  • Geschlossene Wunde
  • Offene Wunde
  1. Grad der Keimbesiedelung:
  • Aseptische Wunde
  • Bedingt aseptische Wunde (nicht älter als 6 Stunden, z.B. genähte Schnittwunde)
  • Kontaminierte Wunde
  • Septische Wunde
  1. Heilungsverlauf:
  • Akute Wunden: Heilen überwiegend komplikationslos, entstanden durch Trauma inklusive Operation.
  • Chronische Wunden: Der Heilungsprozess dauert mindestens 6-8 Wochen. Der Wundzustand ist statisch und bleibt in einer Wundheilungsphase stecken. Oft verstärkt sich der Wundgeruch.

Der Prozess der Wundheilung in Phasen

Die Wundheilung ist ein physiologischer Prozess zur Wiederherstellung des geschädigten Gewebes, der bereits wenige Minuten nach Wundentstehung beginnt.

  1. Exsudationsphase (Reinigungsphase):
  • Blutstillung durch Gefäßengstellung und Blutgerinnung.
  • Abwehrzellen (Leukozyten, Makrophagen) wandern ein und bauen Bakterien und Gewebsnekrosen ab.
  • Fibrin verklebt die Wunde. Dauer: ca. 4 Tage.
  1. Proliferationsphase (Granulationsphase):
  • Einsprießen von Kapillaren und Einwanderung von Fibroblasten, die ein Gerüst für die Gewebeneubildung schaffen.
  • Ausbildung von gefäßreichem Granulationsgewebe. Die Wunde schrumpft und wird fester. Dauer: ca. 10-14 Tage.
  1. Reparationsphase (Epithelisierungsphase):
  • Einwanderung von Epithelzellen und Ausbildung von Narbengewebe.
  • Verschluss durch Verdickung der Zellschicht. Dauer: mehrere Wochen bis 3 Monate.

Man unterscheidet auch zwischen:

  • Primäre Wundheilung: Weitgehende Wiederherstellung der normalen Strukturen mit minimaler Narbenbildung (z.B. aseptische OP-Wunden mit aneinanderliegenden Wundrändern).
  • Sekundäre Wundheilung: Offene Wundheilung mit verzögertem Verlauf und ausgedehnter Narbenbildung (tritt bei klaffenden, infizierten, großflächigen oder chronischen Wunden auf).

Störfaktoren und Wundbeobachtung

Verschiedene Faktoren können die Wundheilung beeinträchtigen:

  • Lokal: Druck auf der Wunde, Infektionen, Fremdkörper, unzureichende Ruhigstellung.
  • Allgemein: Alter, Ernährungszustand, Stress, allgemeine Grunderkrankungen.

Bei der Wundbeobachtung sind folgende Punkte zu beachten:

  • Lokalisation und Größe: Wo ist die Wunde? Länge, Breite, Tiefe.
  • Wundrand: Flach? Nekrosen?
  • Wundumgebung: Zustand der Umgebungshaut.
  • Wundgrund: Belag in der Wunde (Eiter, Muskeln, feucht, trocken?).
  • Wundexsudat: Menge, Konsistenz, Farbe, Geruch.

Wichtiger Hinweis: Bei Patienten mit Wunden in der ZNA ist auf den Tetanusimpfschutz zu achten.

Schmerzmanagement: Schmerzempfindung, -analyse und -therapie in der Pflege

Schmerz wird als ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis definiert, das mit aktueller oder potenzieller Gewebsschädigung verknüpft ist. Die Wahrnehmung und Bewertung von Schmerz ist hochgradig individuell und subjektiv, beeinflusst durch Faktoren wie Angst oder Stress.

Funktionen und Lokalisation von Schmerz

Schmerz hat wichtige Funktionen:

  • Signalfunktion: Schutz des Organismus vor schädlichen Einflüssen.
  • Körperwahrnehmung: Erhöht die Aufmerksamkeit für den Körper.
  • Ausweichverhalten: Ermöglicht situationsgerechtes Reagieren, Schonhaltung und Ruhigstellung.
  • Heilungsprozess: Fördert die Heilung durch erzwungene Schonung.

Die Schmerzlokalisation beantwortet die Frage: Wo tut es weh?

Schmerzqualität und -entstehung

Die Schmerzqualität beschreibt, wie es weh tut. Hier unterscheidet man:

  • Neuropathischer Schmerz: Brennend, stechend, bohrend.
  • Viszeraler Schmerz: Dumpf, ziehend, drückend, krampfartig.
  • Somatischer Schmerz: Stechend, scharf begrenzt.

Schmerzentstehung kann durch ein tatsächliches Trauma (Wunde, Verletzung) oder durch eine Erkrankung, die mit Gewebeuntergang einhergeht (Entzündung), erfolgen.

Nozizeption: Der physiologische Prozess der Schmerzwahrnehmung

Nozizeption ist der physiologische Prozess der Schmerzwahrnehmung, d.h., die Aufnahme, Weiterleitung und Verarbeitung von Schmerzreizen durch das Nervensystem. Dieser Prozess läuft in vier Phasen ab:

  1. Transduktion (Schmerzentstehung): Gewebeschädigung setzt chemische Botenstoffe frei (z.B. Histamin, Serotonin), die die Empfindlichkeit der Nozizeptoren steigern und ein elektrisches Potenzial (Aktionspotenzial) erzeugen.
  2. Transmission (Schmerzleitung): Das Aktionspotenzial wird ins Rückenmark weitergeleitet, auf ein zweites Neuron übertragen und zum Gehirn verteilt.
  3. Schmerzwahrnehmung: Der Schmerz dringt ins Bewusstsein (Großhirnrinde) vor und wird bewertet.
  4. Modulation (Schmerzbeeinflussung): Parallel dazu schüttet der Körper eigene schmerzreduzierende Stoffe (z.B. Endorphine) aus.

Vegetative Symptome bei starken Schmerzen sind u.a. Steigerung der Muskeldurchblutung, Erhöhung des Herzzeitvolumens, verminderte Durchblutung des Magen-Darm-Trakts, Aktivierung der Schweißdrüsen und Pupillenerweiterung.

Akuter und chronischer Schmerz

  • Akuter Schmerz: Durch ein akutes Ereignis ausgelöster Schmerz, der kurzzeitig auftritt und kurativ (heilend) behandelt wird.
  • Chronischer Schmerz: Lang anhaltende oder wiederkehrende Schmerzzustände, deren Ursache oft nicht mehr ergründbar ist. Die Behandlung zielt hier meist auf Linderung der Schmerzbelastung ab.

Ziele des Schmerzmanagements und Schmerzassessment

Die Ziele des Schmerzmanagements sind:

  • Schmerzen erkennen.
  • Therapien einleiten und deren Wirksamkeit beurteilen.
  • Bei nicht erfolgreicher Therapie nachsteuern.

Ein Schmerzassessment ist die systematische Einschätzung und Beurteilung von Schmerzen mithilfe geeigneter Skalen (z.B. Visuelle Analogskalen (VAS), Numerische Rating-Skala (NRS), Verbale Rating Skala (VRS)). Speziell für die Intensivstation gibt es die Behavioral Pain Scale (BPS) zur Beurteilung beatmeter oder tief sedierter Patienten, die Mimik, Bewegung und physiologische Parameter einbezieht.

Auswirkungen von Schmerz können vielschichtig sein:

  • Psychisch: Angst, Depressionen, Qual, Wahrnehmungs- und Aufmerksamkeitsstörungen.
  • Physisch: Kraftlosigkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Verstopfung.
  • Sozial: Beeinträchtigung von Rollen/Beziehungen, Passivität, Arbeitsunfähigkeit.
  • Geistig: Leiden, Motivationsverlust, Schuldgefühle.
  • Kulturell: Unterschiedlicher Umgang mit Schmerzäußerungen.

Nichtmedikamentöse und medikamentöse Schmerztherapie

Die nichtmedikamentöse Schmerztherapie umfasst:

  • Positionierungen, Bettruhe/Ruhigstellung, Bewegungstherapie.
  • Interferenzstromtherapie, Kurzwellendiathermie, Entspannungsverfahren.
  • Gespräche, Information, Beratung, Anleitung, Akupunktur.
  • Wärme/Kälteanwendungen, Massagen, Kinesio-Taping.

Die medikamentöse Schmerztherapie folgt bestimmten Grundprinzipien:

  • Lückenlose Fortsetzung der Analgetika-Gabe von OP/AWR bis Infusionsende.
  • Analgetika-Dauergabe statt Bedarfsmedikation in den ersten Tagen.
  • Schmerzen gar nicht erst aufkommen lassen.
  • Kombination systemischer und lokaler Analgetika sowie von Analgetika mit verschiedenen Wirkmechanismen.
  • Anwendung patientenkontrollierter Analgesie und engmaschiges Schmerzassessment. Eine Monotherapie ist selten effektiv; eine Kombinationstherapie ermöglicht oft eine langanhaltende Schmerzreduktion.

Notfall- und Intensivpflege: Reanimation, Traumatologie und Monitoring

In kritischen Situationen sind schnelle und koordinierte Maßnahmen entscheidend. Die Grundlagen der Notfall- und Intensivpflege sind hier von zentraler Bedeutung.

Cardiopulmonale Reanimation (CPR)

Die Cardiopulmonale Reanimation (CPR) folgt den Richtlinien des European Resuscitation Council (ERC), die spezifische Anweisungen für die Wiederbelebung enthalten.

  • (P)BLS (Pediatric Basic Life Support / Basic Life Support): Grundlegende lebenserhaltende Maßnahmen, die möglichst ohne Zeitverzögerung begonnen werden sollten. Für Ersthelfer und Fachpersonal im klinischen Alltag.
  • (P)ALS (Pediatric Advanced Life Support / Advanced Life Support): Enthält neben grundlegenden Maßnahmen weiterführende Maßnahmen wie Defibrillation und Intubation. Für Reanimationsteams im Krankenhaus und Rettungsdienst.

Ein automatisierter externer Defibrillator (AED) arbeitet mit Piktogrammen und Sprachanweisungen, um ungeschulte Ersthelfer durch den Vorgang zu führen.

