Podcast über Das deutsche Finanzsystem

Das deutsche Finanzsystem: Aufbau, Funktionen und Merkmale

Podcast

Das deutsche Finanzsystem: Banken, Säulen und Stabilität0:00 / 20:01
0:001:00 zbývá
LukasUnglaublich! Das deutsche Bankensystem steht also wirklich auf drei komplett unterschiedlichen Säulen? Das ist ja wie in der Architektur!
EmiliaGenau so kannst du es dir vorstellen, Lukas! Jede Säule hat ihre eigene Funktion und Stärke. Du hörst den Studyfi Podcast.
Kapitel

Das deutsche Finanzsystem: Banken, Säulen und Stabilität

Délka: 20 minut

Kapitoly

Ein System aus drei Säulen

Die Vorteile der Vielfalt

Banken versus Märkte

Ein Blick auf das große Ganze

Wer hat Geld übrig?

Der große Geldkreislauf

Der Finanzierungssaldo

Die Saldenmechanik

Was bedeutet das für uns?

Die zwei großen Säulen

Banken und Bausparer

Das grosse Informationsproblem

Adverse Selektion

Moral Hazard

Lösungen und Fazit

Přepis

Lukas: Unglaublich! Das deutsche Bankensystem steht also wirklich auf drei komplett unterschiedlichen Säulen? Das ist ja wie in der Architektur!

Emilia: Genau so kannst du es dir vorstellen, Lukas! Jede Säule hat ihre eigene Funktion und Stärke. Du hörst den Studyfi Podcast.

Lukas: Okay, das müssen wir für alle mal aufdröseln. Wenn ich mir die Zahlen ansehe... die Großbanken machen ja nur etwa 21 Prozent aus. Ich dachte immer, die wären die absoluten Riesen.

Emilia: Das ist ein häufiger Trugschluss. Die zweite Säule, die öffentlich-rechtlichen Institute wie Sparkassen und Landesbanken, ist zusammen fast genauso groß! Und dann kommt noch die dritte Säule dazu.

Lukas: Die Genossenschaftsbanken, also die Volks- und Raiffeisenbanken. Die kommen auch nochmal auf über 10 Prozent. Das ist wirklich eine bunte Mischung.

Emilia: Absolut. Und das ist kein Zufall, sondern das Herzstück unseres Systems.

Lukas: Und was genau ist der Vorteil von diesem Drei-Säulen-System? Warum nicht einfach alles von den großen Privatbanken machen lassen?

Emilia: Eine super wichtige Frage für die Prüfung! Der Hauptvorteil ist die flächendeckende Versorgung. Denk mal an kleine und mittlere Unternehmen auf dem Land. Für eine Großbank ist das oft nicht rentabel, aber die lokale Sparkasse oder Genossenschaftsbank ist vor Ort.

Lukas: Ah, das sichert also Kredite und Finanzdienstleistungen für alle, nicht nur für die großen Fische in den Metropolen. Klingt logisch.

Emilia: Genau. Außerdem sichert es den Wettbewerb, was gut für die Kunden ist, und macht das gesamte Finanzsystem stabiler. Wenn eine Säule wackelt, stützen die anderen beiden das System. Ziemlich clever, oder?

Lukas: Ziemlich! Also nicht nur Banken, sondern auch noch... Versicherungen?

Emilia: Richtig. Die spielen eine riesige Rolle als sogenannte Nichtbank-Finanzintermediäre. Die verwalten gigantische Summen, über 2.000 Milliarden Euro an Vermögensanlagen. Das ist eine unvorstellbar große Zahl.

Lukas: Okay, wir haben also ein starkes, vielfältiges Bankensystem. Was ist denn mit den Finanzmärkten, also der Börse?

Emilia: Das ist der springende Punkt, der Deutschland international unterscheidet. Unsere Finanzmärkte sind, gemessen an der Wirtschaftsleistung, relativ unbedeutend.

Lukas: Das heißt, Unternehmen holen sich ihr Geld eher bei der Bank als durch den Verkauf von Aktien?

Emilia: Exakt. Die Hauptfinanzierungsquellen sind interne Gewinne und eben klassische Bankkredite. Man nennt das ein bankbasiertes System, im Gegensatz zu einem kapitalmarktbasierten System wie in den USA.

Lukas: Also, fassen wir mal zusammen. Wer hat hier den Hut auf? Wer reguliert das alles?

Emilia: Die Aufsicht hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, besser bekannt als BaFin. Und für die Geldpolitik, also die Steuerung, sind im Eurosystem die Europäische Zentralbank und die Deutsche Bundesbank zuständig.

