Pathologien der Wirbelsäule und des Thorax

Umfassender Leitfaden zu Pathologien der Wirbelsäule und des Thorax für Studierende. Lerne alles über Bandscheibenvorfall, Skoliose, Frakturen und mehr – optimiere dein Wissen!

Willkommen zu einem umfassenden Überblick über die Pathologien der Wirbelsäule und des Thorax. Dieser Artikel ist speziell für Studierende konzipiert, die sich auf Prüfungen vorbereiten oder ihr Wissen über die verschiedenen Erkrankungen und Verletzungen dieser zentralen Körperbereiche vertiefen möchten. Wir beleuchten degenerative Veränderungen, entzündliche Prozesse, Fehlbildungen und Traumata, um dir ein klares Verständnis der wichtigsten Konzepte zu vermitteln.

Pathologien der Wirbelsäule und des Thorax: Ein Überblick für Studierende

Die Wirbelsäule und der Thorax sind komplexe Strukturen, die unseren Körper stützen und schützen. Erkrankungen in diesen Bereichen können vielfältige Ursachen haben und reichen von altersbedingten Verschleißerscheinungen bis hin zu angeborenen Fehlbildungen oder traumatischen Verletzungen. Ein tiefgehendes Verständnis dieser Pathologien ist entscheidend für jede medizinische Ausbildung.

Degenerative Wirbelsäulenerkrankungen: Bandscheibenvorfall und Spinalkanalstenose

Degenerative Veränderungen gehören zu den häufigsten Problemen der Wirbelsäule und betreffen oft Bandscheiben und Wirbelkörper.

Diskusprotrusion und Diskusprolaps (Bandscheibenvorfall)

Die Bandscheiben (Disci intervertebrales) bestehen aus einem ringförmigen Faserknorpel (Anulus fibrosus) und einem gallertartigen Kern (Nucleus pulposus), der als Druckverteiler und Puffer fungiert. Bei einem Bandscheibenvorfall tritt der Nucleus pulposus durch den Anulus fibrosus aus, was zu einer Kompression der umliegenden Spinalnerven oder des Rückenmarks führen kann. Dies ist auch asymptomatisch möglich, wenn der Austritt nach ventral erfolgt.

Formen des Bandscheibenvorfalls:

  • Diskusprotrusion: Der Anulus fibrosus ist angerissen und der Nucleus pulposus lagert sich in diesen Riss ein, was zu einer Vorwölbung des Anulus fibrosus und des Ligamentum longitudinale posterius führt.
  • Diskusprolaps (Herniation): Der Nucleus pulposus tritt vollständig durch den Anulus fibrosus aus. Dies geschieht mediolateral (90%), wobei Druck auf Spinalnerven entsteht, oder medial, mit direktem Druck auf das Rückenmark.
  • Diskussequester: Teile des Nucleus pulposus reißen ab und verlieren die Verbindung zur ursprünglichen Bandscheibe.

Grundlagen und Risikofaktoren:

  • Altersgipfel: 30. und 50. Lebensjahr.
  • Häufigste Lokalisation: Lumbal (häufig), zervikal (selten), thorakal (sehr selten).
  • Risikofaktoren: Übergewicht, mangelnde Bewegung, falsche biomechanische Belastung.

Pathophysiologie: Ab dem 20. Lebensjahr bildet sich die Gefäßversorgung des Diskus zurück, was die Zusammensetzung des Anulus fibrosus verändert und ihn anfälliger für Risse durch Mikrotraumata macht. Die reduzierte Blutversorgung verzögert die Ausheilung, sodass der Nucleus pulposus in die Risse eindringen kann, was zu Protrusion und später zum Prolaps führt.

Sonderform: Ein traumatischer Bandscheibenvorfall entsteht durch einen direkten, traumatischen Riss des Anulus fibrosus, der eine sofortige Herniation verursacht.

Symptome: Schmerzen (akut, subakut, chronisch), die stechend sind und „einschießen“. Je nach Lokalisation können dies sein:

  • Brachialgie: Schmerz in den Armen.
  • Dorsalgie: Schmerz im Rückenverlauf.
  • Interkostal-Neuralgie: Schmerz im Verlauf der Rippenbögen.
  • Lumbalgie: Schmerz im unteren Rücken.
  • Ischialgie: Schmerz im Verlauf des N. ischiadicus.

Zusätzlich treten Sensibilitätsstörungen (Kribbelparästhesien, Taubheitsgefühl), Paresen (inkompletter Funktionsausfall) und Reflexminderung auf. Ein plötzliches Nachlassen der Schmerzen bei gleichzeitiger Verstärkung einer Parese ist ein Warnsignal für einen drohenden Wurzeltod.

