Podcast über Orthopädische Fuß- und Zehendeformitäten

Orthopädische Fuß- und Zehendeformitäten: Ein Überblick für Studierende

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Orthopädie des Fußes: Anatomie und Fehlstellungen0:00 / 20:31
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LukasSteh mal kurz auf. Ernsthaft. Spür mal, wie deine Füße auf dem Boden stehen. Wahrscheinlich denkst du da nie drüber nach, oder? Aber genau diese Basis, unser Fundament, ist ein unglaubliches Meisterwerk der Ingenieurskunst.
SophieAbsolut! Und wenn bei diesem Meisterwerk etwas schiefläuft, kann das enorme Auswirkungen haben. Das ist das Kernthema der Fußorthopädie.
Kapitel

Orthopädie des Fußes: Anatomie und Fehlstellungen

Délka: 20 minut

Kapitoly

Unser tägliches Fundament

Die Gewölbe: Die Stoßdämpfer des Körpers

Wenn die Statik kippt: Fußdeformitäten

Der Klumpfuß: Ein komplexes Puzzle

Epidemiologie und Ursachen

Diagnose und Differentialdiagnose

Therapie des Plattfußes

Der angeborene Plattfuß

Wenn die Ferse nicht runterkommt: Der Spitzfuß

Das Gegenteil: Der Hohlfuß

Und noch ein Extrem: Der Hackenfuß

Der offene Rücken

Die Ursache: Embryopathie

Fazit und Abschied

Přepis

Lukas: Steh mal kurz auf. Ernsthaft. Spür mal, wie deine Füße auf dem Boden stehen. Wahrscheinlich denkst du da nie drüber nach, oder? Aber genau diese Basis, unser Fundament, ist ein unglaubliches Meisterwerk der Ingenieurskunst.

Sophie: Absolut! Und wenn bei diesem Meisterwerk etwas schiefläuft, kann das enorme Auswirkungen haben. Das ist das Kernthema der Fußorthopädie.

Lukas: Perfekt. Willkommen zum Studyfi Podcast. Sophie, lass uns mal mit den Grundlagen anfangen. Was macht unseren Fuß so stabil?

Sophie: Stell dir deinen Fuß wie ein Stativ mit drei Beinen vor: die Ferse, der Großzehenballen und der Kleinzehenballen. Das sorgt für die Grundstabilität.

Lukas: Okay, das Dreibein-Stativ. Und was ist mit diesen Fußgewölben, von denen man immer hört?

Sophie: Genau, es gibt zwei entscheidende: das Quergewölbe, das vorne zwischen dem großen und dem kleinen Zehenballen verläuft, und das Längsgewölbe – die typische Wölbung von der Ferse zum Ballen.

Lukas: Wie eine Art eingebauter Stoßdämpfer, richtig?

Sophie: Exakt! Bänder und Muskeln halten diese Bögen unter Spannung. Beim Quergewölbe ist da zum Beispiel das *Ligamentum metatarsale transversum profundum* super wichtig.

Lukas: Puh, das klingt kompliziert. Sagen wir einfach, das sind die Stahlseile bei einer Hängebrücke?

Sophie: Das ist eine super Eselsbrücke! Genau so kannst du dir das vorstellen. Und beim Längsgewölbe ist es die Plantaraponeurose, die eine riesige Rolle spielt.

Lukas: Aber was passiert, wenn diese 'Hängebrücke' nachgibt oder von Anfang an falsch gebaut ist?

Sophie: Dann sprechen wir von Fußdeformitäten. Das sind Verformungen, die entweder angeboren sind oder sich im Laufe des Lebens entwickeln, oft durch eine veränderte Stellung der Knochen und verkürzte Sehnen.

Lukas: Und da gibt es ja einige, oder? Plattfuß, Senkfuß…

Sophie: Richtig. Aber lass uns heute mal eine der komplexesten angeborenen Fehlbildungen anschauen: den Klumpfuß.

Lukas: Klumpfuß, das klingt schon ziemlich drastisch. Was genau ist das?

Sophie: Der lateinische Name beschreibt es perfekt, ist aber ein echter Zungenbrecher: *Pes equinovarus adductus supinatus et excavatus*.