Lukas: Verstanden. Wir haben also ein bank-dominiertes System, das eher auf Stakeholder achtet – also auf alle Beteiligten, nicht nur Aktionäre – und Risikomanagement läuft hauptsächlich über die Banken.

Emilia: Perfekt zusammengefasst. Das war lange Zeit das Erfolgsrezept für ein stabiles und konsistentes Finanzsystem.

Lukas: War? Klingt, als gäbe es da ein „Aber“...

Emilia: Das gibt es. Neuere Analysen, zum Beispiel von Professor Schmidt, stellen die Frage, ob wir dieses gute Finanzsystem nicht längst verloren haben, weil es durch neue Einflüsse nicht mehr so konsistent und passgenau ist wie früher.

Lukas: Wow. Das ist ein starker Gedanke zum Abschluss. Und was das genau für die Geldpolitik bedeutet, schauen wir uns als Nächstes an, oder?

Lukas: Okay, das war super hilfreich. Sparen ist also der Verzicht auf Konsum, um Sachvermögen wie eine Maschine aufzubauen. Und Geldvermögensbildung ist, wenn ich quasi einen finanziellen Anspruch an jemand anderen habe. Die beiden Dinge sind also nicht dasselbe, auch wenn sie oft Hand in Hand gehen.

Emilia: Exakt! Du hast es perfekt zusammengefasst. Und genau hier setzt die Finanzierungsrechnung der Deutschen Bundesbank an. Sie ist sozusagen die Buchhaltung der gesamten deutschen Volkswirtschaft.

Lukas: Die Buchhaltung einer ganzen Nation? Das klingt... nach einer sehr, sehr großen Excel-Tabelle.

Emilia: Stell es dir eher wie eine riesige Landkarte vor. Eine Landkarte, die zeigt, wohin das ganze Geld fließt. Wer hat Geld übrig und wer braucht Geld? Das ist die zentrale Frage.

Lukas: Okay, wer hat Geld übrig und wer braucht welches. Das klingt nach einer einfachen Frage. Wie beantwortet die Bundesbank das?

Emilia: Im Kern ist es wirklich simpel. Man schaut sich die gesamten Einnahmen, nennen wir sie E, und die gesamten Ausgaben, nennen wir sie A, für verschiedene Gruppen an.

Lukas: Gruppen wie... du und ich?

Emilia: Genau, aber in größeren Zusammenhängen. Die Bundesbank teilt die Wirtschaft in Sektoren ein. Da gibt's die privaten Haushalte, also uns alle. Dann die Unternehmen, den Staat, die Banken und Versicherungen und natürlich das Ausland.

Lukas: Alles klar. Und für jeden dieser Sektoren wird geschaut: Einnahmen versus Ausgaben.

Emilia: Richtig. Und jetzt gibt's zwei Möglichkeiten. Entweder deine Einnahmen sind größer als deine Ausgaben, also E ist größer als A. Dann hast du einen Einnahmenüberschuss.

Lukas: Logisch. Ich habe mehr Geld reingekriegt, als ich ausgegeben habe. Das ist der gute Fall.

Emilia: Genau! In der Fachsprache nennt man das auch „net lending“. Du bist quasi ein Netto-Kreditgeber für den Rest der Wirtschaft, weil du Geld übrig hast, das andere nutzen können.

Lukas: Und der andere Fall ist dann E ist kleiner als A? Meine Ausgaben waren also höher als meine Einnahmen.

Emilia: Exakt. Das ist dann ein Ausgabenüberschuss oder auch Einnahmendefizit. Der Fachbegriff hierfür lautet „net borrowing“. Du hast dir also Geld vom Rest der Wirtschaft geliehen, um deine Ausgaben zu decken.

Lukas: Okay, also wir haben Sektoren, die Geld übrig haben – die Netto-Kreditgeber – und Sektoren, die Geld brauchen – die Netto-Kreditnehmer. Wie kommt das Geld denn jetzt von A nach B?

Emilia: Super Frage! Und da wird's interessant. Es gibt im Grunde drei Hauptwege, wie diese Defizitsektoren finanziert werden können. Das kann man sich wie ein kleines Schaubild vorstellen.

Lukas: Ich bin ganz Ohr. Weg Nummer eins?

Emilia: Weg Nummer eins ist die direkte Finanzierung. Stell dir vor, ein großes Unternehmen braucht Geld und gibt dafür Aktien oder Anleihen aus. Du, als privater Haushalt mit einem Einnahmenüberschuss, kaufst diese Papiere direkt.

Lukas: Ah, also das Geld fließt direkt vom Sparer zum Unternehmen, ohne Umwege.