Verzicht auf eine Reanimation ist in bestimmten Fällen gegeben:

  • Vorliegen sicherer Todeszeichen (Leichenflecke, Leichenstarre, Fäulnis).
  • Mit dem Leben nicht vereinbare Verletzungen (z.B. Durchtrennung des Thorax).
  • Massenanfall von Patienten mit Missverhältnis von Rettern und Verletzten.
  • Ungesicherter Hochspannungs- oder Blitzschlagunfall.
  • Attestierter Patientenwille (Patientenverfügung).

Umgang mit Angehörigen während der Reanimation: Alle Patienten haben ein Anrecht auf die Anwesenheit von Angehörigen, und diese sollten danach angemessen betreut werden.

Traumatologie: Verletzungen und Frakturen

Die Traumatologie ist die Lehre von unfallbedingten Verletzungen.

Frakturen sind Kontinuitätsunterbrechungen von Knochen mit Bildung von Bruchstücken (Fragmenten).

  • Einteilung nach Ursache: Pathologische Frakturen (z.B. Osteoporose), traumatische Frakturen (z.B. durch Gewalteinwirkung).
  • Einteilung nach Form: Offene Frakturen (sichtbarer Knochen), geschlossene Frakturen (nicht sichtbarer Knochen), dislozierte Fraktur (verschobene Fragmente), nicht dislozierte Fraktur (nicht verschobene Fragmente).

Die Therapie folgt oft der 3-R-Regel:

  • Reposition: Wiederherstellung der ursprünglichen Knochenstellung.
  • Ruhigstellung: Konservativ (Gipsverband, Castverband, Orthesen) oder operativ (Platten, Schrauben, Endoprothesen, Drähte).
  • Rehabilitation: Physiotherapie so schnell wie möglich.

Komplikationen von Frakturen können Blutverlust (Schockgefahr) und Begleitverletzungen von Haut, Muskeln, Sehnen und Nerven sein.

Frakturzeichen:

  • Unsichere: Schmerzen, Schwellung, Hämatome, Bewegungseinschränkung.
  • Sichere: Fehlstellung, abnorme Beweglichkeit, Krepitation (Knochenreiben), sichtbares Fragment.

Die Diagnostik erfolgt meist mittels Röntgen und körperlicher Untersuchung.

Frakturheilung kann direkt (Osteoklasten und Osteoblasten sorgen für fugenloses Zusammenwachsen) oder indirekt (vorübergehendes Knorpelgewebe hält Fragmente zusammen und wird später in Knochengewebe umgewandelt) erfolgen.

Polytrauma: Versorgung schwerstverletzter Patienten

Ein Polytrauma bezeichnet mehrere schwere Verletzungen, von denen mindestens eine oder die Kombination der Verletzungen lebensbedrohlich ist.

Wann müssen schwere Verletzungen vermutet werden?

  • Sturz > 5 m Höhe, Explosionen, Einklemmung, Verschüttung, Herausschleudern aus Fahrzeugen.
  • Angefahrener Fußgänger/Radfahrer, Unfälle mit hoher Geschwindigkeit.

Arten von Verletzungen bei Polytraumata:

  • Kopf: Frakturen (Gesichts- und Hirnschädel), intrakraniale Blutungen, SHT.
  • Thorax: Rippenserienfrakturen, Sternumfrakturen, Hämato- oder Pneumothorax, Lungenkontusionen, Bronchus- und Mediastinalverletzungen.
  • Abdomen: Abdominelle Blutungen, Organperforationen (Leber, Milz, Magen/Darm), Zwerchfellrupturen, retroperitoneale Verletzungen (Niere, Pankreas).
  • Bewegungsapparat: Wirbelsäulenverletzungen, Beckenverletzungen/Frakturen, Frakturen der langen Röhrenknochen, Amputationen proximal der Finger/Zehen, Verbrennungen 2. und 3. Grades > 10% KOF.

Kritische Phasen des Polytraumas:

  • Erste Minuten: Soforttod durch schwerste Blutungen, SHT, Herzverletzungen oder Ruptur großer Gefäße.
  • Erste Stunden: Akuttod durch hämorrhagischen Schock oder Lungenverletzungen.
  • Erste zwei Tage: Früher Tod durch prolongierten Schock und schwere Einzelverletzungen.
  • 2-5 Tage: Organdysfunktionen.

Die Versorgung eines Polytraumapatienten erfolgt in mehreren Phasen:

  • Schockraumphase: Ziel ist die Stabilisierung der Vitalfunktionen und Vermeidung irreversibler Schäden. Maßnahmen umfassen Erstuntersuchung, Behandlung nach xABCDE, FAST-Sonographie, Notfall-Labor, EKG, ggf. CT und lebensrettende Soforteingriffe.
  • Erste OP-Phase (Tag 1): Stabilisierung, Vermeidung weiterer Schäden und Schaffung günstiger Voraussetzungen für die weitere Therapie. Operation akut lebensbedrohlicher oder irreversibel schädigender Verletzungen.
  • Inflammationsphase / Postaggressionssyndrom (Tag 2-4): Ziel ist die Stabilisierung aller gestörter Körperfunktionen, intensivpflegerische Betreuung.
  • Zweite OP-Phase (Tag 5-10): Versorgung nicht akut lebensbedrohlicher Verletzungen.

Überwachung auf der Intensivstation (ITS)

Auf der ITS werden verschiedene Skalen zur Beurteilung des Patientenzustands eingesetzt:

  • RASS (Richmond Agitation-Sedation Scale): Medizinisches Score-System zur Einschätzung des Agitations- oder Sedationszustands. Gilt als Goldstandard für erwachsene chirurgische und internistische Patienten.
  • Schmerzskalen: VAS, NRS, VRS. Speziell für ITS die Behavioral Pain Scale (BPS) zur Beurteilung beatmeter oder tief sedierter Patienten, die Mimik, Bewegung und Adaption des Beatmungsgeräts sowie Vitalparameter heranzieht.
  • Glasgow-Koma-Scale (GCS): Graduiert in Punkten (15-13 normal, 10-13 gestörte Funktion, <10 Intubationsnotwendigkeit). Bewertet Augenöffnung, beste sprachliche Antwort und beste motorische Reaktion.
  • Pupillenreaktion: Beurteilung von Weite, Form, Position und ggf. Differenz (Anisokorie) unter heller Umgebung und direkter Lichteinstrahlung.

Anästhesie und postoperative Versorgung

Anästhesie dient der Schmerzausschaltung und Bewusstseinskontrolle während medizinischer Eingriffe.

  • Allgemeinanästhesie (Vollnarkose): Inhalationsanästhesie (Narkosegas) oder intravenöse Anästhesie (Medikamente über venösen Zugang, z.B. Propofol).
  • Lokalanästhesie: Oberflächenanästhesie (Spray, Creme), Infiltrationsanästhesie oder Regionalanästhesie (Betäubung eines Nervs).

Aufklärungsgespräche in der Chirurgie sind rechtlich vorgeschrieben (Anästhesieaufklärung, Operationsverfahren/ -aufklärung) und müssen von Arzt und Patient unterschrieben werden. Sie müssen 24 Stunden vor der OP erfolgen (außer Notfälle und kleine Eingriffe). Eine Einwilligung kann jederzeit widerrufen werden. Im Notfall reicht eine mutmaßliche Einwilligung.

Verlegungskriterien aus dem AWR (Aufwachraum): Patient ist wach und ansprechbar, Schutzreflexe sind wieder vorhanden, weitestgehend schmerzfrei, keine akute Nachblutung. Transport vom AWR zur Station erfolgt durch examinierte PK mit allen Unterlagen unter kontinuierlicher Krankenbeobachtung und Bewusstseinskontrolle.

Chronische Erkrankungen: COPD, Asthma, Diabetes und deren Pflege

Die Pflege von Patienten mit chronischen Erkrankungen erfordert spezielles Wissen und angepasste Maßnahmen.

COPD: Chronisch-obstruktive Lungenerkrankung

COPD ist ein Oberbegriff für chronische, progredient verlaufende Lungenerkrankungen, die durch eine nicht reversible Atemwegsobstruktion mit Dyspnoe gekennzeichnet sind. Dazu zählen die chronisch-obstruktive Bronchitis und das chronisch-obstruktive Lungenemphysem.

Die chronisch-obstruktive Bronchitis ist die häufigste chronische Lungenerkrankung. Man spricht davon, wenn ein Patient in den letzten 2 Jahren jährlich mindestens 3 Monate ohne Unterbrechung an Husten mit Auswurf litt. Der wichtigste Risikofaktor ist Rauchen (85%). Seltenere Ursachen sind Schadstoffe in der Luft, virale Atemwegsinfekte in der Kindheit oder gestörte Lungenentwicklung.

Krankheitsentstehung: Schadstoffe führen zu einer chronischen Entzündung der Bronchialschleimhaut und vermehrter Schleimbildung.

Symptome: Dyspnoe (zunächst bei Belastung, später auch in Ruhe), Zyanose, Husten mit Auswurf, Atemgeräusche, längere Ausatemphase, niedrige SpO2, Angst, Unruhe, erhöhte Herzfrequenz und Blutdruck. Die körperliche Leistungsfähigkeit ist zunehmend eingeschränkt.

Therapeutische Maßnahmen: Lebensstilveränderung, alternative Behandlungsmethoden wie Akupunktur. Pflegerische Maßnahmen: Vitalzeichenkontrolle, Flüssigkeitshaushalt beachten, Unterstützung bei Körperpflege, regelmäßige Elektrolytkontrollen.

Asthma: Atemnot und Therapieansätze

Asthma ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Atemwege, die mit bronchialer Hyperreagibilität und reversibler Atemwegsobstruktion einhergeht. Es gibt verschiedene Arten:

  • Exogen-allergisches Asthma (extrinsisches Asthma): Nachweisbare allergische Typ-I-Reaktion (z.B. gegen Hausstaubmilben, Pollen, Tierhaare). Zählt zum atopischen Formenkreis.
  • Nicht-allergisches Asthma (intrinsisches Asthma): Ausgelöst durch Infekte (Infektasthma), körperliche Anstrengungen (Anstrengungsasthma), kalte Luft, psychische Faktoren oder Inhalation atemwegsreizender Substanzen.

Hauptauslöser sind bei Säuglingen und Kleinkindern Infekte, bei Schulkindern Allergien. Bei Erwachsenen überwiegen Mischformen.

