Podcast über Erkrankungen und Verletzungen des Ellenbogens und Oberarms
Erkrankungen und Verletzungen Ellenbogen & Oberarm: Ein Leitfaden
Podcast
Tennisarm, Luxation & Co. – Dein Guide zum Ellenbogen
Délka: 21 minut
Kapitoly
Der Schmerz nach dem Matchball
Was ist ein Tennisarm?
Vom Schonprogramm bis zum Skalpell
Wenn der Ellenbogen auskugelt
Reposition und die „Terrible Triad“
Eine ernste Komplikation
Von Ischämie zur Krallenhand
Was ist die Bizepssehne?
Wenn's schmerzt und reißt
Was tun? Konservativ bis operativ
Die Humerusschaftfraktur
Die Gefahr: Nervus radialis
Therapie der Schaftfraktur
Die distale Humerusfraktur
Diagnose und Gefahren
Therapie am Ellenbogen
Zusammenfassung und Abschied
Přepis
Paul: Stell dir vor, du kommst vom Tennisplatz, hast das Match deines Lebens gespielt. Oder du hast das ganze Wochenende dein Zimmer renoviert. Und am nächsten Tag... autsch! Ein stechender Schmerz an der Außenseite deines Ellenbogens. Kommt dir bekannt vor?
Anna: Absolut! Das ist der klassische Einstieg für eine der häufigsten Beschwerden überhaupt am Arm. Und genau darüber sprechen wir heute. Willkommen beim Studyfi Podcast.
Paul: Wir knöpfen uns also den Ellenbogen vor. Anna, was genau ist dieser Schmerz, den so viele als „Tennisarm“ kennen?
Anna: Auch wenn man ihn nicht nur vom Tennis bekommt! Medizinisch sprechen wir von einer Epicondylitis humeri radialis. Das klingt kompliziert, ist es aber nicht.
Paul: Epicondylitis... okay, brich das mal für uns runter.
Anna: Gern. „Epi“ heißt „auf“, „Condylus“ ist der Knochenvorsprung am Oberarmknochen, und „-itis“ bedeutet Entzündung. Es ist also eine Entzündung am Ansatzpunkt der Muskeln, die für die Streckung deiner Finger und deines Handgelenks zuständig sind.
Paul: Ah, also eine Überlastungsreaktion. Ich dachte immer, das kriegt man nur vom Sport.
Anna: Ein Trugschluss! Langes Arbeiten am Computer, Handwerkern, sogar das Tragen von schweren Einkaufstüten kann das auslösen. Im Grunde jede repetitive Bewegung. Und wie finden wir raus, ob es das wirklich ist?
Paul: Lass mich raten... ein komplizierter Scan im Krankenhaus?
Anna: Gar nicht nötig! Die Diagnose ist meist rein klinisch. Der Arzt drückt auf den Knochenvorsprung, den Epikondylus, und das tut weh. Dann gibt es die Widerstandstests.
Paul: Was heißt das? Armdrücken mit dem Arzt?
Anna: Fast! Du sollst zum Beispiel deine Hand gegen seinen Widerstand nach oben strecken. Wenn das den Schmerz auslöst, ist der Fall ziemlich klar. Eine Röntgenaufnahme macht man oft, um anderes auszuschließen, aber die ist bei einer Epicondylitis typischerweise unauffällig.
Paul: Okay, Diagnose steht. Was sind die nächsten Schritte? Einfach abwarten und Tee trinken?
Anna: Tee trinken immer, aber Abwarten allein reicht oft nicht. Das A und O ist Schonung. Also die auslösende Tätigkeit für ein paar Wochen meiden. Manchmal hilft sogar eine Gipsschiene zur Ruhigstellung.
Paul: Und wenn es schnell gehen muss? Gibt's da was?
Anna: Für eine kurzfristige Besserung können Infiltrationen mit Lokalanästhetika und Kortikosteroiden helfen. Aber es gibt noch ein ganzes Arsenal an Therapien: Elektrotherapie, insbesondere die Stoßwellentherapie, Kälteanwendungen, spezielle Massagen oder auch Bandagen, die den Muskelzug entlasten.
