Podcast über Grundlagen des Sport-Mentaltrainings

Grundlagen des Sport-Mentaltrainings: Dein Weg zur mentalen Stärke

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Mentaltraining im Sport: Finde deine Nische0:00 / 21:43
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Niklas…Moment mal, also ein Zehnkämpfer hat in den Einzeldisziplinen gegen Spezialisten eigentlich keine Chance? Das ist ja eine krasse Metapher für Mentaltrainer!
MiaGenau die ist es! Und sie trifft den Nagel auf den Kopf. Du kannst nicht für jeden Sport der beste Mentaltrainer sein. Das ist unmöglich.
Kapitel

Mentaltraining im Sport: Finde deine Nische

Délka: 21 minut

Kapitoly

Spezialist oder Generalist?

Der Sonderfall Verletzung

Die eigene Nische finden

Mehr als nur Athlet

Sportfreie Zonen sind überlebenswichtig

Psychologe oder Trainer?

Die Macht der Anker

Der Carpenter-Effekt

Unsere inneren Spiegel

Im Flow zum Erfolg

Die Entdeckung im Affenhirn

Ein Hype und seine Kritiker

Die Transaktionsanalyse

Fazit und Abschied

Přepis

Niklas: …Moment mal, also ein Zehnkämpfer hat in den Einzeldisziplinen gegen Spezialisten eigentlich keine Chance? Das ist ja eine krasse Metapher für Mentaltrainer!

Mia: Genau die ist es! Und sie trifft den Nagel auf den Kopf. Du kannst nicht für jeden Sport der beste Mentaltrainer sein. Das ist unmöglich.

Niklas: Okay, das hatte ich so gar nicht auf dem Schirm – und ich glaube, das muss jeder hören. Du hörst den Studyfi Podcast, ich bin Niklas und hier ist unsere Expertin Mia.

Mia: Hallo zusammen! Ja, Niklas, das Thema Spezialisierung ist im Mentaltraining für Sportler absolut entscheidend. Stell dir vor, du bist Profi-Schwimmer. Würdest du einem Coach vertrauen, der die Regeln, das Wording und die mentalen Hürden deiner Sportart nicht zu 100 Prozent kennt?

Niklas: Auf keinen Fall! Ich würde denken, der versteht meine Welt ja gar nicht. Was soll der mir schon erzählen über den Druck am Startblock?

Mia: Exakt! Deshalb ist es für einen Mentaltrainer im Sport so wichtig, sich eine Nische zu suchen. Ein Generalist zu sein, ist wie der besagte Zehnkämpfer – man kann vieles gut, aber nichts überragend. Im Profisport will man aber den Überragenden.

Niklas: Also, man sucht sich eine Sportart, die man wirklich liebt und in- und auswendig kennt? Rugby ist ja auch nicht gleich American Football.

Mia: Richtig. Selbst innerhalb einer Sportart gibt es riesige Unterschiede. 7er-Rugby ist mental eine ganz andere Herausforderung als klassisches Rugby. Oder denk an Einzel- vs. Mannschaftssport. Das sind komplett andere Welten.

Niklas: Und das Umfeld spielt sicher auch eine Rolle, oder? Ob man nur mit dem Athleten arbeitet oder auch mit dem Trainerteam und der Familie?

Mia: Absolut. Das ganze System um den Sportler herum ist Teil des Coachings. Ein guter Mentaltrainer versteht diese Dynamiken und hat sich idealerweise in diesem Umfeld schon einen Namen gemacht und vernetzt.

Niklas: Das macht total Sinn. Man wird sozusagen zum Insider. So baut man Vertrauen auf.

Mia: Genau. Vertrauen und die Begegnung auf Augenhöhe sind die Basis für alles. Du kannst einen Athleten nicht coachen, wenn er dich nicht als kompetenten Partner wahrnimmt. Und das geht nur durch Spezialisierung.

Niklas: Okay, aber was passiert, wenn die Karriere eines Sportlers plötzlich auf der Kippe steht? Ich meine, bei einer schweren Verletzung. Das ist doch ein mentaler Albtraum.

Mia: Das ist es. Und genau das ist ein eigener riesiger Spezialisierungsbereich für Mentaltrainer. Manche Coaches konzentrieren sich ausschliesslich auf die Betreuung von verletzten Sportlern.

