Podcast über Mentale Trainingstechniken und Emotionsregulation
Mentale Trainingstechniken & Emotionsregulation für Studenten
Podcast
Mentaltraining: Dein Kopf, dein Spielfeld
Délka: 24 minut
Kapitoly
Der innere Kampf
Die MSC-Methode
Die Macht des Umdenkens
Reframing in Aktion
Frieden mit den inneren Stimmen
Innere Teamaufstellung
Der Kompromiss
Was sind Submodalitäten?
Sorgen- vs. Grübelfilm
Die Ersatz-Technik
Die 3er-Technik
Abreagieren, Zentrieren, Fokussieren
Mentale Schutzschilde
Die Herztür schliessen
Was sind Trennrituale?
Beispiele für den Alltag
Wichtig: Kein Verdrängen!
Visuelle Einstellungen
Ton und Gefühl anpassen
Zusammenfassung und Abschied
Přepis
Finn: Kennst du das? Du sitzt vor deinen Lernunterlagen, musst eigentlich für die nächste Prüfung büffeln, aber auf der einen Schulter sitzt ein Engelchen und sagt: „Komm, zieh das durch!“ Und auf der anderen sitzt ein Teufelchen und flüstert: „Ach, eine Folge deiner Lieblingsserie geht schon noch…“
Lena: Absolut! Dieser innere Dialog, dieser kleine Kampf zwischen zwei Stimmen im Kopf, den kennt wohl jeder. Und genau das ist der perfekte Einstieg in unser heutiges Thema.
Finn: Willkommen beim Studyfi Podcast, wo wir heute herausfinden, wie man diesen inneren Kampf nicht nur überlebt, sondern sogar für sich entscheiden kann. Lena, was hat es mit diesen Stimmen auf sich?
Lena: Das ist ein klassisches Beispiel für Mentaltraining. Es geht darum, deine Gedanken, Gefühle und sogar deinen Körper bewusst zu steuern, um deine Ziele zu erreichen – sei es beim Lernen, im Sport oder im Alltag.
Finn: Mentaltraining klingt erstmal sehr abstrakt. Kannst du das greifbarer machen?
Lena: Klar. Stell dir drei Ebenen vor, die immer zusammenspielen. Das ist die sogenannte MSC-Methode. M, S und C.
Finn: Okay, und wofür stehen die Buchstaben?
Lena: M steht für „Mentalis“. Das ist dein Kopf, dein Verstand, deine Gedanken. Alles, was kognitiv abläuft.
Finn: Logisch. Die Ebene, auf der das Teufelchen die Serie vorschlägt.
Lena: Genau die! Die zweite Ebene, S, steht für „Sensual“. Das betrifft deine Gefühle und Emotionen. Wichtig ist: Diese Gefühle sind oft nur ein Produkt deiner Gedanken.
Finn: Also, weil ich denke „Lernen ist anstrengend“, fühle ich mich unmotiviert?
Lena: Exakt. Und die dritte Ebene ist C, „Corpurali“. Das ist dein Körper. Deine Muskelspannung, deine Haltung, dein Energielevel. Wenn du gestresst bist, spürst du das ja auch körperlich, oder?
Finn: Oh ja, verspannte Schultern sind mein ständiger Begleiter in der Prüfungszeit. Also beeinflussen sich diese drei Ebenen gegenseitig?
Lena: Ganz genau. Deine Gedanken beeinflussen deine Gefühle, und deine Gefühle beeinflussen deinen Körper – und umgekehrt. Das Tolle am Mentaltraining ist: Wir können an einer dieser Ebenen ansetzen, um die anderen positiv zu verändern.
Finn: Das klingt spannend. Wo fangen wir an? Wie können wir unsere Gedanken konkret umprogrammieren?
Lena: Eine der wirkungsvollsten Techniken nennt sich „Reframing“. Das bedeutet so viel wie „einen neuen Rahmen geben“.
Finn: Einen neuen Rahmen? Wie ein Bild?
