Einführung in die Pragmalinguistik

Tauche ein in die Welt der Pragmalinguistik! Verstehe, wie Kontext, Inferenz und die Sprechakttheorie unsere Kommunikation prägen. Ideal für Studierende.

Die Pragmalinguistik, ein faszinierendes Feld der Sprachwissenschaft, befasst sich damit, wie Sprache in konkreten Situationen funktioniert und wie wir sie im Alltag gebrauchen. Sie entstand in den 1960er Jahren als Teil der sogenannten pragmatischen Wende und rückte den Sprachgebrauch sowie die Abhängigkeit sprachlicher Formen und Bedeutungen vom Kontext ins Zentrum der Betrachtung. Wenn du verstehen möchtest, wie unsere Kommunikation über das reine Wort hinausgeht, bist du hier genau richtig.

Was ist Pragmalinguistik? Eine Einführung

Die Pragmalinguistik untersucht, wie wir Sprache nicht nur als System von Regeln, sondern als Werkzeug für Handlungen und zum Übermitteln komplexer Bedeutungen nutzen. Sie geht über die reine Analyse von Grammatik und Wortbedeutungen hinaus und betrachtet, wie Kontext, Sprecherabsicht und Rezipientenwissen das Verständnis beeinflussen. Es reicht nicht aus, nur die einzelnen Wörter und grammatischen Beziehungen einer Äußerung zu kennen, um sie vollständig zu verstehen.

Grundlegende Konzepte der Pragmalinguistik

Um eine Äußerung in der realen Kommunikation richtig zu verstehen, muss der Rezipient oft Informationen ergänzen, die nicht explizit geäußert werden. Dieser Prozess der Ergänzung von Informationen wird Inferenz genannt.

Betrachten wir das Beispiel „Einen großen Schwarzen, bitte!“ in einem Wiener Café. Hier fließen folgende Informationsarten zusammen:

  • Sprachlich kodierte Information: Dies sind die grammatischen und lexikalischen Informationen, die durch die verwendeten sprachlichen Mittel direkt übermittelt werden.
  • Kontextuell inferierte Information: Dies sind Informationen, die der Rezipient aufgrund seiner Erfahrung und des Kontextes ergänzt, um die Mitteilung vollständig zu verstehen. Im Beispiel wird inferiert, dass ein großer schwarzer Kaffee gemeint ist und dieser bestellt werden soll.

Diese Inferenz basiert auf Präsuppositionen – Sinnvoraussetzungen oder allgemeinem Wissen, das in einer Sprachgemeinschaft nicht explizit erklärt werden muss. Dank der Inferenz können wir unsere Mitteilungen sprachökonomisch gestalten, indem wir nur das Notwendigste ausformulieren und den Rest implizieren.

Sprachliches Handeln: Die Sprechakttheorie

Eine der bekanntesten pragmatischen Theorien ist die Sprechakttheorie, die von John Austin und John Searle in den 1960er Jahren begründet wurde. Ihre zentrale These ist, dass wir mit jeder sprachlichen Äußerung zugleich aktiv handeln. Aussagen sind demnach Handlungen.

Die sprachliche Handlung ist immer eng mit der kommunikativen Intention (= Absicht) des Sprechers verbunden. Wir handeln sprachlich, indem wir beispielsweise:

  • versprechen
  • drohen
  • behaupten
  • bitten
  • auffordern
  • beraten

Performative Äußerungen

Austin und Searle zeigten zunächst anhand von performativen Äußerungen, wie man mit Sprache handelt. Performativ sind bestimmte Äußerungen, mit denen man zugleich die genannte Handlung vollzieht, vorausgesetzt, bestimmte Begleitumstände sind erfüllt. Beispiele hierfür sind:

  • „Ich verspreche dir, morgen zu kommen.“ (Durch das Aussprechen dieser Äußerung leiste ich ein Versprechen.)
  • „Ich warne dich vor dem Hund.“ (Mit dieser Äußerung warne ich jemanden.)
  • „Ich entschuldige mich.“ (Durch das Aussprechen entfalte ich den Akt der Entschuldigung.)
  • „Ich kündige hiermit.“ (Die Kündigung wird wirksam, wenn die formalen Bedingungen erfüllt sind – die Handlung geschieht durch die Äußerung und führt zum Verlust der Arbeitsstelle, falls z.B. schriftliche Einreichung und Unterschrift vorliegen).

Konstative Äußerungen

Im Gegensatz zu performativen Äußerungen gibt es konstative Äußerungen. Dies sind sprachliche Äußerungen, mit denen wir einen Sachverhalt beschreiben oder feststellen. Sie dienen dazu, etwas zu konstatieren, also einen Zustand oder eine Tatsache mitzuteilen. Eine konstative Äußerung führt keine direkte Handlung aus, sondern stellt lediglich eine Tatsache fest. Beispiele dafür sind:

  • „Das Wetter ist herrlich.“
  • „Berlin ist die Hauptstadt von Deutschland.“
  • „Das Wasser kocht bei hundert Grad.“
  • „Die Sonne scheint.“

Später erweiterten Austin und Searle ihre Theorie und postulierten, dass wir mit allen Äußerungen immer zugleich handeln, wodurch die Unterscheidung zwischen performativen und konstativen Äußerungen verschwimmt und die Sprechakttheorie universeller wird.

FAQ – Häufig gestellte Fragen zur Pragmalinguistik

Was ist der Hauptunterschied zwischen Sprachsystem und Sprachgebrauch in der Pragmalinguistik?

Der Hauptunterschied liegt darin, dass das Sprachsystem die Regeln und Strukturen der Sprache (z.B. Grammatik, Phonetik) betrachtet, während die Pragmalinguistik den Sprachgebrauch analysiert. Sie fokussiert darauf, wie Sprache in konkreten Situationen eingesetzt wird und wie Kontext die Bedeutung beeinflusst.

Welche Rolle spielen Präsuppositionen beim Verstehen einer Äußerung?

Präsuppositionen sind grundlegende Annahmen oder bekanntes Wissen innerhalb einer Sprachgemeinschaft, die nicht explizit erklärt werden müssen. Sie ermöglichen es dem Rezipienten, fehlende Informationen zu inferieren und somit eine Äußerung vollständig und sprachökonomisch zu verstehen, wie im Beispiel des Kaffeebestellung in Wien.

Wie hat die Sprechakttheorie unser Verständnis von Sprache verändert?

Die Sprechakttheorie von Austin und Searle hat unser Verständnis von Sprache grundlegend verändert, indem sie aufzeigte, dass sprachliche Äußerungen nicht nur Informationen übermitteln, sondern selbst Handlungen sind. Diese Erkenntnis hat das Feld der Pragmalinguistik maßgeblich geprägt und die Analyse von sprachlicher Kommunikation bereichert.

Was sind performative Äußerungen und nenne ein Beispiel?

Performative Äußerungen sind Sätze, bei denen die Handlung gleichzeitig mit dem Sprechen des Satzes vollzogen wird, vorausgesetzt, die notwendigen Bedingungen sind erfüllt. Ein klassisches Beispiel ist „Ich verspreche dir, morgen zu kommen.“ – allein durch das Aussprechen wird das Versprechen geleistet.

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