Paul: Und für die Sportler unter uns?
Anna: Da ist eine Trainingsberatung super wichtig. Manchmal liegt es nur an einer falschen Technik oder am falschen Schläger. Wenn aber all diese konservativen Maßnahmen nichts bringen, gibt es als letzte Option die Operation, bei der die Muskelansätze teilweise abgelöst oder die Nerven dort verödet werden.
Paul: Puh, das ist schon eine ganze Menge. Aber lass uns von der Überlastung zu einer akuten, richtig fiesen Verletzung kommen: der Ellenbogenluxation. Also, wenn das Gelenk auskugelt.
Anna: Genau. Das passiert typischerweise bei einem Sturz auf den ausgestreckten Arm. Das ist nicht nur extrem schmerzhaft, sondern sieht auch oft ziemlich deformiert aus. Das Wichtigste für den Ersthelfer und den Arzt ist sofort die DMS zu prüfen.
Paul: DMS? Was ist das?
Anna: Das steht für Durchblutung, Motorik und Sensibilität. Man prüft also: Ist der Puls am Handgelenk tastbar? Kann der Patient die Finger bewegen? Und spürt er Berührungen an der Hand? Das ist entscheidend, um Nerven- oder Gefäßschäden auszuschließen.
Paul: Und die Diagnose selbst ist dann offensichtlich?
Anna: Meistens ja, aber zur Bestätigung braucht man immer Röntgenaufnahmen in zwei Ebenen. Die zeigen das genaue Ausmaß und eventuelle Begleitverletzungen.
Paul: Wie kriegt man das Gelenk wieder rein? Kann man das selbst machen, wie in Actionfilmen?
Anna: Auf keinen Fall! Das ist keine gute Idee. Die Reposition, also das Wiedereinrenken, ist so schmerzhaft und erfordert so viel Muskelentspannung, dass es fast immer unter Narkose gemacht werden muss.
Paul: Verstehe. Und dann Gips für sechs Wochen?
Anna: Nein, das wäre fatal! Nach dem Einrenken wird der Arm nur für ein bis zwei Wochen ruhiggestellt. Eine längere Ruhigstellung beim Ellenbogen führt schnell zu massiven Bewegungseinschränkungen, die man kaum wieder wegbekommt.
Paul: Das ist ein wichtiger Punkt. Gibt es da noch mehr Tücken?
Anna: Oh ja. Oft bricht bei einer Luxation ein kleines Knochenstück von der Elle ab, der Processus coronoideus. Wenn das Fragment groß ist, muss es operiert werden, um das Gelenk wieder zu stabilisieren. Und dann gibt es da noch die gefürchtete „terrible triad“.
Paul: Die schreckliche Dreiheit? Das klingt... übel.
Anna: Ist es auch. Das ist die Kombination aus einer posterioren Ellenbogenluxation, einem Bruch des Radiusköpfchens und einem Bruch dieses Processus coronoideus. Dabei sind immer auch die Bänder zerrissen. Das Ergebnis ist eine hochgradig instabile Situation, die eine sehr komplexe Operation erfordert, bei der Knochen und Bänder rekonstruiert werden müssen.
Paul: Okay, das mit den suprakondylären Frakturen klingt schon kompliziert genug. Aber gibt's da auch spezielle Komplikationen, auf die man achten muss?
Anna: Oh ja, und eine ist besonders wichtig, weil sie so schwerwiegend sein kann. Wir nennen sie die Volkmann-Kontraktur. Klingt ein bisschen dramatisch, oder?
Paul: Total! Klingt wie der Bösewicht in einem Superheldenfilm. Was genau verbirgt sich dahinter?
Anna: Stell dir vor, nach dem Bruch schwillt der Arm stark an. Wenn dann der Gips zu eng ist oder die Knochenfragmente unglücklich verschoben sind, können sie auf eine Arterie drücken.
Paul: Ah, wie wenn man auf einem Gartenschlauch steht?
