Podcast über Grundlagen des Medien- und Kommunikationsdesigns
Grundlagen des Medien- & Kommunikationsdesigns: Der ultimative Guide
Podcast
Kommunikationsdesign
Délka: 18 minut
Kapitoly
Was ist Design eigentlich?
Wie Designer arbeiten: Modelle & Kreativität
Von AIDA bis zum App-Design
Semiotik: Die Lehre der Zeichen
Corporate Identity und Design
Das Logo: Mehr als nur ein Bild
Was ein gutes Logo ausmacht
Wie unser Gehirn Ordnung schafft
Die Macht der Bilder
Piktogramme als Königsdisziplin
Additive vs. Subtraktive Farben
Die Kontraste nach Itten
Die 60-30-10 Regel
Von Hieroglyphen zu Gutenberg
Ordnung im Schriften-Dschungel
Zusammenfassung und Abschied
Přepis
Clara: Stell dir eine Studentin namens Lena vor. Sie steht im Laden und will eine neue Trinkflasche kaufen. Vor ihr stehen zwei. Die eine ist praktisch, grau, irgendwie langweilig. Die andere hat eine matte Oberfläche, eine coole minimalistische Schrift und liegt perfekt in der Hand. Lena greift sofort zur zweiten, obwohl sie teurer ist. Sie hat nicht nur eine Flasche gekauft, sondern ein Gefühl. Und genau da tauchen wir heute ein.
Tim: Das ist der Studyfi Podcast.
Clara: Also Tim, Lena hat sich von gutem Design verführen lassen. Aber was genau ist Kommunikationsdesign? Ist das nur „schön machen“?
Tim: Eine super Frage! Schön machen ist nur ein winziger Teil. Design kommt vom lateinischen Wort 'designare', was so viel wie 'bezeichnen' heißt. Es geht darum, praktischen Problemen eine ästhetisch ansprechende Lösung zu geben, die unsere Wahrnehmung anspricht.
Clara: Okay, und das hat dann verschiedene Funktionen, richtig? Ich hab da was für die Klausur gelernt.
Tim: Genau. Und die sind super wichtig. Denk an die sechs Hauptfunktionen. Erstens, die emotionale Funktion – wie bei Lenas Flasche. Du baust eine Bindung auf. Zweitens, die gebrauchstechnische Funktion – das Ding muss natürlich funktionieren.
Clara: Logisch. Drittens ist die ästhetische Funktion, also die Optik. Viertens die semantische: Welche Bedeutung, welches Zeichen steckt dahinter?
Tim: Perfekt. Und dann noch die didaktische oder informative Funktion – sie erklärt, wie man etwas benutzt. Und sechstens, die persuasive Funktion: Sie soll uns überzeugen, vielleicht sogar zum Kauf anregen. All das zusammen ist die Magie von Design!
Clara: Und wie kommt man von einer Idee zu so einem fertigen Produkt? Gibt’s da einen festen Plan?
Tim: Es gibt verschiedene Modelle. Der Klassiker ist das Wasserfallprinzip. Das ist total linear: Briefing, dann Konzeption, dann Design, und so weiter. Jeder Schritt muss abgeschlossen sein, bevor der nächste beginnt. Ziemlich starr, aber für manche Projekte gut.
Clara: Klingt ein bisschen... altmodisch?
Tim: Ist es manchmal auch. Deshalb gibt es heute oft agilere Methoden wie Design Thinking. Das ist ein Zyklus. Man versucht erst das Problem zu verstehen und zu beobachten. Dann entwickelt man eine Sichtweise, findet Ideen, baut Prototypen und testet sie. Und diesen Kreislauf wiederholt man immer wieder.
Clara: Also eher ausprobieren und verbessern statt stur nach Plan? Klingt sinnvoller.
Tim: Absolut. Und für die Ideenfindung, die sogenannte Ideation, gibt es coole Kreativmethoden. Brainstorming kennt jeder. Aber kennst du die 6-3-5-Methode?
Clara: Erzähl mal!
Tim: Sechs Teilnehmer schreiben in fünf Minuten je drei Ideen auf. Dann wird das Blatt fünfmal weitergereicht, und jeder ergänzt die Ideen des Vorgängers. Am Ende hast du in 30 Minuten 108 Ideen! Effizient, oder?
Clara: Okay, jetzt haben wir also eine Idee. Wie sorgt Design dafür, dass Leute wie Lena am Ende auch wirklich kaufen? Da war doch diese Formel...