Niklas: Wow, okay. Da rückt die eigentliche Sportart dann wahrscheinlich in den Hintergrund, oder?

Mia: Ja, teilweise schon. Plötzlich sind medizinische Kenntnisse viel wichtiger. Du musst verstehen, was die Verletzung bedeutet, wie der Heilungsprozess abläuft und welche mentalen Phasen der Athlet durchmacht.

Niklas: Und wann steigt man da als Coach ein? Direkt nach dem Unfall im Krankenhaus? Oder erst, wenn der Gips ab ist?

Mia: Gute Frage! Das ist ganz unterschiedlich. Man kann direkt nach der Verletzung ansetzen, um den ersten Schock zu verarbeiten. Oder man steigt in der Reha-Phase ein, um die Motivation hochzuhalten und mit der Frustration umzugehen.

Niklas: Und dann gibt es ja sicher auch die Angst, wieder ins Training einzusteigen. Die Angst, dass es wieder passiert.

Mia: Genau, die 'Return-to-Competition'-Phase. Das ist vielleicht die heikelste. Hier arbeitet man an Vertrauen in den eigenen Körper, am Abbau von Blockaden und an der mentalen Vorbereitung auf die erste Belastung. Das ist ein super sensibles Feld.

Niklas: Puh, das klingt intensiv. Da ist man dann mehr als nur ein Sportcoach, sondern fast schon ein Krisenmanager.

Mia: Absolut. Man begleitet den Athleten durch eine der dunkelsten Phasen seiner Karriere. Das erfordert enormes Einfühlungsvermögen und spezialisiertes Wissen.

Niklas: Gut, nehmen wir an, ich will Mentaltrainer werden. Wie finde ich denn meine perfekte Nische? Einfach die Sportart nehmen, die ich am liebsten im Fernsehen schaue?

Mia: Das wäre ein Anfang, aber es steckt ein bisschen mehr dahinter. Die erste und wichtigste Frage ist: In welcher Sportart fühle ich mich zu Hause? Kenne ich die Regeln, die grossen Namen, die Kultur dahinter?

Niklas: Also Leidenschaft als Basis. Verstanden. Was kommt dann?

Mia: Dann frag dich: Was sind die speziellen mentalen Herausforderungen dieser Sportart? Bei einem Golfer ist es die extreme Konzentration und das Verarbeiten von Fehlern über Stunden. Bei einem Sprinter ist es der Umgang mit dem Druck in nur 10 Sekunden.

Niklas: Das ist ein Riesenunterschied. Und will ich mit Einzelathleten oder mit Teams arbeiten? Auch eine wichtige Frage, nehme ich an.

Mia: Enorm wichtig. Teamdynamik ist ein ganz anderes Feld als die Arbeit mit einem Einzelkämpfer. Und dann kommt das Level: Willst du mit dem Nachwuchs arbeiten, also Talente aufbauen? Oder im Amateurbereich? Oder willst du den Druck und die Politik im Profisport?

Niklas: Und man muss sich wahrscheinlich auch fragen, was die eigene Motivation ist. Will ich einfach nur mit berühmten Leuten abhängen oder will ich wirklich Menschen helfen?

Mia: Das ist der Kernpunkt! Deine intrinsische Motivation. Warum willst du das tun? Wenn die Antwort nur 'Ruhm und Geld' ist, wirst du nicht weit kommen. Du brauchst eine echte Leidenschaft für die Entwicklung von Menschen.

Niklas: Und trete ich als 'Mentaltrainer' auf, der Techniken vermittelt, oder als 'Mentalcoach', der eher begleitet und Fragen stellt? Ist das auch eine Entscheidung?

Mia: Ja, das definiert deinen Stil. Bist du eher der Lehrer oder der Wegbegleiter? All diese Fragen helfen dir, deine Zielgruppe glasklar zu definieren. Nur so kannst du authentisch und erfolgreich sein.

Niklas: Lass uns mal über die Athleten selbst sprechen. Ich stelle mir vor, dass bei Profis der Sport das ganze Leben einnimmt. Da gibt's wahrscheinlich nicht viel anderes, oder?

Mia: Das ist eine grosse Gefahr, ja. Wir gehen davon aus, dass wir unser Leben in verschiedenen Rollen leben. Du bist nicht nur Niklas, der Podcast-Host, sondern auch Freund, Sohn, vielleicht Hobby-Koch…

Niklas: …und jemand, der dringend mal wieder aufräumen sollte.