Lukas: Okay, da bin ich raus. Kannst du das mal für uns Normalsterbliche übersetzen?

Sophie: Klar. Lass es uns zerlegen. *Equinus* bedeutet Spitzfuß. Die Ferse steht hoch, weil die Achillessehne verkürzt ist. Man läuft quasi wie auf Zehenspitzen.

Lukas: Okay, erster Teil verstanden. Was kommt als Nächstes?

Sophie: *Varus* und *Supinatus* gehören zusammen. Die Ferse kippt nach innen und der Fußrand hebt sich. Dann kommt *Adductus*: Der Vorfuß ist nach innen gedreht, wie eine Sichel.

Lukas: Also Spitzfuß, Ferse nach innen, Vorfuß nach innen… noch was?

Sophie: Ja, das letzte Puzzleteil ist *Excavatus*. Das bedeutet Hohlfuß. Das Längsgewölbe ist also übertrieben stark ausgeprägt.

Lukas: Wahnsinn. Es ist also nicht nur eine einzige Fehlstellung, sondern gleich ein ganzes Paket davon. Das erklärt, warum er als so komplex gilt.

Lukas: Okay, das war super aufschlussreich. Und jetzt kommen wir zu einem Thema, das viele schon mal gehört haben, aber kaum jemand wirklich versteht... der Klumpfuß.

Sophie: Genau, Lukas. Der Klumpfuß, oder Pes equinovarus, ist die häufigste angeborene Fußdeformität überhaupt. Und hier ist eine interessante Statistik: Jungen sind dreimal häufiger betroffen als Mädchen.

Lukas: Dreimal so häufig? Wow. Und ist das dann immer nur an einem Fuß?

Sophie: Gute Frage. Tatsächlich tritt es in etwa der Hälfte der Fälle beidseitig auf. Das ist also ziemlich häufig.

Lukas: Und woher kommt das? Ist das rein genetisch?

Sophie: Das ist der knifflige Teil. Die genaue Ursache ist nicht eindeutig geklärt. Meistens ist er angeboren und wir gehen von einer polygenetischen Ursache aus. Also eine Mischung aus mehreren Genen.

Lukas: Aber es gibt auch andere Faktoren, oder?

Sophie: Ja, absolut. Auch Umwelteinflüsse während der Schwangerschaft können eine Rolle spielen. Manchmal ist es auch einfach eine ungünstige Lage des Embryos in der Gebärmutter. Nur ganz selten wird ein Klumpfuß später im Leben erworben, zum Beispiel durch neurologische oder traumatische Schäden.

Lukas: Okay, also wenn ein Baby damit geboren wird, wie stellt man das fest? Ist das kompliziert?

Sophie: Gar nicht. Es ist eine klassische Blickdiagnose. Man sieht es im Grunde sofort nach der Geburt. Der Fuß ist nach innen gedreht und zeigt nach unten. Wichtig ist aber, dass wir auch die angrenzenden Gelenke wie Knie und Hüfte untersuchen, um weitere Probleme auszuschließen.

Lukas: Man schaut sich also die ganze Kette an. Macht Sinn. Braucht man dann noch ein Röntgenbild?

Sophie: Ja, das Röntgenbild bestätigt die Diagnose und zeigt uns das Ausmaß. Normalerweise gibt es einen bestimmten Winkel zwischen zwei wichtigen Fußknochen, dem Talus und dem Calcaneus. Beim Klumpfuß ist dieser Winkel viel kleiner – im Extremfall stehen die Knochen fast parallel. Das ist wie zwei Autos, die parallel parken, statt in einem V abzubiegen.

Lukas: Gutes Bild! Parken ist eh schon schwer genug.

Sophie: Stimmt. Und jetzt kommt eine ganz wichtige Unterscheidung. Es gibt nämlich die sogenannte Klumpfußhaltung. Die sieht fast genauso aus, ist aber harmlos.

Lukas: Okay, was ist da der Unterschied?

Sophie: Der entscheidende Punkt ist: Eine Klumpfußhaltung ist flexibel. Man kann den Fuß passiv, also mit der Hand, ganz einfach in die normale Position bewegen. Ein echter Klumpfuß ist rigide, also steif. Da geht das nicht, weil Sehnen verkürzt und Knochen verändert sind.