Leitsymptom ist der Atemnotanfall mit erschwerter und verlängerter Ausatmung und pfeifenden Atemgeräuschen. Oft Husten, manchmal mit zähem, glasigem Schleim. Patienten sitzen häufig aufrecht mit vornüber geneigtem Oberkörper und aufgestützten Armen. Die Atemnot kann bis zur Erstickungsangst führen.

Warnzeichen eines Asthmaanfalls: Abfall der Morgenwerte bei Peak-Flow-Messung, Zunahme der tageszeitlichen Schwankungen, Zunahme der Atemnot (besonders nachts/frühmorgens), vermehrter Husten, Abnahme der körperlichen Belastbarkeit, steigender Verbrauch an Bedarfsmedikamenten, Anzeichen einer Atemwegsinfektion.

Therapie beim akuten Asthmaanfall:

  • Atemerleichternde Positionierungen, dosierte Lippenbremse, PEP-Atemtechniken.
  • Rasch wirksame β2-Sympathomimetika inhalativ (z.B. Salbutamol).
  • Sauerstoff 2-4 l/Min. über Nasensonde unter Bewusstseins- und Pulsoximetriekontrolle.
  • Glukokortikoide (z.B. Prednisolon oral oder i.v.).
  • Flüssigkeitszufuhr (oral oder i.v.).

Ziele der Asthmatherapie:

  • Normalisierung bzw. Anstreben der bestmöglichen Lungenfunktion und Reduktion der bronchialen Hyperreagibilität.
  • Verbesserung der gesundheits- und asthmabezogenen Lebensqualität und der sozialen Teilhabe.
  • Reduktion der asthmabedingten Letalität.
  • Vermeiden von akuten und chronischen Krankheitserscheinungen, Beeinträchtigung der Entwicklung, Aktivitäten und unerwünschten Therapiewirkungen.

Nichtmedikamentöse Asthmatherapie: Stärkung der Krankheitsbewältigung und des Selbstmanagements, Akzeptanz der Erkrankung, Erlernen von Selbsthilfetechniken (z.B. atemungserleichternde Körperstellung, dosierte Lippenbremse).

Medikamentöse Asthmatherapie: Suppression der asthmatischen Entzündung, Verminderung der bronchialen Hyperreagibilität, Reduktion der Atemwegsobstruktion, Erreichen einer bestmöglichen Asthmakontrolle.

Bei Nichterreichen der Therapieziele: Überprüfung der Inhalationstechnik, Schulungsbedarfs, Allergie- und Umweltkontrolle, Beachtung von Komorbiditäten, Überprüfung der Diagnose Asthma.

Diabetes Mellitus: Stoffwechselerkrankung und ihre Behandlung

Diabetes Mellitus ist eine Stoffwechselerkrankung mit erhöhtem Blutzuckerspiegel (nüchtern > 6,1 mmol/l), verursacht durch absoluten oder relativen Insulinmangel oder eine Störung der Insulinwirkung.

Zuckerstoffwechsel: Alle Körperzellen benötigen Glukose zur Energiegewinnung. Insulin bewirkt die Aufnahme von Glukose in die Zellen und senkt den Blutzuckerspiegel. Bei Überangebot wird Glukose in Leber und Muskulatur als Glykogen gespeichert oder zu Fett umgebaut. Bei niedrigem Blutzucker bewirkt Glukagon den Glykogenabbau und erhöht den Blutzuckerspiegel.

Diabetes Typ 1

  • Autoimmunerkrankung: Zerstörung der Inselzellen, oft bei Kindern und Jugendlichen. Führt zu absolutem Insulinmangel, Patienten sind insulinpflichtig.
  • Krankheitsentstehung: Genetische Veranlagung und Umweltfaktoren (möglicherweise Virusinfektionen) lösen eine Autoimmunreaktion aus, die zum vollständigen Verlust der Insulinproduktion führt.
  • Symptome: Polyurie, Glukosurie, zunehmende Exsikose trotz Polydipsie, Gewichtsverlust trotz hoher Kalorienzufuhr. Bei fortschreitender Stoffwechselentgleisung: Übelkeit, Schwäche, Bewusstseinsstörungen bis zum ketoazidotischen Koma.
  • Behandlung: Lebenslanges Spritzen von Insulin, umfassende Schulungen und Betreuung durch Diabetologen, Diabetesberater und Diätassistenten. Ziel sind normale Blutzuckerwerte, Wiederherstellung des Wohlbefindens, Vorbeugung von Folgeerkrankungen und größtmögliche Flexibilität bei der Nahrungsaufnahme.

Diabetes Typ 2

  • Krankheitsentstehung: Genetische Veranlagung und Lebensstil führen zu Insulinresistenz und erhöhter Insulinsekretion. Anfänglich normaler bis leicht erhöhter Blutzucker, bei gleichbleibendem Lebensstil Krankheitsmanifestation.
  • Symptome: Oft erst nach Monaten bis Jahren: allgemeiner Schwächezustand, Juckreiz, starker Durst, Polyurie.
  • Behandlung: Konsequente kalorienreduzierte Ernährung, körperliche Bewegung, Angehen der Stoffwechselveränderung des metabolischen Syndroms. Bei fehlender Besserung medikamentöse Therapie: zunächst orale Antidiabetika, ggf. zusätzliche Gabe von Insulin.

Diagnostik für beide Typen umfasst Blutzuckermessung, HbA1c-Wert, Oraler Glukosetoleranztest, Glukosenachweis im Urin und Bestimmung des C-Peptids. Erforderliche Untersuchungen sind Inspektion der Füße, Tasten peripherer Pulse, neurologische und augenärztliche Untersuchung, EKG und Belastungs-EKG.

Insulintherapie und Glukosemessung

Die Insulintherapie gleicht den Insulinmangel aus. Man unterscheidet:

  • Humaninsulin: Chemisch identisch mit natürlichem Insulin (kurz- und langwirksam).
  • Insulinanaloga: Molekular geringfügig verändert, beeinflussen Eintritt und Dauer der Wirkung (kurz- und langwirksam).

Insulinarten:

  • Basalinsuline (langwirksam): Späterer Wirkeinsatz, längere Wirksamkeit (8-14 Stunden, Degludec bis 42 Stunden).
  • Bolusinsuline (kurzwirksam): Schneller Wirkeinsatz (ca. 30 Minuten), kürzere Wirksamkeit (ca. 5-8 Stunden).
  • Verzögerungsinsuline: Langsamer Wirkeinsatz (2-3 Stunden), lange Wirksamkeit (ca. 24 Stunden, z.B. Lantus).
  • Mischinsuline: Mischung aus kurz- und verzögerungsinsulin in verschiedenen Verhältnissen.

Glukosemessung: Kontinuierliche Blutzuckermessung (CGM) mittels Sensor misst Glukosewerte im Gewebe, zeigt diese ständig an und warnt vor zu hohen oder zu tiefen Werten, um Stoffwechselentgleisungen vorzubeugen.

Hypoglykämie und Hyperglykämie

Hypoglykämie (Unterzuckerung): Blutzucker unter ca. 2,8 mmol/l. Ursachen sind Arzneimittelüberdosierung (Insulin, Sulfonylharnstoffe), Alkoholgenuss oder starke körperliche Anstrengung bei Diabetikern.

Symptomatik:

  • Milde Hypoglykämie: Kopfschmerzen, Schweißausbrüche, Benommenheit, Leistungsknick, Heißhunger, Unruhe, blasse und kalte Haut. Patient ist bewusstseinsklar und handlungsfähig.
  • Schwere Hypoglykämie: Bewusstseinsgestört, handlungsunfähig bis komatös, Aggressivität, Sprachstörungen, Übelkeit, Krampfanfälle.

Folgen: Diabetisches Koma (hypoglykämisches Koma). Maßnahmen: Zufuhr schnell wirkender Kohlenhydrate (bei Bewusstsein), Arzt informieren. Bei Bewusstlosigkeit: hochprozentige Glukose i.v. oder Glukagon s.c./i.m. Engmaschige Patientenbeobachtung, Vitalzeichen- und BZ-Kontrollen. Cave: Beta-Blocker oder diabetische Neuropathie können Symptome verschleiern. Bei häufigen Hypoglykämien kann sich eine Wahrnehmungsstörung entwickeln, mit Gefahr des plötzlichen Komas. Sofortige Diagnose mittels BZ-Stix.

Hyperglykämie (Überzuckerung): Blutzuckerwerte zwischen ca. 17 und 39 mmol/l, durch hochgradigen Insulinmangel. Führt zur Lipolyse (Fettabbau) mit Ketonkörperproduktion und Azidose, sekundäre Entgleisung des Elektrolythaushalts.

Symptome: Langsame Entwicklung, Polyurie und Polydipsie, Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Hypotonie, Übelkeit, Erbrechen, Kussmaul-Atmung mit Azetongeruch in der Ausatemluft und Bewusstlosigkeit (Koma).

Diabetisches Koma / hyperglykämisches Koma: Abdominaler Schmerz mit Abwehrspannung (Pseudoperitonitis), vertiefte, regelmäßige Atmung (Kussmaul-Atmung), Azetongeruch in der Atemluft.

Hyperosmolares Koma: Häufig bei Typ-2-Diabetikern. Auslöser: Diätfehler, falsche/vernachlässigte Arzneimittelzufuhr, erhöhter Insulinbedarf. BZ-Werte bis zu 39 mmol/l. Starke Glukosurie mit hohem Flüssigkeits- und Elektrolytverlust über die Niere. Entwicklung einer schweren Exsikkose. Symptome: Exsikkose, Tachykardie, niedriger RR bis zum Schock, warmer und trockener Hautzustand. Maßnahmen: Notarzt rufen, Vitalzeichenkontrolle, Verlegung auf Intensivstation, langsame Gabe von Insulin, Monitoring, BGA. Cave bei Bewusstlosigkeit unbekannter Ursache: Immer zuerst BZ messen und bei unklarem Koma eine Hypoglykämie behandeln. Auf keinen Fall Insulin verabreichen!

Folgeerkrankungen von Diabetes

Diabetes kann zu einer Vielzahl von Folgeerkrankungen führen:

  • Makroangiopathie (Erkrankungen der großen Blutgefäße): Arteriosklerose, KHK, Herzinfarkt, Schlaganfall, Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK), arteriosklerotische Nierenschädigung.
  • Mikroangiopathie (Erkrankung der kleinen Blutgefäße): Diabetische Neuropathie, diabetische Retinopathie, Katarakt, Glaukom, diabetische Polyneuropathie.
  • Diabetisches Fußsyndrom: Zusammenspiel von Makroangiopathie, Mikroangiopathie, Neuropathie, erhöhter Infektneigung.