Diagnostik eines Bandscheibenvorfalls:

  1. Anamnese: Ausführliche Schmerz- und neurologische Anamnese (Kribbeln, Taubheitsgefühl), Vorerkrankungen, Sozialanamnese.
  2. Körperliche Untersuchung:
  • Inspektion: Schonhaltung, Lateralflexion der Wirbelsäule.
  • Palpation: Paravertebraler Hartspann, Druck- und Klopfschmerz.
  • Sensibilitätsprüfung.
  • Tests: Lasègue-Zeichen, Kernig-Zeichen, Bragard-Zeichen.
  • Reflexe: Testung je nach Anamnese (Patellasehne, Achillessehne, Biceps, Triceps).
  1. Bildgebung:
  • MRT: 1. Wahl, besonders bei degenerativem Bandscheibenvorfall.
  • Röntgen/CT: Bei Beschwerden nach Trauma zum Ausschluss von Frakturen.

Therapie:

  • Konservativ (Regelhaft): Multimodales Konzept mit Schmerztherapie, periradikulärer Injektion von Lokalanästhetika, Physiotherapie (Muskelentspannung, Kräftigung der Rückenmuskulatur).
  • Operativ (Bei schweren motorischen Ausfällen – MFD 0-2/5):
  • Nukleotomie: Entfernung des Nucleus pulposus.
  • Diskektomie: Entfernung des gesamten Diskus, ggf. Ersatz mit synthetischem Diskus und Versteifung der Wirbelsäule.

Degenerative Spinalkanalstenose: Definition und Behandlung

Die degenerative Spinalkanalstenose ist eine Verengung des Spinalkanals, meist hervorgerufen durch Abbauprozesse am Wirbelknochen. Sie betrifft typischerweise Personen im 60. bis 70. Lebensjahr und ist am häufigsten in der Lendenwirbelsäule (LWS) lokalisiert.

Ätiologie (Ursachen):

  • Osteophyten: Knöcherne Anbauten an Gelenkflächen (Knochenvorsprung, Verdichtung, Sporn). Speziell Spondylophyten (Osteophyten am Wirbelkörperrand) und Syndesmophyten (Osteophytenbrücke zwischen Wirbelkörpern).
  • Degenerative Veränderungen der Wirbelkörper: Keilwirbel, Plattwirbel, Fischwirbel.
  • Sonstige Ursachen: Arthrose und Verwachsungen der Facettengelenke, Degeneration der Bandscheibe (Höhenverlust).

Symptome: Belastungsabhängige Kreuzschmerzen, die plötzlich in die Beine ausstrahlen können, Taubheitsgefühl und Claudicatio intermittens spinalis. Letzteres ist ein schmerzbedingtes Hinken, das durch kompressionsbedingte Nervenreizung im Bereich der Cauda equina (besonders im Stehen) verursacht wird.

Differentialdiagnosen: pAVK (periphere arterielle Verschlusskrankheit), Bandscheibenvorfall, Tumoren, Blockade im Iliosakralgelenk (ISG-Blockade).

Diagnostik einer Spinalkanalstenose:

  1. Anamnese: Ausführliche Schmerzanamnese, Schmerzlinderung in gebeugter Haltung (typisches Zeichen).
  2. Körperliche Untersuchung: pDMS (periphere Durchblutung, Motorik, Sensibilität). Unterscheidung zur pAVK (Schmerzen beim Radfahren bei pAVK, nicht bei SKS durch Entlordosierung der Wirbelsäule) und zum Bandscheibenvorfall (keine Schmerzlinderung bei Vorbeuge).
  3. Bildgebung:
  • MRT: 1. Wahl, da Spondylophyten und Spinalnervenkompression gut sichtbar sind.
  • Röntgen: Begrenzte Aussagekraft, da Weichteile nicht gut sichtbar sind.

Therapie:

  • Konservativ: Physiotherapie, Schmerzmedikation, Lokalanästhesie epidural.
  • Operativ: Entlastung durch Entfernung der komprimierenden/einengenden Strukturen, z.B. Laminotomie (partielle Entfernung eines Wirbelbogens).

Spondylolyse und Spondylolisthese: Wirbelgleiten erkennen und behandeln

Diese Erkrankungen betreffen die Stabilität der Wirbelsäule und treten oft im Jugendalter auf.

Definitionen:

  • Spondylolyse: Eine Spaltbildung (interartikulär) eines Wirbelbogens.
  • Spondylolisthese: Das Gleiten eines Wirbelkörpers nach ventral (Anterolisthesis, häufiger) oder dorsal (Retrolisthesis), meist infolge einer Spondylolyse.
  • Spondyloptose: Eine Komplikation der Spondylolisthesis, bei der ein Wirbelkörper vollständig abkippt.

Allgemeine Fakten:

  • Häufigkeit: Frauen sind häufiger betroffen als Männer.
  • Altersgipfel: 12.–17. Lebensjahr.
  • Ätiologie: Genetische Prädisposition, entwickelt sich erst im Jugendalter, traumatisch, degenerative Veränderungen, Dysplasie der Wirbelbogengelenke.
  • Risikosportarten: Starke körperliche Beanspruchung in Hyperlordose (Hohlkreuz), z.B. Kunstturnen, Delphinschwimmen, Speerwerfen, Gewichtheben.

Klinik (Symptome): Oft beschwerdefrei (90%). Wenn Schmerzen auftreten, sind sie lokal, dumpf, belastungsabhängig (besonders bei Extension des Rückens) und können ins Gesäß und die Oberschenkel ausstrahlen.