Emilia: Genau. Der Finanzmarkt, also die Börse, ist da nur der Marktplatz. Aber es gibt keinen Mittelsmann im klassischen Sinne. Das ist der direkte Weg.

Lukas: Und die anderen beiden Wege sind dann indirekt?

Emilia: Richtig. Bei der indirekten Finanzierung kommt ein sogenannter Finanzintermediär ins Spiel. Das ist meistens eine Bank.

Lukas: Okay, also meine Hausbank.

Emilia: Genau. Weg Nummer zwei funktioniert so: Du bringst dein Erspartes zur Bank und legst es auf ein Sparkonto. Die Bank bündelt dein Geld mit dem von vielen anderen und vergibt dann einen Kredit an ein Unternehmen, das investieren will.

Lukas: Verstehe. Das Geld geht also von mir zur Bank und von der Bank zum Unternehmen. Ein Zwischenstopp.

Emilia: Exakt. Und Weg Nummer drei ist eine leichte Abwandlung davon. Statt dass die Bank einen Kredit vergibt, kauft sie mit dem Geld der Sparer direkt die Wertpapiere, also zum Beispiel die Anleihen, von dem Unternehmen. Für das Unternehmen fühlt es sich fast wie direkte Finanzierung an, aber das Geld kommt eben nicht direkt von den Haushalten, sondern gebündelt von der Bank.

Lukas: Und welcher Weg ist der häufigste? Ich wette, die meisten Leute machen das über ihre Bank.

Emilia: Volltreffer! Die indirekte Finanzierung über Banken ist in Deutschland mit Abstand der wichtigste Weg. Die direkte Finanzierung am Kapitalmarkt, also der Kauf von Aktien und Anleihen, spielt eine viel geringere Rolle, besonders für kleinere und mittlere Unternehmen. Bankkredite sind hierzulande König.

Lukas: Das ist wirklich spannend. Also diese ganze Bewegung, diese Überschüsse und Defizite, fasst die Bundesbank in der Finanzierungsrechnung zusammen. Gibt es da eine Kennzahl, die das auf den Punkt bringt?

Emilia: Ja, die gibt es. Und das ist der wichtigste Begriff in diesem Zusammenhang: der Finanzierungssaldo. Man nennt ihn auch Nettogeldvermögensbildung.

Lukas: Nettogeldvermögensbildung. Das klingt kompliziert. Ist es aber wahrscheinlich nicht, oder?

Emilia: Überhaupt nicht. Der Finanzierungssaldo ist einfach nur die Differenz zwischen den Einnahmen und den Ausgaben eines Sektors. Also genau das, was wir eben besprochen haben. Ist er positiv, hattest du einen Überschuss. Ist er negativ, ein Defizit.

Lukas: Okay, das ist die erste Berechnungsart. Einfach Einnahmen minus Ausgaben.

Emilia: Genau. Aber es gibt noch zwei andere Wege, um auf dasselbe Ergebnis zu kommen. Und die zeigen, wie alles in der Volkswirtschaft zusammenhängt. Das ist das Coole daran.

Lukas: Oha, jetzt wird's theoretisch. Schieß los!

Emilia: Also, Weg Nummer zwei zur Berechnung des Finanzierungssaldos ist: Du nimmst das, was ein Sektor gespart hat, rechnest den Saldo der Vermögenstransfers dazu... das sind so einmalige Sachen wie Erbschaften oder Schenkungen... und ziehst davon die Nettoinvestitionen ab.

Lukas: Moment. Sparen plus Erbschaft minus das, was ich für ein neues Haus ausgegeben habe, zum Beispiel?

Emilia: Perfektes Beispiel! Du ziehst noch den Nettozugang an nicht-produzierten Vermögensgütern ab, wie zum Beispiel den Kauf von Grundstücken. Was dann übrig bleibt, ist dein Finanzierungssaldo. Also das, was du finanziell zur Verfügung hast oder dir leihen musstest.

Lukas: Puh, okay. Das verbindet die reale Welt – Sparen und Investieren – mit der Finanzwelt. Und Weg Nummer drei?

Emilia: Der dritte Weg ist der rein finanzielle Blick. Du schaust dir an: Wie haben sich die Forderungen dieses Sektors verändert? Und wie haben sich seine Verbindlichkeiten, also seine Schulden, verändert? Der Finanzierungssaldo ist dann einfach die Veränderung der Forderungen minus die Veränderung der Verbindlichkeiten.

Lukas: Ah, also was ich anderen leihe minus was ich mir von anderen leihe. Das macht total Sinn. Und alle drei Wege führen zum selben Ergebnis?