Anna: Exakt die perfekte Analogie! Das Blut kann nicht mehr richtig fließen. Die Muskeln bekommen keinen Sauerstoff mehr, besonders die Beugemuskeln im Unterarm, die für die Finger zuständig sind.
Paul: Und was passiert dann mit den Muskeln ohne Sauerstoff? Das kann nicht gut sein.
Anna: Das ist es nicht. Sie gehen kaputt, sterben ab und vernarben. Dieser Prozess führt dazu, dass die Muskeln sich verkürzen und verhärten.
Paul: Und wie sieht das dann klinisch aus? Merkt man das sofort?
Anna: Man spürt harte Stränge im Unterarm. Und das Schlimmste ist die Folge für die Hand... Die Finger und das Handgelenk werden in eine feste Beugeposition gezogen.
Paul: So eine Art... Krallenhand?
Anna: Genau das. Es entsteht eine sogenannte Krallenstellung der Hand, die die Funktion massiv einschränkt. Das ist wirklich eine ernste, oft iatrogene, also durch ärztliche Behandlung verursachte Komplikation.
Paul: Wow, das ist heftig. Also ist schnelles und korrektes Handeln bei diesen Brüchen extrem wichtig. Lass uns mal darüber sprechen, wie man solche Frakturen denn nun genau behandelt.
Paul: ...und das erklärt ziemlich gut die Probleme mit der Rotatorenmanschette. Aber es gibt da doch noch eine andere Struktur, die oft für Ärger in der Schulter sorgt, oder?
Anna: Absolut, Paul. Lass uns über die lange Bizepssehne sprechen. Sie ist sozusagen ein Dauergast in der orthopädischen Sprechstunde.
Paul: Die Bizepssehne... das ist doch einfach der Teil, der den Muskel am Knochen befestigt, richtig?
Anna: Im Prinzip ja, aber es ist etwas komplizierter. Wir reden hier speziell von der *langen* Bizepssehne. Stell dir vor, sie entspringt ganz oben an der Schulterpfanne und verläuft dann in einer Art knöchernen Rinne, dem Sulcus intertubercularis, nach unten.
Paul: Eine Rinne? Klingt ziemlich eng.
Anna: Das ist es auch! Und genau hier liegt das Problem. Diese Sehne ist oft degenerativen Veränderungen ausgesetzt. Durch die relative Enge dieses Kanals kommt es bei Entzündungen und Verschleiß zu schmerzhaften Reizzuständen.
Paul: Also ein klassisches Reibungsproblem.
Anna: Exakt. Denk an die Achillessehne, die ist ja auch mechanisch stark beansprucht. Bei Sportlern oder im höheren Alter kann die Bizepssehne durch diese Vorschädigung sogar spontan reißen.
Paul: Ohje. Und wie merkt man das? Nur durch den Schmerz?
Anna: Der Schmerz wird stärker, wenn du den Bizeps anspannst. Wenn du also versuchst, etwas Schweres zu heben. Die Ruptur selbst passiert dann oft bei maximaler Anspannung, kann aber auch fast unbemerkt vonstattengehen.
Paul: Echt jetzt? Eine Sehne reißt und man merkt es kaum?
Anna: Manchmal schon. Das verräterische Zeichen ist aber optisch. Der Muskelbauch rutscht nach unten und bildet am distalen Oberarm eine deutliche Beule. Sieht ein bisschen aus wie bei Popeye.
Paul: Okay, das ist ein Bild, das man nicht vergisst. Aber verliert man dadurch nicht total an Kraft?
Anna: Das ist der überraschende Teil: Meistens nicht. Ein spürbares Kraftdefizit besteht in der Regel nicht, weil der kurze Kopf des Bizeps noch intakt ist und die Arbeit übernimmt. Bei der Diagnose tastet der Arzt die Sehne im Sulcus ab, das geht ganz gut.
Paul: Und wie wird das dann behandelt? Muss man das immer operieren?
Anna: Nein, überhaupt nicht. Zuerst versucht man es immer konservativ, zum Beispiel mit entzündungshemmenden Medikamenten, also Antiphlogistika. Was man aber auf keinen Fall tun sollte, sind Steroidinjektionen direkt in die Sehne.