Diagnostik:

  1. Anamnese: Schmerzen, Sozialanamnese (Beruf/Hobby), Vorerkrankungen.
  2. Körperliche Untersuchung: Inspektion eines Hohlkreuzes, tastbare Stufe in der lumbalen Dornfortsatzreihe bei Spondylolisthese.
  3. Bildgebung:
  • Röntgen: der Wirbelsäule seitlich und in 45°-Winkel.
  • Einteilung nach Meyerding: Grad des Wirbelgleitens wird durch Unterteilung des kaudal gelegenen Wirbelkörpers in vier Teile gemessen.

Therapie:

  • Konservativ: Krankengymnastik zur Stärkung der Rumpfmuskulatur, Gewichtsreduktion, Vermeidung progressionsfördernder Sportarten. Bei akuten Symptomen: medikamentöse Schmerztherapie, Detonisierung der Muskulatur, temporäre Rumpforthese.
  • Operativ: Indikation bei hochgradiger Spondylolisthesis (Meyerding 3-4), Spondyloptose, neurologischem Defizit, chronischen Schmerzen (>6 Monate) ohne Besserung durch konservative Therapie oder Fortschreiten des Wirbelgleitens. Durchführung: Direktverschraubung der Spondylolyse, Spondylodese, Wurzeldekompression.

Torticollis (Schiefhals): Ursachen und Formen

Der Torticollis bezeichnet eine dauerhafte Schiefhaltung des Kopfes, wobei der Kopf zur betroffenen Seite geneigt und zur gesunden Seite rotiert ist. Er kann vielfältige Ursachen haben und ist ggf. reversibel.

Häufigste Form: Torticollis muscularis congenitus (Angeborener muskulärer Schiefhals)

  • Angeborene einseitige Verkürzung des Musculus sternocleidomastoideus.
  • Ursachen: Fehlhaltung im Mutterleib, Beckenendlage. Kein Geburtstrauma. Der Schiefhals liegt bereits vor der Geburt vor.
  • Mögliche Folge: Schädelasymmetrie, HWS-Skoliose, Schulterhochstand.

Sonstige Formen des Torticollis:

  • Torticollis osseus: Kurzhals und Schiefhals in Kombination, durch Fehlbildungen der Halswirbel oder fehlerhafte Heilung nach HWS-Frakturen.
  • Torticollis spasticus: Schiefhals mit Dystonie der Halsmuskeln, idiopathisch, durch Spasmen, Nerven-/Hirnschädigung oder Medikamente (z.B. Antipsychotika).
  • Torticollis opticus: Selbst herbeigeführte Fehlhaltung durch einseitige Sehstörung (z.B. Parese von Augenmuskeln) als Kompensation.
  • Torticollis acusticus: Selbst herbeigeführte Fehlhaltung durch einseitige Hörminderung als Kompensation.

Diagnostik:

  1. Anamnese: Vorerkrankungen (Trauma, Neurologie, Infektionen), Geburts-/Schwangerschaftskomplikationen.
  2. Körperliche Untersuchung: Blickdiagnose, Testung von Fehlhaltung vs. Fehlstellung, neurologische Untersuchung (Augen!), ggf. Hörtest, Test des M. sternocleidomastoideus.
  3. Bildgebung: Röntgen der HWS bei rigider Fehlstellung.

Therapie (für T. muscularis): Frühzeitige Physiotherapie (z.B. nach Vojta), korrigierende Lagerung, Förderung der Eigenbewegung und aktiver Muskelarbeit des Kopfes zur Seite.

Skoliose: Wachstumsdeformität der Wirbelsäule

Die Skoliose ist eine Wachstumsdeformität der Wirbelsäule, gekennzeichnet durch eine fixierte Seitabweichung von über 10° in der Frontalebene und eine Rotation der Wirbelsäule in der Transversalebene.

Formen der Skoliose:

  • Idiopathische Skoliose: Häufigste Form, Entwicklung im Wachstumsalter.
  • Säuglingsskoliose: Durch intrauterine Lage.
  • Kongenitale Skoliose: Durch Knochenfehlbildung.
  • Neuropathische Skoliose: Durch nervale Schäden.
  • Myopathische Skoliose: Durch Muskelatrophie oder -dystrophie.

Idiopathische Skoliose: Symptome und Therapieoptionen

Die idiopathische Skoliose entwickelt sich während des Wachstums. Eine These besagt, dass eine Seite der Wirbelkörper schneller wächst als die andere, was das Höhenwachstum behindert und zur Rotation führt.

  • Altersgipfel: 10.–12. Lebensjahr.
  • Prävalenz: Ca. 1% aller Jugendlichen. Frauen sind 6-mal häufiger betroffen als Männer.

Einteilung nach Hauptkrümmung: Thorakal, thorakolumbal, lumbal oder gemischt.

Einteilung nach Alter:

  • Adoleszente Skoliose: >10 LJ (ca. 90%), thorakal + rechtskonvex.
  • Juvenile Skoliose: 4–10 LJ, thorakal + rechtskonvex.
  • Infantile Skoliose: 0–3 LJ, thorakal + linkskonvex.

