Podcast über Verletzungen des Unterschenkels und Sprunggelenks
Verletzungen des Unterschenkels und Sprunggelenks: Ein Leitfaden
Podcast
Sprunggelenk und Unterschenkel
Délka: 15 minut
Kapitoly
Der peitschenartige Knall
Achilles und seine Ferse
Diagnose – Der Thompson-Test
Therapie – Operieren oder Gips?
Das klassische Umknicken
Die PECH-Regel
Wenn der Knochen bricht: Weber A
Weber B und C
Diagnose und Therapie der Frakturen
Die Pilon-Tibiale-Fraktur
Der Unterschenkelschaftbruch
Frakturen nahe am Knie
Zusammenfassung und Abschied
Přepis
Lena: Stell dir vor, du spielst Fußball, sprintest los… und plötzlich fühlst du einen heftigen Schlag auf deine Wade, als hätte dich jemand getreten. Du drehst dich um – aber da ist niemand. Stattdessen hörst du einen lauten, peitschenartigen Knall. Gruselig, oder?
Lukas: Absolut. Und genau das ist das klassische Anzeichen für eine Achillessehnenruptur. Willkommen beim Studyfi Podcast. Wir schauen uns heute an, was passiert, wenn die stärkste Sehne des Körpers reißt.
Lena: Achillessehne... der Name kommt doch sicher aus der griechischen Mythologie, oder?
Lukas: Genau! Der Held Achilles war unverwundbar – bis auf eine winzige Stelle an seiner Ferse. Und genau da hat ihn im Trojanischen Krieg ein Pfeil erwischt.
Lena: Eine ziemlich dramatische Namensgebung für eine Sehne! Aber was reißt da eigentlich genau?
Lukas: Die Sehne verbindet ja deine Wadenmuskulatur mit dem Fersenknochen. Bei einer Ruptur reißt sie komplett durch, meistens durch eine plötzliche, extreme Belastung. Denk an einen schnellen Antritt beim Sport oder einen Sprung.
Lena: Und das passiert eher älteren Leuten?
Lukas: Überraschenderweise nicht nur. Der Häufigkeitsgipfel liegt zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr. Und Männer erwischt es fünfmal häufiger als Frauen. Typisch der „Weekend-Warrior“, der sich unter der Woche kaum bewegt und am Wochenende Vollgas gibt.
Lena: Okay, der Patient kommt also mit diesem „Knall“ in die Notaufnahme. Wie geht’s weiter? Was untersucht man?
Lukas: Zuerst schaut man sich das Bein an. Meistens ist es geschwollen und hat ein Hämatom. Das Wichtigste ist aber die klinische Untersuchung. Man kann oft eine richtige Delle tasten, da wo die Sehne gerissen ist. Und auf einem Bein auf den Zehenspitzen stehen? Unmöglich.
Lena: Gibt es einen speziellen Test dafür?
Lukas: Ja, und der ist super einfach und clever: der Thompson-Test. Der Patient liegt auf dem Bauch, die Füße hängen über die Kante der Liege. Dann drückt der Arzt die Wadenmuskulatur zusammen.
Lena: Und was sollte dann passieren?
Lukas: Normalerweise würde sich der Fuß dadurch strecken, also eine Plantarflexion machen. Bei einer gerissenen Achillessehne… passiert einfach gar nichts. Der Fuß bleibt schlaff. Das ist ein ziemlich sicheres Zeichen.
Lena: Und dann? Muss man das immer operieren?
Lukas: Nicht unbedingt. Das hängt vom Alter und vom Anspruch des Patienten ab. Bei älteren, weniger aktiven Menschen kann man das konservativ behandeln. Also mit einem speziellen Gips oder Schuh in Spitzfußstellung, damit die Sehnenenden wieder zusammenwachsen können.
Lena: Aber?
Lukas: Das Risiko, dass die Sehne erneut reißt, ist höher. Deshalb wird bei jungen, sportlichen Patienten fast immer eine Operation empfohlen. Dabei werden die Sehnenenden direkt wieder aneinandergenäht.
Lena: Das klingt stabiler. Hat aber bestimmt auch Nachteile, oder?
Lukas: Klar, wie bei jeder OP gibt es Risiken. Zum Beispiel Wundinfektionen oder die Verletzung eines kleinen Hautnervs, des Nervus suralis. Aber die Ergebnisse sind meistens sehr gut.