Paul: Warum nicht? Das hilft doch oft bei Entzündungen.
Anna: Stimmt, aber hier können sie die Sehnendegeneration sogar beschleunigen und einen Riss provozieren. Das wäre kontraproduktiv. Wenn die Schmerzen aber bleiben, gibt's operative Möglichkeiten.
Paul: Welche wären das?
Anna: Bei älteren Patienten kann man eine Tenotomie machen, da wird die Sehne einfach durchtrennt, um die Schmerzquelle zu beseitigen. Bei jüngeren Patienten macht man eher eine Tenodese. Dabei wird die Sehne abgetrennt und ein Stück weiter unten im Knochen wieder fixiert.
Paul: Klingt logisch. Und was ist bei einer spontanen Ruptur, dem Popeye-Arm?
Anna: Die muss meist gar nicht operiert werden, weil der Funktionsverlust so gering ist. Anders sieht es aber aus, wenn die *distale* Bizepssehne reißt, also die am Ellenbogen. Das ist seltener, aber dann ist eine operative Rekonstruktion nötig.
Paul: Verstehe. Die Lage ist also entscheidend. Das Thema Überlastung am Arm bringt mich direkt zum nächsten Punkt...
Paul: Wow, das war wirklich ein tiefer Einblick in die Frakturen am oberen Teil des Humerus. Und jetzt bewegen wir uns sozusagen ein Stockwerk tiefer, richtig?
Anna: Genau, Paul. Wir wandern den Knochen hinab und schauen uns jetzt die Humerusschaftfraktur an. Das ist also der lange, mittlere Teil des Oberarmknochens.
Paul: Okay, der Schaft. Wie bricht man sich den denn? Das klingt, als bräuchte man dafür schon ordentlich Kraft.
Anna: Das stimmt. Oft sind das direkte, heftige Krafteinwirkungen. Der Klassiker aus dem Lehrbuch ist der Fahrradfahrer, der gegen eine sich öffnende Autotür prallt. Bumm! Direkt auf den Oberarm.
Paul: Autsch! Das kann ich mir bildlich vorstellen. Gibt es auch andere Ursachen?
Anna: Ja, seltener, aber es kommt vor: ein Verdrehtrauma. Stell dir mal Armdrücken vor. Wenn da einer mit aller Gewalt Hebelsituationen ausnutzt, kann der Knochen tatsächlich spiralförmig brechen.
Paul: Okay, Notiz an mich: Nie wieder Armdrücken beim Schulfest. Wie wird das denn eingeteilt? Ich wette, es gibt wieder eine AO-Klassifikation.
Anna: Du lernst schnell! Genau. Der Humerusschaft hat die Kennziffer 12. Also 1 für Humerus, 2 für diaphysär, was einfach „Schaft“ bedeutet. Und dann gibt's Typ A, B und C.
Paul: Lass mich raten: A ist einfach, B ist etwas komplizierter und C ist totales Chaos?
Anna: Exakt! Typ A sind einfache Brüche, also glatt durch. Typ B sind Keilfrakturen, da ist ein kleines, keilförmiges Stück rausgebrochen. Und Typ C sind komplexe Trümmerfrakturen.
Paul: Verstehe. Und woran merkt man das? Abgesehen von den Schmerzen natürlich.
Anna: Die Schmerzen sind bewegungsabhängig und meistens heftig. Oft sieht man auch eine Fehlstellung des Arms, und die Funktion ist natürlich hinüber. Aber das Wichtigste, worauf wir achten, ist etwas anderes.
Paul: Okay, jetzt wird's spannend. Was ist die Hauptkomplikation?
Anna: Der Nervus radialis. Das ist ein ganz wichtiger Nerv, der direkt am Knochen anliegt und den Humerusschaft auf der Rückseite kreuzt.
Paul: Und bei einem Bruch ist der natürlich in höchster Gefahr, eingeklemmt oder sogar durchtrennt zu werden, oder?
Anna: Genau. Deswegen ist bei JEDER Oberarmschaftfraktur ein kompletter neurologischer Status Pflicht. Wir müssen sofort prüfen, ob der Nerv funktioniert.