Symptome: Deutliche 3D-Achsabweichung der Wirbelsäule, in schwerer Form Verkürzung des Oberkörpers. Meist schmerzfrei, bis degenerative Veränderungen entstehen. In schweren Fällen können innere Organe wie Lunge und Herz beeinträchtigt sein.

Diagnostik:

  1. Anamnese: Familienanamnese, Vorerkrankungen, Besonderheiten in der Schwangerschaft, Schmerzanamnese.
  2. Körperliche Untersuchung: Asymmetrie der Taillendreiecke und Rückenoberfläche, Vorneige-Test im Seitenvergleich, Messung von Schulter- und Beckenstand, Beurteilung des Lots von HWK7, ggf. Lungenfunktionsprüfung (Vitalkapazität).
  3. Bildgebung:
  • Röntgen: der gesamten Wirbelsäule in zwei Ebenen zur Schätzung der Wirbelsäulenrotation und Messung nach Cobb (Quantifizierung des Krümmungsausmaßes).
  • Risser-Zeichen (1-5): Messung der Verknöcherung der Apophyse der Crista iliaca zur Beurteilung der Wachstumsreife der Wirbelsäule (Risser 5 = abgeschlossenes Wachstum).
  • Bending-Aufnahme: Zur quantitativen Bestimmung der Rigidität der Deformität (Ausgleichbarkeit der Krümmung bei maximaler Beugung zur Seite).

Therapie: Abhängig vom Cobb-Winkel:

  • <20°: Physiotherapie.
  • 20°–50°: Physiotherapie + Korsett (23h/Tag tragen, Abnahme bei Sport/Hygiene).
  • >50° oder schnell progredient: Operation.

Operative Therapie: Zeitpunkt idealerweise mit Wachstumsabschluss. Bei sehr starker Skoliose (>90°) ggf. mehrere schrittweise Operationen. Durchführung: Spondylodese zur Korrektur und Fixierung der Wirbelsäulenstellung mittels Implantaten (z.B. Fixateur interne, Plattenosteosynthese).

Morbus Scheuermann: Die jugendliche Kyphose

Morbus Scheuermann, auch als Adoleszentenkyphose oder juvenile Kyphose bekannt, ist eine kyphotische Erkrankung der Wirbelsäule, meist thorakal, seltener thorakolumbal oder lumbal.

  • Häufigkeit: Häufigste Wirbelsäulenerkrankung, Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen.
  • Altersgipfel: 10.–13. Lebensjahr.
  • Ätiologie: Wachstumsbedingt, genaue Ätiologie unklar, mögliche Faktoren: schnelles Längenwachstum, erbliche Disposition, schlaffe Rückenhaltung.

Symptome: Starker Rundrücken, i.d.R. ohne Schmerzen. Rückenschmerzen können bei lumbaler Manifestation oder Bandscheibendegeneration im Erwachsenenalter auftreten, ggf. muskuläre Verspannungen.

Diagnostik:

  1. Anamnese: Familienanamnese, Vorerkrankungen, Hobbys, Wachstumsverlauf.
  2. Körperliche Untersuchung: Aufrichttest (Unterscheidung flexible/rigide Deformität), Muskelfunktionsdiagnostik und Verkürzungstests (z.B. M. pectoralis-Verkürzung).
  3. Bildgebung:
  • Röntgen oder CT: Keilwirbel mit Verkleinerung des Intervertebralraumes.
  • CT: Einkerbungen in der Wirbelkörper-Bodenplatte (Schmorl-Knötchen), vermehrtes Knochenwachstum der Wirbelkörper-Deckplatte.

Therapie: I.d.R. konservativ mit Physiotherapie (Stärkung der Rückenmuskulatur), Korsettbehandlung bei schwerer Kyphose. In Extremfällen Operation.

Entzündliche Erkrankungen der Wirbelsäule: Spondylitis, Spondylodiszitis und Morbus Bechterew

Entzündliche Prozesse können erhebliche Auswirkungen auf die Wirbelsäule haben und erfordern eine präzise Diagnostik und Behandlung.

Spondylitis und Spondylodiszitis: Entzündungen der Wirbelkörper und Bandscheiben

  • Spondylitis: Entzündung von Wirbelkörper(n).
  • Spondylodiszitis: Entzündung von Bandscheibe(n) und Wirbelkörper(n).
  • Lokalisation: Typischerweise untere BWS und Lendenwirbelsäule.
  • Ursache: Meist bakterielle Infektionen.

Ätiologie:

  • Hämatogene Streuung (indirekt): Keimverschleppung von anderen Infektionsherden (Schnittwunde, Atemwegsinfektionen wie Tuberkulose, iatrogen bei kleineren operativen Eingriffen fern der Wirbelsäule).
  • Spezifische Spondylodiszitis: Durch Tuberkulose ausgelöst, meist mehrere Segmente betroffen.
  • Unspezifische Spondylodiszitis: Durch andere Bakterien (Staphylococcus aureus, E. Coli), beginnend monosegmental, spätere Ausbreitung möglich.
  • Iatrogen (direkt): Durch Injektionen, Liquorpunktion, Bandscheiben-OP.