Tim: Du meinst die AIDA-Formel. Ein Klassiker im Marketing und Design. A steht für Attention – Aufmerksamkeit erregen. I für Interest – Interesse wecken. D für Desire – den Wunsch auslösen. Und A für Action – die Person zur Handlung bewegen.
Clara: Also genau das, was bei Lena passiert ist! Die Flasche hat ihre Aufmerksamkeit erregt und am Ende hat sie gehandelt und sie gekauft.
Tim: Exakt. Und das siehst du auch bei der UI-Evolution, also der Entwicklung von Benutzeroberflächen. Früher gab’s Skeuomorphismus, wo alles ultra-realistisch aussah, wie Holzregale in der Bücher-App.
Clara: Oh ja, das sah aus wie Omas Wohnzimmer im ersten iPhone!
Tim: Genau! Dann kam Flat Design: minimalistisch, flach, reduziert. Und heute sind wir oft beim Neumorphismus – so eine Art soft-plastische, fast wie aus einem Guss wirkende Optik, die trotzdem klickbar aussieht.
Clara: Lass uns zu einem Thema kommen, das wohl viele für die Klausur büffeln: Semiotik.
Tim: Oh ja, das ist ein großer Klausurschwerpunkt. Semiotik ist die Lehre von den Zeichen. Um Kampagnen zu analysieren, nutzt man oft das Modell von Charles W. Morris. Das hat drei Dimensionen.
Clara: Die muss ich draufhaben. Was waren die noch gleich?
Tim: Erstens: die Syntaktik. Hier schaust du nur auf die Form. Wie sind die Zeichen angeordnet? Welche Struktur haben sie? Die Bedeutung ist hier erstmal egal.
Clara: Okay, reine Formlehre quasi. Und zweitens?
Tim: Die Semantik. Hier geht es um die Beziehung zwischen Zeichen und Objekt. Also: Was bedeutet das Zeichen? Worauf verweist es? Das ist die Inhaltsebene.
Clara: Und die dritte Dimension?
Tim: Die Pragmatik. Die untersucht die Beziehung zwischen dem Zeichen und dem Benutzer. Welche Reaktion löst es aus? Wie wird es interpretiert? Was macht es mit dir? Diese drei Ebenen zusammen sind ein mächtiges Analysewerkzeug.
Clara: Super, das hilft. Kommen wir zum nächsten großen Brocken: Corporate Identity, kurz CI.
Tim: Richtig. Die CI ist quasi die Persönlichkeit eines Unternehmens, strategisch geplant. Wie es sich nach innen und außen darstellt. Und dazu gehören mehrere Instrumente.
Clara: Zum Beispiel das Corporate Design, also das visuelle Erscheinungsbild.
Tim: Genau, das ist das bekannteste. Aber es gibt auch Corporate Behaviour – das Verhalten gegenüber Kunden und Mitarbeitern. Corporate Communication – die gesamte Kommunikation. Und auch Corporate Language – die Tonalität, die Unternehmenssprache.
Clara: Das Ziel ist also, ein bestimmtes Bild zu erzeugen, oder?
Tim: Ja, das zeigt das CI-Wirkungsmodell. Über diese Instrumente vermittelt das Unternehmen seine Persönlichkeit an uns, die Rezipienten. Wir vergleichen unser Bild mit dem, was wir erleben, und im besten Fall entsteht ein positives Corporate Image.
Clara: Und ein zentrales Element des Corporate Designs ist ja das Logo. Da gibt es doch auch verschiedene Arten, oder? Das könnte auch in der Klausur drankommen.
Tim: Absolut, Klausuraufgabe 5b, aufgepasst! Wir unterscheiden grob drei Hauptformen. Erstens: die Bildmarke. Denk an den angebissenen Apfel oder den Mercedes-Stern. Super merkfähig, aber es kostet viel Geld, bis jeder weiß, wofür das Symbol steht.
Clara: Okay. Zweitens?
Tim: Die Wortmarke. Das ist der Name in einer bestimmten Schrift, wie bei Coca-Cola oder Netflix. Klar zu lesen, aber hat weniger Assoziationskraft als ein Bild.
Clara: Und drittens ist dann die Kombination, nehme ich an?
Tim: Genau, das kombinierte Zeichen, wie bei Lufthansa oder Lacoste. Das verbindet Wort und Bild und hat durch die duale Codierung die höchste Merkfähigkeit. Der Nachteil: es braucht etwas länger, um es visuell zu erfassen.