Paul: Und wie testet man das? Was macht dieser Nerv?
Anna: Der Nervus radialis ist zuständig für die Streckung im Handgelenk und in den Fingern. Man bittet den Patienten also, die Hand nach oben zu strecken, wie bei einem Stopp-Zeichen. Geht das nicht, haben wir eine sogenannte „Fallhand“ und einen dringenden Verdacht auf eine Radialisparese, also eine Lähmung.
Paul: Das klingt ernst. Die Diagnose selbst läuft dann aber über ein Röntgenbild, nehme ich an?
Anna: Ja, ein Röntgenbild in zwei Ebenen zeigt uns die Fraktur ganz genau. Das ist der Standard.
Paul: So, der Bruch ist da, der Nervenstatus ist erhoben. Wie geht's weiter? Gips oder OP?
Anna: Das ist die große Frage und hängt von vielen Faktoren ab. Vom Alter des Patienten, seinem funktionellen Anspruch, wie stark die Bruchstücke verschoben sind und natürlich von Begleitverletzungen.
Paul: Okay, lass uns das mal aufdröseln. Wann MUSS man operieren?
Anna: Eindeutige OP-Indikationen sind zum Beispiel offene Frakturen, also wenn der Knochen durch die Haut schaut. Auch wenn Gefäße verletzt sind oder wenn der Nervus radialis von Anfang an ausfällt.
Paul: Und wann geht's ohne OP?
Anna: Bei älteren Patienten, die vielleicht nicht mehr so aktiv sind, und bei Brüchen, die kaum oder gar nicht verschoben sind. Die behandelt man dann konservativ. Meist mit einer speziellen Oberarmhülse, einem sogenannten „Brace“.
Paul: Und die Jüngeren, Aktiveren werden eher operiert?
Anna: Richtig, vor allem wenn der Bruch verschoben ist. Da will man eine perfekte Heilung sicherstellen. Da gibt es zwei gängige Verfahren: die Marknagelosteosynthese oder die Plattenosteosynthese.
Paul: Marknagel heißt, es kommt ein Nagel von oben durch den ganzen Knochen?
Anna: Genau, das ist oft ein minimalinvasiver Eingriff. Bei der Plattenosteosynthese wird der Bruch von außen mit einer Platte und Schrauben fixiert. Das macht man oft, wenn man sowieso an den Nerven ran muss. Wenn nach einer OP plötzlich eine Nervenlähmung auftritt, muss man übrigens sofort wieder operieren und den Nerv freilegen.
Paul: Okay, also Schaftfraktur abgehakt. Jetzt rutschen wir noch ein Stückchen tiefer am Arm, richtig?
Anna: Ja, Endstation Ellenbogen! Wir sprechen über die distale Humerusfraktur, auch suprakondyläre Humerusfraktur genannt. Das ist also der Bruch des Oberarmknochens direkt über dem Ellenbogengelenk.
Paul: Und wie passiert der? Wahrscheinlich kein Armdrücken, oder?
Anna: Eher nicht. Der typische Unfallmechanismus ist der Sturz auf den gebeugten Ellenbogen. Also wenn man nach hinten fällt und sich mit dem Ellenbogen abstützen will.
Paul: Kann ich mir vorstellen. Und die Einteilung ist sicher wieder AO, oder?
Anna: Absolut. Die Lokalisation für den distalen Humerus ist die 13. Und dann wieder A, B und C. Typ A ist extraartikulär, also der Bruch ist oberhalb des Gelenks. Typ B ist eine partielle Gelenkfraktur, ein Teil des Gelenks ist betroffen. Und Typ C ist eine vollständige Gelenkfraktur, der Bruch geht quer durchs Gelenk.
Paul: Wie äußert sich das klinisch? Bestimmt wieder starke Schmerzen.
Anna: Ja, immer. Ausgeprägte Schmerzen, eine massive Schwellung und eine starke Bewegungseinschränkung. Typisch ist eine Schonhaltung, bei der der Arm im Ellenbogen etwa 90 Grad gebeugt gehalten wird.