Risikofaktoren: Höheres Alter, Alkoholismus, Diabetes mellitus, langfristige Cortison-Einnahmen, Tuberkuloseinfektion.

Symptome: Stärkste Rückenschmerzen (Verstärkung im Stehen/Sitzen), Fieber, ggf. neurologische Defizite. Abszesse können sich bilden und die Entzündung in den Spinalkanal ausbreiten. Ein Gibbus (spitze Kyphose) kann durch Wirbelkörperdestruktion entstehen.

Diagnostik:

  1. Anamnese: Medizinische Vorgeschichte, Operationen, Reiseanamnese, frühere Infektionen, Schmerzanamnese/-skala.
  2. Körperliche Untersuchung: Neurologische Untersuchung, lokaler Druckschmerz, Schonhaltung.
  3. Labor: Erhöhung der Entzündungsparameter, Blutkultur zum Erregernachweis, ggf. Punktion zur Erregerkultur, Antibiogramm.
  4. Bildgebung:
  • Röntgen: Aufgehellte Spongiosa/mottenfraßähnliche Osteolysen, Gibbus.
  • MRT: Frühere Diagnostik möglich, 1. Wahl.
  • Ggf. Skelettszintigrafie, Sonografie.

Wichtiger Hinweis: Diagnose oft spät gestellt, da Beschwerden mit degenerativen Veränderungen verwechselt werden können.

Therapie:

  • Konservativ: Ruhigstellung/Bettruhe (oft mehrere Wochen), Antibiotika.
  • Operativ: Indikation bei multisegmentalen Herden, starken Wirbelkörperschäden mit Abszessen. Durchführung: Débridement (chirurgische Entfernung infizierten/nekrotischen Gewebes), Implantation von Ersatzmaterial oder Fixateur interne. Zeitgleich konservative Therapie.

Morbus Bechterew (Spondylitis ankylosans): Chronisch-entzündliche Systemerkrankung

Morbus Bechterew ist eine chronisch entzündlich-rheumatische Systemerkrankung, die zur Versteifung der Wirbelsäule führen kann und nicht heilbar ist. Sie wird auch als ankylosierende Spondylitis oder Spondylarthritis bezeichnet.

  • Altersgipfel: 15–40. Lebensjahr.
  • Prävalenz: Männer sind häufiger betroffen als Frauen (3:1).
  • Typische Lokalisation: Wirbelsäule, Iliosakralgelenke, aber auch periphere Gelenke möglich.
  • Ätiologie: Genetische Faktoren.

Symptome: Schleichend einsetzende, dumpfe Rückenschmerzen (auch nachts, in Rückenlage), Morgensteifigkeit, Besserung durch Bewegung im Tagesverlauf. Entzündliche Enthesiopathien (Schmerz am Knochen-Sehnen-Übergang), z.B. costosternaler Übergang, Dornfortsätze. Sonstige Entzündungen: Augen/Iris, Magen-Darm-Trakt, Prostata. Im späteren Verlauf: Müdigkeit, Fieber, Gewichtsabnahme.

Diagnostik:

  1. Anamnese: Schmerzanamnese, familiäre Vorerkrankungen.
  2. Körperliche Untersuchung:
  • Druckschmerz der Iliosakralgelenke: Mennell-Zeichen.
  • Verminderte Beweglichkeit der Wirbelsäule:
  • Schober-Maß: Prüft Beweglichkeit der LWS (Zunahme um mind. 4 cm bei Vorbeuge).
  • Ott-Maß: Prüft Beweglichkeit der BWS (Zunahme um mind. 2 cm bei Vorbeuge).
  • EA-AA-Differenz Thorax: Prüft Beweglichkeit der BWS (Differenz mind. 2,5 cm).
  • Flèche-Maß: Prüft Beweglichkeit der HWS (physiologisch 0 cm Abstand zwischen Hinterkopf und Wand).
  • Sonstiges: Ganganalyse, Standanalyse, NNM, Krafttests.
  1. Labor: Blutuntersuchung auf genetische Faktoren (z.B. HLA-B27).
  2. Bildgebung:
  • MRT: 1. Wahl für Frühdiagnostik, zeigt Entzündungen der Wirbelkörper mit kleinen Frakturierungen.
  • Röntgen.

Therapie: Physiotherapie (Stärkung Rückenmuskulatur, Förderung Bewegungsausmaß, Verlangsamung Krankheitsprogression), entzündungshemmende, schmerzstillende Medikation. Operativ nur in Extremfällen (Osteosynthesen, Versteifung der Wirbelsäule in Aufrichtung).

Differentialdiagnose: Morbus Scheuermann vs. Morbus Bechterew

  • Morbus Bechterew: Autoimmune rheumatische Erkrankung, permanente Entzündung des Rückens.
  • Morbus Scheuermann: Keilförmige Veränderung der Rückenwirbel, Schmorl-Knötchen.

Wirbelsäulen- und Thorax-Fehlbildungen: Spina Bifida, Trichterbrust, Kielbrust

Fehlbildungen können bereits vor der Geburt entstehen oder sich im Laufe des Wachstums entwickeln.