Lukas: Ah, also flexibel ist gut, rigide ist das eigentliche Problem. Und was passiert mit der flexiblen Haltung?

Sophie: Die heilt meistens von ganz allein innerhalb der ersten Lebenswochen aus. Das ist eine riesige Erleichterung für die Eltern. Man muss also immer testen: Ist die Fehlstellung flexibel oder rigide?

Lukas: Das ist wirklich der Schlüssel. So, und wenn wir jetzt einen echten, rigiden Klumpfuß diagnostiziert haben... wie geht man dann vor? Ich nehme an, man fängt nicht direkt mit einer OP an?

Sophie: Genau, der erste Schritt ist immer eine konservative Therapie. Und die ist wirklich faszinierend und startet idealerweise direkt am Tag der Geburt.

Lukas: Okay, Sophie, wir haben jetzt geklärt, wie man einen erworbenen Plattfuß diagnostiziert. Aber die wichtigste Frage für Betroffene ist ja: Was kann ich dagegen tun? Muss ich einfach damit leben?

Sophie: Nein, zum Glück nicht. Damit leben muss man in den seltensten Fällen. Die gute Nachricht ist: Meistens fangen wir ganz sanft an, ohne gleich das große Besteck auszupacken.

Lukas: Das beruhigt mich. Was bedeutet denn „sanft anfangen“ in diesem Fall?

Sophie: Sanft heißt hier vor allem konservativ. Also ohne Operation. Die beiden wichtigsten Säulen sind spezielle Schuheinlagen und gezielte Krankengymnastik.

Lukas: Einlagen kenne ich. Die stützen das Fußgewölbe ab, richtig?

Sophie: Genau. Eine gute Einlage kann das abgesunkene Längsgewölbe wieder anheben und den Fuß in eine bessere Position bringen. Das entlastet sofort und kann Schmerzen lindern.

Lukas: Und Krankengymnastik? Macht man da... Fuß-Liegestütze?

Sophie: So ähnlich! Man stärkt gezielt die Muskeln, die das Fußgewölbe halten, wie zum Beispiel den Musculus tibialis posterior. Starke Muskeln sind die beste natürliche Stütze für den Fuß.

Lukas: Das leuchtet ein. Aber was ist, wenn das alles nicht hilft? Wenn die Schmerzen bleiben?

Sophie: Dann muss man über eine Operation nachdenken. Aber das ist wirklich die letzte Option. Eine OP kommt erst infrage, wenn man jahrelang alles andere probiert hat und es einfach nicht besser wird.

Lukas: Und was passiert bei so einer Operation?

Sophie: Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Man kann zum Beispiel Gelenke versteifen, das nennt man Arthrodese. Oder man korrigiert die Knochenstellung durch eine sogenannte Korrekturosteotomie, bei der Knochen durchtrennt und neu ausgerichtet werden. Manchmal verkürzt man auch Sehnen, um dem Fuß wieder mehr Halt zu geben.

Lukas: Puh, das klingt schon deutlich invasiver. Also ist der Grundsatz: Erstmal alles andere probieren.

Sophie: Absolut. Die konservative Therapie ist in den meisten Fällen sehr erfolgreich. Operationen sind wirklich die Ausnahme.

Lukas: Jetzt haben wir die ganze Zeit über den „erworbenen“ Plattfuß gesprochen. Das impliziert ja, dass es auch eine andere Form gibt.

Sophie: Richtig beobachtet. Es gibt auch den angeborenen Plattfuß, den Pes planus congenitalis. Und der ist eine ganz andere Hausnummer.

Lukas: Inwiefern anders?

Sophie: Zunächst mal ist er viel seltener. Und er ist keine flexible Fehlstellung, die sich langsam entwickelt, sondern eine komplexe und rigide, also steife, Fehlbildung, die von Geburt an da ist.

Lukas: Und was ist die Ursache dafür?

Sophie: Die ist angeboren. Oft ist das Sprungbein, der Talus, in einer falschen, steilen Position. Man kann sich das wie einen zentralen Baustein im Fußgewölbe vorstellen, der von Anfang an schief sitzt. Dadurch ist das ganze Gelenkgefüge darunter, das Talocalcaneonaviculargelenk, quasi ausgerenkt.