Lena: Perfekte Analogie! Stell dir eine Reihe von Buchstaben vor: A, B, C. Und eine Reihe von Zahlen: 12, 13, 14. Und jetzt stell dir ein Symbol vor, das aussieht wie ein B, aber auch wie eine 13.
Finn: Okay, hab ich vor meinem inneren Auge.
Lena: Wenn du dieses Symbol zwischen A und C setzt, was liest du dann?
Finn: A, B, C. Eindeutig ein B.
Lena: Und wenn du es zwischen 12 und 14 setzt?
Finn: Ah, dann lese ich 12, 13, 14. Dann ist es eine 13. Wow, das Symbol selbst hat sich nicht geändert, nur der Kontext – der Rahmen.
Lena: Genau das ist Reframing! Es geht darum, einer Situation oder einem Verhalten eine neue Bedeutung zu geben, indem man den Rahmen ändert, in dem man es betrachtet.
Finn: Das leuchtet ein. Wie wende ich das denn im echten Leben an? Sagen wir, ich halte mich für furchtbar stur.
Lena: Perfektes Beispiel für die erste Technik, das „Bedeutungsreframing“. Du nimmst eine Eigenschaft, die du ablehnst – „stur“ – und suchst nach positiven Aspekten. In welchen Situationen hat dir deine Sturheit schon mal geholfen?
Finn: Hm... ich hab mich im letzten Gruppenprojekt durchgesetzt, als alle anderen schon aufgeben wollten. Am Ende haben wir eine super Note bekommen.
Lena: Siehst du! Aus „stur“ wird plötzlich „durchsetzungsstark“, „konsequent“ oder „zielstrebig“. Du gibst der Eigenschaft eine neue, positive Bedeutung.
Finn: Okay, das ist cool. Was ist mit „Ich bin so vergesslich“?
Lena: Vielleicht bist du einfach gut darin, Unwichtiges loszulassen, um Platz für kreative Ideen zu schaffen!
Finn: Das nehme ich! Gibt es noch andere Arten von Reframing?
Lena: Ja, die zweite Technik ist das „Kontextreframing“. Hier geht es nicht um die Bedeutung, sondern um die Situation. Ein Verhalten ist selten per se gut oder schlecht, es kommt auf den Kontext an.
Finn: Gib mir mal ein Beispiel.
Lena: Nehmen wir an, du schweifst in der Vorlesung ständig mit den Gedanken ab und ärgerst dich darüber. Das ist im Hörsaal natürlich nicht hilfreich.
Finn: Erwischt.
Lena: Aber wann könnte genau dieses Abschweifen, dieses „Gedanken-wandern-lassen“, total nützlich sein?
Finn: Vielleicht auf einer langen Zugfahrt, um abzuschalten und auf neue Ideen zu kommen. Oder beim kreativen Schreiben.
Lena: Genau. Das Verhalten ist dasselbe, aber im richtigen Kontext wird es von einer Schwäche zu einer Stärke. Ziel ist es dann, für die Vorlesung ein passenderes Verhalten zu finden, das du aus einem anderen Bereich kennst – zum Beispiel die Konzentration, die du beim Zocken hast.
Finn: Und was ist mit meinem Engelchen und Teufelchen vom Anfang? Gibt’s dafür auch eine Technik?
Lena: Aber sicher. Das ist die dritte Technik, das „Verhandlungsreframing“. Diese inneren Stimmen sind ja eigentlich nur verschiedene Anteile von dir. Der eine Teil will Leistung bringen und erfolgreich sein, der andere will sich entspannen und Spaß haben.
Finn: Und die blockieren sich dann gegenseitig. Das Resultat: Ich mache gar nichts und habe ein schlechtes Gewissen.
Lena: Genau. Beim Verhandlungsreframing bringst du diese beiden Teile an einen Tisch. Du identifizierst beide, zum Beispiel „der Ehrgeizige“ und „der Genießer“. Dann fragst du jeden Teil: Was ist deine gute Absicht für mich? Wovor willst du mich schützen?
Finn: Der Ehrgeizige will, dass ich meine Ziele erreiche. Und der Genießer will, dass ich nicht ausbrenne.