Spina Bifida: Angeborene Entwicklungsstörung des Wirbelkanals

Die Spina Bifida ist eine angeborene Entwicklungsstörung des Wirbelkanals, bei der dieser embryonal nicht vollständig verschließt. Dies führt zu neurologischen Ausfällen je nach Höhe des Defekts.

  • Typische Lokalisation: Lumbal, lumbosakraler Übergang.
  • Risikofaktor: Folsäuremangel während der Schwangerschaft.
  • Mögliche Folgen: Ausstülpung der Meningen oder des Rückenmarks, Fehlbildung des Gehirns, Abflussstörung des Liquors (Hydrocephalus), offener Rücken bei Geburt.

Formen:

  • Spina Bifida occulta: Einfachste Form, knöcherner Wirbelbogen nicht geschlossen, aber keine Vorwölbung von Rückenmark/Meningen, Haut intakt. Diagnose meist zufällig per Röntgen im Erwachsenenalter. Oft vermehrte Behaarung am lumbalen Rücken.
  • Spina Bifida aperta: Knöcherner Wirbelbogen nicht geschlossen.
  • Meningozele: Vorwölbung der Meningen.
  • Myelomeningozele: Vorwölbung von Meningen und Rückenmark (Myelon). Vermehrtes Fett- und Bindegewebe unter der Haut, Haut ggf. offen.

Symptome (Spina Bifida aperta): Neurologische Ausfälle je nach Schädigungshöhe (fehlende Sensibilität, Druckulzerationen; spastische Paresen und/oder schlaffe Lähmungen, z.B. der Becken-/Genitalmuskulatur), Inkontinenz und Katheterpflicht (häufige aufsteigende Harnwegsinfekte, sekundäre Niereninsuffizienz), ggf. Hydrocephalus.

Diagnostik:

  1. Schwangerschaft (Mutter): Fruchtwasserdiagnostik, Sonografie, Folsäurekontrolle.
  2. Anamnese: Krankheitsverlauf, Einschränkungen (Beruf, Alltag, Miktion, Stuhlgang, sexuelle Aktivität).
  3. Körperliche Untersuchung: Komplette neurologische Untersuchung (Reflexe, Sensibilität, Motorik), Stand- und Ganganalyse, Muskelfunktionsdiagnostik, NNM.
  4. Labor: Nierenwerte bei häufigen Harnwegsinfekten.
  5. Bildgebung: MRT zur Bestimmung der Form und genauen Höhe des Defekts.

Therapie:

  • Bei offenem Rücken: Intrauterine OP (Hautverschluss), Geburt per Kaiserschnitt, OP direkt nach Geburt (Hautverschluss).
  • Bei Hydrocephalus: Shunt-OP zum Ableiten des Liquors.
  • Bei Fußdeformitäten: Orthopädische Schuhe.
  • Langfristig: Lebenslange urologische Betreuung, lebenslange Physiotherapie, gelenkschonende Sportarten. Spätere OPs schwierig. Eigene Schwangerschaft oft nicht empfohlen (Verstärkung neurologischer Defekte befürchtet).

Trichterbrust (Pectus excavatum): Einziehung der Thoraxwand

Die Trichterbrust ist eine Einziehung der ventralen Thoraxwand, meist am kaudalen Sternum. Sie ist die häufigste Thoraxdeformität und betrifft Jungen häufiger als Mädchen (3:1).

  • Ätiologie: Idiopathisch, genetische Faktoren. Bei Geburt nicht vorhanden, Entwicklung während der Wachstumsphase.

Symptome: Körperlich wenig bis keine Beeinträchtigung. Kosmetisch-psychische Belastung. In Extremfällen: kardiopulmonale Beschwerden durch Einengung des Thorax und Verlagerung des Herzens, Wirbelsäulendeformitäten.

Diagnostik:

  1. Blickdiagnose.
  2. Anamnese: Schmerzen/Beschwerden, Familienanamnese, pulmonale/kardiale Beschwerden bei Belastung.
  3. Körperliche Untersuchung: Beweglichkeit des Thorax und der Wirbelsäule (Schober, Ott), Atemumfänge.
  4. Bildgebung: Röntgen in zwei Ebenen (Bleistreifen am Thorax modellieren, um Trichter besser erkennbar zu machen).

Therapie:

  • Konservativ: Physiotherapie (v.a. Atemtherapie/Krankengymnastik), Ausdauersport.
  • Operativ: Einsetzen einer Metallschiene zur Anhebung des Sternums. Indikation bei kardialen oder pulmonalen Beschwerden, nicht vor dem 12. Lebensjahr.

Kielbrust (Pectus carinatum): Hervorstehendes Sternum

Die Kielbrust, auch Pectus carinatum oder Hühnerbrust genannt, ist ein spitzes Hervorragen von Sternum und Rippenansatz. Sie ist häufig einseitig, selten symmetrisch und entwickelt sich in den ersten Lebensjahren. Sie ist 10-mal seltener als die Trichterbrust.

  • Ätiologie: Idiopathisch, oft in Kombination mit anderen Erkrankungen (Marfan-Syndrom, Turner-Syndrom).