Lena: Super, das war ein echt klarer Überblick! Aber die Achillessehne ist ja nicht das Einzige, was am Sprunggelenk kaputtgehen kann. Was ist mit den Bändern?
Lukas: So, das sind die wichtigsten Komplikationen bei einer Achillessehnenruptur. Also immer schön aufpassen und gut aufwärmen vor dem Sport.
Lena: Absolut. Aber was ist, wenn man einfach nur... unglücklich umknickt? Das passiert ja andauernd. Das führt uns direkt zum nächsten großen Thema: Bandverletzungen am oberen Sprunggelenk.
Lukas: Genau, der Klassiker schlechthin. Jeder kennt es, fast jeder hat es schon mal erlebt. Man läuft, achtet kurz nicht auf und... zack, der Fuß ist umgeknickt.
Lena: Aua. Allein bei der Vorstellung tut's schon weh. Meistens knickt man ja nach außen weg, oder?
Lukas: Richtig. Das nennt man dann ein Supinationstrauma. Der Fuß knickt also über die Außenkante ab. Dabei werden die Außenbänder extrem überdehnt oder reißen sogar.
Lena: Und das tut höllisch weh. Was sind denn da die typischen Symptome, außer dem Schmerz?
Lukas: Also, direkt nach dem Umknicken schwillt der Knöchel meist stark an. Es bildet sich oft ein Hämatom, also ein blauer Fleck. Und du kannst kaum noch auftreten, das Gangbild ist also humpelnd.
Lena: Klingt logisch. Und wie stellt man dann fest, was genau kaputt ist?
Lukas: Zuerst machen wir eine körperliche Untersuchung. Ganz wichtig ist immer die pDMS-Kontrolle. Das ist ein Merkwort, das du dir merken solltest.
Lena: pDMS... sag's mir.
Lukas: Periphere Durchblutung, Motorik und Sensibilität. Wir prüfen also: Ist der Fuß noch gut durchblutet? Kannst du die Zehen bewegen? Und spürst du Berührungen?
Lena: Okay, das ist die absolute Basis, um größere Nerven- oder Gefäßschäden auszuschließen.
Lukas: Exakt. Danach tasten wir den Verlauf der Bänder ab. Und wir machen ein Röntgenbild. Aber warum wohl, wenn wir doch eine Bandverletzung vermuten?
Lena: Hmm... um sicherzugehen, dass nicht doch ein Knochen gebrochen ist? Vielleicht ein kleines Stückchen abgerissen?
Lukas: Genau das! Wir müssen immer eine Fraktur ausschließen. Das ist super wichtig.
Lena: Angenommen, es ist "nur" eine Bandverletzung. Was macht man dann? Pflaster drauf und weiter geht's?
Lukas: Schön wär's. Nein, da kommt die berühmte PECH-Regel ins Spiel. Die ist die absolute Standard-Sofortmaßnahme.
Lena: PECH... das klingt nicht gut, aber ich ahne, es ist eine Abkürzung.
Lukas: Richtig. P steht für Pause. Also sofort mit der Belastung aufhören. E für Eis – kühlen, um die Schwellung zu reduzieren. C für Compression, also ein Druckverband. Und H für Hochlagern.
Lena: PECH – Pause, Eis, Compression, Hochlagern. Das kann man sich wirklich gut merken.
Lukas: Ja, und es hilft enorm. Im weiteren Verlauf gibt's dann oft eine Sprunggelenkorthese, also eine Schiene, für mindestens fünf Wochen. Operiert wird bei Bänderrissen übrigens nur noch in absoluten Ausnahmefällen.
Lena: Okay, aber was ist, wenn das Röntgenbild doch einen Bruch zeigt? Dann sind wir bei der Sprunggelenksfraktur, richtig?
Lukas: Genau. Und das ist tatsächlich die häufigste Fraktur der unteren Extremität. Hier ist die Klassifikation nach Weber entscheidend. Es gibt Weber A, B und C.
Lena: Fangen wir doch mal mit A an. Was bedeutet Weber A?
Lukas: Bei einer Weber-A-Fraktur bricht der Außenknöchel, also die Fibula, unterhalb eines wichtigen Bandapparats, der sogenannten Syndesmose.
Lena: Syndesmose... das klingt kompliziert.