Lena: Siehst du? Beide wollen eigentlich nur dein Bestes. Der nächste Schritt ist, sie miteinander verhandeln zu lassen. Sie sollen anerkennen, dass der andere auch wichtig ist. Dann können sie einen Kompromiss finden.
Finn: Zum Beispiel: „Okay, wir lernen jetzt eine Stunde konzentriert, und danach gibt’s als Belohnung eine Folge der Serie – ganz ohne schlechtes Gewissen.“
Lena: Das ist ein perfekter Deal! So arbeitest du mit dir selbst, anstatt gegen dich. Du schließt Frieden zwischen den Anteilen und wirst handlungsfähig. Das ist die wahre Superkraft des Mentaltrainings.
Finn: Wow, das ist wirklich ein starkes Werkzeug. Also nicht nur für die nächste Lernsession, sondern eigentlich fürs ganze Leben. Danke, Lena!
Lena: Sehr gerne. Und das war nur der Anfang. Es gibt noch so viele weitere spannende Techniken.
Finn: Das ist wirklich faszinierend, wie diese inneren Antreiber unser Verhalten steuern. Aber was macht man, wenn die sich total widersprechen?
Lena: Genau das ist ein Kernpunkt im NLP. Man behandelt diese widersprüchlichen Teile wie Personen in einem Team. Man nennt das die Arbeit mit „Anteilen“.
Finn: Ein Team in meinem Kopf? Klingt langsam ziemlich voll da drin.
Lena: Ist es auch! Stell dir einen Klienten vor, nennen wir ihn K. Er hat immer Stress mit Deadlines. Einerseits will er seine Arbeit perfekt machen, andererseits will er super zuverlässig sein und Termine einhalten.
Finn: Oh ja, das kenne ich. Der Perfektionist gegen den Pünktlichen. Ein Klassiker.
Lena: Exakt. Im Coaching identifizieren wir diese beiden Anteile: den „Perfektionisten“ und den „Zuverlässigen“. Dann geben wir beiden eine Stimme.
Finn: Und was sagen die so?
Lena: Der Perfektionist sagt: „Ich sorge dafür, dass keine Fehler passieren und die Qualität top ist!“ Der Zuverlässige sagt: „Ich sorge dafür, dass man sich auf K verlassen kann!“ Das Wichtige ist: Beide wollen nur das Beste für K.
Finn: Okay, beide haben gute Absichten. Aber wie löst man den Konflikt?
Lena: Man lässt sie verhandeln. Der Coach ist quasi der Mediator. In unserem Beispiel einigen sie sich auf einen Testlauf für einen Monat.
Finn: Ein Deal zwischen den inneren Stimmen? Wie sieht der aus?
Lena: Der Zuverlässige erlaubt eine Verschiebung von maximal zwei Tagen. Dafür verspricht der Perfektionist, in diesen letzten zwei Tagen nichts Neues mehr anzufangen, sondern sich nur noch auf die Fehlerkorrektur zu konzentrieren. Keine neuen Ideen mehr, kein „man könnte es noch anders machen“.
Finn: Das klingt nach einem ziemlich guten Kompromiss. Und was, wenn die sich nicht einigen können?
Lena: Dann schickt man sie quasi mit Hausaufgaben weg. Sie sollen bis zur nächsten Sitzung selbst eine Lösung finden. Das Gesamtsystem, also K, muss am Ende natürlich auch zustimmen. Es muss sich für ihn stimmig anfühlen.
Finn: Das ist also eine Technik für aktive innere Konflikte. Was ist aber, wenn das Problem eine alte, negative Erinnerung ist, die mich immer wieder runterzieht?
Lena: Da kommt eine andere, unglaublich starke NLP-Technik ins Spiel: die Arbeit mit Submodalitäten. Die Idee ist, nicht den *Inhalt* der Erinnerung zu ändern, sondern wie wir sie abspeichern.
Finn: Wie meinst du das? Wie man sie abspeichert?