Clara: Okay, das war jetzt eine Menge Theorie zur Markenbildung. Aber lass uns mal konkreter werden. Wie sieht das in der Praxis aus, zum Beispiel beim Grafikdesign?
Tim: Genau, das ist der nächste logische Schritt. Fangen wir doch mal mit dem Herzstück jeder Marke an: dem Logo.
Clara: Da gibt's ja total verschiedene Arten, oder? Manche sind nur Schrift, andere ein Bild...
Tim: Richtig. Man unterscheidet grob zwischen Wortmarken, wie bei IBM, wo nur der Name zählt, und Bildmarken. Aber spannend sind auch Zahlenzeichen, wie bei 7-Eleven. Die sind super prägnant, aber ohne Kontext... schwer zu merken.
Clara: Stimmt, die 4711 würde ich ohne die Flasche auch nicht erkennen. Aber was macht denn ein Logo wirklich gut?
Tim: Es gibt da ein Zitat vom berühmten Gestalter Kurt Weidemann, das ich liebe. Er sagte: „Ein Logo ist dann gut, wenn man es mit dem großen Zeh in den Sand kratzen kann.“
Clara: Okay, das ist der beste Merksatz, den ich je gehört habe! Also, es muss super einfach und einprägsam sein.
Tim: Exakt. Prägnant, einfach, unverwechselbar und skalierbar – es muss auf einem LKW genauso gut aussehen wie als winziges App-Icon. Und damit das überall einheitlich aussieht, gibt's dann einen Styleguide, der alles festlegt. Farben, Schriften, Abstände...
Clara: Verstehe. Aber Design ist ja mehr als nur ein Logo. Es geht um das große Ganze, die Komposition. Wie funktioniert das?
Tim: Im Kern baut alles auf Punkt, Linie und Fläche auf. Und das Wichtigste dabei ist: Ordnung und Konsistenz. Unser Gehirn hasst Chaos.
Clara: Und wie bringen wir Ordnung rein? Gibt's da Regeln?
Tim: Oh ja. Die sogenannten Gestaltgesetze. Das sind im Grunde Abkürzungen für unser Gehirn, um visuelle Informationen zu verarbeiten. Zum Beispiel das „Gesetz der Nähe“.
Clara: Das heißt... Dinge, die nah beieinander sind, gehören zusammen?
Tim: Genau! Stell dir eine Gruppe von Punkten vor. Wenn einige näher zusammenstehen, siehst du sofort eine Gruppe. Das ist keine bewusste Entscheidung, das passiert einfach. Dasselbe gilt für Ähnlichkeit oder Symmetrie. Unser Gehirn sucht automatisch nach Mustern.
Clara: Das ist faszinierend. Und bei richtigen Bildern wird's ja noch komplexer. Ich hab mal gelesen, dass wir Bilder viel schneller verarbeiten als Text.
Tim: Um den Faktor 60.000, um genau zu sein. Bilder treffen uns einfach direkter, weil sie drei verschiedene Reizarten ansprechen können.
Clara: Und die wären?
Tim: Erstens, emotionale Reize. Denk an das Kindchenschema, süße Tierbabys oder auch Angst. Das sind Urgefühle, die sofort wirken.
Clara: Klar, wer klickt nicht auf ein Katzenvideo.
Tim: Zweitens gibt's kognitive Reize. Die bringen uns zum Nachdenken, weil sie widersprüchlich oder überraschend sind. Und drittens, physische Reize. Das ist der Holzhammer: grelle Farben, riesige Schrift, laute Geräusche.
Clara: Puh, das ist eine Menge Psychologie. Gilt das alles auch für so ganz einfache Darstellungen, wie... Piktogramme am Flughafen?
Tim: Absolut! Piktogramme sind die Königsdisziplin. Sie müssen sprach- und wortlos funktionieren. Otl Aicher hat da für die Olympischen Spiele 1972 in München Maßstäbe gesetzt mit seinem super geometrischen System.
Clara: Und wie testet man, ob so ein Piktogramm wirklich funktioniert?
Tim: Da gibt es die Usability-Kriterien nach Jakob Nielsen. Ist es leicht erlernbar? Kann man es sich merken? Ist es effizient? Verhindert es Fehler? Und – ganz wichtig – ist die Nutzung für den Betrachter am Ende zufriedenstellend?
Clara: Also im Grunde die gleichen Fragen, die man auch an eine gute App oder eine Website stellen würde.