Mia: Genau diese Rolle auch! Bei Sportlern ist die grosse Frage: In welche dieser Rollen sickert der 'Beruf' des Athleten überall hinein? Und je professioneller der Sport, desto mehr Bereiche infiziert er quasi.

Niklas: Was meinst du mit 'infiziert'?

Mia: Naja, nehmen wir eine Profisportlerin. In ihrer Rolle als Freundin: Kann sie mit ihren Freunden alles essen gehen, oder muss sie auf ihre spezielle Sporternährung achten? Das Thema Sport ist also auch da präsent.

Niklas: Okay, verstehe. Oder in ihrer individuellen Rolle, wenn sie Yoga zur Entspannung macht – macht sie das wirklich zur Entspannung oder weil es ihrem Sport dient?

Mia: Exakt das ist der Punkt. Der Sport kann sich wie ein Schatten über alle anderen Lebensrollen legen. Und das ist problematisch. Denn es sollte immer Rollen geben, die komplett 'sportfrei' sind.

Niklas: Also eine Art Schutzzone, wo man einfach nur Mensch sein darf und nicht die 'Maschine', die Leistung bringen muss.

Mia: Du sagst es. Das ist überlebenswichtig. Man kann sich das wie ein Diagramm mit drei Kreisen vorstellen: die individuelle Rolle, die private Rolle mit Beziehungen und die berufliche Rolle. Bei Athleten hat die Berufsrolle die Tendenz, die anderen beiden fast komplett zu überlagern.

Niklas: Aber warum ist das so gefährlich? Solange man erfolgreich ist, ist doch alles super, oder?

Mia: Als Coach muss ich immer die eine, entscheidende Frage im Hinterkopf behalten: Was bleibt, wenn der Sport plötzlich wegfällt?

Niklas: Oh. Wow. Ja. Das ist eine harte Frage.

Mia: Stell es dir vor: eine plötzliche, karrierebeendende Verletzung. Oder man erreicht das absolute Traumziel, den Olympiasieg – und fällt danach in ein tiefes Loch. Oder einfach das normale Karriereende. Wenn es keine sportfreien Rollen gibt, bricht die gesamte Identität zusammen.

Niklas: Das heisst, die Arbeit des Coaches ist es auch, diese anderen Rollen zu stärken?

Mia: Indirekt, ja. Man muss mit dem Athleten herausfinden: Welche Beziehungen sind wirklich sportfrei? Welche Hobbys oder Interessen haben null mit Leistung zu tun? Wo kannst du einfach nur 'sein'?

Niklas: Aber das sagt man dem Athleten wahrscheinlich nicht so direkt ins Gesicht, oder? 'Hey, denk mal drüber nach, was du nach deiner Karriere machst!' Mitten in der Saisonvorbereitung.

Mia: Nein, auf keinen Fall! Von einem Leben ohne Sport will der Athlet in dem Moment absolut nichts wissen. Das wäre kontraproduktiv. Es ist eine strategische Überlegung, die mein Coaching im Hintergrund leitet. Ich stärke diese anderen Bereiche, ohne die grosse Sinnfrage zu stellen.

Niklas: Man pflanzt sozusagen Samen für die Zukunft, ohne gross darüber zu reden.

Mia: Perfekt ausgedrückt. Es geht darum, ein stabiles Fundament zu schaffen, das mehr ist als nur die sportliche Leistung. Manchmal schauen wir uns auch die verschiedenen Rollen *innerhalb* des Sports an. Eine Triathletin ist ja Schwimmerin, Radfahrerin, Läuferin und braucht auch die Rolle der 'Erholerin'.

Niklas: Und da geht es dann um Zeit- und Energiemanagement? Welche Rolle braucht wann wie viel Aufmerksamkeit?

Mia: Genau. Wann lebst du welche Rolle in welchem Ausmass? Welchen Einfluss hat das auf dein Energielevel? Du siehst, es geht darum, ein Bewusstsein für die Komplexität der eigenen Identität zu schaffen. Das ist der Kern von gutem Mentalcoaching.

Niklas: Super spannend. Es geht also viel weniger um 'denk positiv'-Sprüche und viel mehr um Identitätsarbeit. Faszinierend!