Paul: Und gibt's hier auch wieder so eine besondere Gefahr wie beim Nerv am Schaft?
Anna: Und wie! Am Ellenbogen ist es sogar noch komplizierter. Da laufen ganz viele wichtige Strukturen auf engstem Raum. Wir nennen das die neurovaskulären Strukturen.
Paul: Das klingt nach Nerven UND Blutgefäßen.
Anna: Genau. Da haben wir die Arteria brachialis, also die Hauptschlagader des Arms. Und gleich drei wichtige Nerven: den Nervus ulnaris, den radialis und den medianus. Deren Funktion muss sofort überprüft und dokumentiert werden. Durchblutung, Motorik, Sensibilität – das volle Programm.
Paul: Und zur Diagnostik reicht da ein Röntgenbild?
Anna: Ein Röntgenbild ist der erste Schritt. Aber weil diese Brüche oft sehr komplex sind und das Gelenk betroffen ist, brauchen wir zur genauen OP-Planung fast immer eine Computertomografie, ein CT.
Paul: Und wie wird das therapiert? Ich ahne es schon… OP, oder?
Anna: Meistens ja. Das Problem am Ellenbogen sind die enormen Hebelkräfte. Eine konservative Therapie führt da fast immer zu einer instabilen Fehlstellung. Der Bruch würde einfach nicht gut heilen.
Paul: Also ist die Operation der Standard.
Anna: Genau, die offene Reposition und Osteosynthese. Das heißt, wir machen auf, richten die Knochenstücke perfekt ein und fixieren sie. Je nach Bruch und Knochenqualität nehmen wir dafür Drähte, Schrauben oder spezielle Platten, oft sogar zwei Platten zur Stabilisierung.
Paul: Und was ist bei älteren Patienten, wenn der Knochen schon sehr brüchig ist und alles zertrümmert ist?
Anna: Das ist eine gute Frage. Bei einer kompletten Trümmerfraktur bei älteren Patienten mit schlechter Knochenqualität kann man manchmal gar keine stabile Plattenversorgung mehr machen. Dann gibt es zwei Optionen.
Paul: Die wären?
Anna: Entweder man setzt direkt eine Endoprothese ein, also ein künstliches Ellenbogengelenk. Oder man stabilisiert das Ganze mit einem externen Bewegungsfixateur. Das ist ein Gestell außen am Arm, das Stabilität gibt, aber trotzdem eine Bewegung im Gelenk erlaubt.
Paul: Wahnsinn. Also von der Schulter bis zum Ellenbogen, der Humerus hat's echt in sich. Fassen wir das Wichtigste von heute nochmal kurz zusammen, Anna.
Anna: Sehr gern. Wir haben gesehen, dass die Therapie von Humerusfrakturen stark davon abhängt, WO der Bruch ist – oben am Kopf, in der Mitte am Schaft oder unten am Ellenbogen. Und auch WIE der Bruch aussieht.
Paul: Und entscheidend sind immer die Begleitverletzungen, vor allem der Nerven. Am Schaft der Nervus radialis, am Ellenbogen gleich ein ganzes Bündel an Nerven und Gefäßen.
Anna: Exakt. Die Devise lautet immer: Zuerst die gefährdeten Strukturen prüfen. Die Therapie reicht dann von konservativ mit einer Schiene bis hin zu komplexen Operationen mit Platten, Nägeln oder sogar Gelenkersatz.
Paul: Ein super Überblick, vielen Dank, Anna! Das war unglaublich lehrreich. Und damit sind wir leider auch schon am Ende unserer heutigen Folge – und unserer kleinen Reihe zur Orthopädie und Unfallchirurgie.
Anna: Es hat wieder großen Spaß gemacht, Paul! Ich hoffe, wir konnten ein paar komplexe Themen verständlich machen.
Paul: Das hast du definitiv! An unsere Zuhörer: Danke, dass ihr wieder eingeschaltet habt. Wir hoffen, ihr seid auch beim nächsten Mal wieder dabei, wenn es heißt: Studyfi Podcast. Macht's gut!
Anna: Tschüss zusammen!