Symptome: I.d.R. schmerzfrei. Ggf. eingeschränkte Beweglichkeit des Thorax mit eingeschränkter Atmung.

Diagnostik:

  1. Blickdiagnose.
  2. Anamnese: Schmerzen, Atemproblematik.
  3. Körperliche Untersuchung: Beweglichkeit des Thorax, Atemumfänge.
  4. Bildgebung: Röntgen in regelmäßigen Abständen.

Therapie: Thoraxpelotte (drückt auf die Erhebung). Im Extremfall: Korrektur-Operation.

Traumatologie der Wirbelsäule: Verletzungen der HWS, BWS und LWS

Verletzungen der Wirbelsäule können schwerwiegende Folgen haben, bis hin zu neurologischen Ausfällen.

Verletzungen der oberen HWS (C0-C2): Atlas, Axis und Schleudertrauma

Dies umfasst Frakturen, Schleudertrauma oder ähnliche Verletzungen im Bereich C0 (Os occipitale), C1 (Atlas) und C2 (Axis).

Atlasfrakturen (C1):

  • Ursache: Axiale Stauchung.
  • Formen: Fraktur des vorderen Atlasbogens, des hinteren Atlasbogens, oder Jefferson-Fraktur (vorderer + hinterer Atlasbogen). Ggf. einhergehend mit atlanto-okzipitaler Luxation.
  • Häufige Folgen: Schwere Schädigung von Rückenmark und Hirnstamm, Tod innerhalb weniger Stunden.

Axisfrakturen (C2):

  • Ursache: Sturz auf Kopf/Hals. Häufiger als Atlasfrakturen.
  • Formen: Stabile Fraktur der Densspitze, instabile Querfraktur des Dens, Fraktur von Dens und Corpus.
  • Sonderform: „Hangman's Fraktur“: Fraktur des Axis-Wirbelbogens durch Hyperextension + Zug oder Kompression (Verkehrsunfall, Erhängen).

Schleudertrauma („whiplash injury“): Distorsion der HWS

  • Ursache: Hyperflexion und/oder Hyperextension der HWS, z.B. Auffahrunfall mit plötzlicher Akzeleration/Dezeleration. Starke Belastung für Muskeln, Bänder, Wirbelkörper.

Symptome bei HWS-Verletzungen: Bewegungseinschränkung, Schmerz mit Ausstrahlung in Nacken, Schultern, Arme, Schwindel, Kopfschmerz, Konzentrationsstörungen. Neurologische Defizite: Sensibilitätsstörungen (Kribbelparästhesien, Taubheitsgefühl), Lähmungen, Spasmen. In schweren Fällen: Tod.

Diagnostik:

  1. Anamnese: Schmerzanamnese, Unfallhergang, neurologische Beschwerden, Vorerkrankungen/Frakturanfälligkeit.
  2. Körperliche Untersuchung: Nach Frakturausschluss: NNM der HWS, neurologische Untersuchung (periphere Sensibilität an Rumpf/OEX/UEX, periphere Reflexe der OEX/UEX, Untersuchung der 12 Hirnnerven, lokale Sensibilität).
  3. Bildgebung: Röntgen in zwei Ebenen (a.p., lateral), CT, Sonografie (bei Verdacht auf Halsgefäßverletzungen), MRT (bei unklaren neurologischen Ausfällen).

Therapie:

  • Sofortige Immobilisation: Z.B. Stiffneck, Vakuummatratze bis Frakturausschluss oder endgültiger Versorgung.
  • Konservativ: Bei stabilen Frakturen (ggf. ohne Krawatte), leicht instabilen Frakturen (Schanz-Krawatte).
  • Operativ: Bei instabilen Frakturen (z.B. Spondylodese), Bandverletzungen der HWS, immer bei neurologischen Defiziten.

Verletzungen der unteren HWS, BWS und LWS (C3-S1): Traumatische und atraumatische Ursachen

Diese Verletzungen betreffen die Wirbelsäule von C3 bis S1. Eine Verletzung kaudal davon betrifft den hinteren Beckenring. Die häufigste Lokalisation ist der thorakolumbale Übergang. Die Wirbelsäule ist ein zentrales knöchernes Bindeglied; ihre Verletzung birgt die Gefahr der Rumpfinstabilität.

Ätiologie:

  • Traumatisch: Große Krafteinwirkung (Verkehrsunfälle, (Extrem)Sportverletzungen, Sturz aus großer Höhe).
  • Atraumatisch: Spontane Verletzung ohne adäquates Trauma bei Osteoporose oder Knochenerkrankungen (z.B. Tumoren, Metastasen).

Klassifikation (nach AOSpine): Einteilung der Wirbelsäule in vordere, mittlere, hintere Säule.