Neuropathischer diabetischer Fuß: Warm, Fußpulse tastbar, trockener Hautzustand, Sensibilitätsstörungen, vermindertes Schmerzempfinden. Druckstellen und kleine Verletzungen werden erst bemerkt, wenn die Wunde infiziert ist oder sich Nekrosen gebildet haben. Ischämischer Fuß (pAVK): Kalt, blass, Fußpulse nicht tastbar. Sensibilität erhalten. Charakteristisch sind schmerzhafte Nekrosen der Akren (Zehen, Fersen), unbehandelt führt dies oft zu einem diabetischen Gangrän.

Schlaganfall: Ursachen, Symptome und Erstmaßnahmen

Ein Schlaganfall (engl. stroke) ist ein Funktionsausfall einer Hirnregion aufgrund einer Durchblutungsstörung und daraus resultierender Sauerstoffunterversorgung, meist verbunden mit einem akuten neurologischen Defizit.

Pathologie: Verschluss oder Blutung führt zu Minderdurchblutung des Hirngewebes, Sauerstoffmangel, Zellnekrose und Gewebeuntergang. Risikofaktoren: Arterielle Hypertonie, Diabetes mellitus, Nikotinabusus, Herzerkrankungen, Fettstoffwechselstörung, erhöhte Gerinnungsbereitschaft des Blutes, Adipositas.

Symptome sind vielfältig und abhängig von der betroffenen Hirnarterie:

  • Spezifische Symptome: Pupillendifferenz, verminderte Reaktion, Herdblick, Lähmungen im Gesicht, Wortfindungsstörungen, verwaschene Sprache. (Merke: Rechtshirnige Schlaganfälle führen zu linksseitigen Symptomen und umgekehrt).
  • Unspezifische Symptome: Sehstörungen, Schwindel, Kopfschmerzen, Bewusstseinsstörung, Übelkeit, Erbrechen, Schluckbeschwerden, Bluthochdruck.
  • Weitere Symptome: Hemiparese/Hemiplegie, halbseitige Sensibilitätsstörung, Aphasie/Dysphagie, Apraxien, Bewusstseinseintrübung, akute Verwirrtheit, Harninkontinenz/Verhalt, Stuhlinkontinenz.

Erstmaßnahmen bei Verdacht auf Schlaganfall:

  • BEFAST-Test durchführen.
  • Oberkörper 30° hochlagern.
  • Vitalzeichen kontrollieren, Atemwege sichern.
  • Arzt verständigen.
  • Notfall-Labor und EKG organisieren.

Erstdiagnostik: CT (bei Hirnblutung), MRT (bei ischämischem Infarkt), BZ-Messung, EKG. Therapie: Frührehabilitation beginnt bereits während der Akuttherapie. Diagnostik, Therapie, Rezidivprophylaxe und Rehabilitation gehen Hand in Hand.

Onkologische und Palliative Pflege: Grundlagen der Tumorkrankheiten

Die onkologische Pflege befasst sich mit der Betreuung von Krebspatienten, während die Palliativmedizin sich auf die Linderung von Symptomen bei unheilbaren, fortschreitenden Erkrankungen konzentriert.

Allgemeine Tumorlehre und Krebs

Ein Tumor ist jede örtlich umschriebene Anschwellung oder Gewebevermehrung durch überschießendes, unkontrolliertes Zellwachstum. Geschwülste sind örtliche, irreversible und autonome Wachstumsexzesse körpereigener Zellen, die sich parasitär zum Körper verhalten. Krebs ist der umgangssprachliche Begriff für bösartige Tumorerkrankungen.

Leitsymptome von Tumorerkrankungen: Schmerzen im betroffenen Gebiet, Funktionsstörung im Organ, Blutungen, Ischämiesymptome, Gewichtsverlust, Tumorfieber, Nachtschweiß, Tumoranämie, Infektionen, Gefäßzerstörung, Infektionsneigung. Weitere Symptome: Lymphknotenvergrößerung (maligne Lymphknotenvergrößerung ist typischerweise schmerzlos, hart und ggf. mit darunterliegendem Gewebe verbacken; entzündliche Lymphknotenschwellung ist meist weich, druckschmerzhaft und gut verschieblich).

Ein Paraneoplastisches Syndrom (PSN) ist eine Symptom- und Befundkonstellation, die im Zusammenhang mit einer Tumorerkrankung auftritt, aber keine unmittelbare Folge des lokalen Tumorwachstums oder der Metastasenbildung ist. Es kann das erste Anzeichen einer Tumorerkrankung sein.

Kanzerogene sind Faktoren, die zur Tumorentstehung führen können (z.B. genetische Disposition, medizinische Verfahren, Ernährung, Rauchen, Stress). Symptome im weiteren Krankheitsverlauf: Verlegung von Hohlorganen (Gallengang, Darm, Ösophagus) mit Passagestörungen, Tumor-Perforation, pathologische Frakturen durch Knochenmetastasen, Knochenmarkdepression.

Diagnostische Verfahren in der Onkologie

  • Gründliche Anamnese: Leistungsabfall, Gewichtsverlust, Schmerzen, unklares Fieber, Nachtschweiß, Risikofaktoren, familiäre Tumorerkrankungen, Blutungen.
  • Körperliche Untersuchung: Ernährungszustand, Hautfarbe, Symptome des PSN, Größe und Beschaffenheit der Lymphknoten, tastbare Tumore, rektale Untersuchung, Beschaffenheit der Brust.
  • Proben auf Tumormarker: Bestimmung von Substanzen im Gewebe, Blut oder anderen Flüssigkeiten, die vom Tumor beeinflusst oder selbst gebildet werden. Wichtig für Nachkontrollen.
  • Bildgebende Diagnostik: Sono, Röntgen, MRT, Szintigrafie, Angiografie zur Bestätigung, Ausschluss oder Verlaufskontrolle.

Tumortherapie und Nebenwirkungen

  • Hormontherapie: Bei hormonabhängigen Tumoren (z.B. Mammakarzinome, Prostatakarzinome). Tumore wachsen bei Zufuhr des Hormons verstärkt und bilden sich bei Entzug zurück. Nebenwirkungen sind hormon- und dosisabhängig, meist geringer als bei Zytostatikatherapie.
  • Schmerztherapie: Ca. 80% der Krebspatienten leiden an chronischen Schmerzen. Schmerzen können oft gut gelindert werden. Eine Ursachendifferenzierung ist erforderlich (tumorunabhängige, tumorverursachte Schmerzen). Symptomatische Analgetikagabe bei nicht zugänglichen, tumorbedingten Schmerzen. Bei Knochenmetastasen: Prostaglandinsynthesehemmer; Nervenschädigung: Antiepileptika; viszerale Schmerzen: Spasmolytika und Metamizol.

Fatigue bei Krebspatienten

Fatigue bezeichnet eine über ein normales Maß hinausgehende körperliche Erschöpfung. Ruhebedürfnis ist enorm erhöht, ausreichender Schlaf verschafft keine Linderung. Symptome: Temporäre Schlaflosigkeit, Konzentrationsschwäche, Gedächtnisstörungen, ständige Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Reizbarkeit, Niedergeschlagenheit, Frustration, Übelkeit nach Anstrengung, Gliederschmerzen, Muskelschmerzen/Muskelschwäche, Schwierigkeiten im Alltag. Mögliche Ursachen: Krebserkrankung selbst, Therapie (Operationen, Chemo, Bestrahlung, Immuntherapie), Medikamentennebenwirkungen, Mangelernährung, Hormonmangel, chronische Infekte, psychische Faktoren, Schlafstörungen, Schmerzen, Muskelabbau.

Alternative und komplementäre Heilmethoden

Ziele: Verbesserung der Lebensqualität, Abschwächung von Symptomen und Nebenwirkungen, positive Beeinflussung des Krankheitsverlaufs, Stärkung der körpereigenen Abwehrkräfte. Beispiele sind Misteltherapie, Klangschalen-Therapie, Akupunktur, Auflagen und Wickel.

Allgemeine Besonderheiten in der onkologischen Pflege

Einfühlungsvermögen, Verständnis, Motivation, Unterstützung, Mobilisierung der Selbstheilungskräfte mit positiver Einstellung, Aufklärung und Einbeziehung der Angehörigen sind entscheidend. Die Diagnose Krebs ist ein Schock, der Furcht vor dem Tod, Ängste, Sorgen, materielle Nöte und Existenzangst auslösen kann. Patienten begeben sich aus „relativer“ Gesundheit in eine Therapie, die sie subjektiv kranker macht.

Hygienemanagement: Schutz vor Infektionen und Übertragungswegen

Hygiene in Gesundheitseinrichtungen ist unerlässlich zur Prävention und Kontrolle von Infektionen. Die Ziele und Aufgaben umfassen Prävention, Erfassung, Auswertung und Kontrolle nosokomialer Infektionen, sowie Information, Schulung und Ansprechpartner für Mitarbeiter.

Rechtlicher Rahmen und Verantwortlichkeiten

Der rechtliche Rahmen wird durch das Infektionsschutzgesetz, Hygieneverordnungen der Länder, Medizinprodukte-, Arbeitsschutzgesetz u.a. definiert. Hygienrichtlinien und Empfehlungen der KRINKO (Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention) sind verbindlich. Der Hygieneplan setzt einrichtungsinterne Vorgaben um.

Die Hygienekommission ist für die Organisation des Hygienemanagements in Krankenhäusern und Rehaeinrichtungen zuständig. Der Hygienebeauftragte ist die verantwortliche Person für die Hygiene in ambulanten Pflegediensten, Pflegeeinrichtungen und anderen gemeinschaftlichen Wohnformen.

Externe Gremien:

  • RKI (Robert Koch Institut): Bundesinstitut des Bundesministeriums für Gesundheit. Zentrale Einrichtung für Krankheitsüberwachung und Prävention. Aufgaben: Erkennung, Verhütung, Bekämpfung übertragbarer Krankheiten, epidemiologische Untersuchungen, Gesundheitsberichterstattung, Koordination, Impfempfehlungen (STIKO).
  • KRINKO: Erstellt Empfehlungen zur Prävention nosokomialer Infektionen, betrieblich-organisatorischen und baulich-funktionellen Maßnahmen der Hygiene in medizinischen Einrichtungen. Erratum enthält Informationen zu Erregern, Krankheiten, Übertragungswegen, Isolation, PSA und Dauer der Maßnahmen.