Lena: Denk mal drüber nach. Jede Erinnerung hat sensorische Eigenschaften. Ist das Bild in Farbe oder Schwarz-Weiss? Hörst du eine laute oder leise Stimme? Fühlt es sich warm oder kalt an? Das sind Submodalitäten.
Finn: Ah! Und die kann man einfach verändern?
Lena: Genau! Man kann eine schlechte Erinnerung quasi leiser drehen, das Bild unscharf machen oder einer furchteinflössenden Stimme eine Micky-Maus-Stimme verpassen. Dadurch verliert die Erinnerung ihre negative Macht über dich.
Finn: Okay, die Vorstellung, meinen alten Mathelehrer mit Micky-Maus-Stimme zu hören, ist ziemlich lustig. Das klingt nach etwas, das wir genauer anschauen sollten.
Finn: Okay, das mit dem Gedankenstopp klingt ja schon mal gut. Aber was ist, wenn die negativen Gedanken... einfach immer wiederkommen? So wie ein Ohrwurm, den man nicht loswird.
Lena: Das ist eine super Analogie, Finn! Genau da kommen die sogenannten "Störfilme" ins Spiel. Manchmal reicht es nämlich nicht, den negativen Film im Kopf einfach nur zu stoppen.
Finn: Weil er von selbst wieder anfängt?
Lena: Exakt. Ehe du dich versiehst, läuft die gleiche Endlosschleife schon wieder. Deshalb brauchen wir ein Ersatzprogramm. Die Idee ist, den Gedankenkanal mit einem neuen, besseren Inhalt zu belegen.
Finn: Klingt logisch. Du hast von "Störfilmen" gesprochen. Gibt's da verschiedene Arten?
Lena: Ja, wir unterscheiden grob zwischen zwei Typen. Da ist zum einen der "Sorgenfilm". Das ist, wenn du an eine bestimmte Situation denkst und dir Sorgen machst, ob alles gut geht.
Finn: So wie vor einer wichtigen Prüfung... man malt sich das Schlimmste aus.
Lena: Genau, der klassische Worst-Case-Gedanke. Und dann gibt's den "Grübelfilm". Der dreht sich um grundsätzliche Fragen, die dich nicht loslassen, bei denen du aber einfach nicht weiterkommst.
Finn: Und wie ersetzt man diese Filme jetzt? Ist das bei beiden gleich?
Lena: Nein, die Strategie ist leicht anders. Beim Sorgenfilm – also der Prüfungsangst – behalten wir die Ausgangssituation bei, aber wir ändern den Verlauf. Du fragst dich: Wie könnte es *auch* ausgehen? Wie sieht der Best-Case aus?
Finn: Ah, ich schreibe also quasi ein alternatives Ende für meinen Film?
Lena: Perfekt! Wie bei einem Videospiel, wo du dich an einem Punkt für einen anderen Weg entscheidest. Oder, um moderner zu sein: Du wischst bei TikTok einfach zum nächsten, besseren Clip.
Finn: Okay, das versteh ich. Und beim Grübelfilm?
Lena: Da der dich im Kreis drehen lässt, tauschen wir den kompletten Film aus. Stell dir vor, du nimmst die DVD raus und legst eine neue ein – am besten deinen Lieblingsfilm. Du denkst stattdessen bewusst an dein Hobby oder planst den nächsten Urlaub.
Finn: Man wechselt also komplett das Thema.
Lena: Genau. Wichtig ist, diese neue Technik jeden Tag zu üben, auch wenn der Störfilm gerade nicht läuft. So kann sich der Ersatzfilm automatisieren. Das ist der Schlüssel zum Erfolg, bevor wir dann zum nächsten Punkt kommen...
Finn: So, was wir gerade besprochen haben, hilft also, Stress im Vornherein zu vermeiden. Aber was, wenn's schon passiert ist? Wenn man mitten in einer Prüfung sitzt, eine falsche Antwort gibt und plötzlich Panik aufkommt?
Lena: Genau das ist der Punkt, Finn. Es geht nicht nur um Prävention. Es geht auch darum, wie wir reagieren, wenn die Emotionen schon da sind. Und dafür gibt es eine super effektive Methode: die 3er-Technik.