Mia: Das ist es. Und genau diese Tiefe macht den Job so unglaublich erfüllend. Aber jetzt mal weg von der Theorie, lass uns mal über konkrete Techniken sprechen, die man anwenden kann.

Niklas: Okay, das ist super interessant. Aber das wirft bei mir eine Frage auf, die wahrscheinlich viele haben. Wo genau ist eigentlich die Grenze zwischen einem Sportpsychologen und einem Mentaltrainer?

Mia: Das ist eine absolut entscheidende Frage, Niklas! Und die Abgrenzung ist wichtiger, als man denkt. Stell dir vor, der Sportpsychologe ist wie ein Detektiv für den Kopf.

Niklas: Ein Detektiv? Okay, das Bild gefällt mir.

Mia: Genau! Er hat einen psychologischen Hochschulabschluss und nutzt sein Wissen, um zu analysieren, warum bestimmte Verhaltensweisen auftreten. Er fragt: Wie können wir Verhalten und Erleben im Sport erklären, vorhersagen und beeinflussen?

Niklas: Also geht's da tief in die Analyse, auch um Themen wie Teamkonflikte oder so?

Mia: Exakt. Die Sportpsychologie kümmert sich um das große Ganze, oft auch um das Teamgefüge, interne Aussprachen... eben die ganze Psychologie dahinter. In der Schweiz gibt's da sogar klare Titel-Abstufungen von der Swiss Association of Sport Psychology, kurz SASP.

Niklas: Okay, also der Psychologe ist der Analytiker. Und der Mentaltrainer?

Mia: Der Mentaltrainer ist eher der Werkzeugmacher. Er gibt dem Sportler ganz konkrete Techniken an die Hand, um im Wettkampf die beste Leistung abzurufen.

Niklas: Also weniger „Warum ist das so?“ und mehr „Was mache ich jetzt?“.

Mia: Genau getroffen! Es geht darum, Bewegungsabläufe zu perfektionieren und Lernprozesse zu beschleunigen. Der Fokus liegt voll auf der Hilfe zur Selbsthilfe und darauf, dem Athleten viele Handlungsoptionen für den Ernstfall zu geben. Die Analyse ist nur so weit wichtig, wie sie zur Auswahl der richtigen Methode beiträgt.

Niklas: Spannend! Dann lass uns doch mal über diese Werkzeuge sprechen. Was sind denn so typische Konzepte im Mentaltraining? Ich hab mal was von „Ankern“ gehört.

Mia: Ja, Anker sind ein super wichtiges und mächtiges Werkzeug! Ein Anker ist im Grunde eine bewusste Verbindung von einem bestimmten Reiz mit einer Reaktion – also einem Gefühl oder einem Zustand.

Niklas: Okay, ein Reiz und eine Reaktion. Wie ein Pawlowscher Hund, nur für Sportler?

Mia: Im Prinzip ja, aber du bringst dir das selbst bei! Der wissenschaftliche Hintergrund ist die Hebbsche Lernregel. Ganz einfach gesagt: Gehirnzellen, die gemeinsam feuern, vernetzen sich.

Niklas: Und wie sieht so ein Anker in der Praxis aus? Kannst du ein Beispiel geben?

Mia: Klar! Anker können über alle Sinne funktionieren. Ein visueller Anker könnte ein bestimmtes Bild oder ein Symbol sein, das du dir vorstellst. Auditiv wäre es ein Wort, das du dir innerlich sagst, oder sogar eine bestimmte Melodie.

Niklas: Und... körperlich geht das auch?

Mia: Absolut! Das sind kinästhetische Anker. Eine bestimmte Körperhaltung, das Ballen einer Faust, eine gezielte Berührung am Arm. Selbst Gerüche oder der Geschmack von einem bestimmten Getränk können als Anker dienen, um dich blitzschnell in einen Zustand voller Ressourcen zu versetzen.

Niklas: Wow, das ist faszinierend. Man programmiert sich also quasi selbst. Welche verrückten Konzepte gibt's noch?

Mia: Oh, da gibt's einiges. Hast du schon mal vom Carpenter-Effekt gehört?

Niklas: Carpenter... wie der Zimmermann? Nein, sagt mir nichts.

Mia: Fast! Der Physiologe William Carpenter hat herausgefunden, dass jede wahrgenommene oder auch nur vorgestellte Bewegung den Impuls auslöst, diese Bewegung selbst auszuführen.