Wichtige Begriffe und Erreger

  • Infektion: Übertragung, Haftenbleiben und Eindringen von Mikroben in einen Makroorganismus und deren Vermehrung. Kurz: Aufnahme eines Krankheitserregers.
  • Infektionskrankheit: Erkrankung durch Entwicklung oder Vermehrung des Krankheitserregers im Organismus. Mikroben müssen Pathogenität (Fähigkeit, Krankheit hervorzurufen) und Virulenz (Ausmaß der krankmachenden Eigenschaften) besitzen.
  • Inkubationszeit: Zeit von Infektion bis zum Ausbruch der Infektionskrankheit (oft 1-3 Tage).
  • Rekonvaleszenz: Zeit zwischen Infektionskrankheit und vollständiger Genesung, ggf. wochenlange Phase verminderter Leistungsfähigkeit.

Erregertypen:

  • Bakterien: Einzeller, Prokaryoten ohne Zellkern und Organellen. DNS frei im Zytoplasma, oft Plasmide mit Antibiotikaresistenzgenen.
  • Viren: Deutlich kleiner als Bakterien. Aufbau: Nukleinsäure (DNS/RNS), Kapsid (formgebender Proteinmantel), ggf. Hülle. Vermehrungsphasen: Absorption, Penetration, Uncoating, Synthese, Maturation, Freisetzung.
  • Pilze (Mykosen): Infektionskrankheiten durch Schimmel-, Faden- oder Hefepilze. Therapie: Antimykotika.
  • Protozoen (Protozoen-Erkrankungen): Infektionskrankheiten durch einzellige tierische Lebewesen (z.B. Toxoplasmose, Malaria). Therapie: Antiprotozoika.

Immunität und Prävention von Infektionen

Immunität ist die Unempfänglichkeit eines Organismus für eine Infektion mit pathogenen Mikroorganismen oder deren Toxinen. Es gibt eine erworbene Immunität nach Antigen-Kontakt mit Bildung spezifischer Antikörper und eines immunologischen Gedächtnisses. Eine Leihimmunität (Antikörper der Mutter über die Plazenta an den Fötus) bietet vorübergehenden Schutz.

Immunisierung:

  • Aktive Immunisierung (Impfung): Injektion von abgetöteten, abgeschwächten oder Bruchstücken von Erregern. Körper reagiert mit Antikörperbildung und B-Gedächtniszellen, führt zu schnellerer Immunantwort bei erneutem Kontakt.
  • Passive Immunisierung: Injektion von Antikörpern (aus Tieren oder genesenen Personen). Binden an Erreger. Keine Gedächtniszellen, nur kurzzeitige Immunität.

Maßnahmen zur Stärkung des eigenen Immunsystems: Impfprophylaxe, gesunde/vitaminreiche Ernährung, Sport, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, Basishygiene, Stress vermeiden.

Expositionsprophylaxe: Vorbeugung von Infektionen durch Vermeidung des Kontakts zu Erregern (z.B. Kondome, sterile Materialien, Mundschutz, Handschuhe, Wasserfilter).

Dispositionsprophylaxe: Vorbeugung von Infektionen durch Verringerung der Empfänglichkeit (z.B. aktive/passive Impfung, Stärkung der Immunabwehr).

Isolation und Basishygiene

Isolation ist eine medizinische Maßnahme, um die Verbreitung von Mikroorganismen zu verhindern und Personen vor Mikroorganismen zu schützen. Grundlagen sind Infektionsschutzgesetz, Medizinischehygieneverordnung und KRINKO.

Basishygiene stellt die Grundlage allen hygienischen Handelns dar und sollte in allen medizinischen Einrichtungen bei allen Handlungen am oder für jeden Patienten eingehalten werden, unabhängig von Verdacht auf Kolonisation oder Infektion mit bestimmten Erregern.

Das Herz-Kreislauf-System: Funktion, Aufbau und Erregungsleitung

Das Herz-Kreislauf-System ist essenziell für die Versorgung des Körpers und den Abtransport von Stoffwechselprodukten.

Das Herz: Pumpe des Lebens

Funktion: Das Herz treibt als Hohlmuskel alle Transportvorgänge in den Blutgefäßen an. Es versorgt den Körper mit O2 und Nährstoffen, transportiert CO2 und Stoffwechselprodukte ab und produziert Hormone zur Kreislauf- und Flüssigkeitshaushaltsregulation. Lage: Im Mediastinum (Bindegewebsraum zwischen den Lungenflügeln), zu 1/3 rechts, zu 2/3 links in der Thoraxhälfte, grenzt an Speiseröhre und Aorta. Größe: Etwa so groß wie eine geschlossene Faust, ca. 300g Gewicht. Bei Frauen kleiner als bei Männern. Herzhälften: Die Herzscheidewand (Septum) teilt das Herz. Die rechte Hälfte nimmt O2-armes Blut aus dem Venensystem auf und pumpt es in den Lungenkreislauf. Die linke Hälfte nimmt O2-reiches Blut aus dem Lungenkreislauf auf und presst es über die Aorta in den Körperkreislauf.

Das Blutkreislauf- und Blutgefäßsystem

Aufgaben des Blutkreislaufs: Versorgung aller Körperzellen mit Sauerstoff und Nährstoffen, Abtransport von Kohlendioxid, harnpflichtigen Substanzen und Stoffwechselprodukten. Abschnitte: Körperkreislauf und Lungenkreislauf.

Blutgefäße:

  • Arterien: Führen Blut vom Herzen weg (im Körperkreislauf sauerstoffreich, im Lungenkreislauf sauerstoffarm). Haben eine dicke Muskelwand und kleineren Innendurchmesser. Das Blut wird stoßartig vorwärtsbewegt, die Quermuskulatur unterstützt.
  • Venen: Führen Blut zum Herzen hin (im Körperkreislauf sauerstoffarm, im Lungenkreislauf sauerstoffreich). Haben eine dünne Muskelschicht und größeren Innendurchmesser, kaum messbarer RR. Blut wird durch benachbarte Muskeln oder Pulswellen weiterbewegt. Venenklappen in Beinvenen verhindern Rückfluss.

Bau der Gefäße: 3 Hauptschichten: Intima (Innenschicht), Media (Mittelschicht), Externa/Adventitia (Außenschicht).

Erregungsbildung und -leitung des Herzens

Das Herz besitzt Autonomie; Herzmuskelzellen erregen sich selbst. Spezielle Muskelzellen bilden und leiten die Erregung weiter (Erregungs- und Leitungssystem).

  • Sinusknoten: Liegt in der rechten Vorhofwand, Ausgangspunkt aller Erregungen, bestimmt die Frequenz (Schrittmacher des Herzens).
  • AV-Knoten: Liegt am Boden des rechten Vorhofs, nimmt die Erregung der Vorhofmuskulatur auf und leitet sie weiter.
  • His-Bündel: Kurz, verläuft am Boden des rechten Vorhofs, teilt sich in Tawara-Schenkel (linker und rechter Kammerschenkel).
  • Purkinje-Fasern: Endabzweigungen, die an der Herzspitze auf die Kammermuskulatur übergehen.

Sinn der komplizierten Erregungsleitung: Eine fast gleichzeitige Erregung aller Herzmuskeln führt zu einer gemeinsamen, kraftvollen Kontraktion.

Herzmuskel vs. Skelettmuskulatur:

  • Herzmuskel: Ein Stromreiz über einer bestimmten Schwelle führt zur Kontraktion. Überschwellige Reize führen zu einer normalen, nicht stärkeren Kontraktion (Alles-oder-Nichts-Gesetz).
  • Refraktärzeit: Nach einer Kontraktion sind Herzmuskelzellen für ca. 0,3 Sekunden nicht erregbar. Schützt vor Dauerkontraktion. Ein Reiz kurz vor Ende der Refraktärzeit kann Tachykardie bis Kammerflimmern auslösen.
  • Skelettmuskulatur: Leichter überschwelliger Stromreiz führt zu leichter Kontraktion; hoher überschwelliger Stromreiz zu starker Kontraktion.

EKG (Elektrokardiogramm): Misst Spannungsänderungen auf der Körperoberfläche, die durch die elektrische Erregung des Sinusknotens entstehen. Erfordert das Anbringen der Elektroden an genau definierten Körperstellen.

Das Blut: Zusammensetzung, Aufgaben und Blutkörperchen

Blut ist ein komplexes Gemisch verschiedener Bestandteile mit vielfältigen lebenswichtigen Aufgaben.

Zusammensetzung und Aufgaben des Blutes

Zusammensetzung: Durch Zentrifugalkraft in feste Bestandteile (Blutkörperchen) und flüssige Bestandteile (Blutplasma) aufgetrennt. Blutserum entsteht nach Entfernung der Gerinnungsfaktoren aus dem Blutplasma.

Aufgaben:

  • Transportfunktion: Beförderung von O2 und Nährstoffen zu den Zellen, Abtransport von CO2 und Stoffwechselabbauprodukten.
  • Abwehrfunktion: Antikörper und Abwehrzellen erkennen entartete oder infizierte körpereigene Zellen.
  • Wärmeregulationsfunktion: Zirkulation zur Konstanterhaltung der Körpertemperatur.
  • Abdichtung von Gefäßdefekten: Erfolgt durch Thrombozyten und Gerinnungsfaktoren.
  • Pufferfunktion: Ausgleichung von pH-Wert-Schwankungen.

Blutkörperchen und ihre Aufgaben

  • Erythrozyten (rote Blutkörperchen): Transport von O2 und CO2. Haben eine Lebensdauer von ca. 120 Tagen. Sind kernlose, bikonkave Scheiben, sehr stark verformbar, semipermeabel.
  • Leukozyten (weiße Blutkörperchen): Abwehr von Krankheiten und sonstigen körperfremden Stoffen.
  • Thrombozyten (Blutplättchen): Beteiligung an der Blutgerinnung.

Hämatopoese (Blutbildung): Findet bei Erwachsenen im Knochenmark der platten Knochen und Epiphysen der Röhrenknochen statt, bei Kindern zusätzlich in den Knochenschäften.