Finn: Die 3er-Technik? Klingt wie eine Matheformel.
Lena: Ist zum Glück einfacher. Stell dir vor, ein Fussballer schiesst ein Tor. Die ganze Mannschaft jubelt, ist total euphorisch... und zack, kassieren sie direkt im Gegenzug ein Tor.
Finn: Oh ja, das kennt man. Der Konzentrationsabfall nach einem emotionalen Hoch oder Tief.
Lena: Exakt. Oder im Berufsleben: Du verlierst einen wichtigen Kunden und bist beim nächsten Gespräch total unsicher. Die 3er-Technik hilft dir, nach so einem Ereignis – egal ob positiv oder negativ – schnell wieder fokussiert zu sein.
Finn: Okay, und wie funktionieren diese drei Schritte?
Lena: Also, die drei Phasen sind: Abreagieren, Zentrieren und Fokussieren. Jeder Schritt bekommt eine Zeiteinheit. Das kann eine Sekunde sein, zehn Sekunden oder auch mal eine halbe Stunde.
Finn: Eine Zeiteinheit? Das ist aber sehr flexibel.
Lena: Muss es auch sein. Im Sport hast du zwischen zwei Aktionen vielleicht nur eine Sekunde. Nach einem miesen Arbeitstag nimmst du dir vielleicht eine halbe Stunde. Der erste Schritt ist immer das Abreagieren.
Finn: Also die Wut oder die Freude rauslassen?
Lena: Genau. Aber kontrolliert! Du kannst die Faust ballen, einmal tief und laut ausatmen, innerlich fluchen... was auch immer in der Situation passt, ohne jemanden zu verletzen oder komisch angeguckt zu werden.
Finn: Im Stillen schreien ist also erlaubt.
Lena: Absolut. Danach kommt Schritt zwei: Zentrieren. Hier holst du dich ins Hier und Jetzt zurück. Das geht super mit einer einfachen Atemübung. Einfach zwei, drei Mal tief ein- und ausatmen.
Finn: Und der letzte Schritt?
Lena: Fokussieren. Du richtest deinen Blick auf die nächste, ganz konkrete Aufgabe. Nicht auf das ganze Spiel oder den ganzen Tag, sondern nur auf den nächsten Schritt. Du visualisierst, wie du ihn erfolgreich meisterst. So übernimmst du wieder die Kontrolle.
Finn: Das ist eine gute Sofortmassnahme. Aber was, wenn man weiss, dass man in eine schwierige Situation kommt? Sagen wir, ein Gespräch mit einem Lehrer, vor dem man echt Bammel hat.
Lena: Eine super Frage. Dafür gibt's präventive Techniken. Eine meiner liebsten ist das mentale Schutzgerät.
Finn: Schutzgerät? Jetzt wird's aber esoterisch. Stell ich mir da eine Ritterrüstung vor?
Lena: Kannst du, wenn du willst! Die Idee ist, dass du dir eine Schutzhülle um dich herum vorstellst. Du ganz allein definierst, wie die aussieht. Aus Glas, aus Energie, nebelig, flexibel… völlig egal.
Finn: Und was macht dieses… Schutzgerät?
Lena: Es filtert. Du kannst dir vorstellen, dass es negative Emotionen von aussen abprallen lässt. Oder dass es die Lautstärke von Kritik leiser dreht, sodass nur die sachliche Information bei dir ankommt.
Finn: Okay, das klingt... erstaunlich nützlich. Man baut sich quasi seinen eigenen mentalen Spam-Filter.
Lena: Perfekt ausgedrückt! Du fühlst dich sicher und kannst viel souveräner und sachlicher reagieren, weil die emotionale Wucht gar nicht erst bei dir ankommt.
Finn: Gibt es davon auch eine Schnellversion für den Alltag?
Lena: Ja, eine verwandte und noch einfachere Technik ist das Schliessen der Herztür. Das ist ideal, wenn du dich vor verletzenden Kommentaren schützen willst.