Lukas: Das klingt ernst. Ist das immer ein reines Fußproblem?

Sophie: Nicht immer. Das ist ein wichtiger Punkt. In etwa 50 Prozent der Fälle tritt der angeborene Plattfuß isoliert auf. In der anderen Hälfte der Fälle hängt er aber mit anderen, oft neurologischen Erkrankungen zusammen.

Lukas: Wow, okay. Wie erkennt man das denn bei einem Neugeborenen?

Sophie: Das ist tatsächlich eine Blickdiagnose. Der Fuß sieht ganz anders aus. Die Fußsohle ist nicht flach, sondern nach außen gewölbt, fast wie die Kufe eines Schaukelstuhls. Man spricht deshalb auch vom „Schaukelfuß“.

Lukas: Und die Therapie? Man kann ja schlecht einem Baby sagen, es soll mal Krankengymnastik machen.

Sophie: Das wäre schwierig. Nein, hier muss man sofort nach der Geburt handeln. Man beginnt mit sogenannten Gipsredressionen. Dabei wird der Fuß sanft in die richtige Position gebracht und dann eingegipst. Dieser Gips wird regelmäßig gewechselt, um die Korrektur schrittweise fortzusetzen.

Lukas: Und das reicht aus?

Sophie: Oft leider nicht. Nach der Gipsbehandlung kommen spezielle Schienen, sogenannte Orthesen, zum Einsatz. Aber sehr häufig ist trotzdem eine operative Korrektur notwendig, um die Sehnen zu verlängern, Gelenkkapseln zu öffnen und die Knochen in die richtige Position zu bringen.

Lukas: Okay, also Plattfuß ist, wenn das Gewölbe fehlt. Gibt es auch das genaue Gegenteil? Wenn man quasi nur auf den Zehenspitzen läuft?

Sophie: Ja, das gibt es. Das nennt man Spitzfuß oder Pes equinus. Stell dir eine Ballerina vor, die auf den Zehenspitzen tanzt – so ähnlich sieht die Fußstellung aus. Der Fuß ist im oberen Sprunggelenk gestreckt und die Ferse kommt beim Gehen nicht auf den Boden.

Lukas: Woher kommt das? Ist die Wade einfach zu stark?

Sophie: Meistens ist sie nicht zu stark, sondern zu kurz. Die Hauptursache ist eine Verkürzung der Achillessehne und der Wadenmuskulatur. Das kann nach Verletzungen passieren, nach Infektionen oder auch neurologisch bedingt sein, zum Beispiel durch eine Spastik der Wadenmuskulatur.

Lukas: Welche Muskeln sind das denn genau in der Wade, die da so einen Ärger machen?

Sophie: Der Hauptakteur ist der Musculus triceps surae, der dreiköpfige Wadenmuskel. Der besteht aus dem zweibäuchigen M. gastrocnemius, dem Schollenmuskel M. soleus und einem kleinen, oft vernachlässigbaren Muskel, dem M. plantaris. Alle zusammen ziehen über die Achillessehne die Ferse nach oben.

Lukas: Und wie äußert sich das beim Laufen? Das muss doch total komisch aussehen.

Sophie: Absolut. Man spricht vom „Steppergang“. Betroffene müssen das Knie und die Hüfte viel stärker anheben, damit die Fußspitze nicht am Boden schleift. Das führt natürlich zu einem unsicheren Gang.

Lukas: Macht es einen Unterschied, ob das nur auf einer Seite oder auf beiden Seiten ist?

Sophie: Oh ja, einen großen. Bei einem einseitigen Spitzfuß ist das betroffene Bein funktionell länger. Um das auszugleichen, schwingt das Bein beim Gehen oft seitlich aus. Langfristig führt das zu einem Beckenschiefstand und Rückenbeschwerden.

Lukas: Und bei beidseitigem Spitzfuß?

Sophie: Da ist das Hauptproblem die mangelnde Stabilität. Die Standfläche ist winzig, weil die Fersen fehlen. Das erhöht die Sturzgefahr ganz erheblich.