Lukas: Stell sie dir einfach wie ein sehr starkes Gummiband vor, das Schienbein und Wadenbein ganz unten zusammenhält. Bei Weber A ist der Bruch unterhalb dieses Gummibandes, und das Gummiband selbst bleibt heil. Das ist die gute Nachricht.
Lena: Das ist also die... "beste" Art von Sprunggelenksbruch, die man haben kann?
Lukas: Wenn man es so sagen will, ja. Die Stabilität des Gelenks ist meistens noch gegeben. Sie entsteht typischerweise durch das eben besprochene Supinationstrauma, also das Umknicken nach außen.
Lena: Okay, verstanden. Was ist dann der Unterschied zu Weber B?
Lukas: Bei Weber B passiert der Bruch des Außenknöchels genau auf der Höhe der Syndesmose. Hier besteht die Gefahr, dass dieses wichtige Band mitverletzt wird.
Lena: Ah, okay. Das Gelenk wird also instabiler.
Lukas: Genau. Und jetzt kannst du dir sicher schon denken, was Weber C ist, oder?
Lena: Der Bruch ist... oberhalb der Syndesmose?
Lukas: Perfekt! Der Bruch liegt oberhalb, und hier ist die Syndesmose eigentlich immer kaputt. Das ist die instabilste und schwerwiegendste der drei Formen.
Lena: Und wie entstehen B und C? Auch durch einfaches Umknicken?
Lukas: Ja, aber meist durch ein anderes Trauma, ein sogenanntes Pronationstrauma. Dabei knickt der Fuß nach innen weg. Das passiert seltener, hat aber oft schlimmere Folgen.
Lena: Die Symptome sind wahrscheinlich ähnlich wie bei der Bandverletzung, nur schlimmer, oder? Also Schwellung, Schmerzen, Bluterguss...
Lukas: Exakt, aber oft kommt noch eine sichtbare Fehlstellung dazu und das Gelenk ist total instabil. Manchmal ist es sogar eine offene Fraktur, wo der Knochen die Haut durchspießt.
Lena: Okay, das will man sich gar nicht vorstellen. Die Diagnostik ist dann wieder pDMS-Check und Röntgen?
Lukas: Ja, absolut. Und ganz wichtig: Wir tasten immer die gesamte Länge des Wadenbeins ab. Manchmal liegt der Bruch bei einer Weber-C-Fraktur nämlich sehr weit oben, fast am Knie. Das nennt man Maisonneuve-Fraktur.
Lena: Wahnsinn. Und die Therapie? Wann Gips, wann OP?
Lukas: Hier kommt wieder die Klassifikation ins Spiel. Eine unverschobene Weber-A-Fraktur kann man oft konservativ behandeln. Also Unterschenkelgips für circa sechs Wochen.
Lena: Und wann wird operiert?
Lukas: Eigentlich bei allen anderen. Also bei verschobenen A-Frakturen und so gut wie immer bei Weber B und C. Da müssen wir die Knochen mit Platten und Schrauben wieder stabilisieren und die gerissenen Bänder nähen.
Lena: Das klingt nach einem längeren Weg zurück zur vollen Belastung.
Lukas: Das ist es auch. Nach der OP folgt wieder Ruhigstellung im Gips, Thromboseprophylaxe ist extrem wichtig und danach eine lange Physiotherapie.
Lena: Puh, ein komplexes Thema. Aber die Weber-Klassifikation macht es wirklich verständlich. Was schauen wir uns denn als Nächstes an? Es gibt ja noch mehr fiese Brüche in der Gegend.
Lukas: Oh ja. Als Nächstes auf der Liste steht eine Fraktur, die oft bei Stürzen aus großer Höhe passiert: die Pilon-Tibiale-Fraktur. Da wird es noch mal komplizierter.
Lena: So, nach den Weber-Frakturen, die ja wirklich häufig sind, lass uns mal zu einer etwas komplizierteren Verletzung kommen. Was ist denn eine Pilon-Tibiale-Fraktur?
Lukas: Gerne. Stell dir vor, die Gelenkfläche vom Schienbein, also der Tibia, bricht. Und zwar nicht nur ein einfacher Bruch, sondern oft in viele kleine Teile. Das ist die Pilon-Tibiale-Fraktur. Meistens ist dabei auch das Wadenbein, die Fibula, mit betroffen.
Lena: Autsch, das klingt übel. Wie passiert denn sowas? Fällt man da einfach nur unglücklich um?