Emilia: Immer! Das ist das Schöne an der doppelten Buchführung. Einnahmen minus Ausgaben ist dasselbe wie die Veränderung des Geldvermögens. Es sind nur drei verschiedene Perspektiven auf exakt dieselbe Sache.

Lukas: Faszinierend. Es ist also ein geschlossenes System. Wenn ein Sektor ein Defizit hat, muss ein anderer Sektor ja einen Überschuss haben, oder?

Emilia: Du sprichst einen fundamentalen Punkt an. Das nennt man die Saldenmechanik. In einer geschlossenen Volkswirtschaft, also ohne Ausland, muss die Summe aller Finanzierungssalden immer exakt Null sein.

Lukas: Weil jeder Schuldner einen Gläubiger braucht. Die Schulden des einen sind das Vermögen des anderen.

Emilia: Genau! Wenn du dir 100 Euro von mir leihst, habe ich eine Forderung von 100 Euro und du eine Verbindlichkeit von 100 Euro. In der Summe ist das Null. Und das gilt auch für die ganze Volkswirtschaft.

Lukas: Und mit dem Ausland? Da ist es dann nicht mehr Null?

Emilia: Richtig. Der Finanzierungssaldo der gesamten deutschen Wirtschaft – also Haushalte, Unternehmen und Staat zusammen – entspricht genau dem Finanzierungssaldo des Auslands, nur mit umgekehrtem Vorzeichen. Wenn Deutschland insgesamt einen Überschuss hat, muss der Rest der Welt gegenüber uns ein Defizit haben.

Lukas: Wir sind also quasi der Netto-Kreditgeber für die Welt. Das hört man ja öfter im Zusammenhang mit dem Exportüberschuss.

Emilia: Exakt daher kommt das. Das ist keine Meinung, sondern eine buchhalterische Notwendigkeit. Die Saldenmechanik ist da unerbittlich. Wer sich dafür tiefer interessiert, dem sei mal ein Artikel von Gernot Grunert auf Makroskop empfohlen, „Nutzen und Grenzen der Saldenmechanik“. Das erklärt es wunderbar.

Lukas: Super Tipp, verlinken wir in den Shownotes. Wenn wir uns jetzt mal die Daten der Bundesbank anschauen, was sehen wir da? Wer sind denn in Deutschland typischerweise die Sektoren mit Überschuss?

Emilia: Ganz klassisch sind das die privaten Haushalte. Wir als Gesamtheit geben in der Regel weniger aus, als wir einnehmen. Wir sparen also und bilden Geldvermögen.

Lukas: Das klingt doch gut. Und wie legen wir Deutschen unser Geld so an? Eher spekulativ in Aktien oder auf die sichere Art?

Emilia: Was glaubst du denn? Wir sind in Deutschland!

Lukas: Okay, okay. Ich tippe auf Bargeld unterm Kopfkissen und das gute alte Sparbuch.

Emilia: Du liegst gar nicht so falsch. Wenn man sich die Zahlen der Bundesbank zum Geldvermögen der privaten Haushalte ansieht, ist der größte Batzen in Versicherungen und Pensionseinrichtungen gebunden. Direkt danach kommen Bargeld und Bankeinlagen.

Lukas: Und Aktien?

Emilia: Aktien machen nur einen relativ kleinen Teil aus. Die deutsche Aktienkultur ist im internationalen Vergleich nicht sehr ausgeprägt. Sicherheit geht bei der Geldanlage hierzulande meistens vor.

Lukas: Das passt ins Bild. Die indirekte Finanzierung über Banken ist ja auch der dominante Weg. Das eine scheint das andere zu bedingen. Das ist ein super Überblick über das große Ganze.

Emilia: Absolut. Die Finanzierungsrechnung hilft uns, die grundlegenden Ströme und Abhängigkeiten zu verstehen. Wer finanziert wen und wie?

Lukas: Das wirft bei mir direkt die nächste Frage auf. Wir haben jetzt die Vogelperspektive eingenommen. Aber wie sieht das aus der Froschperspektive aus? Also für ein einzelnes Unternehmen? Wie finanzieren die sich ganz konkret? Ich meine, woher bekommen die ihr Geld, wenn sie nicht gerade Siemens oder VW sind?

Emilia: Das ist eine perfekte Überleitung. Denn die Strukturen der Unternehmensfinanzierung sind ein super spannendes Thema für sich. Und da gibt es einige Fakten, die viele überraschen dürften.

Lukas: ...und genau das ist der Punkt, der oft übersehen wird. Aber lass uns das mal auf Deutschland beziehen. Wie ist der Finanzsektor bei uns eigentlich aufgebaut?