Lukas: Was tut man dagegen? Kann man die Sehne wieder länger machen?

Sophie: Genau das ist das Ziel. Konservativ versucht man es mit intensiver Krankengymnastik, um die Muskulatur zu dehnen, sowie mit Redressionsgipsen oder Orthesen, die den Fuß in die Normalposition zwingen. Wenn das nicht klappt, kann man die Achillessehne operativ verlängern.

Lukas: Okay, jetzt komme ich nochmal auf meine Frage von vorhin zurück. Gibt es auch das Gegenteil vom Plattfuß? Also ein ZU hohes Fußgewölbe?

Sophie: Ja, das ist der Hohlfuß, auch Pes cavus oder Pes excavatus genannt. Hier ist das Längsgewölbe des Fußes überhöht. Der Fuß sieht aus wie eine Brücke, die in der Mitte zu stark nach oben gewölbt ist.

Lukas: Was ist da die Ursache? Das klingt nach einer Art Verkrampfung.

Sophie: Das ist eine gute Beschreibung. Oft liegt eine neurogene Störung zugrunde, also ein Problem mit den Nerven, das zu einem Muskelungleichgewicht führt. Die kurzen Muskeln in der Fußsohle und die Plantarfaszie sind verkürzt und ziehen das Gewölbe nach oben. Manchmal findet man aber auch keine klare Ursache, dann nennt man es idiopathisch.

Lukas: Ich stelle mir vor, dass das Laufen damit auch nicht einfach ist.

Sophie: Überhaupt nicht. Der Fuß ist sehr steif und unflexibel. Er kann Stöße nicht gut abfedern. Betroffene haben oft ein instabiles Gangbild und Schmerzen, weil der Druck nur noch auf dem Fußballen und der Ferse lastet. Und das größte Alltagsproblem: einen passenden Schuh zu finden, ist fast unmöglich. Der hohe Rist passt einfach nirgendwo rein.

Lukas: Wie sieht die Therapie aus? Auch wieder Einlagen und OP?

Sophie: Das kommt drauf an. Wenn der Hohlfuß noch flexibel ist, versucht man es konservativ mit Physiotherapie und speziellen Einlagen, die das Gewölbe entlasten und den Druck umverteilen. Bei einem rigiden, also steifen Hohlfuß, hilft oft nur eine Operation, bei der Sehnen verlängert oder Knochen umgestellt werden.

Lukas: Okay, wir hatten jetzt also zu flach, zu spitz und zu hoch. Gibt’s noch mehr Extreme? Was ist ein Hackenfuß?

Sophie: Der Hackenfuß ist quasi das Gegenteil vom Spitzfuß. Hier ist der Fuß im Sprunggelenk extrem nach oben gebogen, also in einer verstärkten Dorsalflexion. Die Zehen zeigen quasi Richtung Schienbein. Eine Bewegung nach unten, die Plantarflexion, ist kaum oder gar nicht möglich.

Lukas: Das sieht bestimmt auch speziell aus. Wie kommt es dazu?

Sophie: Man unterscheidet wieder zwischen angeboren und erworben. Die angeborene Form entsteht oft durch eine Zwangshaltung im Mutterleib. Die gute Nachricht hier ist: Sie bildet sich meist in den ersten Lebenstagen von selbst zurück.

Lukas: Und die erworbene Form?

Sophie: Die entsteht durch eine Schwäche oder Schädigung der Wadenmuskulatur, also der Gegenspieler. Wenn der M. triceps surae nicht mehr richtig ziehen kann, zum Beispiel nach einer Lähmung oder einer Achillessehnenruptur, dann überwiegen die Muskeln an der Schienbeinvorderseite und ziehen den Fuß nach oben.

Lukas: Das ist ja ein ständiges Tauziehen der Muskelgruppen am Fuß.

Sophie: Exakt! Ein gesundes Fußgewölbe und eine normale Fußstellung sind das Ergebnis einer perfekten Balance zwischen all diesen Muskeln und Sehnen. Sobald eine Seite zu stark oder zu schwach wird, gerät das ganze System aus dem Gleichgewicht.

Lukas: Und die Therapie beim Hackenfuß?