Lukas: Eher selten. Dafür braucht es schon massive, senkrechte Gewalteinwirkung. Denk an einen Autounfall, wo das Bein nach vorne schnellt, oder einen Sturz aus großer Höhe... direkt auf die Füße.
Lena: Also quasi ein menschlicher Crashtest-Dummy.
Lukas: Genau, aber bitte nicht nachmachen. Die Klinik ist dann auch heftig: starke Schmerzen, eine massive Schwellung und oft eine sichtbare Fehlstellung. Manchmal ist der Bruch sogar offen.
Lena: Und wie wird das behandelt? Das kann man doch sicher nicht einfach eingipsen, oder?
Lukas: Absolut nicht. Hier ist fast immer eine OP nötig. Aber... und das ist der Knackpunkt... wir müssen warten, bis die Schwellung zurückgeht. In der Zwischenzeit wird das Bein oft mit einem Fixateur externe ruhiggestellt. Später wird dann alles mit Platten und Schrauben stabilisiert.
Lena: Und die Heilung? Dauert sicher ewig.
Lukas: Geduld ist gefragt. Nach der OP heißt es erstmal: keine Belastung. Nach etwa acht Wochen darf man langsam anfangen, teilzubelasten. Eine Vollbelastung ist oft erst nach 10 bis 14 Wochen wieder drin.
Lena: Okay, nächster Punkt auf unserer Verletzungs-Liste: die Unterschenkelschaftfraktur. Das klingt jetzt wieder etwas einfacher. Ist es das auch?
Lukas: Sagen wir so, der Ort ist einfacher zu beschreiben. Es ist der Bruch des langen Knochenteils, des Schafts, von Schien- oder Wadenbein. Passiert oft durch direkte Gewalt, wie ein Tritt beim Fußball, oder durch eine starke Verdrehung, zum Beispiel beim Snowboarden.
Lena: Und wie geht man hier vor? Wieder immer OP?
Lukas: Bei Erwachsenen ist die OP der Goldstandard, meistens mit einem Marknagel. Das ist ein langer Nagel, der in den Knochen geschoben wird und ihn von innen schient. Bei Kindern kann man es manchmal konservativ mit einem Gips versuchen.
Lena: Hier gibt es doch bestimmt auch wieder spezielle Risiken, oder?
Lukas: Ja, und die sind wichtig. Das größte Risiko ist das Kompartmentsyndrom, über das wir schon mal gesprochen haben. Außerdem können wichtige Nerven und Arterien im Unterschenkel verletzt werden. Darum ist die pDMS-Prüfung — also Durchblutung, Motorik, Sensibilität — hier extrem wichtig!
Lena: Und zum Schluss noch die proximalen Unterschenkelfrakturen. Was müssen wir dazu wissen?
Lukas: Proximal bedeutet ja „nah am Körperzentrum“. Wir sprechen hier also von Brüchen ganz oben am Schien- oder Wadenbein, direkt unterhalb des Knies. Häufig ist dabei auch das Kniegelenk selbst betroffen.
Lena: Was ist hier die größte Herausforderung?
Lukas: Oft der massive Weichteilschaden. Die Schwellung und die Einblutungen können enorm sein. Die Stand- und Gehfähigkeit ist natürlich sofort futsch. Das ist eine schwere Verletzung, die eine sehr genaue Planung braucht.
Lena: Wahnsinn, was da alles am Bein kaputtgehen kann. Lukas, könntest du uns zum Abschluss nochmal die wichtigsten Frakturen in drei Sätzen zusammenfassen?
Lukas: Klar. Also: Die Weber-Fraktur betrifft das Sprunggelenk, je nach Höhe A, B oder C. Die Pilon-Fraktur ist ein Trümmerbruch der Schienbein-Gelenkfläche durch hohe Krafteinwirkung. Und die Schaftfraktur in der Mitte des Unterschenkels braucht oft einen Marknagel und birgt die Gefahr von Nerven- und Gefäßschäden.
Lena: Super, danke dir! Das war wieder eine vollgepackte, aber super lehrreiche Folge. Damit sind wir für heute am Ende.
Lukas: Es war mir wie immer ein Fest.
Lena: Das war der Studyfi Podcast. Vielen Dank fürs Zuhören, lernt fleißig und bis zum nächsten Mal! Tschüss!