Emilia: Sehr gute Frage! Im Grunde kannst du dir den deutschen Finanzsektor wie zwei riesige Säulen vorstellen. Auf der einen Seite haben wir die Kreditinstitute, kurz KI.

Lukas: Und auf der anderen Seite?

Emilia: Da stehen die Kapitalmärkte. Und die Größenordnungen sind... wirklich beeindruckend.

Lukas: Okay, jetzt bin ich gespannt. Hau die Zahlen raus!

Emilia: Halt dich fest. Das Geschäftsvolumen der Kreditinstitute liegt bei über zehneinhalb Billionen Euro!

Lukas: Wow! Zehntausend Milliarden... Das ist eine Zahl mit vielen Nullen.

Emilia: Das kannst du laut sagen. Die Kapitalmärkte sind mit rund sechseinhalb Billionen Euro auch nicht gerade klein.

Lukas: Wenn du Kreditinstitute sagst, meinst du damit einfach nur unsere normalen Banken?

Emilia: Nicht nur! Dazu gehören auch sogenannte Realkreditinstitute und Bausparkassen.

Lukas: Ah, Bausparkassen! Das ist ja fast so deutsch wie Gartenzwerge.

Emilia: Absolut! Die haben eine ganz spezielle Funktion. Aber im Kern geht's immer darum, Geld zu verleihen und anzunehmen.

Lukas: Verstehe. Das sind also die Hauptakteure.

Emilia: Genau. Das ist die grobe Aufteilung. Aber die Kapitalmärkte sind nochmal ein ganz eigenes, faszinierendes Universum, das wir uns als Nächstes ansehen sollten.

Lukas: Okay, das mit den Transaktionskosten macht Sinn. Aber es gibt da noch ein grösseres Problem, oder? Eines, das alles noch komplizierter macht.

Emilia: Absolut. Und das ist unser letztes grosses Thema für heute: Asymmetrische Information. Klingt sperrig, ist aber super wichtig.

Lukas: Asymmetrisch... heisst das, einer weiss mehr als der andere?

Emilia: Genau das! Denk an einen Verkäufer und einen Käufer. Der Verkäufer kennt sein Produkt viel besser. Diese Ungleichheit führt zu zwei Hauptproblemen.

Lukas: Und die wären?

Emilia: Zuerst haben wir die Adverse Selektion. Das passiert *vor* der Transaktion. Das klassische Beispiel ist der Gebrauchtwagenmarkt.

Lukas: Ah, das Lemons-Problem, richtig? Wo man nicht weiss, ob man ein gutes Auto oder eine Zitrone kauft.

Emilia: Exakt! Und weil du das Risiko nicht kennst, bietest du nur einen Durchschnittspreis. Daraufhin verschwinden die guten Autos vom Markt, weil sich der Verkauf nicht lohnt. Übrig bleiben nur die Zitronen!

Lukas: Und niemand kauft mehr was. Das ist ein echtes Problem für die Finanzmärkte.

Emilia: Und das zweite Problem ist Moral Hazard. Das tritt *nach* der Transaktion auf. Stell dir vor, du gibst jemandem einen Kredit.

Lukas: Okay, ich bin die Bank.

Emilia: Genau. Sobald der Kreditnehmer das Geld hat, könnte er versucht sein, super riskante Projekte zu starten. Er spielt ja mit deinem Geld!

Lukas: Das ist das Prinzipal-Agent-Problem, richtig? Der Manager einer Firma, der nicht im besten Interesse der Aktionäre handelt.

Emilia: Perfekt zusammengefasst. Das ist Moral Hazard bei Eigenkapital. Aber auch bei Krediten.

Lukas: Aber es gibt doch Lösungen, oder? Wir sind ja nicht hilflos.

Emilia: Zum Glück nicht. Staatliche Regulierung, also Informationspflichten, hilft. Und ganz wichtig: Finanzintermediäre! Banken sind Experten darin, Informationen zu sammeln und zu prüfen.

Lukas: Sie überbrücken also diese Wissenslücke. Ah, und Sicherheiten wie Eigenkapital spielen auch eine Rolle.

Emilia: Genau! Sie machen Anreize kompatibel. Der Kernpunkt ist: Finanzintermediäre sind entstanden, um Transaktionskosten zu senken und die Probleme asymmetrischer Information zu lösen.

Lukas: Ein perfektes Schlusswort. Damit sind wir am Ende unserer heutigen Folge. Emilia, vielen Dank, das war wieder super aufschlussreich.

Emilia: Sehr gerne, Lukas! Danke fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.

Lukas: Macht's gut, lernt fleissig und bis bald beim Studyfi Podcast!