Finn: Die Herztür schliessen? Wie geht das?
Lena: Ganz einfach. Du machst eine bewusste, aktive Bewegung. Zum Beispiel, als ob du eine imaginäre Jacke vor deiner Brust schliesst. Mit dieser Geste schliesst du symbolisch die Tür zu deinem Herzen.
Finn: Und das funktioniert?
Lena: Es ist ein mentaler Anker. Die bewusste Bewegung signalisiert deinem Unterbewusstsein: "Achtung, Schutzmodus an." Dadurch nimmst du Aussagen von aussen nicht mehr so persönlich und emotional auf. Du bleibst gelassener.
Finn: Faszinierend. Eine kleine Geste mit grosser Wirkung. Man muss nur dran denken, sie danach auch wieder aktiv zu öffnen, oder?
Lena: Meistens passiert das ganz automatisch, wenn die Situation vorbei ist. Aber ja, es ist gut, sich dessen bewusst zu sein. Das sind also wirklich starke Werkzeuge für den Moment. Aber das wirft die Frage auf, wie wir unsere mentale Widerstandsfähigkeit eigentlich langfristig stärken können...
Finn: Das hilft auf jeden Fall, um den Fokus nicht zu verlieren. Aber was ist, wenn der Tag vorbei ist? Ich nehme den ganzen Schulstress oft mit nach Hause. Mein Kopf rattert dann einfach weiter.
Lena: Das ist ein riesiges Thema, Finn. Und genau dafür gibt's eine super Methode: sogenannte Trennrituale.
Finn: Trennrituale? Das klingt fast ein bisschen feierlich. Was genau ist das?
Lena: Das kann es auch sein! Im Grunde ist ein Trennritual eine bewusste Handlung, die dir hilft, eine Rolle oder eine Situation abzuschliessen und in eine neue zu wechseln. Also zum Beispiel von 'Schüler-Finn' zu 'Privat-Finn'.
Finn: Ah, also eine Art mentaler Schalter, um von der Schule auf Freizeit umzuschalten?
Lena: Genau! Es geht darum, den Fokus ganz auf die Gegenwart zu legen. Du lässt die Gedanken an die Schule bewusst in der Schule zurück. Das kann eine reale Handlung sein oder rein mental passieren.
Finn: Okay, das klingt nützlich. Aber wie macht man das konkret? Hast du da ein paar Beispiele?
Lena: Klar! Ein ganz einfaches Ritual: Wenn du deinen Laptop zuklappst oder deine Bücher in die Tasche packst, stell dir vor, du packst auch alle Gedanken an Hausaufgaben und Prüfungen mit ein. Die bleiben dann in der Tasche, bis du sie am nächsten Tag wieder öffnest.
Finn: Das ist ein gutes Bild. Einfach den Deckel draufmachen.
Lena: Exakt. Oder, ein anderes starkes Ritual: Zieh zu Hause sofort deine Schulsachen aus und etwas Bequemes an. Damit streifst du den Schulalltag symbolisch ab.
Finn: Das mache ich tatsächlich oft, aber eher unbewusst.
Lena: Siehst du? Wenn du es bewusst tust, wird die Wirkung stärker. Ein Favorit von mir ist der 'Sorgenbaum'.
Finn: Der Sorgenbaum? Ich hoffe, der twittert meine Sorgen nicht an die ganze Nachbarschaft.
Lena: Keine Sorge! Die Idee ist: Auf dem Heimweg suchst du dir einen Baum. Du bleibst kurz stehen und 'hängst' symbolisch all deinen Frust und deine Sorgen an die Äste. Und dann gehst du unbelastet nach Hause.
Finn: Und die Sorgen bleiben dann für immer am Baum hängen? Das wäre ja super.
Lena: Leider nicht. Und das ist der wichtigste Punkt: Es geht nicht ums Verdrängen. Am nächsten Morgen, auf dem Weg zur Schule, 'holst' du deine Sorgen bewusst wieder vom Baum ab, um dich mit ihnen auseinanderzusetzen.