Sophie: Bei Säuglingen reichen oft Gipsverbände, um den Fuß wieder in die richtige Position zu bringen. Ansonsten sind Orthesen und Krankengymnastik die Mittel der Wahl. Eine Operation ist hier nur sehr selten nötig.

Lukas: Wahnsinn, wie viele verschiedene Formen es gibt, die alle ganz unterschiedliche Ursachen und Behandlungen haben. Das ist viel komplexer, als man denkt.

Sophie: Ja, der Fuß ist ein Meisterwerk der Biomechanik. Aber es ist wichtig zu verstehen, dass viele dieser Fehlstellungen nicht isoliert auftreten. Oft sind sie kombiniert, wie zum Beispiel beim Knick-Senk-Spreizfuß, einem Klassiker.

Lukas: Das klingt, als hätten wir jetzt einen guten Überblick über die groben Deformitäten des gesamten Fußes. Aber was ist mit den Zehen? Die können sich ja auch verformen.

Sophie: Das ist ein exzellenter Punkt und die perfekte Überleitung. Nachdem wir uns jetzt den Fuß als Ganzes angesehen haben, zoomen wir im nächsten Teil mal ganz nah ran und schauen uns die häufigsten Zehendeformitäten an. Und da wartet ein ganz berühmter Kandidat auf uns.

Lukas: Lass mich raten... der Hallux valgus?

Sophie: Genau der! Der schiefe große Zeh, der so viele Menschen plagt. Aber dazu dann mehr in unserer nächsten Folge.

Lukas: Wow, das ist wirklich faszinierend. Lass uns zum letzten Thema für heute kommen, Sophie. Spina bifida. Das klingt ziemlich ernst.

Sophie: Das ist es auch, Lukas. Spina bifida bedeutet wörtlich „gespaltenes Rückgrat“. Man nennt es umgangssprachlich auch „offener Rücken“.

Lukas: Ein offener Rücken? Was genau heißt das?

Sophie: Stell dir vor, die Wirbelsäule eines Babys ist wie ein Reißverschluss, der sich in den ersten Wochen der Schwangerschaft schließen muss. Bei Spina bifida schließt dieser Reißverschluss nicht vollständig.

Lukas: Das ist eine super Eselsbrücke! Aber die Folgen sind sicher nicht lustig.

Sophie: Absolut nicht. Die schwerste Form ist die Myelomeningozele, bei der Rückenmark und Nerven durch die Öffnung nach außen treten. Das führt oft zu Lähmungen und anderen schweren Problemen.

Lukas: Und woher kommt das? Ist das genetisch?

Sophie: Es ist eine sogenannte Embryopathie. Das heißt, es ist eine Störung, die während der Embryonalentwicklung passiert. Die genauen Ursachen sind komplex, aber ein Faktor ist ganz entscheidend.

Lukas: Okay, und der wäre?

Sophie: Ein Mangel an Folsäure. Das ist ein B-Vitamin. Klingt simpel, oder? Aber die Einnahme von Folsäure vor und während der frühen Schwangerschaft kann das Risiko drastisch senken.

Lukas: Das ist ja eine unglaublich wichtige Info! Also, eine kleine Pille mit riesiger Wirkung.

Sophie: Genau! Es ist ein Paradebeispiel dafür, wie wichtig die Versorgung in den allerersten Wochen ist, oft bevor man überhaupt weiß, dass man schwanger ist.

Lukas: Okay, fassen wir zusammen: Spina bifida ist ein schwerer angeborener Defekt der Wirbelsäule, eine Embryopathie, der aber oft durch Folsäure vorgebeugt werden kann.

Sophie: Perfekt auf den Punkt gebracht. Das war heute wieder eine Menge Stoff, von Hormonen bis hin zu Entwicklungsstörungen.

Lukas: Absolut! Damit sind wir am Ende unserer heutigen Folge. Vielen Dank, Sophie, für die tollen Erklärungen.

Sophie: Sehr gerne, Lukas! Und danke an euch alle da draußen fürs Zuhören.

Lukas: Genau! Schaltet auch beim nächsten Mal wieder ein, hier beim Studyfi Podcast. Macht's gut!

Sophie: Tschüss!