Niklas: Moment, also wenn ich mir nur vorstelle, einen Ball zu werfen, passiert in meinem Körper schon was?

Mia: Genau das! Deine Vorstellung allein führt schon zu messbarer Aktivität im motorischen Rindenfeld deines Gehirns und zu winzigen, nicht sichtbaren Muskelkontraktionen. Dein Gehirn probt die Bewegung schon mal.

Niklas: Das ist ja krass! Wie kann man das testen?

Mia: Es gibt einen ganz einfachen Versuch, den Pendelversuch. Du nimmst einen Faden mit einem kleinen Gewicht dran, zum Beispiel einen Ring. Hältst ihn ganz locker und stellst dir dann nur vor, wie er sich im Kreis dreht.

Niklas: Und dann... dreht er sich wirklich? Ohne dass ich was mache?

Mia: Nach kurzer Zeit fängt er tatsächlich an, sich zu drehen. Nur durch die Kraft deiner Vorstellung, weil dein Gehirn unbewusst winzige Muskelimpulse sendet. Das ist auch das Prinzip hinter dem Autogenen Training.

Niklas: Das muss ich nachher sofort ausprobieren! Wahrscheinlich reiß ich dabei die Lampe von der Decke.

Mia: Sei vorsichtig! Aber es zeigt eben, wie eng Kopf und Körper verbunden sind. Der Psychiater Auguste Forel hat das sogar zum „Gesetz der Ideoplasie“ verallgemeinert – die Formung durch die Idee.

Niklas: Wahnsinn. Und das funktioniert auch, wenn ich andere beobachte?

Mia: Jetzt kommst du zum nächsten genialen Punkt: den Spiegelneuronen! Die wurden eher zufällig in den 90ern von Giacomo Rizzolatti und seinem Team entdeckt.

Niklas: Zufällig? Die besten Entdeckungen sind immer zufällig! Erzähl!

Mia: Sie haben die Gehirnaktivität von Makakenaffen gemessen. Und plötzlich stellten sie Aktivität im prämotorischen Cortex fest, obwohl der Affe komplett still saß.

Niklas: Und warum? Hatte er Hunger?

Mia: Fast! Er hat einem der Forscher dabei zugesehen, wie der nach einer Rosine gegriffen hat. Die gleichen Nervenzellen waren aktiv, egal ob der Affe selbst gegriffen hat oder nur dabei zugesehen hat.

Niklas: Das heißt, sein Gehirn hat die Bewegung des Forschers quasi „mitgemacht“ oder gespiegelt?

Mia: Exakt! Und das ist im Sport fundamental. Wenn du einem Profi zuschaust, wie er einen perfekten Aufschlag macht, feuern in deinem Gehirn teilweise dieselben Neuronen. Du lernst durchs Zusehen auf einer viel tieferen Ebene, als wir lange dachten.

Niklas: Das erklärt so vieles! Vom Carpenter-Effekt zu den Spiegelneuronen... unser Gehirn ist schon eine Wundermaschine. Gibt's noch ein letztes großes Konzept für heute?

Mia: Ja, eines, das viele vielleicht schon mal gehört haben: der Flow-Zustand.

Niklas: Ah, „im Flow sein“! Wenn alles wie von selbst läuft, oder?

Mia: Genau. Der Glücksforscher Mihály Csíkszentmihályi – ich hoffe, ich hab's richtig ausgesprochen – hat das als mentalen Zustand der völligen Vertiefung in eine Tätigkeit beschrieben. Man vergisst die Zeit, die Sorgen, alles um sich herum.

Niklas: Wie erreicht man das? Das klingt ja wie der Idealzustand für jeden Wettkampf.

Mia: Der Schlüssel ist die Balance. Flow liegt genau zwischen Überforderung, die Angst auslöst, und Unterforderung, die zu Langeweile führt. Die Herausforderung muss genau zu deinen Fähigkeiten passen.

Niklas: Und was passiert da im Kopf?

Mia: Die Gedächtnispsychologie gibt eine gute Erklärung. Unser Arbeitsgedächtnis kann nur eine begrenzte Anzahl von Informationen gleichzeitig verarbeiten, so ungefähr 7 plus/minus 2 Einheiten.

Niklas: Okay, das ist nicht besonders viel.