Tim: Genau. Gutes Design ist immer nutzerzentriert. Und das gilt für ein komplexes Interface genauso wie für ein einfaches Strichmännchen, das dir den Weg zur Toilette zeigt.
Clara: Super, das war ein toller Einblick. Damit haben wir die visuellen Grundlagen abgedeckt. Aber es fehlt noch ein riesiger Baustein im Design...
Clara: Okay, das leuchtet ein. Aber gutes Design ist ja nicht nur Form, sondern vor allem... Farbe!
Tim: Genau! Und da gibt's direkt einen wichtigen Unterschied. Auf deinem Bildschirm mischen wir Lichtfarben. Das ist die additive Farbmischung. Rot, Grün und Blau ergeben zusammen... weißes Licht.
Clara: Das ist so konträr zum Tuschkasten, wo am Ende immer nur brauner Matsch rauskam.
Tim: Exakt! Im Druck ist es anders, da nutzen wir subtraktive Farben. Aber die Magie passiert auf dem Screen.
Clara: In der Klausuraufgabe 2a geht's ja immer um die Farbkontraste nach Johannes Itten. Das sind... sieben, richtig?
Tim: Richtig, sieben an der Zahl! Am wichtigsten für die Lesbarkeit ist der Hell-Dunkel-Kontrast. Also zum Beispiel schwarze Schrift auf weißem Grund.
Clara: Klar, sonst erkennt man nichts.
Tim: Und für die Wirkung ist der Komplementär-Kontrast genial. Das sind Farben, die sich im Farbkreis gegenüberliegen. Rot und Grün zum Beispiel. Die lassen sich gegenseitig richtig leuchten!
Clara: Ah, der Weihnachts-Effekt!
Tim: Genau der. Ein super praktischer Tipp für jedes Design ist übrigens die 60-30-10-Regel.
Clara: Klingt wie eine Geheimformel. Erzähl!
Tim: Ganz einfach: 60 Prozent deiner Fläche bekommen die Primärfarbe, 30 Prozent die Sekundärfarbe und 10 Prozent sind für Akzente reserviert, etwa für Buttons oder Überschriften.
Clara: Super, das ist eine klare Ansage! Also, Kontraste für die Wirkung und die 60-30-10-Regel für eine harmonische Struktur. Das ist wirklich hilfreich.
Tim: Absolut. Eine gute Farbgebung führt das Auge des Betrachters.
Clara: Und wenn wir schon beim Führen des Auges und bei Lesbarkeit sind... das bringt uns perfekt zum nächsten großen Klausurschwerpunkt: Typografie und Schrift.
Clara: Und das bringt uns zu unserem letzten großen Thema für heute, Tim. Die Schriftgeschichte. Wo fängt man da überhaupt an?
Tim: Am besten ganz am Anfang! Schreiben begann mit Bildern, den Hieroglyphen. Daraus machten die Phönizier die ersten Lautzeichen.
Clara: Die Griechen bauten das dann zum Alphabet aus, richtig?
Tim: Genau! Die Römer perfektionierten es mit ihrer Capitalis Monumentalis. Ein riesiger Schritt waren dann Karl des Großen Kleinbuchstaben, die Karolingische Minuskel.
Clara: Und dann kam die Revolution…
Tim: Richtig, Johannes Gutenberg mit dem Buchdruck um 1450. Das hat wirklich alles verändert.
Clara: Wahnsinn. Und wie behält man bei den Tausenden Schriftarten heute den Überblick?
Tim: Dafür gibt's Klassifikationsmodelle wie das von Wolfgang Beinert. Es hilft, Schriften systematisch einzuordnen.
Clara: Okay, wie funktioniert das grob?
Tim: Man unterscheidet Hauptgruppen. Die bekanntesten sind Antiqua-Schriften mit Serifen, also den kleinen „Füßchen“ am Ende der Buchstaben.
Clara: So wie Garamond oder Bodoni. Und die ohne?
Tim: Das sind die serifenlosen Schriften, auch Grotesk genannt. Denk an Helvetica. Dann gibt's noch Exoten wie serifenbetonte Schriften oder gebrochene Schriften wie die Fraktur.
Clara: Eine unglaubliche Reise vom Bild zum Buchstaben! Das war's für heute beim Studyfi Podcast. Danke dir, Tim!
Tim: Gerne! Bis zum nächsten Mal.
Clara: Macht's gut und bleibt neugierig!