Erythrozytopoese (Bildung roter Blutkörperchen): Entwicklungsstufen im Knochenmark:

  • Myeloische Stammzelle → Proerythroblast (kernhaltig) → Erythroblast (kernhaltig, Beginn der Hämoglobinsynthese) → Normoblast (Zellkern schrumpft, wird abgestoßen) → Retikulozyt (Kernreste, allmählicher Übertritt ins periphere Blut).

Erythrozytenabbau: Täglich werden 1% der Erythrozyten abgebaut. Die Milz untersucht Erythrozyten auf Funktion und Alter, sortiert und zerlegt alte Erythrozyten. Die Bruchstücke werden durch Monozyten/Makrophagen abgebaut. Das frei werdende Hämoglobin wird in Häm und Globin gespalten. Eisen wird recycelt, der eisenfreie Häm-Rest über Zwischenschritte zu Bilirubin abgebaut und über Leber/Gallenwege bzw. als Urobilinogen über den Harn ausgeschieden.

Hämoglobin und Eisenmangelanämie

Hämoglobin: Roter Blutfarbstoff in den Erythrozyten. Aufbau: Eiweißmolekül aus vier Polypeptidketten (Globin), jede trägt eine eisenhaltige Farbstoffkomponente (Häm). Sauerstoff lagert sich an Eisen an und wird im Gewebe wieder abgegeben. Beteiligt am Sauerstoff- und Kohlendioxid-Transport sowie an der Pufferwirkung des Blutes.

Eisenhaushalt: Labil. Freigewordendes Eisen aus Hämoglobin wird überwiegend recycelt. Transportprotein ist Transferrin. Bei Eisenüberschuss Speicherung als Ferritin, dann als Hämosiderin.

Eisenmangelanämie:

  • Entstehung: Folge chronischer Blutungen (Magen-Darm-Trakt, Harnwege, starke Menstruation), geringe Eisenaufnahme/Resorption (nach Magenentfernung, Darmerkrankungen), erhöhter Eisenbedarf (Schwangerschaft, Kinder).
  • Symptome: Uncharakteristische Allgemeinsymptome: Blässe, Schwäche, Erschöpfung, PICA-Essverhalten (Lust auf Nicht-Nahrungsmittel).
  • Behandlungsstrategie: Behandlung der Grunderkrankung (Blutung stillen). Medikamentöse Eisenzufuhr über Monate zur Auffüllung der Eisenspeicher. Einnahme zwischen den Mahlzeiten zur besseren Resorption, bei schlechter Magenverträglichkeit während/nach der Mahlzeit. Kann zu schwarzem Stuhl und Obstipation führen.
  • Ernährung: Tierisches Eisen (Fleisch, Eier) wird besser resorbiert als pflanzliches (Kartoffeln, Gemüse, Getreide). Vitamin C (Obst, frisches Gemüse) fördert die Resorption. Kaffee, Schwarztee, Milch, Cola und Rotwein hemmen die Resorption.

Mutterschaft und Neugeborenenpflege: Grundlagen von Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett

Die Begleitung von Schwangerschaft, Geburt und der Zeit danach ist ein zentraler Bereich der Pflege.

Embryonale/Fetale Entwicklung und Schwangerschaftsverlauf

  • Embryo: Bezeichnung des Ungeborenen bis zur 8. SSW (Entwicklung: Embryogenese). Bis zur 9. SSW bilden sich die inneren Organe aus.
  • Fötus: Bezeichnung des Ungeborenen ab der 9. SSW bis zur Geburt (Entwicklung: Fetogenese).

Verlauf einer normalen Schwangerschaft:

  • Erstes Trimester: Frühschwangerschaft (bis zur vollendeten 12. Woche).
  • Zweites Trimester: Mitte der Schwangerschaft (13. bis vollendete 24. SSW).
  • Drittes Trimester: Spätschwangerschaft (ab der 25. SSW bis zur Geburt).

Vorzeitiger Blasensprung: Blasensprung vor Einsetzen der Wehentätigkeit. Symptome: Heraussickern oder plötzlicher Schwall von Flüssigkeit aus der Vagina. Risiken: kindliche Infektion mit Erregern. Fruchtblase: Ein mit Fruchtwasser gefüllter, straffer Gewebesack, der den Fötus im Uterus schützend umgibt.

Geburt und Erstversorgung des Neugeborenen

APGAR-Score: Messinstrument zur Beurteilung der Vitalsituation reifer Neugeborener in der 1., 5. und 10. Lebensminute. Zeigt akute Gefährdungssituationen und dient der Verlaufsbeurteilung der Adaptation.

  • 9-10 Punkte: Kein Handlungsbedarf.
  • 7-8 Punkte: Beobachtungsbedarf.
  • 5-6 Punkte: Interventionsbedarf.
  • 0-4 Punkte: Reanimationsbedarf.

Erstversorgung eines Neugeborenen: Erhebung der Körpermesswerte (Länge, Gewicht, Kopfumfang), Überprüfung der Reflexe, Messung der Vitalzeichen.

Neugeborenenperiode: Frühe Neugeborenenperiode (1.-7. Lebenstag), späte Neugeborenenperiode (8.-28. Lebenstag). Reifegrad-Einteilung: Frühgeborenes (<37. Woche), reifes Neugeborenes (37. bis <42. Woche), übertragenes Neugeborenes (≥42. SSW).

Abnabelung: Zeitpunkt orientiert sich am Zustand des Kindes:

  • Sofortabnabelung: Bei Komplikationen.
  • Frühabnabelung: Nach 1-1,5 Min. bei noch pulsierender Nabelschnur.
  • Spätabnabelung: Nach Auspulsieren der Nabelschnur (nach 3 Min.).

Wochenbett und Bonding

Das Wochenbett bezeichnet die Zeit nach der Entbindung bis zur vollständigen Rückbildung der schwangerschafts- und geburtsbedingten Veränderungen (6-8 Wochen). Eine Frau in dieser Zeit wird als Wöchnerin bezeichnet.

Wochenbettpflege nach Standard:

  • 2 Stunden nach Geburt im Kreißsaal: Beobachtung auf starke Blutungen und Kreislaufprobleme. Viertelstündlich Vitalzeichen, Hautfarbe, Fundusstatus, Körpertemperatur.
  • 6h nach Geburt Miktion, sonst DK.
  • Beobachtung: Vitalzeichen, Blutungen (Lochien), Ausscheidung, Uterusrückbildung, Neugeborenes.
  • Prophylaxen: Thrombose, Mastitis, Obstipation, Infektion.
  • Weitere Schwerpunkte: Stillberatung, Gesundheitsförderung.

Lochien: Blutiger Ausfluss (Wundsekret) aus der Gebärmutter nach der Entbindung.

Hygiene im Wochenbett: Umsetzung der Bereichspflege, Patienten mit Infektionskrankheiten verlegen, Stillzimmer nur von Wöchnerinnen betreten lassen, Abfalleimer mit Fußbedienung, Aufklärung über hygienischen Umgang mit Vorlagen/Windeln, Besucher nicht auf Betten setzen, Sectionaht aseptisch versorgen. Hygieneregeln: Händedesinfektion vor jedem Kindkontakt, Versorgungsablauf (Neugeborenes, Brust, Körper, Genitalbereich), Genitalbereich 3x täglich mit lauwarmem Wasser spülen, Sitzbad möglich, Wannenbad erst nach Beendigung des Wochenflusses, Mastitis vermeiden, Duschen direkt nach Geburt möglich.

Der Babyblues: Betrifft 50-60% der Wöchnerinnen, meist um den 3.-5. Tag postpartum, dauert Stunden bis Tage. Besitzt keinen Krankheitswert. Ursache: Hormonelle Umstellung. Merkmale: Erhöhte emotionale Empfindlichkeit, Stimmungsschwankungen, Gefühl der Überforderung, viel Weinen. Problem ist die postpartale Depression.

Bonding: Bezeichnet das emotionale Band zwischen Kind und Eltern. Erste Beziehung des Neugeborenen. Gefördert durch Körperkontakt, Kommunikation, Gefühle zeigen, Stillen, dezenter Gebrauch von Parfum/Seife, Rooming-in (Neugeborenes 24h bei Mutter/Vater), Ruhe geben, zügige Befriedigung der kindlichen Bedürfnisse, minimale Trennungszeiträume.

Der weibliche Zyklus

Menstruation: Periodische Blutung durch Abstoßung der Gebärmutterschleimhaut. Menstruationszyklus: Wiederkehrende Veränderungen der Uterusschleimhaut und Heranreifung der Eizelle im Ovarium sowie weitere zyklusabhängige Veränderungen.

Wissenswertes:

    1. Regelblutung (Menarche): ca. 13. Lebensjahr.
  • Letzte Regelblutung (Menopause): 45-55 Jahre.
  • Dauer des Zyklus: 28 Tage ± 7 Tage.
  • Blutungsdauer: 3-7 Tage.
  • Blutverlust: 15-74 ml.

Steuerung: Durch Hormone der Hypophyse (FSH, LH) und der Eierstöcke (Östrogen, Progesteron). Funktion: Heranreifen einer befruchtungsfähigen Eizelle im Eierstock, Vorbereitung der weiblichen Geschlechtsorgane für die Spermienaufnahme.

Psychische Gesundheit und Demenz: Grundlagen der psychologischen und pflegerischen Ansätze

Das Verständnis psychischer Erkrankungen und die Betreuung von Menschen mit Demenz sind wichtige Aspekte der Gesundheitsversorgung.

Psychische Gesundheit und Psychiatrie

Psychisch gesund: Zustand des Wohlbefindens, in dem der Einzelne seine Fähigkeiten ausschöpft, normale Lebensbelastungen bewältigt, produktiv arbeiten und etwas zur Gesellschaft beitragen kann (WHO). Psyche: Gesamtheit des Erlebens, Denkens, Fühlens und Wollens eines Menschen. Psychologie: Lehre vom „normalen“ Erleben und Verhalten eines Menschen. Psychiatrie: Fachgebiet der Medizin für Prophylaxe, Diagnose, Therapie und Rehabilitation psychischer Erkrankungen.

Spezialgebiete: Allgemeinpsychiatrie, Notfallpsychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Gerontopsychiatrie, Suchtmedizin, Forensische Psychiatrie. Formen von Einrichtungen: Fachkrankenhäuser, teilstationäre Einrichtungen (Tages-/Nachtkliniken), komplementäre Einrichtungen (Wohngemeinschaften, Werkstätten, Beratungsstellen), ambulant psychiatrische Pflege, forensische Kliniken.