Mia: Eben! Und wenn du im Flow bist, ist diese Kapazität komplett mit der Aufgabe beschäftigt – dem Was und dem Wie. Für störende Gedanken wie „Oh Gott, was, wenn ich verliere?“ ist dann einfach kein Platz mehr im Speicher.

Niklas: Das Gehirn hat einfach keine RAM mehr frei für Selbstzweifel. Genial!

Mia: Das ist die Kurzfassung, ja. Und das führt uns auch schon zu einem weiteren wichtigen Tool, dem sogenannten „Future Pace“, also dem Schritt in die Zukunft. Aber das ist ein super Thema, um beim nächsten Mal tiefer einzutauchen.

Niklas: Und das bringt uns direkt zu einem super spannenden Konzept: den Spiegelneuronen.

Mia: Genau! Forscher entdeckten sie bei Affen. Bestimmte Nervenzellen feuerten, wenn ein Affe nach einem Gegenstand griff.

Niklas: Okay, das ist ja erstmal logisch. Aber wo ist der Spiegel?

Mia: Hier kommt's! Dieselben Zellen feuerten auch, wenn der Affe nur zusah, wie ein Mensch danach griff.

Niklas: Wow, im Ernst? Die Zelle macht also keinen Unterschied zwischen 'selbst tun' und 'zusehen'?

Mia: Exakt! Sie spiegeln quasi die beobachtete Handlung im eigenen Gehirn. Daher der Name Spiegelneuronen.

Niklas: Und das hat doch einen riesigen Hype ausgelöst, oder?

Mia: Oh ja! Plötzlich war alles wegen Spiegelneuronen. Wenn du gähnst und dein Freund mitgähnt – Spiegelneuronen! Wenn ein Baby zurücklächelt – Spiegelneuronen!

Niklas: Also die ultimative Erklärung für alles, was mit Nachahmung zu tun hat.

Mia: So schien es. Aber es gab schnell Kritiker. Ihr Hauptargument war ziemlich stark.

Niklas: Und das wäre?

Mia: All diese Erkenntnisse stammten von Affen! Man konnte nicht einfach behaupten, dass es bei Menschen genauso funktioniert. Der Nachweis fehlte.

Niklas: Das leuchtet ein. Blieb es denn dabei oder hat sich da was geändert?

Mia: Und wie es sich geändert hat! Der Durchbruch kam 2010, und der hat alles auf den Kopf gestellt...

Niklas: Puh, mein Gehirn ist heute wirklich im Hochleistungsmodus! Aber ein letztes grosses Thema haben wir noch, oder?

Mia: Absolut! Und das ist ein echtes Highlight zum Schluss. Wir sprechen über die Transaktionsanalyse.

Niklas: Das klingt... sehr akademisch. Worum geht's da genau?

Mia: Im Kern ist es eine Theorie über unsere Kommunikation. Entwickelt wurde sie vom Psychiater Eric Berne, und sie ist super praktisch.

Niklas: Okay, und woher kommt die Idee?

Mia: Die ist von der Psychoanalyse Freuds abgeleitet. Aber keine Sorge, es ist viel einfacher, als es klingt.

Niklas: Bei Freud denke ich immer sofort an komplizierte Theorien über die Kindheit.

Mia: Ein bisschen was ist dran, aber denk's dir so: Wir kommunizieren aus drei verschiedenen „Ich-Zuständen“ heraus. Dem Eltern-Ich, dem Erwachsenen-Ich und dem Kind-Ich.

Niklas: Ah, also je nach Situation schlüpfen wir in unterschiedliche Rollen? Das erklärt einiges bei Diskussionen mit meinen Eltern!

Mia: Genau das ist der Punkt! Wenn man das versteht, kann man Konflikte viel besser lösen oder sogar vermeiden. Der Schlüssel ist, die eigene Rolle und die des anderen zu erkennen.

Niklas: Super spannend! Das war wirklich ein perfekter Abschluss. Ein riesiges Dankeschön an dich, Mia, für all die tollen Erklärungen heute.

Mia: Sehr gerne, Niklas! Es hat wieder grossen Spass gemacht.

Niklas: Und natürlich danke an euch fürs Zuhören! Wir hoffen, ihr konntet viel mitnehmen. Bleibt neugierig und bis zum nächsten Mal beim Studyfi Podcast!

Mia: Tschüss zusammen!