  • Typ A (Axiale Kompression): I.d.R. der ventralen Wirbelsäule, z.B. durch Kopfsprung ins flache Wasser oder Sturz auf gestreckte Beine/Hüfte.
  • Typ B (Distraktionsverletzungen): Durch Hyperextension (ventraler Abriss + dorsale Kompression) oder Hyperflexion (dorsaler Abriss + ventrale Kompression) der Wirbelsäule. Verletzung der vorderen und/oder hinteren Wirbelsäule, z.B. bei Verkehrsunfällen.
  • Typ C (Torsion/Translation/Rotation): Mit Verletzung der vorderen und/oder hinteren Wirbelsäule. Zusätzliche Ruptur der Bänder führt zu großer Instabilität und häufig neurologischen Komplikationen.

Symptome: Schmerzen (Druckschmerz, Klopfschmerz über der Wirbelsäule, Bewegungsschmerz). Neurologische Wurzel-Beschwerden: Kribbelparästhesien, Taubheitsgefühl der Haut, Paresen (unvollständige Muskellähmung), Plegien (vollständige Muskellähmung), abgeschwächte Reflexe.

  • Komplettes Querschnittsyndrom: Läsion aller auf- und absteigenden Leitungsbahnen des Rückenmarks. Komplettverlust von Sensibilität und Motorik, Areflexie oder spastische Parese und Hyperreflexie.
  • Inkomplettes Querschnittsyndrom: Nicht komplette Läsion des Rückenmarks. Halbseitig (Brown-Séquard-Syndrom): gleichseitige spastische/schlaffe Parese; gegenseitige Sensibilitätsstörung, gestörtes Wärmeempfinden.

Diagnostik:

  1. Anamnese: Genauer Unfallhergang, Schmerzanamnese, neurologische Anamnese, Vorerkrankungen (Osteoporose, Tumoren?).
  2. Körperliche Untersuchung: Allgemeine Frakturzeichen, Fehlstellung/-haltung, Stufen/Lücken zwischen Dornfortsätzen, Druck-/Klopfschmerz. Neurologische Untersuchung: Dermatome (Abschätzung Verletzungshöhe), Sensibilitätsprüfung, Muskelfunktionsdiagnostik peripherer Versorgungsgebiete.
  3. Bildgebung: CT/Röntgen (1. Wahl): Unterbrechung der Wirbelsäule, eingeengter Spinalkanal durch Fragmente, vergrößerter Abstand zwischen Dornfortsätzen.

Therapie:

  • Multimodale, interdisziplinäre Therapie: Transport in stabiler Lage mit Zervikalstütze und Vakuummatratze. Bei operativer Versorgung: Lage bis zur OP beibehalten.
  • Konservativ: Bei stabilen Kompressionsfrakturen ohne neurologische Beschwerden. Mobilitätssicherung, Analgesie, später Muskeltraining. Regelmäßige Röntgenkontrolle.
  • Operativ: Indikation bei instabilen Frakturen. Präoperatives MRT hilfreich. Durchführung: Fixateur interne, Wirbelkörper-Cage + Fixateur interne, Ersatz der Bandscheiben (falls zerstört).

Häufig gestellte Fragen zu Wirbelsäulen- und Thoraxpathologien (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen Diskusprotrusion und Diskusprolaps?

Bei der Diskusprotrusion ist der Anulus fibrosus angerissen und der Nucleus pulposus wölbt sich nur vor, ohne den Faserring vollständig zu durchbrechen. Beim Diskusprolaps hingegen tritt der Nucleus pulposus vollständig durch den Anulus fibrosus aus, was zu einer direkteren Kompression der umliegenden Strukturen führen kann.

Welche Symptome weisen auf eine degenerative Spinalkanalstenose hin?

Typische Symptome sind belastungsabhängige Kreuzschmerzen, die in die Beine ausstrahlen, Taubheitsgefühle und eine sogenannte Claudicatio intermittens spinalis. Letztere beschreibt ein schmerzbedingtes Hinken, das durch Nervenreizung in der Cauda equina (besonders im Stehen) ausgelöst wird.

Wie wird Morbus Scheuermann diagnostiziert und behandelt?

Morbus Scheuermann wird durch Anamnese, körperliche Untersuchung (z.B. Aufrichttest) und Bildgebung (Röntgen, CT) diagnostiziert, wobei Keilwirbel und Schmorl-Knötchen typische Befunde sind. Die Therapie ist meist konservativ und umfasst Physiotherapie zur Stärkung der Rückenmuskulatur und ggf. eine Korsettbehandlung bei schwerer Kyphose. Operationen sind selten erforderlich.

Was sind die Risikofaktoren für eine Spondylodiszitis?

Risikofaktoren für eine Spondylodiszitis umfassen höheres Alter, Alkoholismus, Diabetes mellitus, langfristige Cortison-Einnahmen sowie frühere Tuberkuloseinfektionen. Die Infektion kann hämatogen (über den Blutweg) oder iatrogen (durch medizinische Eingriffe) erfolgen.

Wann ist eine Operation bei Skoliose notwendig?

Eine Operation bei idiopathischer Skoliose wird in der Regel empfohlen, wenn der Cobb-Winkel über 50° liegt oder die Skoliose sehr schnell fortschreitet. Der optimale Zeitpunkt ist meist nach Abschluss des Wachstums, um die Wirbelsäule mittels Spondylodese zu korrigieren und zu stabilisieren.

Verwandte Themen