Finn: Verstehe. Es ist also eine temporäre Pause, kein endgültiges Loswerden. Man gibt seinem Gehirn einfach mal frei.
Lena: Genau das ist es. Du entscheidest, wann du dich mit den Dingen beschäftigst. Das gibt dir die Kontrolle zurück. Das funktioniert im Übrigen nicht nur bei der Schule, sondern auch bei anderen Dingen, die einen beschäftigen.
Finn: Super spannend. Das probiere ich mal aus. Das bringt mich direkt zur nächsten Frage...
Finn: Und das bringt uns perfekt zu unserem letzten Thema für heute. Etwas, das super kompliziert klingt, aber anscheinend total praktisch ist... Submodalitäten.
Lena: Ja, der Name ist etwas sperrig, ich geb's zu. Aber das Konzept ist genial einfach. Stell dir vor, jede deiner Erinnerungen und Gedanken hat quasi eine Art Einstellungsmenü, so wie bei einem Foto oder Video.
Finn: Ein Einstellungsmenü im Kopf? Okay, das klingt... interessant. Was kann ich da einstellen?
Lena: So ziemlich alles! Das sind die Submodalitäten. Sie sind die feinen Unterschiede in unseren fünf Sinnen – also wie wir etwas sehen, hören und fühlen.
Finn: Okay, fangen wir mal mit dem Sehen an. Was wären da so die Regler?
Lena: Denk an eine schöne Erinnerung. Ist das Bild in deinem Kopf gross oder klein? Hell oder dunkel? In Farbe oder Schwarz-Weiss?
Finn: Hm, ich sehe es ziemlich gross und in leuchtenden Farben, direkt vor mir.
Lena: Siehst du? Das sind alles visuelle Submodalitäten. Andere wären zum Beispiel, ob das Bild scharf oder unscharf ist, ob du mittendrin stehst – also assoziiert bist – oder dich von aussen zusiehst, also dissoziiert.
Finn: Und das geht auch mit Geräuschen?
Lena: Genau. Hörst du bei deiner Erinnerung etwas? Wenn ja, ist die Stimme oder das Geräusch laut oder leise? Kommt es von einer bestimmten Richtung? Ist es ein klarer Klang oder eher dumpf?
Finn: Wahnsinn... Man denkt nie bewusst darüber nach. Und beim Fühlen?
Lena: Das ist der kinästhetische Kanal. Wo im Körper spürst du das Gefühl? Ist es warm oder kalt? Ist es ein leichter Druck oder eher schwer? Bewegt es sich oder ist es still?
Finn: Okay, ich glaube, ich versteh's. Wenn ich also an meine nächste Prüfung denke und ein drückendes Gefühl im Magen habe...
Lena: Exakt! Dann frag dich: Welche Farbe hat dieses Gefühl? Welche Form? Ist es heiss oder kalt? Allein durch das bewusste Verändern dieser „Einstellungen“ kannst du die Intensität des Gefühls beeinflussen.
Finn: Ich stelle mir das Gefühl einfach als kleinen, kalten, grauen Kiesel vor, den ich wegwerfe!
Lena: Das ist genau das Prinzip! Du spielst mit den Reglern und veränderst so deine Wahrnehmung.
Finn: Das ist wirklich ein mächtiges Werkzeug. Also, um das kurz zusammenzufassen: Submodalitäten sind die Detail-Einstellungen unserer inneren Erlebnisse.
Lena: Genau. Wenn wir lernen, an diesen Reglern für Bilder, Töne und Gefühle zu drehen, können wir aktiv beeinflussen, wie wir uns fühlen. Es gibt uns die Kontrolle zurück.
Finn: Ein super spannender Abschluss, Lena. Vielen Dank für all die Einblicke heute!
Lena: Sehr gerne, Finn!
Finn: Und damit sind wir auch schon am Ende unserer heutigen Folge vom Studyfi Podcast. Wir hoffen, ihr konntet viel mitnehmen. Schaltet auch beim nächsten Mal wieder ein. Bis dann!