Therapie: Systematische Behandlung körperlicher und seelischer Störungen mit Mitteln der Kommunikation (Gespräche, Rollenspiele, Entspannungstechniken). Psychosomatik: Fachgebiet der Medizin, das sich mit den Wechselwirkungen zwischen Körper und Seele befasst.

Einteilung psychischer Erkrankungen: Nicht mehr als „Krankheiten“, sondern als „Störungen“ oder „Störungsbilder“ bezeichnet. Neue Klassifikationen (z.B. DSM-5, ICD-11) orientieren sich an Symptomen und legen feste Diagnosekriterien fest.

In der Psychiatrie: Zwangsmaßnahmen (Arzneimittelinjektion, Fixierung) sind unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Unterbringung und Zwangshandlungen erfolgen aufgrund von Landesunterbringungsgesetzen. Die Notwendigkeit einer Unterbringung zur Behandlung entscheidet ein Richter (Frist 4-6 Wochen).

Demenz und Konzepte in der Demenzpflege

Demenz (lat. „weg vom Geist“): Aus Sicht der Pflege: fortschreitende Hirnleistungsschwächen, die sich in einer Beeinträchtigung der Aktivitäten des täglichen Lebens niederschlagen und langfristig zu Pflegebedürftigkeit führen. Aus medizinischer Sicht: Abnahme des Gedächtnisses und weiterer kognitiver Leistungen, erhebliche Beeinträchtigung der ATL, Dauer mindestens 6 Monate, trotz allem „Bewusstseins-Klarheit“.

Sekundäre Demenz: Ca. 10%. Entsteht auf Grundlage anderer Grunderkrankungen (Medikamentenintoxikation, Vitamin- und O2-Mangel, Elektrolytverschiebungen, Anämien, Hypothyreose, Nierenfunktionsstörungen, Herz-Kreislauf-Insuffizienz, Depressionen). Ursachen sind oft Stoffwechselveränderungen des Gehirns. Sind z.T. (bedingt) reversibel.

Serotonin: Biogenes Amin, Neurotransmitter im peripheren und zentralen Nervensystem. Im ZNS vielfältige Wirkungen auf Schmerzempfindung, Gedächtnisleistung, Schlafsteuerung, Ess- und Sexualverhalten, Thermoregulation. Beeinflusst emotionale Prozesse (Angst, Aggressionen). Gestörtes Gleichgewicht bei Depressionen, Zwangsstörungen, Angststörungen. Auch als „Glückshormon“ bezeichnet.

Wohn- und Betreuungskonzepte bei Demenz

  • Interaktives Konzept: Geistig gesunde Menschen und Menschen mit Demenz leben gemeinsam auf einer Station/Zimmer/Wohnung und werden gemeinsam betreut. Menschen mit Demenz erhalten Anregungen, „gesunde“ Bewohner fühlen sich ggf. beeinträchtigt.
  • Teilsegregatives Konzept: Menschen mit Demenz bleiben auf ihrem Wohnbereich, werden aber tagsüber in einem dafür vorgesehenen Bereich in einer „Demenzgruppe“ speziell betreut. Betreuungsangebote können auf Bedürfnisse abgestimmt werden.
  • Segregatives Konzept: Pflegeeinrichtungen/Bereiche speziell für Menschen mit geistiger Störung eingerichtet. Ziel ist ein annähernd normaler Alltag mit häuslichen Einrichtungen zum Erhalt der Alltagskompetenzen. Feste Bezugspersonen, familiäre Lebenssituation.

Ansätze zur Förderung vorhandener Fähigkeiten

Ressourcen von Demenzerkrankten: Wahrnehmungs-, Kontakt- und Beziehungsfähigkeit, Fähigkeit sich selbst zu erleben, Ausdruck eigener Gefühle, Sensibilität für Gefühle anderer, Verknüpfung von Erlebtem mit innerer Lebenswelt, lebensgeschichtliche Erfahrungen und Erinnerungen, physiologische, psychologische und soziale Bedürfnisse.

Pflegerisch-therapeutische Ansätze:

  • ROT (Realitätsorientierungstraining): Schwerpunkt: Emotionale und physische Sicherheit durch Verbesserung der Orientierung vermitteln. Ziele: Förderung der räumlichen, zeitlichen, situativen und personenbezogenen Orientierung; Aktivierung und Förderung vorhandener Ressourcen; Verbesserung der Interaktion und Kommunikation. Durchführung: Orientierende Umgebung schaffen, feste Tagesstrukturen/Rituale, auf Realität hinweisen, keine Konfrontation mit Einschränkungen, Gruppenaktivitäten mit persönlichem Bezug. Ergebnisse: Klienten aktiver, selbstständiger, weniger depressiv, weniger isoliert.
  • SET (Selbsterhaltungstherapie): Rehabilitationsprogramm für Demente. Im Mittelpunkt steht das „Selbst“. Negative Emotionen sollen vermieden werden. Offenes Konzept mit unterschiedlichen Techniken (medikamentöse Verfahren, Kunsttherapie, Sport, Physiotherapie, Freizeit, erlebnisorientierte Aktivitäten).
  • Validation: „Für gültig erklären, bestätigen“. Methode zur Kommunikation mit desorientierten alten Menschen. Ziele: Über Gefühlswelt und Biografie Zugang zur Erlebniswelt der Betroffenen erhalten, Realität des Dementen annehmen, Gefühle und Verhaltensweisen für gültig erklären und wertschätzen (Naomi Feil). Weitere Ausrichtungen: Integrative Validation nach Nicole Richard, Erlebnisorientierte Beziehungspflege nach Cora van Kooji.

Pflegerische Einflussnahme bei Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme:

  • Milieugestaltung: Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme als sinnvoll und fördernd erleben, Anknüpfung an bekannte Essenssituationen.
  • Organisatorische Strukturen: Orientierung und Erkennung bieten, immer wiederkehrende Struktur.
  • Berücksichtigung von Bedürfnissen: Sinnerleben in der Nahrungsaufnahme spüren, individuelle Lebensgewohnheiten und Bedürfnisse berücksichtigen.
  • Kommunikation: Wiederkehrende verbale und nonverbale Kommunikation zur Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme.

Pflegemodell nach Böhm bei Demenz

Erklärt die individuelle Interaktion und Kommunikation in Abhängigkeit von Krankheitsstadium, aktueller Situation/psychischer Verfassung und individueller Biografie. Unterscheidet zwischen:

  • Noopsyche: Kognitiver Anteil (Bewusstsein, Orientierung, Wahrnehmung, Gedächtnis, Denken, Sprache). Menschen mit dementiellen Erkrankungen können nicht mehr über die „Noopsyche“ erreicht werden.
  • Thymopsyche: Affektiver Anteil (Stimmung, Befindlichkeiten, Antrieb, Biorhythmus, Affekt). Der Zugang erfolgt meist nur noch über die „Thymopsyche“.

Entwicklungsstufen nach Böhm:

  1. Sozialisation (Erwachsenenalter): Normale Unterhaltung, kognitiv erreichbar.
  2. Mutterwitz (junges Erwachsenenalter): Kognitive Leistung nachgelassen, über Humor und Lachen erreichbar.
  3. Seelische, soziale Grundbedürfnisse (Pubertät 12-16 Lj.): Verhaltensauffälligkeiten, kognitive Einbußen. Fordern vernachlässigte Grundbedürfnisse ein (z.B. Schreien, Aggressivität).
  4. Prägung (6-12 Lj.): Wiederholende Bewegungen, eingespielte Verhaltensweisen. Rituale geben Sicherheit.
  5. Triebe und Motivation (3-6 Lj.): Erfüllung von Trieben. Förderung durch Fordern.
  6. Intuition (frühe Kindheit 1-3 Lj.): Gefühle, Märchen, Aberglaube, Religion, Bilder schaffen Zugang. Rückzug in die gute, alte Zeit, intuitive Reaktion.
  7. Urkommunikation (Säugling): Embryonale Stellung, teilnahmslos. Kontaktaufnahme über Spüren des eigenen Körpers.

Hilfsmittel zur Reduktion freiheitsentziehender Maßnahmen (FEM)

Niedrigbetten: Können fast auf Bodenniveau abgesenkt werden. Nachteil: FEM, wenn Patient aus normalem Bett aufstehen könnte. Hüftprotektoren: Schutz des Trochanter Major. Wirkprinzipien: Energieumwandlung und/oder Energieabsorption. Signalsysteme: Systeme zur Alarmierung und Standortbestimmung.

Assessmentinstrument: Cohen-Mansfield Agitation Inventory (CMAI) zur Einschätzung beobachtbarer Verhaltensweisen (verbal aggressiv, verbal nicht aggressiv, körperlich aggressiv, körperlich nicht aggressiv).

Aus Sicht von Bewohnern und Angehörigen: FEM lösen Angst, Erniedrigung, Furcht aus. Bei Angehörigen Hilflosigkeit, Frustration, Unzufriedenheit. FEM werden oft zur Entlastung von Pflegekräften eingesetzt.

Interventionen zur Reduktion von FEM: Schulungsprogramme für Pflegende, spezifische Beschäftigungsprogramme, spezifische Betreuung bei Demenz, Musikintervention, Snoezelen, personzentrierte Pflege (Biografie), Tierkontakt, spezielle Pflegequalifikation, kognitive Stimulation, spezielle Wohnkonzepte, Aromatherapie, Basale Stimulation, körperlich aktivierende Maßnahmen.

Rechtliche und ethische Grundlagen der Pflege

Eine solide rechtliche und ethische Basis ist unerlässlich für die pflegerische Praxis.

Arbeitsschutz und Unfallverhütung

Umgang mit Zytostatika: Viele Zytostatika sind krebserzeugend, erbgutverändernd und fortpflanzungsgefährdend. Erfordert korrekten Umgang, entsprechende Schutzmaßnahmen und Beschäftigungsbeschränkungen. Geregelt durch Arbeitsschutzrecht, AM-Gesetz, Jugendschutzgesetz, Mutterschutzgesetz, Gefahrstoffverordnung, Unfallverhütungsvorschrift.

Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln: Bruchsichere, verschließbare, flüssigkeitsdichte Transportbehältnisse mit Kennzeichnung „Vorsicht Zytostatika“. Vorbereitung der Applikation und Verabreichung: Nur geschultes, examiniertes Pflegepersonal unter Beachtung der Vorsichtsmaßnahmen (Handschuhe, 10-R/6-R-Regel). Verabreichung ist ärztliche Tätigkeit, ggf. Assistenz durch Pflegefachkraft. Überwachung und Beendigung der Applikation.

Umgang mit Medizinprodukten: Perfusor und Infusomat

Perfusor: Medizinisches Gerät zur kontrollierten intravenösen Verabreichung von Medikamenten in Spritzen. Anwendung vor allem in Intensivmedizin, Anästhesie, Pädiatrie für präzise Dosierung. Infusomat (Volumenpumpe): Medizinisches Gerät zur kontrollierten, dosierten intravenösen Gabe von Infusionen. Für größere Volumengaben (Elektrolytlösungen, parenterale Ernährung, Antibiotika).

Allgemeiner Umgang: Spritzenwechsel bei Infusionsspritzen (Zulauf kurz abklemmen/verschließen), Beschriftung, Leitungslänge, Kompatibilität (ZVK-Schenkel), Druckalarm, Luftalarm (Sensor, Blasen freiklopfen, ggf. Systemwechsel), Doppelkontrolle, Dokumentation. Infusionsgeschwindigkeit: Angabe in ml/h. Spezielle Medikamente auf ITS: Katecholamine, Metamizol, Midazolam, Diazepam, Furosemid, Metoprolol, Nepresol, Propofol, Ketamin, Cordarex, Dexamethason, Ebrantil, Fentanyl.

Transfusionen: Blut und Blutprodukte

Transfusion: Intravenöse Übertragung von Blut und Blutderivaten an einen Menschen. Indikationen: Störungen des Blutes oder seiner Zusammensetzung, vital bedrohliche Erkrankungen, Verletzungen, Operationen (Infektionsanfälligkeit, unstillbare Blutungen, hohe Blutungen, chronische Anämie).

Präparatarten:

  • EK (Erythrozytenkonzentrat): Akuter Blutverlust, Anämie.
  • TK (Thrombozytenkonzentrat): Thrombozytopenie.
  • GK (Granulozytenkonzentrat): Schwere Infektionen bei länger anhaltender Granulozytopenie.
  • FFP (Frischplasma, gefroren): Massentransfusion, Faktorenmangel 5 und 9.
  • Ersatz einzelner Plasmabestandteile (z.B. Humanalbumin, Immunglobuline).

Lagerung und Besonderheiten: EK: 4 °C, 28-49 Tage. TK: 22 °C, bis 5 Tage (ständige Bewegung). Granulozytenkonzentrat: Raumtemperatur, max. 24h (Ruhelage). Gefrorenes Frischplasma: <-30 °C, 1-3 Jahre.

Vorbereitung und Kontrolle: Unterschriebener Anforderungsschein, Abholen der Transfusion, Aufwärmen auf Zimmertemperatur (spezielle Indikationen: 37 °C). Überprüfung der Patientendaten, Blutgruppe, Kreuzprobe. Transfusionssystem nutzen, ggf. EK entlüften. Bedsidetest und Begleitpapiere für den Arzt bereitlegen. Konserve max. 1 Stunde vor Anhängen anstechen.

Patientenvorbereitung: Information, Ängste ernst nehmen, Toilettengang vor Transfusion, Patient nüchtern lassen.

Pflegerische Betreuung:

  • Vor der Transfusion: Aufklären, Vitalzeichen messen, Flexüle prüfen, Patientendaten abgleichen, alle Werte dokumentieren.
  • Währenddessen: Patient beobachten, Wohlbefinden erfragen, Geschwindigkeit kontrollieren, bei Reaktionen sofort stoppen. Urin auf Verfärbungen, Einstichstelle inspizieren.
  • Nach der Transfusion: Vitalzeichen messen, Befinden erfragen, auf Spätreaktionen beobachten. Dokumentation von Art/Menge der Transfusion, Start/Endzeit, Vitalwerte, Besonderheiten, Komplikationen, Patientenzustand.

Transfusionszwischenfall: Unruhe, Angst, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Fieber, Schüttelfrost, Gesichtsrötung, Tachykardie, Hypotonie, Hämaturie, Anstieg der AF bis Atemnot mit Zyanose, Rücken-/Bauch-/Brustschmerzen, Hautprickeln, allergische Reaktion, Hypothermie, brennender Schmerz an Injektionsstelle.

Ethische Fallbesprechung in der Pflege

Eine ethische Fallbesprechung ist ein strukturiertes Gespräch zu einer ethisch relevanten Fallsituation, geleitet von einem Moderator innerhalb des multidisziplinären Teams. Zeitrahmen 60-90 Minuten. Beteiligte: Pflegeteam und beteiligte Berufsgruppen.

Ziele: Verbesserung der Pflege- und Versorgungsqualität, Förderung des Wohls des Klienten, transparente Entscheidungsfindung, Mitwirkung unterschiedlicher Berufsgruppen, sensibler Umgang mit moralischen Fragen aus verschiedenen Sichtweisen, Entwicklung von Kompetenzen zur Analyse und Reflexion ethischer Fragestellungen.

Ethische Grundsätze: Beobachtungssituation kann abgebrochen werden, wenn Bewohner belastet wird. Moderator jederzeit offen für Fragen. Sensibler Umgang mit Daten, sensibles Feedback.

Fast-Track-Chirurgie: Effiziente Patientenversorgung

Das Fast-Track-Konzept (Konzept der schnellen Schiene, Fast-Track-Chirurgie, ERAS - Enhanced Recovery After Surgery) ist ein Therapiekonzept zur Minimierung perioperativer Komplikationen durch strenge Kontrolle prä- und postoperativer Risikofaktoren. Es ist nur bei geplanten operativen Eingriffen möglich und wenn der Patient mitarbeiten kann.

Ziele: Verkürzung der Aufenthaltsdauer, Senkung allgemeiner Komplikationen und postoperativer Folgeerkrankungen, Verbesserung der postoperativen Genesung, Reduktion perioperativer Stressereignisse.

Multiprofessionelles Team: Ärzte (Chirurg, Anästhesist, Hausarzt, Radiologe), OTA/CTA, OP-Pfleger, ATA, Pflegefachkräfte, Physiotherapeuten.

Pflegerische Kernaufgaben: Ängste von Patienten und Angehörigen wahrnehmen und adäquat darauf eingehen, Patienten über das Konzept und den Behandlungsablauf informieren, bei der Auseinandersetzung mit der Situation unterstützen, auf die häusliche Situation vorbereiten, physische und psychosoziale Gesamtsituation erkennen.

Wichtige Bausteine des Konzeptes: Früher oralen Kostaufbau, forcierte Mobilisation, effektive peri- und postoperative Schmerztherapie, reduzierte parenterale Flüssigkeitsapplikation, Anwendung minimalinvasiver Operationsmethoden, bevorzugt PDA statt Vollnarkose, wenn möglich.

Qualitätsentwicklung in der Pflege: Expertenstandards

Ein Expertenstandard ist ein vom Deutschen Netzwerk zur Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) seit 1999 herausgegebener, wissenschaftlich fundierter Standard zur Umsetzung von Pflegeleistungen. Er gilt sowohl stationär als auch ambulant als verbindlich und ist immer gleich aufgebaut. Er trägt zur Qualitätssicherung in der Pflege bei.

Häufig gestellte Fragen zu den Grundlagen der Pflege und Gesundheitsversorgung

Was ist der Unterschied zwischen Fieber und Hyperthermie?

Fieber ist eine Erhöhung der Körpertemperatur über 37 °C, bei der das Wärmeregulationszentrum im Gehirn den Sollwert der Körpertemperatur höher stellt. Die Regulationsmechanismen sind dabei intakt und versuchen, diesen neuen Sollwert zu erreichen. Hyperthermie hingegen ist eine Überwärmung des Körpers über 39 °C ohne Verstellung des Sollwertes im Wärmeregulationszentrum. Hierbei können die Wärmeregulationsmechanismen überfordert oder beeinträchtigt sein, ohne dass der Körper aktiv eine höhere Temperatur anstrebt.

Welche Phasen durchläuft eine normale Wundheilung?

Eine normale Wundheilung durchläuft drei Hauptphasen. Die erste ist die Exsudationsphase (Reinigungsphase), in der die Blutung gestillt wird und Abwehrzellen Bakterien und Gewebsnekrosen abbauen. Darauf folgt die Proliferationsphase (Granulationsphase), bei der Kapillaren einsprießen und Granulationsgewebe gebildet wird, wodurch die Wunde schrumpft. Die letzte Phase ist die Reparationsphase (Epithelisierungsphase), in der Epithelzellen einwandern und Narbengewebe ausgebildet wird, was zum endgültigen Wundverschluss führt.

Wie beeinflusst ein Schlaganfall das Leben eines Patienten und welche Erstmaßnahmen sind wichtig?

Ein Schlaganfall kann zu vielfältigen neurologischen Defiziten wie Lähmungen, Sprachstörungen oder Sensibilitätsstörungen führen und ist eine der häufigsten Ursachen für Pflegebedürftigkeit. Die Symptome hängen stark davon ab, welche Hirnregion betroffen ist. Als Erstmaßnahme bei Verdacht auf einen Schlaganfall ist es entscheidend, den BEFAST-Test durchzuführen, den Oberkörper um 30 Grad hochzulagern, die Vitalzeichen zu kontrollieren, die Atemwege zu sichern und sofort den Arzt zu verständigen. Schnelles Handeln ist hier von größter Bedeutung, um Folgeschäden zu minimieren.

Was sind die Kernaufgaben der Pflege im Rahmen des Fast-Track-Konzepts nach einer Operation?

Im Fast-Track-Konzept, das auf eine schnelle Genesung nach Operationen abzielt, liegen die Kernaufgaben der Pflege in der umfassenden Betreuung des Patienten. Dazu gehört, Ängste wahrzunehmen und darauf einzugehen, Patienten über das Konzept und den Behandlungsablauf zu informieren, sie bei der Auseinandersetzung mit der momentanen Situation zu unterstützen und auf die häusliche Situation vorzubereiten. Zudem ist die genaue Beobachtung der physischen und psychosozialen Gesamtsituation des Patienten entscheidend, um die Genesung optimal zu fördern und Komplikationen zu vermeiden.

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